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Linux-Geräte nach Wunsch upgraden

01.07.2014 | 12:01 Uhr |

Windows ist das domnierende Standardbetriebssystem? Mitnichten. Linux läuft auf Routern, NAS-Systemen und mehr. Und die Winzlinge können meist mehr, als Sie denken.

Als Quasi-Standard hat sich Linux in der Welt von von Industrie- und Embedded- Geräten schon lange durchgesetzt. Vom Router bis zum Teilchenbeschleuniger: Als Herz vielzahl alltäglicher und nicht alltäglicher Geräte und Steuerungen schlägt das freie Betriebssystem. Weil die meisten Kleingeräte für des Hausgebrauch weder Tastatur noch Bildschirm besitzen, bekommen Nutzer üblicherweise gar nicht mit, was intern vor sich geht. Vom Hersteller ist das so gewollt, sorgen doch frei konfigurierbare Geräte für enormen Support-Aufwand.

Sie wollen den tieferen Blick riskieren? Wir zeigen, wie Sie die Vorgaben der Hersteller umgehen und eigentlich geschlossene Systeme öffnen, erweitern, mit einem Root-Zugang ausstatten und auf vielen Geräten sogar ein eigenes Linux-System aufspielen. Erschließen Sie die Power und Erweiterbarkeit des freien Universalsystems für sinnvolle Funktionserweiterungen, einen stromsparenden Server-Betrieb oder einfach nur aus Spaß am Basteln. Wir stellen drei Beispiele vor.

Prozessor und Plattform: Der Befehl cat /proc/ cpuinfo auf der Kommandozeile gibt Infos zur Bestückung des D-Link-Routers aus.
Vergrößern Prozessor und Plattform: Der Befehl cat /proc/ cpuinfo auf der Kommandozeile gibt Infos zur Bestückung des D-Link-Routers aus.

Fast alle heute verkauften kleineren Netzwerk-Speichersysteme mit ein bis acht Festplatten sind eigentlich kleine Linux-Rechner auf Basis eines System on a Chip (SoC) mit eingebautem Festplatten- und Netzwerkanschluss. Unser erstes Do-it-yourself-Objekt ist ein D-Link DNS 320 NAS-System, das beim Autor ungehackt schon seit geraumer Zeit klaglos seinen Dienst als Backup-Speicher verrichtet.

In D-Links DNS 320 schuftet ein Marvel- 88F6281-Prozessor (ARM9) auf einem Board mit 128 MB RAM. Der Prozessor der Kirkwood- Reihe ist ein System-on-Chip (SoC). Das heißt, er beinhaltet nicht nur den Prozessor, RAM, sondern auch Peripherie-Controller für SATA und USB-Ports auf einem einzigen Chip. In Bastlerkreisen ist die Kirkwood-Architektur nicht unbekannt: Sie ist zum Beispiel auch im Kleinstcomputer „ Pogoplug “ vorhanden (https://pogoplug.com). Dieses Gerät dient eigentlich vornehmlich für den Datenaustausch mit dem gleichnamigen Cloud-Dienst, kann aber auch zum vollwertigen Linux-Mini-PC umgerüstet werden .

Die Kirkwood-CPU läuft ab Werk mit 800 bis 1200 MHz. Sie ist auf geringen Stromverbrauch hin optimiert und arbeitet mit weniger als 3 Watt – das ist auch der Grund, warum der im DLINK-NAS mit 800 MHz langsam getaktete Prozessor in unserem System ganz ohne Kühlkörper auskommt. Das Board ist bei näherer Betrachtung hackerfreundlich, JTAG- und serielle Schnittstelle sind auf dem Board deutlich zu erkennen. Sie sind zwar nicht mit Pins versehen, aber gut platziert auch für weniger versierte Lötartisten erreichbar.

