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Audio und Video mit Format

05.08.2013 | 12:03 Uhr |

Egal, welche Art von Datei Sie Linux vorwerfen: Mit dem richtigen Player spielt ein Linux-System alles ab. VLC und Mplayer sind beispielsweise zwei Programme mit einer nahezu universellen Unterstützung aller bekannten Formate.

Linux spielt alles, doch anders sieht es aus, wenn eine Audio- oder Videodatei in einem ganz bestimmten Format vorliegen soll: Tablets, Smartphones oder DVD-Player mit USB-Anschluss sind oft wählerisch. Während es an universellen und einfach zu bedienenden Playern für Linux keinen Mangel gibt, ist die Situation bei Konvertern nicht ganz so rosig. Es dominieren Kommandozeilen-Tools wie Ffmpeg, die mit ihren ausufernden Parametern Einarbeitungszeit fordern und für gute Ergebnisse einige Experimente voraussetzen. Wer nur eben mal eine Datei von A nach B konvertieren will, gibt hier oft unverrichteter Dinge wieder auf. Mit den richtigen Tools wird es aber auch unter Linux deutlich einfacher. Die folgenden Konverter und Front-Ends für Kommandozeilen-Tools bringen Audio- und Videodateien ohne Exkurse auf die Befehlszeile in die gewünschte Form. Menügesteuerte, meist intuitive Bedienung und nützliche Voreinstellungen reduzieren die Einarbeitungszeit auf ein Minimum.

Avidemux 2.6.3 für Videos
Mit dem Programm Avidemux schneiden Sie Videodateien, recodieren in andere Formate oder verpacken Video- und Audiospuren ohne Qualitätsverlust einfach in andere Datei-Container. Dabei ist egal, in welchem Codec-Format das Ausgangsmaterial vorliegt – Avidemux kommt mit allen Formaten klar und spart Anwendern die oft mühsame Installation zusätzlicher Codecs. Eine Besonderheit ist, dass Avidemux sein Handwerkszeug selbst mitbringt, etwa die Libavcodec-Bibliothek von Ffmpeg.

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Mehr als konvertieren: Avidemux trennt als Demuxer die Tonspur vom Video, kann beide Spuren in andere Formate recodieren und Videos linear schneiden und zusammenfügen.
Vergrößern Mehr als konvertieren: Avidemux trennt als Demuxer die Tonspur vom Video, kann beide Spuren in andere Formate recodieren und Videos linear schneiden und zusammenfügen.

Die Oberfläche geizt nicht mit Funktionen, was aber dank klar strukturiertem Aufbau keine große Hürde ist. Jedes Projekt beginnt mit dem Öffnen einer Videodatei und der Auswahl des gewünschten Ziel-Container-Formats im unteren Feld „Format“. Für Video- und Tonspur stehen zahlreiche Formate und Filter zur Verfügung oder einfach die Kopie ohne Änderung des Formats. Die Konfiguration des Video-Encoders erlaubt die Ausrichtung auf eine Bitrate (Single pass) oder auch auf eine gewünschte Dateigröße (Two pass) hin.

Stärken: Avidemux ist kein einfacher Konverter, sondern ein lineares Schnittprogramm, dass sich auch dazu eignet, Werbeeinblendungen aus Videos zu entfernen, Start und Ende anzupassen sowie mehrere Clips zu verbinden. Zahlreiche Filter erlauben die Nachbearbeitung von Bild und Ton, etwa um Sättigung und Lautstärke zu optimieren und um Untertitel fest in die Videospur zu rechnen. Eine Job-Verwaltung erledigt die Abarbeitung mehrerer langwieriger Berechnungen am Stück und mit mehreren Threads.

Schwächen: Das Programm ist für die Konvertierung von Audiodateien nicht geeignet. Versionen vor Avidemux 2.6 verlieren bei H.264-Streams die Genauigkeit der Audiospur und arbeiten besser mit älteren Ausgangsformaten wie Mpeg.

