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GRML 2013.02

01.10.2013 | 12:01 Uhr |

Das „Schweizer Messer“ aus Österreich ist ein Rettungssystem mit ausgefeilter ZSH-Kommandozeile, einem minimalen Desktop und mit Werkzeugen für fortgeschrittene Betriebssystem-Bastler.

Wenn ein System mal nicht mehr funktioniert, erspart GRML einiges Grummeln: Die Live-CD ist für die Bedürfnisse von Administratoren zugeschnitten, die damit eine Tool-Sammlung ähnlich eines Schweizer Taschenmessers bekommen, um Systeme wieder auf Vordermann zu bringen. Die Live-CD richtet sich an Power-User und Profis. Die aktuelle Version bietet hauptsächlich Tools für die Kommandozeile, die bei GRML mit der Shell ZSH läuft. Nebenbei bietet GRML auch einen Desktop, der unter dem minimalistischen Fluxbox läuft. Software-Pakete holt sich GRML von Debian-Testing und bietet wie Knoppix ein LZMA-komprimiertes Dateisystem, um auf kleinen 350 MB rund 1 GB Daten unterzubringen.

Netzwerk-Tools und Shells
Das Multi-Boot-Menü von GRML erlaubt den Start direkt auf den Desktop oder in die Shell. Wird Letzteres ausgewählt, so präsentiert das System zunächst ein Menü im Textmodus, um Tastatur und Netzwerk zu konfigurieren. Der Kernel ist mit 3.7.9 auf einem recht neuen Stand ,und mit den mitgelieferten Firmware-Paketen lassen sich auch WLAN-Chips für die Netzwerkverbindung in Betrieb nehmen. Deren Konfiguration erfolgt im Textmodus in Menüs, die in Perl geschrieben sind, was eine der Besonderheiten von GRML ist. In den virtuellen Terminals Tty1 bis Tty7 laufen standardmäßig die Shells ZSH und Bash. Auf Tty10 bis Tty12 sind die Prozessmonitore ipstate, htop und syslog untergebracht. Der Wechsel erfolgt über die Tastenkombination Strg-Alt und der F1- bis F12-Taste.

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Auswahl enthaltener Tools
GRML wird seit einigen Versionen immer schlanker und hat die Auswahl mitgelieferter Software auf Rettungs- und Analyse-Tools reduziert. Als Virenscanner ist Clamav dabei, der sich mit dem Kommando freshclam aktualisieren lässt. Zur Datenrettung gibt es photorec und autopsy, und testdisk kann gelöschte Partitionen wieder beleben. Als Installationshilfe für Debian-Systeme eignet sich das Script grml-debootstrap, das in wenigen Schritten ein komplettes Debian-System auf Festplatte installiert. Auch wenn die meisten Tools Kommandozeilen-orientiert sind, gibt es einige grafische Werkzeuge: Auf der Oberfläche von Fluxbox läuft der Partitionierer Gparted 0.12.1 und als Browser Firefox/Iceweasel 10.0.12. Für die Traffic-Analyse im Netzwerk ist Wireshark enthalten.

Fazit: Alles für den Admin
Mit GRML lassen sich trickreiche Rettungsaktionen ausführen, etwa um widerspenstige Software-Raid-Systeme wieder zusammenzusetzen oder mit Passwort auf verschlüsselte LUKS-Partitionen zuzugreifen. Kenntnisse der Kommandozeile sind Voraussetzung und Komfort ist Nebensache. Zum Betrieb benötigt die 32-Bit-Version lediglich einen Prozessor der Pentium-Klasse und 128 MB Speicher. Die 64-Bit-Variante von der Projektwebseite unterstützt auch den Boot über ein UEFI-BIOS. GRML ist startfähig in der 32-Bit-Variante und als ISO-Datei. Zum Übertragen auf einen boot-fähigen USB-Stick eignet sich das Tool Unetbootin 5.85 .
Dokumentation: wiki.grml.org

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