Superkräfte für Ihren Router

D-Link DNS 320: Ein einfaches und günstiges NASSystem, das mit maximal zwei Festplatten zu je 3 TB bestückt werden kann. Per USB lassen sich weitere Datenträger einbinden.
Vergrößern D-Link DNS 320: Ein einfaches und günstiges NASSystem, das mit maximal zwei Festplatten zu je 3 TB bestückt werden kann. Per USB lassen sich weitere Datenträger einbinden.
© D-Link

Erweiterungen von der Stange: Ein wenig Internetrecherche bringt an den Tag, dass nicht nur das Board, sondern auch das D-Link-System hackerfreundlich ist: Es unterstützt wie viele andere D-Link-Server das „fun_plug“- System. Eine Liste unterstützter Geräte finden Sie im Netz unter http://wolf-u.li/nas/geraete . Das System ist denkbar einfach: Kopiert man eine Datei namens „fun_plug“ auf die im System verbaute Festplatte, werden die darin definierten Programme nach dem Systemstart aufgerufen. Voraussetzung ist dabei natürlich, dass die entsprechenden Programme für den verwendeten Prozessortyp kompiliert und auf der Festplatte des Storage-Systems abgelegt sind. Für unser DNS-320 gibt es eine ganze Reihe von Funplug-Paketen, von SSH über Compiler bis hin zu VPN, Datenbank und Webserver. Wir sind dabei nach der Anleitung im deutschsprachigen Blog von Uli Wolf vorgegangen.

Nach dem Herunterladen der Pakete „fun_ plug“ und „fun_plug.tgz“ von http://wolf-u.li/4523 werden diese auf „Volume_1“ des NAS kopiert. Nach einem Neustart des NAS-Systems steht ein Telnet-Server zur Verfügung, und wir können uns per Telnet beispielsweise mit dem Windows-Programm Putty auf dem System einloggen.

Nach dem Login erscheint eine Busybox-Shell. Im installierten „fun_plug-paket“ im Basisverzeichnis „/ffp“ ist eine alternative Shell enthalten, die wir zusammen mit einem Passwort für den Root-Benutzer erstellen können. Dazu dienen folgende vier Befehlszeilen:

usermod -s /ffp/bin/sh root   mkdir -p /ffp/home/root/   sed -ie 's#:/home/root/:#:/ffp/ home/root:#g' /etc/passwd   pwconv  

Jetzt kann mit dem Befehl passwd ein Root- Passwort gesetzt werden. Mit login loggen Sie sich dann als Superuser root ein. Um diese Änderungen permanent zu machen, müssen wir die Konfigurationsdaten für passwd, group, shadow und smbpasswd persistent speichern. Am einfachsten geht das mit einem Shell-Script, das im Funplug-Paket schon enthalten ist.

/ffp/sbin/store-passwd.sh  

Danach können der „Fonz-Plug“-Paketmanager mit dem Namen „slacker“ und die Repositories für vorkompilierte Pakete verschiedener Anbieter installiert werden.

Anwendungen für das NAS: Ein NAS ist für den Betrieb als Home-Server mit Festplattenanschluss mit und ohne Internetanschluss prädestiniert. Pakte für Open VPN gibt es in den gängigen Funplug-Repositories ebenso wie den Webserver Lighttpd mit PHP und My SQL oder Mediaserver wie „Twonky“. Damit lässt sich der etwas blasse Mediaserver im NAS durch ein moderneres Produkt ersetzen, und auch ein selbst gehosteter Cloud-Dienst auf Basis von Owncloud auf dem NAS installieren. Aufgrund der hohen Prozessoranforderungen von Owncloud sollten keine überragenden Geschwindigkeitsanforderungen an die eigene Cloud gestellt werden – für den Heimbetrieb ist das System aber durchaus nutzbar.

Wer die Daten auf seinem NAS verschlüsseln will, kann dies mit einem verschlüsselten Dateisystem über Dmcrypt oder Truecrypt erledigen. Ein Problem stellt dabei die im Vergleich zum PC geringe Prozessorleistung dar. Wir haben in unseren Tests keine Möglichkeit gefunden, auf die im Kirkwood implementierten Verschlüsselungsalgorithmen zuzugreifen. Der Zugriff auf verschlüsselte Partitionen mit Dmcrypt drückte die Lesegeschwindigkeit unseres Systems von rund 25 MB/s auf 5 MB/s. Der Blowfish-Algorithmus ist dabei etwa doppelt so schnell wie AES. Die Schlüssellänge hat bei Blowfish fast keine Auswirkung auf die Geschwindigkeit, Sie können getrost mit 448-Bit-Blowfish verschlüsseln.

