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Linux-Gaming: Erste Schritte mit Steam und SteamOS

11.12.2015 | 09:30 Uhr |

Linux taugt auch für Spiele – zumindest, wenn das gewünschte Spiel über Steam verfügbar ist und der Rechner die Hardware-Voraussetzungen für die Spiele erfüllt.

Steam ist eine Spiele-und Vertriebsplattform für Linux und Windows. Bisher laufen nicht alle Spiele unter Linux, jedoch wächst das Angebot kontinuierlich. Den Steam-Client gibt es als Software, die sich unter Linux installieren lässt, oder als eigenständiges System Steam-OS auf Debian-Basis. Für Steam benötigen Sie eine kostenlose Registrierung bei https://store.steampowered.com . Für die Spiele müssen Sie in der Regel bezahlen, es gibt aber auch Gratisangebote.

Siehe auch: Steam - Jetzt über 1500 Spiele für Linux im Angebot

Diese PC-Hardware ist Voraussetzung

Die verschiedenen Spiele bei Steam stellen unterschiedliche Anforderungen an die Hardware. Einige laufen auch mit einfachen Grafikkarten und integrierten Grafikchips wie etwa Intel HD Graphics. Für ein optimales Spielerlebnis sollte jedoch ein leistungsstarker Grafikadapter von Nvidia oder AMD arbeiten.

Installieren Sie dafür einen proprietären Treiber vom Hersteller, denn nur dieser liefert genügend 3D-Leistung für Spiele. Bei Ubuntu suchen Sie im Dash oder Menü nach „Zusätzliche Treiber“, bei Linux Mint nach „Treiberverwaltung“. Das Konfigurations-Tool bietet meist mehrere Treiber an. Wählen Sie einen Treiber mit dem Zusatz „getestet“ oder „empfohlen“, und klicken Sie auf „Änderungen anwenden“. Starten Sie danach Linux neu. Sollte der Treiber Probleme bereiten, probieren Sie eine andere Version. Für neuere Grafikkarten kann es nötig sein, einen aktuelleren Treiber zu installieren (siehe Kasten „Ubuntu: Nvidia-Treiber manuell installieren“).

Hybridgrafik: Notebooks sind oft mit zwei Grafikchips ausgestattet. Wenn Sie den proprietären Nvidia-Treiber einrichten, wird dieser standardmäßig benutzt und dadurch der Akku schneller leer. Für den Normalbetrieb sollten Sie daher auf den stromsparenden (Intel-)Chip umschalten. Suchen Sie im Dash nach „Nvidia X Server Settings“ und gehen Sie dort auf „PRIME Profiles“. Aktivieren Sie die Option „Intel (Power Saving Mode)“. Danach tippen Sie das root-Passwort ein, klicken auf „OK“ und „Beenden“. Melden Sie sich beim System ab und wieder an. Wenn Sie spielen wollen, schalten Sie wieder auf „NVIDIA (Performance Mode)“ um.

Geschwindigkeit testen: Wie schnell das Grafiksystem ist, ermitteln Sie im Terminal mit mesa-utils. Sollte das Tool nicht vorhanden sein, installieren Sie das Paket mit

sudo apt-get install mesa-utils

nach. Das Tool gibt die Frame-Rate aus, die bei einem Standard-Treiber nahe der Bildwiederholfrequenz des Monitors liegt, etwa „60.099 FPS“. Ist ein Treiber mit Beschleunigung aktiv, liegt die Frame-Rate im fünfstelligen Bereich, etwa bei „17384.066 FPS“.

Die Top-20 der Linux-Distributionen: So finden Sie Ihr Lieblings-Linux

Prozessor und Festplatte: Die CPU ist für Spiele nicht ganz so wichtig. Es genügt ein Intel Core i3 – schneller ist besser. Spiele laden oft sehr große Dateien; eine Festplatte, am SATA-III-Anschluss (sechs GBit/s) ist empfehlenswert, eine SSD noch besser.

Auf Notebooks mit Hybridgrafik aktivieren Sie den Nvidia-Treiber. Im Standardbetrieb sorgt der Intel-Treiber für längere Akkulaufzeiten.
Vergrößern Auf Notebooks mit Hybridgrafik aktivieren Sie den Nvidia-Treiber. Im Standardbetrieb sorgt der Intel-Treiber für längere Akkulaufzeiten.

