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Linux Mint 17.2 - Das große Distributions-Update im Check

09.11.2015 | 14:00 Uhr |

Der Ubuntu-Abkömmling legt mit Version 17.2 ein beachtliches Update hin: Mint 17.2 zeigt zahlreiche sichtbare Verbesserungen an der Oberfläche, bietet aktuelle Software und diverse Optimierungen unter Haube.

Das aktuell beliebteste Desktop-Linux macht sich mit der Zwischenversion 17.2 („Rafaela“) wieder ein Stück unabhängiger von seiner Basis Ubuntu 14.04 LTS. Es bleibt aber wie seine Basis ein System mit Langzeit-Support bis April 2019. Im Laufe des August sind nach der Hauptausgabe mit Cinnamon alle offiziellen Mint-Editionen (Cinnamon, Mate, KDE und XFCE) in Version 17.2 erschienen und sind über http://linuxmint.com/ kostenlos verfügbar. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Hauptversion mit dem vom Mint-Team selbst entwickelten Desktop Cinnamon 2.6, wo sich am meisten getan hat.

Die Upgrade-Option

Bereits mit der letzten Zwischenversion 17.1 erhielt das Mint-eigene Werkzeug mintupdate („Aktualisierungsverwaltung“) die lange vermisste Option zum Versions-Upgrade. Diese Möglichkeit hat das Mint-Team trotz einer nach wie vor unverkennbaren Skepsis auch in der aktuellen Ausgabe 17.2 beibehalten. Wer Version 17 oder 17.1 nutzt, kann auf 17.2 upgraden. Wie das funktioniert und wo die Skepsis der Mint-Macher immer noch zu erkennen ist, lesen Sie unten.

Mint 17.2 bringt bei Neuinstallation Kernel 3.16 mit.
Vergrößern Mint 17.2 bringt bei Neuinstallation Kernel 3.16 mit.

Kernel, Treiber und Hardware

Durch einen jüngeren Kernel erhält Mint 17.2 auch neuere Treiber. Bei einer Neuinstallation liegt die Kernel-Version 3.16 vor, beim Upgrade bleibt Mint auf Version 3.13. Tatsächlich verfügbar ist in den Paketquellen aber bereits Version 3.19. Über „Aktualisierungsverwaltung -> Anzeige –> Linux-Kernel“ lässt sich Kernel 3.19 nachinstallieren. Darüber hinaus gibt es neuere Druckertreiber für HP-Modelle, da Mint ein aktuelleres HPLIP-Paket mitbringt (Hewlett Packard Linux Imaging and Printing). Gleiches gilt auch für jüngere Nvidia-Grafikkarten. Bei diesen Treibern ist Mint jetzt auf neuerem Stand als Ubuntu 14.04.

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Insbesondere Notebook-Besitzer mit Nvidia Optimus kennen das Problem mit Hybridgrafik. Hier bringt Mint zwar nicht Windows-Verhältnisse, aber doch Fortschritte: Das Umschalten zwischen dem stromsparenden Intel-Chip und der leistungsstarken Nvidia-Grafik erfordert jetzt keinen Neustart mehr, sondern nur noch eine Neuanmeldung. Im verbesserten Anmeldemanager MDM kann man dann auswählen, ob der Grafikchip der CPU oder der Nvidia-Chip arbeiten soll. Die aktuell aktive Grafik-Hardware wird in der Hauptleiste angezeigt. Das neue Mint ist technisch uneingeschränkt für die Uefi-Installation gerüstet. Dem Uefi-Bootloader fehlt allerdings nach wie vor eine Secure-Boot-Signatur von Microsoft.

Der Dateimanager Nemo arbeitet Dateijobs nicht mehr parallel ab.
Vergrößern Der Dateimanager Nemo arbeitet Dateijobs nicht mehr parallel ab.