Verfügbarkeit und Installation: Da an Avidemux seit acht Jahren entwickelt wird, ist das Programm inzwischen so ausgereift, dass es für alle verbreiteten Linux-Distributionen einfach zu installierende Pakete gibt. Bei Ubuntu und Co. liegt Avidemux im üblichen Multiverse-Repository. Für Fedora liefert das gut sortierte, inoffizielle Repository Rpmfusion alle Pakete und Anwender von Open Suse werden über Packman fündig. Die inoffiziellen Paketquellen von deb-multimedia bringen Avidemux auf Debian-Systeme.

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Ffmpeg verliert seinen Schrecken: FF Multi Converter ist ein grafisches Front-End für das Kommandozeilen-Tool Ffmpeg. Wichtig sind aber zusätzlich installierte Codecs.
Vergrößern Ffmpeg verliert seinen Schrecken: FF Multi Converter ist ein grafisches Front-End für das Kommandozeilen-Tool Ffmpeg. Wichtig sind aber zusätzlich installierte Codecs.

FF Multi Converter 1.5
Um Audio- und Videodateien kümmert sich der FF Multi Converter , der die Umwandlung mit dem Multitalent Ffmpeg mit einer grafischen Benutzeroberfläche vereinfacht. Da es sich lediglich um ein Front-End für das Ffmpeg handelt, müssen alle Codecs und der Encoder bereits installiert sein. Das Programm kommt dafür mit allen gängigen und auch wenig verbreiteten Audioformaten klar, von AAC über WEBM bis WMA. Serienkonvertierungen sind kein Problem, und der Konverter übernimmt dabei auch vorhandene Tags in die neue Dateien.

Stärken: Mit dem FF Multi Converter verliert Ffmpeg seinen Schrecken, da sich die wichtigsten Optionen wie Format, Bitrate, Frequenz über Menüs zusammenklicken lassen. Das Programm hat den Anspruch, ein umfassender Konverter zu sein, und bietet die umfangreichste Unterstützung für Audiodateien aller Art sowie für einige Videoformate wie WMV, OGV, FLV, MOV.

Schwächen: Damit das Programm alle unterstützten Dateiformate klaglos akzeptiert, müssen die geeigneten Codecs und Encoder installiert sein. Es gibt eine Reihe von Voreinstellungen für Zielformate, die aber nicht ausführlich erklärt sind. Die manuelle Auswahl von Frequenz und Bitrate liefert deshalb zuverlässigere Ergebnisse.

Verfügbarkeit und Installation: Fertige Pakete gibt es aktuell nur für Ubuntu, und die Installation gelingt über ein PPA. Mit folgenden Befehl im Terminal
sudo add-apt-repository ppa:ffmulticonverter/stable
sudo apt-get update
fügen Sie die Paketquelle hinzu. Anschließend richtet der Befehl
sudo apt-get install ffmpeg libav
codec-extra-53 ffmulticonverter
alle benötigten Pakete ein, und danach ist das Programm einsatzbereit.

Schnell und einfach von einem Format ins andere: Der Soundconverter hat die einfachste Oberfläche und nutzt im Hintergrund die Codecs vom Gnome-Multimedia-Framework Gstreamer.
Vergrößern Schnell und einfach von einem Format ins andere: Der Soundconverter hat die einfachste Oberfläche und nutzt im Hintergrund die Codecs vom Gnome-Multimedia-Framework Gstreamer.

Unkomplizierter Soundconverter 2.1.0 für Gnome und Unity
Wer auf ausufernde Detaileinstellungen verzichten kann und möglichst unkompliziert Audiodateien konvertieren will, bekommt mit dem Soundconverter leichtere Kost serviert. Das Programm für Gnome und Unity präsentiert eine freundliche, aufgeräumte Oberfläche und arbeitet im Hintergrund mit dem Gstreamer-Framework, das alle Codecs und Encoder bereitstellt. Dateien oder ganze Verzeichnisse sind mit wenigen Klicks ausgewählt, und in den „Einstellungen“ erfolgt dann die Angabe des gewünschten Zielformats.

