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Was kostet der Umstieg auf Open Source?

16.04.2010 | 16:01 Uhr |

Die Beschaffung quelloffener Programme ist kostenlos, doch gerade Anbieter kommerzieller Software verweisen gerne auf Faktoren wie erhöhte Schulungs- und Support-Kosten oder ähnliches. An der Frage, wie sich Kosten und Nutzen messen und vergleichen lassen, scheiden sich die Geister.

Kostenvergleiche binden Ressourcen und sind deshalb oft nicht besonders beliebt, sagt Carlo Velten von der Experton Group.
Vergrößern Kostenvergleiche binden Ressourcen und sind deshalb oft nicht besonders beliebt, sagt Carlo Velten von der Experton Group.
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Praxisbeispiele für mögliche Einsparungen durch den Einsatz von Open Source gibt es genug. Einschlägige Erfolgsgeschichten werden schon seit Jahren von Anbietern wie Novell, Red Hat oder IBM berichtet. Was man aber selten erfährt: Wie haben diese "Referenzanwender" Kosten und Nutzen genau ermittelt und einander gegenüber gestellt? Allzu oft bleibt es bei allgemeinen Angaben zu den tatsächlichen oder auch nur erwarteten Kostenvorteilen, was einer Firma, die selbst in der Planung steckt, nicht wirklich weiter hilft.

Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig: "Kostenvergleiche binden Ressourcen und sind deshalb oft nicht besonders beliebt", beobachtet Carlo Velten von der Experton Group . Vielen Unternehmen reicht das Argument, dass mit Open Source die Lizenzkosten wegfallen. Dem Management genüge dies häufig als Rechtfertigung für einen Einsatz. In Großunternehmen mit einem professionellen IT- und Lizenz-Management stellten Kostenanalysen in der Regel ein geringeres Problem dar.

Ein Patentrezept für fundierte Kostenbetrachtungen gibt es nicht. Dafür sind die Einsatzszenarien und die vorhandenen IT-Strukturen in den Unternehmen zu unterschiedlich. Gartner -Analyst Phil Dawson verweist auf eine Reihe von Problemen, die IT-Verantwortliche dabei lösen müssten: "In der Praxis werden oft Äpfel mit Birnen verglichen", so seine Einschätzung. Beispielsweise setzten Unternehmen häufig viele verschiedene Open-Source-Komponenten ein. Damit verbunden sind unterschiedliche Nutzungs- und Lizenzmodelle, die genau geprüft werden müssten. Das treibe den Aufwand für seriöse Kalkulationen in die Höhe.

Erschwerend kommt hinzu, dass immer mehr Organisationen gemischte IT-Umgebungen aus quelloffenen und Closed-Source-Produkten aufbauen. Das amerikanische Marktforschungs- und Beratungshaus Saugatuck Technology sieht in solchen "Mixed-Source"-Szenarien ein großes Wachstumspotenzial. Open-Source-Software hält demnach immer stärker Einzug in traditionelle IT-Systeme der Anwender. Ähnliches gelte für Softwarelösungen kommerzieller Anbieter, die ebenfalls Open-Source-Komponenten enthalten. Diese "versteckte Präsenz" quelloffener Software führe zu einer allmählichen Veränderung der Unternehmens-IT insgesamt.

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