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Linux-Desktop à la carte - Sechs nützliche Tricks

27.05.2015 | 13:09 Uhr |

Viele Ergänzungen in Form zusätzlicher Tools sind für mehrere Desktop-Umgebungen interessant. Etwa das hier vorgestellte und überarbeitete Menulibre sowie der Clipboard-Manager Diodon für Ubuntu und Co.

Programmstarter für Apps: Apps von Chrome/Chromium auf dem Desktop

Chrome-Apps in der Übersichtsseite von Gnome 3: Die als Verknüpfung erstellten Apps finden Sie in Gnome 3 und in Unity jetzt neben der normalen Software anhand ihres Namens.
Vergrößern Chrome-Apps in der Übersichtsseite von Gnome 3: Die als Verknüpfung erstellten Apps finden Sie in Gnome 3 und in Unity jetzt neben der normalen Software anhand ihres Namens.

Einige Apps aus dem Chrome Web Store für die Browser Google Chrome und Chromium haben beinahe die Eigenschaften eigenständiger Programme. Dazu gehören nicht nur Browser-Spiele wie die erstaunlich ausdauernden Angry Birds, sondern auch Anwendungen wie der Chrome Remote Desktop und die Google-Notizen. Praktisch wäre es, diese Apps direkt vom Desktop aus starten zu können.

In Windows und Mac-OS X und natürlich Chrome-OS bietet der Browser von Google schon länger die Möglichkeit, eine Verknüpfung zu einer Google-App außerhalb des Browsers auf dem Desktop oder im Anwendungsmenü anzulegen. Seit Version 35 hat auch die Linux-Version diesen Trick von Chrome/Chromium gelernt. Klicken Sie im geöffneten App-Menü ein App-Symbol rechts an, und wählen Sie den Punkt „Verknüpfung erstellen“. Nun müssen Sie nur noch entscheiden, ob die Verknüpfung auf dem Desktop oder im Anwendungsmenü („Apps-Menü“) des verwendeten Linux-Desktops erstellt wird. Unter Unity und Gnome 3 erscheinen diese Verknüpfungen dann natürlich auch unter den Anwendungen der Dash- beziehungsweise der Gnome-Übersichtsseite.

Bei den angelegten Verknüpfungen handelt es sich um standardkonforme Dateien („.desktop“).

Die Software-Tricks des Monats für Linux

Zwischenablage: Clipboard-Manager für Unity, Gnome, XFCE

Diodon: Der Manager für die Zwischenablage in Ubuntu arbeitet als App-Indikator, der hier in Xubuntu 14.04 im XFCE-Panel angezeigt wird. Diese Zwischenablage übersteht auch einen Neustart.
Vergrößern Diodon: Der Manager für die Zwischenablage in Ubuntu arbeitet als App-Indikator, der hier in Xubuntu 14.04 im XFCE-Panel angezeigt wird. Diese Zwischenablage übersteht auch einen Neustart.

Die Zwischenablage (Clipboard) hat unter dem X-Server, der unter Linux für die grafische Oberfläche sorgt, eine empfindliche Einschränkung: Wenn Sie aus einer Anwendung Inhalte in die Zwischenablage befördern und diese Anwendung dann schließen, so geht auch der Stoff in der Zwischenablage verloren. KDE installiert deshalb seinen eigenen Clipboard-Manager Klipper mit. Bei anderen Desktop-Umgebungen empfiehlt es sich, manuell einen solchen nachzurüsten.

Des Problems der vergänglichen Zwischenablage haben sich eine Menge Tools angenommen, da eine Ablage mit solidem Gedächtnis bei der täglichen Arbeit auf dem Linux-Desktop essenziell ist. Es sind aber nicht alle Lösungen gut für alle Desktop-Umgebungen geeignet. Unter Ubuntu Unity mit seinen App-Indikatoren und in den anderen Ubuntu-Varianten gibt es mittlerweile das Tool Diodon , das sich sehr gut in alle Arbeitsumgebungen des Ubuntu-Kanons (Unity, Gnome 3, XFCE, LXDE) integriert und zudem über die Standard-Paketquellen schnell eingerichtet ist. Installieren Sie dazu in einem Terminal mit

sudo apt-get install diodon diodon-plugins

die beiden benötigten Pakete. Danach ist eine erneute Anmeldung am System nötig, damit Diodon aktiv wird, das sich selbständig als Autostart-Programm einträgt.

