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Linux-Desktop nach Maß

13.09.2012 | 14:30 Uhr |

Der Linux-Desktop ist vielseitig und wandlungsfähig. Mit Cinnamon kommt eine einsteigerfreundliche Arbeitsumgebung hinzu. Bis wirklich alles passt, sind aber meist noch ein paar Handgriffe nötig.

Cinnamon für Ubuntu, Fedora und Open Suse
In den letzten Monaten brachten Gnome 3 und Unity einigen Schwung in die Entwicklung des Linux-Desktops. Der Bruch mit alten Gewohnheiten und liebgewonnenen Funktionen sorgt aber auch für erhebliche Kritik, da nicht alle Anwender mit den aktuellen Arbeitsumgebungen zufrieden sind. Die Ubuntu-Alternative Linux Mint bietet deshalb den komplett neuen Desktop Cinnamon, der die besten Elemente von Gnome 3 und dem klassischen Gnome 2 verbinden will. Ein gewohntes Anwendungsmenü ist hier genauso mit von der Partie wie eine traditionelle Taskleiste.

Open Suse mit Cinnamon: Ein externes Repository macht die Einrichtung von Cinnamon über Yast mit der 1-Klick-Methode einfach. Die Programmpakete für Gnome 3 werden automatisch mitinstalliert.
Vergrößern Open Suse mit Cinnamon: Ein externes Repository macht die Einrichtung von Cinnamon über Yast mit der 1-Klick-Methode einfach. Die Programmpakete für Gnome 3 werden automatisch mitinstalliert.

TIPP: Wenn Sie Cinnamon in Aktion sehen möchten, empfiehlt sich das Live-System von Linux Mint 13. Zwar ist Cinnamon eine eigene Entwicklung der Programmierer um Linux Mint. Erfreulicherweise ist dieser Desktop aber nicht nur dieser Distribution vorbehalten, sondern lässt sich auch unter anderen Linux-Systemen wie Ubuntu, Open Suse und Fedora installieren. Da es sich bei Cinnamon um einen alternativen Desktop handelt, sind die benötigten Programmpakete zwar kein Bestandteil der großen Distributionen, werden aber über inoffizielle Paketquellen bereitgestellt.

Ubuntu mit Cinnamon: Wer weder Unity noch Gnome 3 mag, bekommt mit Cinnamon eine schlanke Desktop-Alternative, die Elemente von Gnome 3 und Gnome 2 kombiniert.
Vergrößern Ubuntu mit Cinnamon: Wer weder Unity noch Gnome 3 mag, bekommt mit Cinnamon eine schlanke Desktop-Alternative, die Elemente von Gnome 3 und Gnome 2 kombiniert.

Ubuntu 12.04 und 11.10: Cinnamon steht hier über ein PPA bereit, also ein Repository, dass von der Anwendergemeinde gepflegt wird. Die Einrichtung erfolgt am schnellsten über die Kommandozeile. Geben Sie in einem Terminal-Fenster erst den Befehl
sudo add-apt-repository ppa:gwendal-lebihan-dev/cinnamon-stable
ein, um das neue Repository hinzuzufügen. Dies müssen Sie noch mit der Enter-Taste bestätigen. Danach führen Sie
sudo apt-get update sudo apt-get install cinnamon aus, um die Programmpakete von Cinnamon herunterzuladen und zu installieren. Der Umfang des Downloads beträgt rund 18 MB. Nach der Installation melden Sie sich ab; danach können Sie am Anmeldebildschirm über das runde Ubuntu-Symbol den Desktop „Cinnamon“ auswählen. Fedora 16 und 17: Über eine inoffizielle Paketquelle kommt auch Fedora an den Cinnamon-Desktop. Die Installation erfolgt anschließend auch hier recht komfortabel über den Paketmanager. Um die Paketquelle einzubinden, öffnen Sie ein Terminal-Fenster und geben zunächst den Befehl su ein, um root-Privilegien zu bekommen. Anschließend laden Sie mit curl das benötigte Paket und binden es ein (eine Kommandozeile!): curl http://repos.fedorapeople.org/repos/leigh123linux/cinnamon/fedora-cinnamon.repo -o /etc/yum.repos.d/fedora-cinnamon.repo
Jetzt können Sie Cinnamon mit dem Kommando
yum install cinnamon
einrichten. Ab der nächsten Anmeldung finden Sie auf dem Anmeldebildschirm im Auswahlfeld für die gewünschte Desktop-Umgebung einen neuen Eintrag.