Linux als Server einsetzen

Das Board des NAS-Systems von D-Link: Ein Blick auf die Platine des D-Link DNS 320 zeigt eine üppige Ausstattung auf einem groß dimensioniertem Board. Nicht zu sehen ist der Speicherchip, der kurioserweise auf der Unterseite angebracht ist. Die angelötete
Vergrößern Das Board des NAS-Systems von D-Link: Ein Blick auf die Platine des D-Link DNS 320 zeigt eine üppige Ausstattung auf einem groß dimensioniertem Board. Nicht zu sehen ist der Speicherchip, der kurioserweise auf der Unterseite angebracht ist. Die angelötete

Tipps und How-tos zur Software-Installation: Funplug gibt es im Netz bei Uli Wolf unter http://wolf-u.li/nas/tutorials/ffp . Funplug ist eine sogenannte Chroot-Lösung, also eine auf dem Original-Kernel aufsetzende virtuelle Maschine. Reichen die von den diversen Funplug- Repositories angebotenen Pakte und Kernelmodule nicht aus, lässt sich so auch eine komplette Linux-Distribution wie Debian oder Ubuntu im Chroot-Käfig installieren. D-Link stellt ein fertiges Debian-Paket zur Verfügung, das allerdings auf dem Stand von 2010 ist und nach dem Setup einiges an Updates verlangt. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung hilft bei der Installation des Debian-Systems von D-Link.

Echte Puristen können das NAS auch komplett updaten. Dabei muss eine neue Firmware erstellt und im Flash-Speicher installiert werden. Hersteller D-Link stellt die dafür nötigen Tools und Quelltexte zur Verfügung, Beschreibungen zu Bau und Installation einer eigenen Firmware finden sich im Netz . Das Update erfordert neben etwas Erfahrung mit Boot-Loadern und Firmware-Paketen auch das Anlöten von Pins an die serielle Schnittstelle der Platine. Ein Fehler bei der Zusammenstellung der Firmware oder beim Update führt dazu, dass das ganze System nicht mehr bootet – angesichts dieses Risikos ist diese Variante wirklich nur erfahrenen Bastlern zu empfehlen.

Fazit: Mit einer Linux-Erweiterung wird das NAS zum stromsparenden Server mit ausreichend Speicher, Gigabit-Netzwerk, Festplattenkäfig, USB-Anschluss und Mediaserver. Für den Dauerbetrieb im Wohnraum muss der laute Lüfter durch ein leiseres Gerät ersetzt werden.

Winzige Eye-Fi-Karte: Ein vollwertiger Linux-Computer mit CPU, RAM, Flash-Speicher und WLAN-Adapter.
Vergrößern Winzige Eye-Fi-Karte: Ein vollwertiger Linux-Computer mit CPU, RAM, Flash-Speicher und WLAN-Adapter.

2. Eye-Fi: Der wohl kleinste Linux-PC der Welt

Fotografen kennen und nutzen die unter dem Label Eye-Fi verkauften SD-Karten mit WLANSchnittstelle schon lange. Was nur wenige wissen: Im winzigen Gehäuse vieler WLAN-fähiger SD-Speicherkarten sind nicht nur ein 32-GB-Flash-Speicherchip mit Controller, sondern auch Prozessor, Speicher und WLANAdapter verbaut. Als System kommt Linux zum Einsatz, außerdem läuft ein Webserver. Hacker haben den Minirechner über die HTTP-Schnittstelle gehackt und gezeigt, dass es auch eingebaute Standardmechanismen gibt, um als Root-Benutzer auf das Linux-System zuzugreifen. Die einfachste Möglichkeit ist, notwendige Software einfach im Hauptverzeichnis der Karte zu hinterlegen und mittels eines Shell-Scripts namens „autostart.sh“ beim Einstecken der Karte zu starten. Das System führt dieses Start-Script nach dem Booten als root aus. Weil das System mit einer stark abgespeckten Busybox-Version arbeitet, sollten Sie dafür zuerst eine offizielle Busybox-Version für die ARMv5-Infrastruktur des Prozessors herunterladen und im Root-Verzeichnis des Servers ablegen. Legen Sie eine Datei mit dem Namen „autostart.sh“ an, in der Sie mit dem Befehl rcS6 einen Telnet-Server auf der Karte starten. Ein Reboot lässt sich einfach durchführen, indem Sie die Karte ausund einstecken. Nach rund 20 Sekunden sollte die Karte dann per Telnet erreichbar sein, bei unserem Test gelang das unter unter der Adresse 192.168.11.254.

Wer mehr als nur das Busybox-basierte Linux möchte, muss die Firmware updaten. Der Programmierer Dmitry Grinberg stellt im Internet eine Firmware mit aktualisiertem Kernel und einem etwas erweiterten System zur Verfügung.

