17.05.2009, 09:00

David Wolski

Linux

KDE 4.2 erreicht Meilenstein

Genau ein Jahr nach den ersten experimentellen Versionen von KDE 4 haben die Entwickler das erste stabile Release abgeliefert, das reif für den tatsächlichen Einsatz am Desktop ist.
Die Veröffentlichung von KDE 4.2 ist für KDE-Entwickler und Fans das Release-Ereignis des Jahres 2009. Nach einem holprigen Start liegt die neue Desktop-Umgebung jetzt in einer stabilen Version vor, die einen ungetrübten Blick auf die Neuerungen bei Oberfläche, Optik, Programmen und internen Komponenten erlaubt. Die aktuellen Ausgaben der Distributionen, etwa Open Suse und Ubuntu, bringen noch Version 4.1.x mit, erst im Laufe der nächsten Monate wird KDE 4.2 über die Repositories zur Verfügung stehen.
Neues auf dem Desktop
Der Plasma-Desktop wurde gründlich überarbeitet, was sich an der Fülle neuer Einstellungen bemerkbar macht. Die Icon-Ansicht ist zurück, der Desktop lässt sich jetzt in eine Ordner-Ansicht umschalten, in der auch Ziehen und Ablegen von Datei-Objekten wieder funktioniert. Große Bedeutung misst KDE den Applets bei, wobei Plasma jetzt auch das nahtlose Einbinden von Google-Gadgets und Mac-OS-X-Widgets unterstützt. Für die Zukunft weiterer Applets ist gesorgt, da die Plasma-Schnittstelle soweit ausgereift ist, um eigene Applets in Javascript, Python und Ruby zu erstellen.
Der Desktop bietet schnell Zugriff auf häufig benötigte Einstellungen über ein Kontextmenü, was viel Sucherei erspart. Etwas lästig ist noch das Verschieben und Skalieren von Applets über deren eingeblendete Seitenleiste, wenn diese übereinander liegen, da KDE 4.2 hier mit der Reihenfolge der Ebenen durcheinanderkommt. Am deutlich stabileren Panel macht besonders die neue Fensterleiste einen guten Eindruck, da Anwender jetzt Reihenfolge und Gruppierung der angezeigten Tasks festlegen können. Sehr gesprächig zeigt sich der neue Infobereich (Systemtray), der die Statusmeldungen vieler Programme aufnimmt. Insgesamt macht der Desktop einen kompakten Eindruck, da Dialoge deutlich sparsamer mit dem verfügbaren Platz umgehen. Für kleine Laptops und Netbooks ist KDE 4.2 aber immer noch zu sperrig.
Springende Fenster in 3D
Wer über eine Grafikkarte mit 3D-Fähigkeiten und einen geeigneten 3D-Treiber verfügt, den begrüßt KDE 4.2 gleich mit springenden Fenstern und allerlei Effekten. Der Fenstermanager Kwin aktiviert die 3D-Effekte automatisch. Die Compiz-Erweiterung ist überflüssig, da KDE 4.2 jetzt die Effektkonfiguration selbst in die Anzeige-Einstellungen übernommen hat. Die Fülle der Optionen ist enorm, woran verspielte Naturen sicherlich ihre Freude haben werden. Doch das neue Kwin hat auch ganz praktische Seiten: Anwendungen im Vollbildmodus bleiben von 3D-Effekten verschont, damit Videos und Spiele mit Open GL problemfrei laufen.
Interne Umwälzungen
Wo sich der Fortschritt bei KDE 4.2 am deutlichsten zeigt, ist bei der gefühlten Reaktionszeit der Desktop-Elemente. Nervige Denkpausen und stockende Dialoge gehören der Vergangenheit an, was vor allem daran liegt, dass der Fenstermanager nicht immer den ganzen Desktop neu zeichnet, sondern nur einzelne Elemente. Nach der harschen Kritik an der zuvor schlechten Multi-Monitor-Unterstützung kümmert sich nun die neue Bibliothek Kephal um die Verteilung von Fenstern. Maximierte Anwendungen lassen sich zwischen mehreren Monitoren verschieben. Über die Performance-Verbesserungen dürfen sich vor allem Anwender mit schwächeren PCs freuen: Der Desktop allein kommt nun mit 280 MB Speicher aus, wobei der Verbrauch mit der Zahl der verwendeten Applets und Anwendungen schnell ansteigt.
Um das Energie-Management sorgt sich das neue Tool Powerdevil, dessen Einstellungen in die KDE-Konfigurationsdialoge gewandert sind. Auch bei der Druckerverwaltung mittels kde4-printer-applet hörten die Entwickler auf die Kritik der Anwender: Zuvor fehlende Verwaltungsfunktionen sind dort wieder anzutreffen.
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