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Parallele Installation von Linux & Windows auf UEFI-PC

22.08.2012 | 10:22 Uhr |

Aktuelle PCs sind neben dem Bios auch mit UEFI ausgestattet. Das ermöglicht die Installation von Betriebssystemen auf Festplatten mit einer Kapazität von mehr als 2,2 Terabyte und das friedliche Nebeneinander von Linux und Windows.

Damit Computer nach dem Einschalten ein Betriebssystem finden und Eingaben von der Tastatur entgegennehmen, benötigen sie eine spezielle Software. Seit nunmehr gut 30 Jahren sorgt hier das Bios (Basic Input/Output System) für den reibungslosen Start des PCs. Mit seinem simplen Textmodus wirkt das Bios inzwischen etwas angestaubt, und die Menüs sind für viele Benutzer schwer verständlich. Außerdem besitzt das Bios einige technische Einschränkungen, durch die sich aktuelle Hardware nicht optimal nutzen lässt. Daher soll künftig das Unified Extensible Firmware Interface (UEFI) das Bios ablösen. In vielen neuen PCs ist es jetzt schon enthalten. Der Artikel beschreibt, welche Vor- und Nachteile des UEFI-Modus hat und was bei der Installation von Linux neben Windows auf einem UEFI-PC zu beachten ist.

Warum UEFI statt dem klassischem Bios?
Fast alle zurzeit verkauften Hauptplatinen bieten UEFI und daneben ein Compatibility Support Module (CSM) an, das dem herkömmlichen Bios entspricht. CSM kommt bei einer standardmäßigen Installation von Linux oder Windows zum Einsatz. UEFI muss dagegen bei einigen Hauptplatinen explizit aktiviert werden, doch selbst dann wird es noch nicht automatisch vom Installationsprogramm des Betriebssystems verwendet (➞ „Booten mit UEFI“).

Aktuelle Hauptplatinen bieten meist ein mausfreundliches Bios. Ein besonderes Kennzeichen von UEFI ist das allerdings nicht. Grafische Bios-Menüs gab es auch früher schon.
Vergrößern Aktuelle Hauptplatinen bieten meist ein mausfreundliches Bios. Ein besonderes Kennzeichen von UEFI ist das allerdings nicht. Grafische Bios-Menüs gab es auch früher schon.

UEFI-Hauptplatinen zeigen oft ein Bios mit grafischer Oberfläche und Mausbedienung. Was man hier einstellen kann, entspricht in etwa dem, was auch bei herkömmlichen Rechnern zu finden ist. Die grafische Oberfläche ist aber nicht das Besondere an UEFI. Die gab es auch vorher schon, etwa bei PCs von HP oder Dell. UEFI dient unbemerkt vom Nutzer als leicht erweiterbares Mini-Betriebssystem. Mit den passenden Treibern kann es beispielsweise auf die Netzwerkkarte zugreifen und dann Updates aus dem Internet herunterladen. Nur wenige Hersteller nutzen die Erweiterbarkeit von UEFI zurzeit tatsächlich aus und statten die Hauptplatine mit Zusatzfunktionen wie Spielen oder einem Media Player aus.

Mehr Sicherheit: UEFI-PCs werden spätestens Ende 2012 mit der Einführung von Windows 8 auch Secure Boot unterstützen. Ein Betriebssystem lässt sich dann nur noch starten, wenn der Bootloader digital signiert ist. Open-Source-Betriebssysteme wie Linux könnte man auf einem derartigen Rechner nicht mehr installieren. Derzeit ist noch offen, wie die Distributoren darauf reagieren werden. Fedora möchte einen von Microsoft signierten Bootloader anbieten, der Ubuntu-Distributor Canonical will dagegen selbst Signaturen ausgeben. Da es noch keine Geräte mit Secure Boot gibt, ist zur genauen technischen Ausführung bisher noch wenig bekannt. Es könnte auch sein, dass die Hersteller der Hauptplatinen in der Übergangszeit eine Funktion in die Firmware einbauen, über die sich Secure Boot abschalten lässt.

Von Festplatten mit mehr als 2,2 TB lässt sich so ohne Weiteres kein Betriebssystem mehr booten. Mit UEFI und GPT können Sie aber sogar Linux und Windows auf der Platte installieren und über das UEFI-Menü starten.
Vergrößern Von Festplatten mit mehr als 2,2 TB lässt sich so ohne Weiteres kein Betriebssystem mehr booten. Mit UEFI und GPT können Sie aber sogar Linux und Windows auf der Platte installieren und über das UEFI-Menü starten.
© Western Digital

Große Festplatten: Aus technischer Sicht gibt es momentan vor allem einen wichtigen Grund, das Betriebssystem über UEFI zu installieren: Festplatten mit einer Kapazität von mehr als 2,2 TB (Terabyte). Das gilt vor allem dann, wenn Linux und Windows sich eine Platte mit 3 oder 4 TB teilen sollen. Windows 7 lässt sich ohnehin nur über UEFI auf Festplatten dieser Größe einrichten, und eine Linux-Parallelinstallation muss dann auf die gleiche Weise erfolgen. Der Grund: Das Bios kann Festplatten über den Master Boot Record (MBR) nur bis zu einer Kapazität von bis zu 2,2 TB ansprechen. UEFI kann dagegen eine GUID Partition Table (GPT) verwenden und darüber etwa 9,4 ZB (1 Zettabyte = 1 Milliarde TB) adressieren. Auf einer großen Festlatte lässt sich sonst nur eine MBR-Partition mit knapp 2,2 TB erstellen. Der Rest liegt brach.

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Wer Linux alleine auf einer großen Festplatte installiert, muss sich nur wenig Gedanken machen. Praktisch alle aktuellen Distributionen erkennen die besonderen Bedingungen und richten bei der Installation eine kleine Hilfs-Partition ein („protective MBR“). Darin liegt ein Teil des Bootmanagers Grub („boot.img“), der per CSM nach dem Einschalten des PCs gestartet wird. Danach lädt Grub ein weiteres Modul („core.img“) von einer Bios-Boot-Partition nach. Erst danach erfolgt der Zugriff auf weitere Grub-Module in der GPT-Partition, die dann den Linux-Kernel starten. Über Grub lassen sich auch problemlos weitere Linux-Distributionen aufrufen, die auf derselben oder einer anderen Festplatte liegen.

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