Raspberry Pi als NAS einsetzen

CPU-Informationen der Eye-Fi-Karte im Terminalfenster: Der winzige Prozessor ist wahrlich kein Geschwindigkeitswunder, taugt aber in jedem Fall für einfache Server-Dienste wie etwa Telnet und FTP.
Vergrößern CPU-Informationen der Eye-Fi-Karte im Terminalfenster: Der winzige Prozessor ist wahrlich kein Geschwindigkeitswunder, taugt aber in jedem Fall für einfache Server-Dienste wie etwa Telnet und FTP.

Installation durchführen: Zum Installieren extrahieren Sie das heruntergeladene ZIP-Archiv und packen die Dateien aus dem Verzeichnis „my-update“ in das Hauptverzeichnis der SD-Karte. Nach einem Reboot ist das System einige Minuten lang mit dem Update beschäftigt. Stecken Sie in dieser Zeit die Karte nicht aus. Das Update ist fertig, wenn der Access Point „WIFISD“ zur Verfügung steht. Vorsicht: Während des Updates stellt die Karte einen anders benannten Access Point zur Verfügung. Solange dieser aktiv ist, ist das System mit dem Update beschäftigt. Nach Abschluss des Vorgangs können Sie sich per SSH mit dem Passwort „dmitry.gr_WiFiSD“auf dem System einloggen. Aufgrund des limitierten Flash-Speichers lässt sich so immer nur ein recht abgespecktes Linux starten.

Wer ein komplettes Linux-System auf der Karte möchte, kann sich ein 2 Gigabyte großes Ubuntu-Image in den großen Flash-Speicher packen, das nach dem Booten des Minisystems als Chroot-System geladen wird. Der Link zum Image ist auf der Seite von Dmitry Grinberg in den Kommentaren zu finden. Das entpackte Image wird bei der laufenden alternativen Firmware von Grinberg zunächst über SSH auf die SD-Karte kopiert und mit folgenden fünf Befehlen eingebunden:

mkdir /mnt/linux   /mnt/sd/busybox-armv5l mount / mnt/sd/xfce.p1 /mnt/linux -o loop   /mnt/sd/busybox-armv5l chroot / mnt/linux   bash   /sbin/swapon /pagefile.sys  

Im Ubuntu-Image lässt sich dann sogar eine grafische Oberfläche mit Xorg starten. Geschwindigkeitswunder sollten Sie auf einem Minirechner, der in einer SD-Karte Platz findet, aber nicht erwarten.Die derzeit herunterladbaren Software-Pakete und Distributionen sind im Vergleich zu gängigen Distributionen noch Betaware, bieten viel Raum für Verbesserungen und erfordern eine große Portion Linux- Know-how. Wir haben beim Experimentieren die Karte mehrfach „gebrickt“, also in einen nicht mehr nutzbaren Zustand gebracht. Mit dem auf der Transcend-Website im Support-Bereich erhältlichen Firmware-Update-Tool ließ sich die Karte problemlos wieder in den Originalzustand bringen.

Complete Linux Installer: Bietet Auswahl verschiedener installierbarer Distributionen. Aber nicht jede Distribution läuft auf allen Geräten.
Vergrößern Complete Linux Installer: Bietet Auswahl verschiedener installierbarer Distributionen. Aber nicht jede Distribution läuft auf allen Geräten.

Für Kühlung sorgen: Im Dauergebrauch wird der Kleinstrechner trotz seines mit rund 1,6 Watt sehr geringen Stromverbrauchs sehr heiß, das Plastikgehäuse ist nicht wirklich zur Wärmeabfuhr geeignet. Wer die Karte in Dauereinsatz mit Prozessorlast nutzen möchte, sollte über einen Kühlkörper auf dem Chip nachdenken. Wer auf den Schreibschutzschieber verzichten kann, schneidet dafür einfach mit einer heißen Klinge den oberen Teil der Karte ab. Wenn dabei der Schreibschutzschieber verloren geht, ist das kein Problem: der Kartenleser erkennt den Schreibschutz rein mechanisch. Die Lücke im Board lässt sich ohne Probleme mit einem dicken Klebeband, ein wenig Heißkleber oder Sugru auffüllen. Der Prozessor mit der Aufschrift „KeyAsic“ ist so platziert, dass die Karte auch mit einem aufgeklebten RAM-Kühlkörper noch in den Kartenslot gängiger Leser passt. Nur in die Kamera passt der Kleine dann doch nicht mehr. Freunde des heißen Lötzinns können auf der Unterseite der Platine eine serielle Schnittstelle anlöten. Die Belegung der Pins auf der Unterseite ist im Open-Wrt-Forum dokumentiert.

