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Linux Mint 17.1 - Der Dauerläufer im Update-Check

18.03.2015 | 13:01 Uhr |

Der Ubuntu-Abkömmling legt mit Version 17.1 ein überschaubares Update nach, das dem Entwicklungszyklus von Ubuntu 14.04.1 folgt und endlich eine bequeme Aktualisierung (Upgrade) bietet.

Obwohl es wie in Ubuntu 14.04.1 Neues nur im Detail zu bewundern gibt, löst Linux Mint damit doch sein bisher größtes Problem: Eine Distributionsaktualisierung lässt sich jetzt bequem von einem laufenden Linux Mint 17 heraus ausführen. Zur Version 17 verabschiedete sich das Mint-Team davon, jeder Ubuntu-Ausgabe mit einem neuen Linux Mint zu folgen, und machte stattdessen die LTS-Version von Ubuntu zu seiner dauerhaften Grundlage, da die noch bis ins Jahr 2019 Updates bekommt. Diese neue Strategie trägt jetzt Früchte, die dem einsteigerfreundlichen Linux Mint gut bekommen: Die stabile Ubuntu-Basis nimmt die Hektik aus der Entwicklung von Linux Mint und gibt mehr Zeit, sich auf die eigene Projekte wie den Cinnamon-Desktop zu konzentrieren.

Mint 17.1 mit neuer Aktualisierungsfunktion

Wer die Vorgängerversion bereits auf dem PC laufen hat, braucht die Installationsmedien von Linux Mint 17.1 nicht. Der Wechsel auf eine neue Mint- Version folgt nicht mehr dem Motto „planieren und neu installieren“. Der bequeme Weg von Version 17 auf 17.1 führt nun über die Aktualisierungsverwaltung (mintupdate), die aber erst ihrerseits erneuert werden muss. Nach dem Update auf das aktualisierte mintupdate zeigt sich in der Aktualisierungsverwaltung der Punkt „Upgrade to Linux Mint 17.1 Rebecca“.

Nach dessen Aufruf und der Anzeige obligatorischer Warnhinweise installiert die Distribution die neuen Pakete aus den Ubuntu-Quellen und tauscht zudem ihr eigenes Repository aus, in dem die Eigenentwicklungen und der Cinnamon-Desktop in neueren Versionen liegen. Dieser Weg unterscheidet sich immer noch von Ubuntu: So ist es hier nicht möglich, ein System über eine Installations-DVD zu aktualisieren. Zwar ist das Installationsprogramm von Ubuntu übernommen und erkennt auch ein bereits installiertes, älteres Linux Mint, bietet aber keine Aktualisierungsoption an. Anwender von Linux Mint 17 müssen daher mit dem Aktualisierungsmanager arbeiten und die nötigen Pakete über eine Internet-Verbindung laden.

Linux Mint nach Ihrem Geschmack anpassen

Online-Upgrade zur neuen Mint-Version: Die Neuinstallation ist bei den Punkt-Releases nicht mehr nötig. Aus Linux Mint 17 wird 17.1. Das Live-System des Installationsmediums bietet aber keine Aktualisierung.
Vergrößern Online-Upgrade zur neuen Mint-Version: Die Neuinstallation ist bei den Punkt-Releases nicht mehr nötig. Aus Linux Mint 17 wird 17.1. Das Live-System des Installationsmediums bietet aber keine Aktualisierung.

Neues auf dem Desktop

Das Aushängeschild der Distribution ist die Desktop-Umgebung Cinnamon, ein Fork der Gnome-Shell, die mit aktuellen Techniken wie Open GL eine traditionelle Arbeitsumgebung mit Taskleiste und Anwendungsmenü nachbaut. Linux Mint 17.1 liefert Cinnamon in Version 2.4.5 aus oder aktualisiert darauf. Das neue Cinnamon hat überarbeitete Einstellungsdialoge, verbesserte Touchpad-Unterstützung und schließt einige Speicher-Lecks. Auffällig ist, dass Cinnamon im direkten Vergleich mit Gnome 3 inzwischen deutlich langsamer reagiert, längere Ladezeiten hat und eine höhere Prozessorauslastung erzeugt. Da Cinnamon mit seinen Open-GL-Grafikeffekten erst mit Hardware-Beschleunigung ansprechend schnell ist, kommt es für alte PCs nicht in Frage. Auf halbwegs aktueller Hardware der letzten zwei Jahre fallen die höheren Ansprüche von Cinnamon nicht weiter auf.