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Stärken: Dank Gstreamer arbeitet Soundconverter mit mehreren Threads, was die Konvertierung auf Mehrkernprozessoren ordentlich beschleunigt. Die Oberfläche könnte einfacher nicht sein, die Einarbeitungszeit ist minimal.

Schwächen: Die Fähigkeiten des Programms sind von installierten Codecs abhängig, und diese erfordern eine manuelle Installation. Beim Start beschwert sich der Soundconverter aber nicht über eventuell fehlende Bibliotheken, und es empfiehlt sich deshalb, das Programm mittels soundconverter zunächst in einem Terminal-Fenster auszuführen und dort die Startmeldungen zu lesen. Unter KDE ist Soundconverter aufgrund der vielen benötigten Gnome-Bibliotheken wenig geeignet.

Verfügbarkeit und Installation: Besonders einfach fällt die Installation in Ubuntu aus, denn alle benötigten Pakete liegen in den allgemeinen Repositories und in Multiverse. Mit dem Kommando
sudo apt-get install gstreamer0.10-ffmpeg gstreamer0.10-plugins-bad gstreamer0.10-plugins-bad- multiverse gstreamer0.10- plugins-ugly soundconverter
ist eine umfassende Unterstützung aller Formate installiert. Ein fertiges Paket gibt es auch für Fedora, hier aber mit den inoffiziellen Gstreamer-Paketen aus Rpmfusion.

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Videos speziell für iPod, iPhone und Android: Handbrake bietet eine Auswahl passender Formate für Tablets und Smartphones, um Videos mit wenig Aufwand passend zu machen.
Vergrößern Videos speziell für iPod, iPhone und Android: Handbrake bietet eine Auswahl passender Formate für Tablets und Smartphones, um Videos mit wenig Aufwand passend zu machen.

Handbrake 0.9.8 für mobile Zielgeräte
Auf die Konvertierung von Videos für Tablets und Smartphones hat sich Handbrake spezialisiert. Das Programm ist einfach und komfortabel in der Bedienung und produziert passende Videoformate für eine Reihe von mobilen Geräten. Nach dem Start von Handbrake wählen Sie im Menü unter „Source“ die zu konvertierende Videodatei aus und rechts in der Liste das gewünschte Format. Ein Klick auf „Start“ beginnt mit der Konvertierung. Falls Sie gleich mehrere Videodateien nacheinander berechnen lassen möchten, dann klicken Sie stattdessen auf „Add To Queue“. Eine Jobverwaltung beherrscht die Stapelkonvertierung mehrerer Dateien hintereinander.

Stärken: Handbrake eignet vor allem für das Umwandeln von Videos in das Format H.264, das von Tablets und Smartphones unterstützt wird. Für verbreitete Geräte gibt es fertige Voreinstellungen zur Auswahl, was die Umwandlung von Videos besonders ohne Kenntnis aller Details einfach macht. Auf Mehrkern-CPUs arbeitet Handbrake mit Multithreading.

Schwächen: Da bei Handbrake Mobilgeräte im Vordergrund stehen, gibt es nur vier Encoder – H.264, MPEG-4, MPEG-2, VP3. Der Entwickler stellt aktuelle Pakete nur für Ubuntu zur Verfügung.

Verfügbarkeit und Installation: Ab Ubuntu 12.10 ist Handbrake im Multiverse-Repository vorhanden, und die Installation ist über das Ubuntu Software Center schnell und einfach erledigt. Auch Anwender von Open Suse müssen nicht darben und brauchen nichts selbst zu kompilieren: Ein fertiges Paket für Open Suse 11.2 bis 11.4 gibt es im Packman-Repository. Für Fedora liefert die Paketsuche von rpmfind.net brauchbare Ergebnisse, und die dort gefundenen RPMs für Fedora 17 funktionieren auch mit der aktuellen Version.

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