Ein Wermutstropfen bleibt: Das System bootet im Grundzustand nur, wenn es in einem aktiven Rechner steckt – es reicht also nicht aus, nur die Karte mit Strom zu versorgen. Aber Sie wissen ja: Wo ein Linux ist, ist auch ein Weg. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis ein entsprechend gepatchtes System auch ohne Rechneranbindung bootet.

Raspberry Pi - Die ersten Schritte im Video

Systeminformationen: Bei Android-Geräten bekommen Sie wie bei Linux-Rechnern auf einer Kommandozeile mit dem Befehl cat /proc/cpuinfo die Informationen zu Prozessor, Architektur und CPU-Befehlssätzen angezeigt.
Vergrößern Systeminformationen: Bei Android-Geräten bekommen Sie wie bei Linux-Rechnern auf einer Kommandozeile mit dem Befehl cat /proc/cpuinfo die Informationen zu Prozessor, Architektur und CPU-Befehlssätzen angezeigt.

3. Tablet und Handy: Linux auf dem Androiden

In vielen Haushalten liegen ausgediente Android- Handys und Tablets in der Schublade, die sich in vielen Fällen als vollwertige Linux- Rechner nutzen lassen. In unserem Fall haben wir ein 7-Zoll-Tablet des chinesischen Herstellers Ainol zum Linux-Rechner umfunktioniert. Unser Ainol Fire ist auf dem Papier mit einer großzügigen Hardware-Ausstattung gesegnet, im Betrieb zeigt sich das Gerät aber doch als eher träge. Immerhin ist es mit einem Dualcore- Prozessor ausgestattet und kann damit mehrere Prozesse parallel verarbeiten. Die Installation von Linux auf Android-Geräten gestaltet sich benutzerfreundlich einfach. Vorausgesetzt wird allerdings immer Root-Zugriff. Es gibt eine ganze Reihe kostenloser Apps im Store, mit denen sich verschiedene Linux-Distributionen als Chroot-System unter Android installieren lassen. Wir haben auf den werbefinanzierten „ Complete Linux Installer “ gesetzt und hatten die Wahl zwischen sechs verschiedenen Distributionen, von den jeweils kleine, mittlere und große Images mit mehr oder weniger vielen Paketen existieren. Aufgrund des oft limitieren Speichers auf Tablets und Mobilgeräten ist die Installation eines abgespeckten Images zu empfehlen.

Ganz reibungslos läuft die Installation meist nicht ab. Fast jeder der gängigen Linux- Installer für Android weist Defizite auf: Neben fehlenden Root-Rechten erweisen sich zu wenig Platz oder einfach ein inkompatibles System oft als Hürde, die App-Bewertungen im Store sprechen Bände. Speziell mit älterer Hardware kann die Linux-Installation trotz App-Unterstützung zu einer rechten Frickelei ausarten. Wenn es einmal installiert ist, bietet das Android-Linux eine meist über das Fernsteuerprogramm VNC auch lokal nutzbare grafische Oberfläche.

Auf etlichen Geräten lässt sich Linux nicht nur per App im Chroot-Käfig, sondern auch nativ, also anstelle des installierten Android-Systems installieren. Es stehen aber bisher bei weitem nicht für alle Systeme lauffähige beziehungsweise kompilierbare Kernel zur Verfügung – hier hilft nur eine Suche im Internet. Von einer vollen Unterstützung der in vielen Geräten verbauten Hardware vom Grafikbeschleuniger bis zu GPS oder Bluetooth oder Touchscreen sind diese „Eigenbau-Kernel“ aufgrund fehlender Treiber in den meisten Fällen leider weit entfernt – meist bringt die native Installation mehr Nachteile als eine auf dem bestehenden Android-System aufsetzende Installation.

Neben Standard-Distributionen wie Open Suse, Fedora und Debian stehen in vielen Installern auch die Experten-Distribution Arch- Linux und die Sicherheits-Distributionen Backtrack oder Kali-Linux zur Wahl.

Mit Kali Linux, einem USB-to-Ethernet-Adapter und einer Bluetooth-Tastatur wird ein unscheinbares Handy zur akkubetriebenen und dabei doch völlig unverdächtigen Angriffswaffe, mit der Hacker in fremden Netzwerken schnüffeln könnten.