Für schwächere PCs sind zwei andere Mint-Varianten besser geeignet. Nicht das ebenfalls schwergewichtige Linux Mint 17.1 KDE mit der KDE Software Collection 4.14.2, sondern die Varianten mit Mate 1.8.1 und mit XFCE 4.10.1. Alle Varianten enthalten die typischen Mint-Anwendungen wie mintupdate, mintbackup, mintdrivers und mintsources und erhalten Langzeit-Support in Form von Aktualisierungen und Sicherheits-Patches bis ins Jahr 2019.

Besser als das Ubuntu Software Center: Die Anwendungsverwaltung von Linux Mint ist schneller und zeigt als „Empfehlungen“ nur wirklich relevante Programme.
Vergrößern Besser als das Ubuntu Software Center: Die Anwendungsverwaltung von Linux Mint ist schneller und zeigt als „Empfehlungen“ nur wirklich relevante Programme.

Überarbeitete Mint-Tools

Viel hat sich in der Aktualisierungsverwaltung getan, die nun ein eigenes Untermenü unter „Anzeigen > Linux- Kernel“ für die Installation von Kernel-Versionen aus den Quellen von Ubuntu 14.04 LTS bereitstellt. Hier kann der Kernel 3.16.X von Ubuntu installiert werden, während Linux Mint 17.1 standardmäßig noch mit Kernel 3.13 arbeitet.

Weiterhin klassifiziert Linux Mint die verfügbaren Paket-Updates in Stufen von eins bis fünf. Standardmäßig sehen Sie hier zunächst nur Updates der Stufen 1, 2 und 3. Viele andere wichtigen Pakete, etwa Treiber- und Kernel-Updates aus dem Ubuntu-Repository, bekommen Stufe 4 oder 5 zugewiesen und sind damit als risikoreicher eingestuft. Diese Kategorisierung täuscht nur Kompetenz vor, ist aber tatsächlich willkürlich gewählt.

In Ubuntu 14.04.1 LTS, dessen Quellen Linux Mint nutzt, werden sowieso keine instabilen Pakete aufgenommen, dafür gibt es schließlich PPAs. Eine Einteilung seitens des Mint- Teams ist deshalb überflüssig und fragwürdig. Die Mint-Entwickler bekamen dazu bereits reichlich Kritik der Ubuntu- Entwickler zu hören, halten aber trotzig an der Paket-Kategorisierung fest. Ein großes Problem ist dies aber nicht, da die Aktualisierungsverwaltung über ihre Einstellungen schnell so konfiguriert ist, dass alle aktuellen Pakete angezeigt werden.

Kernel von Ubuntu 14.04.1: Der Aktualisierungsmanager schlüsselt Updates auch nach Kernel- Versionen auf, die ein gezieltes Update von Kernel 3.13.x auf 3.16.x erlauben.
Vergrößern Kernel von Ubuntu 14.04.1: Der Aktualisierungsmanager schlüsselt Updates auch nach Kernel- Versionen auf, die ein gezieltes Update von Kernel 3.13.x auf 3.16.x erlauben.

Fazit: Mint will länger frisch bleiben

Die Mint-Entwickler haben das halbe Jahr seit Veröffentlichung der Version 17 gut genutzt und die richtigen Prioritäten gesetzt. Cinnamon ist erneuert, die Distributionsaktualisierung hält Einzug, ferner auch eine Verwaltung von verfügbaren Kernel-Versionen.

Die angedachten Backports, also die Portierung von neueren Programmpaketen von Ubuntu 14.10 zurück auf Linux Mint 17.1, gibt es dagegen nicht. Da Backports mit erheblichen Aufwand und langwierigen Tests verbunden sind, ist es fraglich, ob die Mint- Entwickler diese mühsame Aufgabe wirklich angehen wollen.

Das kommende Linux Mint 17.2 soll auf Ubuntu 14.04.2 basieren, und bis dahin werden die enthaltenen Software-Versionen wie Libre Office 4.2.x schon abgestanden sein. Einer einsteigerfreundlichen Distribution gerät das nicht zum Nachteil. Anwender, die neueste Software-Versionen brauchen, werden von Mint nicht mehr verwöhnt.

Website: www.linuxmint.com
Dokumentation: www.linuxmint.com/documentation.php

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