Steam-Client unter Ubuntu installieren

Es gibt auch Steam-Installationspakte für Debian , Fedora oder Opensuse ( nähere Infos ), das von Steam offiziell unterstützte Betriebssystem ist jedoch Ubuntu. Bei Ubuntu ist Steam auch über die Paketverwaltung verfügbar:

sudo apt-get install steam

Nach erfolgreicher Installation starten Sie Steam und melden sich mit einem bestehenden Konto an oder erstellen ein neues Konto. Im Steam-Client sehen Sie zuvor gekaufte Spiele nach einem Klick auf „Library“. Klicken Sie das gewünschte Spiel an und dann auf „Install“. Ist das Spiel heruntergeladen, wechselt die Beschriftung auf „Play“. Nach einen Klick auf „Store“ sehen Sie Neuerscheinungen, oder Sie verwenden die Suchfunktion. Über die Schaltfläche „Games“ lässt sich die Anzeige auf bestimmte Kategorien beschränken. Eigentlich gibt es hier auch den Menüpunkt „Linux / SteamOS“, der bei unseren Tests jedoch fehlte. Klicken Sie daher zuerst beispielsweise auf „Games -> Free to play“, und setzen Sie im rechten Bereich der Seite ein Häkchen vor „Lin-ux / SteamOS“. So filtern Sie die für Linux verfügbaren kostenlosen Spiele.

Wenn Sie ein TV-Gerät oder einen Beamer als Anzeigegerät verwenden, wechseln Sie über das Game-Controller-Icon rechts oben im Fenster in den „Big picture Mode“. Der Bildschirm zeigt dann große Schaltflächen und Symbole, die sich bequem mit Tastatur, Gamepad oder auch mit der Maus bedienen lassen.

Über die Steam-Software kaufen, installieren und starten Sie Spiele.
Vergrößern Über die Steam-Software kaufen, installieren und starten Sie Spiele.

Spielekonsole mit Steam-OS

Für Ende 2015 sind Spielekonsolen mit Steam-OS geplant. Diese sind mit einem Game Controller ausgestattet und werden an das TV-Gerät angeschlossen. Was es demnächst geben soll, ist auf der Seite http://store.steampowered.com/hardware zu sehen. In den Steammachines steckt – je nach Ausstattung – eine Intel-CPU (i3 bis i7) und eine Grafikkarte von Nvidia, beispielsweise die Geforce GTX 750 Ti.

Wer möchte, kann Steam-OS auch selbst auf einem PC installieren. Dualboot mit Windows oder Linux ist allerdings nicht möglich, da Steam-OS die komplette Festplatte beansprucht. Die Hardware-Voraussetzungen sind die gleichen wie beim Steam-Client.

Laden Sie Steam-OS-Beta herunter. Die Download-Links stehen unterhalb von „Where can I download the brewmaster installer?“. Laden Sie die ISO-Datei für die Installation auf einem PC ohne Uefi herunter. Schreiben Sie das ISO etwa mit Brasero auf DVD, booten Sie den PC davon, und wählen Sie im Menü „Automated install (Will erase disk)“. Folgen Sie dann den weiteren Anweisungen des Assistenten.

Siehe auch: Steam OS - Gaming auf Basis von Debian

Für Uefi-PCs verwenden Sie die ZIP-Datei. Entpacken Sie diese auf einen FAT32-formatierten USB-Stick. Die Partition muss „SYSRESTORE“ heißen. Booten Sie den PC vom Stick, und wählen Sie im Bootmenü den Eintrag für den Stick, dem eine „UEFI“ vorangestellt ist. Gehen Sie im Menü auf „Restore Entire Disk“.

Steam-OS ist ein Debian-8-System, das im „Big picture Mode“ startet. Der Desktop lässt sich ebenfalls nutzen. Dazu gehen Sie auf das Icon mit dem Zahnradsymbol und wählen in den Einstellungen „Enable access to the Linux desktop“. Nach einem Klick auf „Exit“ erscheint jetzt die zusätzliche Auswahl „Return to Desktop“.

Ubuntu: Nvidia-Treiber manuell installieren

Wer den neuesten Nvidia-Treiber verwenden möchte, kann diesen selbst installieren. Laden Sie den Linux-Treiber im Download-Bereich von www.nvidia.com herunter. Als Vorbereitung führen Sie unter Ubuntu 14.04 folgende zwei Zeilen aus:

sudo apt-get install build-essential xserver-xorg-dev linux-headers-generic sudo stop lightdm 

Melden Sie sich nun im Terminal an, und starten Sie im Download-Verzeichnis

sudo sh NVIDIA-Linux-x86_64-352.30.run 

das Script. Den Dateinamen ersetzen Sie durch den der heruntergeladenen Version.

Video: SteamMachine als Konsolen-Ersatz bauen
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