In der App-Leiste von Unity zeigt es sich als Büroklammer. Damit es auch unter XFCE zu sehen ist, müssen Sie das XFCE-Panel noch nach einem Rechtsklick und „Leiste -> Neue Elemente hinzufügen“ um die „Nachrichtenanzeige“ ergänzen.

Tastaturvarianten - Welches deutsche Tastaturlayout?

Akzentfrei: Wer keine Buchstaben mit Akzenten braucht, ist mit dem Tastaturlayout ohne Akzenttasten besser bedient, das vor allem für Scripts und Quellcode praktischer ist.
Vergrößern Akzentfrei: Wer keine Buchstaben mit Akzenten braucht, ist mit dem Tastaturlayout ohne Akzenttasten besser bedient, das vor allem für Scripts und Quellcode praktischer ist.

Schon bei der Installation einer Linux-Distribution müssen Sie wählen, mit welchem deutschen Tastaturlayout das Linux-System arbeiten soll. Zur Auswahl stehen hier gleich vier Layouts für eine deutschsprachige Standard-PC-Tastatur bereit, die mit kleineren Unterschieden jeweils anderen Anforderungen entgegen kommen.

Haben Sie sich schon mal gewundert, dass Sie das Tilden-Zeichen (~) zweimal tippen müssen? In der normalen Belegung „Deutschland (Deutschland)“ sind die Akzenttasten mit den Zeichen ^, ~, ` und ‚ keine gewöhnlichen Tasten, sondern sogenannte „Deadkeys“, die ihren Akzent auf das Zeichen der nächsten gedrückten Taste setzen. So lässt sich dann beispielsweise ein „ñ“ eingeben, indem man erst „~“ eingibt und anschließend die das „n“ drückt. Um die Tilde zu erhalten, ist ein zweimaliger Druck auf „~“ nötig. Genauso verhält es sich mit den anderen Akzentzeichen. Dieses ist für europäische Sprachen ideal, da Sie trotz deutschen Layout auch akzentuierte Zeichen aus romanischen Sprachen eingeben können.

Wenn Sie diese Zeichen aber nicht benötigen, dann ist ein einfacheres Tastaturlayout ohne Deadkeys besser, da hier die Zeichen ^ und ` für Scripts und Programmiersprachen leichter zugänglich sind. Wählen Sie dafür in den Einstellungen der Desktop-Umgebung das Layout „Deutsch (ohne Akzenttasten)“. Die anderen beiden Layouts „Deutsch (Nur Acute-Akzentzeichen)“ und „Deutsch (Nur Grave- und Acute-Akzentzeichen)“ sind Zwischenformen, bei welchen nur das Acute-Zeichen ` beziehungsweise ` und ‚ Deadkeys sind.

KDE 4.X: Redshift regelt die Farbtemperatur des Desktops

Wenn es Nacht wird auf dem Linux-Desktop: Redshift passt die Farbtemperatur der Bildschirmausgabe abhängig von der Tageszeit an, kann über das Plasma-Widget aber auch manuell gesteuert werden.
Vergrößern Wenn es Nacht wird auf dem Linux-Desktop: Redshift passt die Farbtemperatur der Bildschirmausgabe abhängig von der Tageszeit an, kann über das Plasma-Widget aber auch manuell gesteuert werden.

Arbeit am Bildschirm ermüdet das Auge, und wer gerade abends noch an länger am PC sitzt, empfindet den hohen Weißanteil des Monitorlichts als unangenehm. Linderung verspricht das Tool Redshift , das abhängig von der Tageszeit die Farbtemperatur der Bildschirmausgabe per Software in Richtung Rot verschiebt. Für KDE gibt es jetzt ein Plasma-Widget für Redshift, das dessen Kontrolle und Konfiguration vereinfacht.