Fedora mit Cinnamon: Mit zwei Befehlen installieren Sie die alternative Desktop-Umgebung unter Fedora 16 und 17. Nach der Installation wählen Sie Cinnamon auf dem Anmeldebildschirm aus.
Vergrößern Fedora mit Cinnamon: Mit zwei Befehlen installieren Sie die alternative Desktop-Umgebung unter Fedora 16 und 17. Nach der Installation wählen Sie Cinnamon auf dem Anmeldebildschirm aus.

Open Suse 12.1: Die Installation von Cinnamon erfolgt hier komfortabel über Yast, Ausflüge auf die Kommandozeile sind hier nicht nötig. Allerdings gibt es hier eine Einschränkung: Cinnamon eignet sich für Open Suse nur, wenn bereits Gnome 3 als Desktop-Umgebung installiert ist, da es auf dessen Programmpaketen aufbaut. Wenn Sie KDE verwenden, führt die Einrichtung von Cinnamon also erst mal zur Installation aller Pakete für Gnome und dauert entsprechend länger. Der Download umfasst dann stolze 240 MB. Gehen Sie im Webbrowser zur Adresse /Cinnamo/12.1/cinnamon.ymp:http://download.opensuse.org/repositories/GNOME:/Cinnamo/12.1/cinnamon.ymp und lassen Sie Yast 1-Click Install gleich die heruntergeladene Datei öffnen, um das Repository einzubinden. Die Installation über Yast springt danach automatisch an, um alle benötigen Komponenten nachzurüsten, also auch Gnome 3, falls dies noch nicht vorhanden ist. Auch hier steht ab der nächsten Anmeldung der neue Desktop zur Auswahl bereit.

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Spices: Erweiterungen für Cinnamon
In der Standardausführung ist Cinnamon betont schlicht und bietet kaum mehr als ein Anwendungsmenü und eine klassische Taskleiste mit Infobereich und einigen Symbolen für Lautstärke und Netzwerk. Allerdings muss das nicht so bleiben: Spices können den Cinnamon-Desktop funktional erweitern.

Cinnamon-Erweiterungen: Sogenannte Spices erweitern die Taskleiste in Form von Miniprogrammen – wie etwa dieser Hardware-Monitor. Extras müssen Sie manuell installieren.
Vergrößern Cinnamon-Erweiterungen: Sogenannte Spices erweitern die Taskleiste in Form von Miniprogrammen – wie etwa dieser Hardware-Monitor. Extras müssen Sie manuell installieren.

TIPP: In Anlehnung an den Namen Cinnamon (Zimt) nennen die Entwickler ihre Erweiterungen für die Taskleiste Spices (Gewürze); einige Erweiterungen bringt die Desktop-Umgebung bereits mit. Um einen Überblick zu erhalten, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Infobereich rechts unten und wählen „Miniprogramme hinzufügen/entfernen“. Die Liste der Erweiterungen zeigt alle installierten Spices, die Sie als Symbol in die untere Leiste einfügen können, indem Sie einfach einen Haken davor setzen.
Das ist aber noch nicht alles: Klicken Sie im gleichen Dialogfenster unten auf den Link „Neue Miniprogramme herunterladen“, um den Browser auf http://cinnamon-spices.linuxmint.com/applets zu lenken, wo Sie weitere Erweiterungen herunterladen können. Zur Auswahl stehen hier Hardware-Überwachungs-Tools, alternative Anwendungsmenüs und zahlreiche Abkürzungen.

Um eine Erweiterung zu installieren, klicken Sie auf der Detailseite auf „Download“. Sie erhalten ein ZIP-Archiv, dessen Inhalt Sie ins Verzeichnis ~/.local/share/cinnamon/applets/ entpacken. Beachten Sie aber, dass die Detailseite im Web oft noch zusätzliche englischsprachige Informationen bietet, wenn eine Erweiterung zusätzliche Programmpakete als Abhängigkeit benötigt. In diesem Fall müssen Sie die dafür benötigten Pakete erst noch über den Paketmanager Ihrer Distribution installieren. Erst dann können Sie die Erweiterung über den Einstellungsdialog „Miniprogramme“ aktivieren.

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