Verbesserter Dateimanager Nemo

Der Dateimanager Nemo wurde unter der Haube optimiert: Sein Speicherbedarf ist geringer als bei den Vorgängern und sein Reaktionsverhalten beschleunigt. Nemo (wie auch Caja in der Mate-Variante) erhält ferner einen Plug-in-Manager, den Sie über „Bearbeiten -> Module“ erreichen. Das ist praktisch, um bestimmte Nemo-Kontextmenüs abzuschalten oder wieder zu aktivieren. Auch die mit dem Tool nemo-actions selbst erstellten Menüs erscheinen an dieser Stelle. Der Service beschränkt sich allerdings auf das Ein-und Ausschalten solcher Plug-in-Kontextmenüs – den Zugriff auf die eigentlichen Plug-ins und Scripts muss man weiterhin auf Dateiebene leisten.

Eine überaus sinnvolle Kleinigkeit ist das neue Nemo-Verhalten bei mehreren Dateiaktionen: Nemo verarbeitet die erste angeforderte Kopier- oder Löschaktion und pausiert spätere Aufträge. Sie können im Dialog jederzeit auf Wunsch eine zweite oder dritte Aktion manuell vorziehen – dann pausiert die erste. Das ist deshalb vorbildlich, weil mehrere gleichzeitige Dateivorgänge insbesondere auf demselben Laufwerk sich ausbremsen und den Datenträger unnötig beanspruchen.

Verbessertes Systemwerkzeug mintsources: Externe PPAs erscheinen in den Paketquellen.
Vergrößern Verbessertes Systemwerkzeug mintsources: Externe PPAs erscheinen in den Paketquellen.

Feintuning der Mint Paketverwaltung

Wo die offiziellen Paketquellen eine Software generell oder in der gewünschten Version vermissen lassen, können bekanntlich die PPAs der Software-Entwickler aushelfen (Personal Package Archives). Das Mint Verwaltungs-Applet „Anwendungspaketquellen“ hat nun seine eigene Rubrik für solche PPAs, das die bereits eingetragenen anzeigen und neue hinzufügen kann. Dies erspart den Gang auf die Kommandozeile mit „add-apt-repository“. Installierte Pakete aus PPA-Quellen, die nicht funktionieren, lassen sich an genannter Stelle wieder entsorgen, indem man das PPA entfernt, die Paketliste erneuert und über den Button „Wartung“ die Option „Fremde Pakete entfernen“ auslöst.

Auch auf der Kommandozeile gibt es eine Ergänzung zur Paketverwaltung: Das Kommandoapt recommends [paket] listet alle empfohlenen und bislang fehlenden Pakete für die angegebene Software auf – etwa:

apt recommends libreoffice

Da nach den einzelnen Paketen anschließend auch die komplette Befehlszeile für sämtliche Paketinstallationen ausgegeben wird, ist es ein Leichtes, die Zeile zu kopieren und als Terminal-Befehl abzuschicken. Es muss lediglich noch ein „sudo“ vorangestellt werden.

Dieser Apt-Befehl zeigt alle empfohlenen, aber noch fehlenden Pakete für eine Software und liefert die komplette Befehlszeile mit.
Vergrößern Dieser Apt-Befehl zeigt alle empfohlenen, aber noch fehlenden Pakete für eine Software und liefert die komplette Befehlszeile mit.

Systemeinstellungen und Leisten

Die Systemeinstellungen sind zwar auf den ersten Blick vertraut, bieten aber im Detail diverse neue Optionen. Das gilt etwa für die „Effekte“, für die „Energieverwaltung“ oder für die Auswahl unter „Anmeldefenster“. Die sehr übersichtlichen „Themen“ erlauben die sofortige Vorschau auf dem kompletten Desktop. Das Einstellungs-Applet „Bildschirmschoner“ bietet jetzt zahlreiche animierte Screensaver.

Das neue Applet „Inhibit“ ist nicht standardmäßig vertreten, aber über „Systemeinstellungen -> Applets -> Im Netz verfügbare Applets“ nachzuinstallieren. Es verhindert nach Klick auf das Panel-Icon alle Benachrichtigungen und Stromsparfunktionen, um etwa längere Downloads, Präsentationen oder Musikwiedergabe nicht zu unterbrechen. Die Multimonitor-Unterstützung wurde in mehrfacher Hinsicht ausgebaut: Die Taskliste in der Hauptleiste zeigt nur noch die Tasks im aktuellen Monitor an – sofern der zweite Monitor ebenfalls eine Leiste mit Fensterliste besitzt. Das Verschieben von Fenstern zum jeweils anderen Monitor ist durch einfache Tastenkombination (Windows-Umschalt-Cursor-rechts/links) vereinfacht.