Erfreulicherweise ist Redshift inzwischen in den Paketquellen der populären Linux-Distributionen angekommen und die Installation damit ganz unkompliziert. Das gilt auch für das zugehörige Plasmoid für KDE 4.X, das auf Redshift aufbaut und in den KDE-Vorzeigedistributionen Kubuntu und Open Suse schnell nachgerüstet ist. Installieren Sie zuerst Redshift, was in Kubuntu mit

sudo apt-get install redshift

und in Open Suse über

sudo zypper install redshift

in der Konsole schnell erledigt ist. Als Nächstes benötigen Sie das KDE-Widget für Redshift, das Sie ebenfalls über den Paketmanager installieren:

sudo apt-get install plasma-redshift-widget

Für Open Suse liegt das Paket im Repository „KDE Extra“ des Factory-Zweigs bereit. Gehen Sie auf http://software.opensuse.org/package/plasmoid-redshift , wo Sie die verwendete Open-Suse-Version ausklappen und dann auf „Show unstable packages“ klicken. Sie können das Paket über die bequeme 1-Klick-Installation über Yast einrichten.

Dann sollten Sie aber darauf achten, dass im Installationsdialog die Option „Behalte diese Repositories“ deaktiviert ist, da „KDE Extra“ auch viele andere KDE-Pakete aus dem Factory-Zweig enthält und aktualisieren würde. Ist das Widget installiert, klicken Sie zur Einrichtung auf das Symbol der Cashew-Nuss auf dem Desktop oder im KDE-Panel und dann auf „Miniprogramme hinzufügen“. Über die Suchfunktion finden Sie das Widget schnell über den Namen „Redshift“ und können es dann an die gewünschte Stelle ziehen. Einen Autostart-Eintrag hat Redshift bei der Installation automatisch erstellt. Damit das Widget funktioniert, müssen Sie den Rechner einmal neu starten – eine neue Anmeldung genügt nicht. Desktop-Effekte über den KDE-Window-Manager Kwin müssen übrigens nicht aktiviert sein, denn Redshift arbeitet im Hintergrund mit dem Tool xrandr.

Die Einstellungen für Redshift können Sie nach einem Rechtsklick auf das Widget bis ins Detail anpassen.

Linux-Desktop:7 praktische Tricks

Verknüpfungen zu Anwendungen: Das Anwendungsmenü in Form bringen

Menüeditor für alle Desktop-Umgebungen: Nach langer Entwicklungspause hat Menulibre einen großen Schritt getan und unterstützt unter „Aktionen“ auch die Kontextmenü-Punkte.
Vergrößern Menüeditor für alle Desktop-Umgebungen: Nach langer Entwicklungspause hat Menulibre einen großen Schritt getan und unterstützt unter „Aktionen“ auch die Kontextmenü-Punkte.

Die Desktop-Umgebungen Gnome 3 und Unity haben kein klassisches Anwendungsmenü zum Ausklappen. Stattdessen hilft eine Gesamtübersicht mit Suchfunktion dabei, eine Anwendung zu finden. Es gibt in diesen Arbeitsflächen deshalb auch keinen Menüeditor mehr, um Einträge zu bearbeiten, auszublenden oder hinzuzufügen.

Während KDE, aber auch die alternativen Arbeitsflächen Cinnamon und Mate ihren eigenen Editor für das Anwendungsmenü mitbringen, müssen sich Anwender von Gnome, Unity, XFCE und LXDE nach einem externen Programm umsehen. Am besten geeignet ist Menulibre 2.0, das vor rund einem Jahr komplett neu geschrieben wurde, um mit den aktuellen Versionen der verbreiteten Desktop-Umgebungen zusammenzuarbeiten und in den Standard-Paketquellen von Ubuntu 14.04/14.10 und dessen Abkömmlingen verfügbar ist. Die Installation erfolgt bei diesen Distributionen mit

sudo apt-get install menulibre

und für Open Suse 13.2 gibt es fertige Pakete von Menulibre über den Build Service. Auch eine Installation ist Fedora 21 ist möglich, muss hier aber zu Fuß erfolgen. Da es sich bei Menulibre aber um ein Python-3-Programm handelt, muss man dazu nicht kompilieren. Installieren Sie in Fedora erst als root oder mit vorangestelltem „sudo“ im Terminal die folgenden drei Pakete:

yum install python3-distutils-extra python3-psutil intltool

Anschließend laden Sie das Archiv „menulibre-2.0.6.tar.gz“ von https://launchpad.net/menulibre herunter und entpacken es:

tar -xzvf menulibre-2.0.6.tar.gz

Dann gehen Sie mit

cd menulibre-2.0.6

in das neu angelegte Verzeichnis und installieren Menulibre als Benutzer:

python3 setup.py install --user

In allen Distributionen rufen Sie das Tool über den Ausführen-Dialog (Alt-F2) mit menulibre auf oder – in Unity – über das Dash mit „Menübearbeitung“. Das Programm ist weitgehend selbsterklärend. Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Änderungen im Anwendungsmenü stets benutzerspezifisch sind. Nach dem Aufruf zeigt Menulibre in der linken Spalte in einer Baumansicht die Kategorien und darunter die Programmstarter an. Im rechten Fenster kann man die Starter editieren oder Kategorien komplett verstecken.

Eine interessante Funktion speziell für Unity ist im Editor-Fenster das Untermenü „Aktionen“, das die Kontextmenüeinträge zu Symbolen im Unity-Launcher ändern oder durch eigene Befehle ergänzen kann. Um einen komplett neuen Starter aufzunehmen, klicken Sie links oben auf das Plus-Symbol. Zum Speichern aller Änderungen gehen Sie auf das Datenträgersymbol rechts davon. Die neuen oder geänderten Starter, die als Datei mit der Endung „.desktop“ vorliegen, schreibt Menulibre ins Verzeichnis „~/.local/share/applications“ des aktuellen Benutzers. Die dort abgelegten Starter haben eine höhere Priorität als die systemweiten Verknüpfungen im Ordner „/usr/share/applications“.

KDE 4.X: Mehrere Leisten in KDE nutzen

KDE 4.14 im Stil von Unity: Mit einer Leiste am linken Rand für Programmstarter sowie Systemsymbole und einer horizontalen Fensterleiste kann KDE den Platz auf breiten Bildschirmen besser nutzen.
Vergrößern KDE 4.14 im Stil von Unity: Mit einer Leiste am linken Rand für Programmstarter sowie Systemsymbole und einer horizontalen Fensterleiste kann KDE den Platz auf breiten Bildschirmen besser nutzen.

In seiner Standard-Optik liefert KDE einen traditionellen Desktop mit einer einzigen Leiste (KDE-Panel) am unteren Bildschirmrand, die das K-Menü, die Taskliste und den Infobereich enthält. Diese Aufteilung ist für neuere Bildschirme nicht optimal, die horizontal mehr Platz bieten als vertikal. Aber KDE wäre nicht KDE, wenn sich die Leiste nicht bis ins Detail anpassen ließe.

Das Format breiter Bildschirme können Sie mit einem zusätzlichen vertikalen KDE-Panel besser nutzen, das im Stil von Unity als Programmstarter für häufig benötigte Anwendungen dient. Das schafft gleichzeitig Platz auf der horizontalen Leiste für die laufenden Programme, die man dann nicht mehr gruppieren muss. Klicken Sie rechts auf einen freien Bereich des KDE-Desktops und dann auf „Kontrollleiste hinzufügen -> Leere Kontrollleiste“. Die neue Leiste erscheint erst einmal horizontal am oberen Bildschirmrand. Das ändern Sie mit einem Klick auf deren Cashew-Nuss, woraufhin Sie die Option „Bildschirmkante“ geklickt halten und die ganze Leiste vertikal an den linken Rand verschieben. Wenn gewünscht, können Sie auf die gleiche Weise zudem die untere Leiste nach oben schieben und erhalten dann eine Desktop-Aufteilung im Stil von Unity, die Sie jetzt nach Belieben mit den gewünschten Elementen füllen können.

Zunächst überlappen sich horizontale und vertikale Leiste in der linken Ecke. Aber das ist leicht geändert, indem Sie im Bearbeitungsmodus den linken Anfasser der horizontalen Leiste mit dem Mauszeiger fassen und dann so weit nach rechts ziehen, dass die Kanten sauber abschließen. Beachten Sie auch, dass KDE automatisch größere Symbole in der vertikalen Leiste anzeigt, wenn Sie diese etwas breiter machen und auf 54 Pixel ziehen.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 2/2015

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