Da als Host-System noch immer das originale Android läuft, bleibt das Gerät dabei völlig unverdächtig und kann, auch während im Hintergrund schon der Brute-Force-Angriff läuft, noch zum Telefonieren verwendet werden. Viele Geräte besitzen inzwischen eine so genannte OTG-USB-Schnittstelle, an die sich ein USB-Host anschließen lässt. Drüber können Sie nicht nur Tastatur und Maus, sondern auch externe Festplatten an dem Gerät betreiben.

Easybox von Arcor: Eine harte Nuss für Bastler, bietet dafür eine für Router sehr üppige Hardware- Ausstattung zum kleinen Preis.
Vergrößern Easybox von Arcor: Eine harte Nuss für Bastler, bietet dafür eine für Router sehr üppige Hardware- Ausstattung zum kleinen Preis.

4. Easybox 803: Herausfordernd für kleine Geldbeutel

Die Easybox 803a ist einer der preisgünstigsten Linux-Rechner auf dem Markt: Originalverpackte Geräte sind bei Ebay schon für unter 10 Euro inklusive Netzteil, Netzwerkkabel und Versand zu ersteigern. Aufgrund der im Vergleich zu anderen Geräten speziellen Hardware stellt die Linux-Installation auf der Box aber eine echte Herausforderung für Router-Bastler dar. Wie auf den meisten Routern lassen sich auch auf der Easybox die Mini-Systeme DDWRT und Open WRT installieren. Beide Linux-Varianten sind speziell für Router mit beschränkten Hardware-Ressourcen optimiert.

Die Easybox bietet eine für Router üppige Hardware-Ausstattung von 64 MB RAM und 8 MB Flash-Speicher. In Gerätetabellen taucht es meist unter der Herstellerbezeichnung „Astoria networks ARV752DPW22“ auf. Zur Linux- Installation braucht man den seriellen Port der Box. Um an diesen heranzukommen, muss die Box geöffnet werden – das geht nach dem Herausdrehen der Schrauben meist nicht ohne Bruch der Plastikhaken, die das Gehäuse an den Seiten zusammenhalten. Unser Gehäuse wird inzwischen von drei Tropfen Heißkleber zusammengehalten.

Mitten auf der Platine bei R176 sind vier Pins, an denen ein serieller Port anliegt, über den der Router eine Kommandozeile bereitstellt. Bootet man das Gerät bei serieller Verbindung (8N1, 115.200 Baud), wird durch dreimaliges Drücken der Space-Taste der Wartungsmodus gestartet, durch Drücken von „!“ kommt man in den Administratormodus.

Für das weitere Vorgehen gibt es insbesondere im Open-WRT-Wiki eine Reihe von Anleitungen. Diese setzen allerdings durchweg Fachwissen und teils Abstraktionsvermögen voraus: So wird die Box von den im Wiki verlinkten aktuellen Open-WRT-Versionen nicht mehr unterstützt, etliche Links führen inzwischen ins Leere. Hier sind neben Vorkenntnissen Eigeninitiative und Recherche gefragt. Auch für erste Erfahrungen mit dem Embedded- Boot-Loader U-Boot eignet sich die Box gut – eine funktionierende Version ist leicht über die Anleitung im Open-WRT-Wiki zu installieren. Ein Fehler beim Flashen macht das Gerät zum toten Ziegelstein, dessen Wiederbelebung Lötkenntnisse und eine ruhige Hand erfordern: Legt man am linken Kontakt von R65 3,3V an und überbrückt den Widerstand R80, lässt sich die Box über den Hardware-UART-Modus wiederbeleben. Im Betrieb unter Open WRT und DD-WRT-Linux sind DSL-Modem und WLAN nur für findige Bastler zum Laufen zu bekommen; Telefonie funktioniert gar nicht. Wer darauf angewiesen ist, ist mit einem anderen Gerät sicher besser bedient. LAN-Ports, COM-Port und USB lassen sich aber problemlos nutzen.

Fazit: Die Easybox 803 bietet aus unserer Sicht eine sehr preisgünstige und relativ benutzerfreundliche Einstiegsmöglichkeit in die Tiefen von Boot-Loader-Modifikationen und Linux- Embedded-Systemen, eignet sich aber auch als vielseitiges und konkurrenzlos preiswertes Linux-Spielzeug.

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