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Vor allem aber können Nutzer von zwei Monitoren ihre Systemleisten nun beliebig auf den Monitoren verteilen und je individuell einrichten. Nach wie vor ein Manko ist die Tatsache, dass Mint die Leisten nur oben und unten erlaubt: Auf den heute üblichen, breiten 16:9-Monitoren wäre der linke oder rechte Rand der bevorzugte Ort.

Das Upgrade auf 17.2 erfolgt das Mint-Tool mintupdate („Aktualisierungsverwaltung“).
Vergrößern Das Upgrade auf 17.2 erfolgt das Mint-Tool mintupdate („Aktualisierungsverwaltung“).

Software und Cinnamon-Desktop

Die in Mint 17.2 integrierte Software ist relativ aktuell. Das gilt für Libre Office ebenso wie für Firefox und die Bildbearbeitung Gimp . Der Mediaplayer VLC liegt ebenfalls in einer aktuellen Version bei. Lediglich einige Gnome-Pakete sind relativ abgehangen, so etwa der Musikplayer Banshee mit Version 2.6.2.

Der Desktop Cinnamon ist subjektiv reaktionsschneller geworden: Laut Mint-Chef Levebvre wurde die CPU-Last aller Cinnamon-Komponenten analysiert und der Code optimiert. In unserem Fall hat das Upgrade von Version 17 auf 17.2 – Zufall oder nicht? – unerklärliche Wartezeiten bei der Abfrage des Admin-Kennworts im Legitimierungsdialog vollständig beseitigt. Bei allen Verbesserungen bleibt Cinnamon aber eine Oberfläche für eher aktuelle Hardware: Für ältere Rechner sind Varianten mit Mate und mit XFCE die bessere Wahl. Gegen einen hängenden Cinnamon-Desktop bietet Mint 17.2 einen neuen System-Hotkey. Die altbekannte Tastenkombination Strg-Alt-Rücktaste beendet die komplette Sitzung und damit alle laufenden Anwendungen mit eventuell nicht gespeicherten Daten. Der neue Hotkey Strg-Alt-Esc schickt nur Kill-Kommandos an den Dateimanager Nemo und den Cinnamon-Desktop und startet beide neu. Laufende Programme überleben.

Das Upgrade von 17 oder 17.1

Wer die Vorgängerversion 17 oder 17.1 laufen hat, braucht kein Installationsmedium mit Linux Mint 17.2. Mint bietet ein Upgrade, aber nicht –wie Ubuntu – über eine Installations-DVD. Der Weg führt über das Tool mintupdate („Aktualisierungsverwaltung“), das alle Mint-Varianten (nicht nur Cinnamon) an Bord haben. Starten Sie daher über das Hauptmenü die „Aktualisierungsverwaltung“. Da das Tool eventuell noch in älterer Version vorliegt, gehen Sie zunächst auf „Auffrischen“. Wenn dann im Hauptfenster eine neuere Version der „Aktualisierungsverwaltung“ – nämlich mintupdate in Version 4.9.2 – angeboten wird, installieren Sie diese mit der Schaltfläche „Aktualisierungen installieren“.

Danach bietet das System-Tool im Menü „Bearbeiten“ die zusätzliche Option „Upgrade to Linux Mint 17.2 Rafaela“. Bevor man das tut, ist es ratsam, das System erst auf den neuesten Stand zu bringen und mindestens alle Level-1-Upgrades zu installieren. Noch einfacher und unter Umgehung der Mint-Kategorisierung von Update-Levels erledigen Sie dies im Terminal:

sudo apt-get update sudo apt-get dist-upgrade 

Mit „Upgrade to Linux Mint 17.2 Rafaela“ lösen Sie das Upgrade aus. Das Mint-Team schaltet jetzt noch ein Reihe von Schritten dazwischen: Sie werden unter anderem über den Umfang der Neuerungen informiert. Am Ende steht noch eine obligatorische Warnung vor der Tragweite der Aktion. Nach dem gar nicht so zeitaufwendigen Durchlauf werden Sie zum Neustart aufgefordert. Nach unserer Erfahrung und Recherchen in der Mint-Community ist das Upgrade praktisch immer erfolgreich – und lohnend. Wer so skeptisch ist wie die Mint-Entwickler, kann vor der Aktion sein Home-Verzeichnis extern sichern.

Erste Schritte nach Neuinstallation oder Upgrade

Nach einer Neuinstallation suchen Sie „Systemverwaltung -> Treiberverwaltung“ auf, um auf proprietäre Grafiktreiber umzustellen. Unter „Einstellungen -> Bildschirm“ stellen Sie – falls nötig – die optimale Auflösung ein. Der Gang zu diesem Applet ist insbesondere für die Anordnung bei Multimonitor-Systemen unerlässlich.

Seit Erscheinen von Version 17.2 gibt es schon wieder eine Reihe neuer Updates. Es empfiehlt sich also wieder eine Systemaktualisierung mit

sudo apt-get update

und

sudo apt-get dist-upgrade

Für die laufende Aktualisierung sorgt wieder die „Aktualisierungsverwaltung“ mit ihren Levels „1“ bis „5“. Alles, was nicht vom Mint-Team getestet wurde, sondern etwa aus den Ubuntu-Repositories stammt, wird mit Stufe 4 oder 5 bewertet und nicht berücksichtigt. Das können Sie ändern, indem Sie unter „Bearbeiten -> Einstellungen -> Ebenen“ auch die Stufen 4 und 5 als „sicher“ und „sichtbar“ markieren.

Beachten Sie bei künftigen Updates mit Rückfragen zu Konfigurationsdateien, immer die bereits vorhandene Konfiguration durch die Eingabe von „N“ zu behalten: Die Mint-Entwickler haben oft Anpassungen vorgenommen, die Ihre individuellen Konfigurationsdaten überschreiben würden.

Linux Mint nutzt Server in den USA als Paketquellen, und diese bieten für Deutschland nicht immer die schnellsten Downloads. Gehen Sie daher auf „Anwendungspaketquellen -> Offizielle Paketquellen“, um stattdessen Spiegel-Server in Deutschland für die Quellen „Haupt“ und „Basis“ zu wählen. Der Dialog „Spiegelserver auswählen“ zeigt in der Spalte „Geschwindigkeit“ an, welche Server sich am besten eignen.

Cinnamon bietet neben zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten in den „Einstellungen“ eine stattliche Anzahl von Shell-Erweiterungen („Erweiterungen“), Leistenelementen (Applets) und Desktop-Tools (Desklets) zum Nachrüsten. Neue Applets für die Leiste integrieren Sie am schnellsten mit Rechtsklick auf der Hauptleiste und der Option „Applets zur Leiste hinzufügen -> Im Netz verfügbare Applets“. Hier müssen Sie erst die Liste aktualisieren und das gewünschte Applet installieren, bevor es dann unter „Installiert“ zum Einfügen ins Panel bereitsteht. Die Erweiterungen für die Desktop-Oberfläche erreichen Sie am einfachsten durch Rechtsklick auf den Desktop und „Desklets hinzufügen“.

Kernel und Programmversionen

Distribution

Kernel

Libre Office

VLC

Mate

Cinnamon

Linux Mint 17

3.13

4.2.3

2.1.2

1.8.1

2.2.16

Linut Mint 17.1

3.13

4.2.8

2.1.4

1.8.1

2.4.8

Linut Mint 17.2

3.19*

4.4.3

2.1.6

1.10

2.6.13

Ubuntu 14.04

3.13

4.2.3

2.1.2

1.6.2

n. v.

Ubuntu 14.04.3

3.19

4.2.8

2.1.6

1.6.2

n. v.

Ubuntu 15.04

3.19

4.4.2

2.2

1.8.2

n. v.

Weitere Infos zu Linux Mint 17.2

Website: www.linuxmint.com Dokumentation: www.linuxmint.com/documentation.php Feature-Liste: http://linuxmint.com/rel_rafaela_cinnamon_whatsnew.php und http://linuxmint.com/rel_rafaela_cinnamon.php Infos und Downloads: http://blog.linuxmint.com/?p=2863

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