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Lexoffice: Vorteile und Nachteile des Mitmach-Konzepts

07.11.2013 | 11:02 Uhr |

Wer bei der webbasierten Buchhaltung Lexoffice.de Funktionen vermisst, kann deren Implementierung vorschlagen. PC-Welt zeigt was noch fehlt und was gerade frisch reingekommen ist. Die Vorteile und Nachteile des Mitmach-Konzepts von Lexware.

Lexoffice ist eine webbasierte Buchhaltungslösung für Freelancer, Gründer und Kleinunternehmer. Der Clou: Das Programm ist längst nicht fertig – was der Anbieter Lexware auch gar nicht behauptet, aber viele Anwender auf den ersten Blick wohl dennoch nicht wissen. Die Idee von Lexware: Die Anwendung soll erst in der Community basisdemokratisch reifen. Wem eine Funktion fehlt, der darf den Wunsch nach Realisierung äußern. Erhält der Vorschlag entsprechend viele „Likes“, machen sich die Entwickler an dessen Umsetzung. Der Nachteil: Das kann dauern. Und so sucht man EÜR oder Elster-Anbindung derzeit noch vergeblich.
Lexware hat seine Cloud-Buchhaltungslösung lexoffice eigenen Angaben zufolge im Dialog mit mehr als 800 (Klein)-Unternehmen entwickelt. Sogar über den Namen des Produkts konnten die Projektteilnehmer mitentscheiden. Besonderen Wert habe man bei der Benutzeroberfläche auf Einfachheit und intuitive Bedienbarkeit gelegt. Wichtige Funktionen kommen nun sukzessive dazu.

Lexware bringt mit Lexoffice Buchhaltungssoftware aus der Cloud

Inzwischen ist die Cloud-Lösung lexoffice ein Jahr alt. Ausgestattet ist sie mit Modulen zur Auftragsbearbeitung, für Online-Banking und Finanzplanung. Ein grafisches Dashboard informiert über Umsatzentwicklung, aktuelle Kontostände oder die Zahl der offenen Rechnungen und Angebote. Für die Nutzung verlangt Lexware monatlich knapp fünf Euro - Updates und Datensicherung in einem deutschen Rechenzentrum inklusive. Sie kann 90 Tage kostenlos getestet werden.

Schnell erledigt: Buchhaltung in der Cloud

Seit dem Veröffentlichungsdatum sind laut Lexware 48 Vorschläge von Nutzern realisiert wurden, beispielsweise das Stornieren von Rechnungen, die Erfassung von Eingangsgutschriften, eine App zum Scannen von Belegen per iPhone oder Android-Smartphone, Zahlungserinnerungen sowie der Datev-Export zum Steuerberater.

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Einnahme/Überschussrechnung fehlt

Was die Anwender jedoch weiterhin schmerzlich vermissen, ist eine Einnahme/Überschussrechnung (EÜR). Diese Möglichkeit des – gegenüber der Bilanz - vereinfachen Jahresabschlusses können Firmen nutzen, die pro Jahr nicht mehr als 500.000 Euro umsetzen, deren Jahresgewinn weniger als 50.000 Euro beträgt, die nicht im Handelsregister eingetragen und nicht zur Buchführung verpflichtet sind. „Was mir fehlt, sind Unternehmensberichte, wie die Möglichkeit der Erstellung und des Ausdruckens von Bilanzen und Einnahmen-/Überschussrechnungen“, schreibt ein anonymer Lexoffice-Nutzer auf der Site. „Update um Update kommt, aber dieser Punkt scheint immer noch nicht berücksichtigt zu werden…“, meint ein anderer. „EÜR ist für mich auch ein totales K.o.-Kriterium, um nach der Testphase zu bestellen“, kommentiert ein weiterer User. Immerhin wurde der Status dieser dringend gewünschten Funktion inzwischen auf „Umsetzung geplant“ gesetzt. Dasselbe gilt für die bislang fehlende Möglichkeit, SEPA-Überweisungen zu tätigen.

Kritisiert werden bislang außerdem die derzeit noch mangelhaften Gestaltungsmöglichkeiten. „Schriftart ändern, Elemente wie Seitenzahl ausblenden und die Anpassung der Spalten würden fast schon reichen..“, so der Wunsch eines Nutzers. Viele Anwender sehnen sich auch nach der Möglichkeit, individuelle Einleitungs- und Schlusstexte für Angebote oder Rechnungen editieren zu können. Die Umsetzung dieser Wünsche ist laut Lexware erst geplant.

...und ihr Wünsche äußern. Ob diese auch umgesetzt werden, ist eine andere Frage.
Vergrößern ...und ihr Wünsche äußern. Ob diese auch umgesetzt werden, ist eine andere Frage.

Kassenbuch fehlt noch

Konkret gestartet wurde indes die Umsetzung von vier Vorschlägen: darunter die Belegverwaltung. Weniger gut sieht es für Anwender aus, die eine Kassenbuchfunktion benötigen. Hier läuft derzeit die Abstimmung. Hunderte Nutzer würden außerdem eine integrierte Umsatzsteuervoranmeldung per Elster begrüßen. Ebenso kann noch über die Auflistung von Rechnungen, Angeboten und anderen Informationen in einem Kundenkonto abgestimmt werden. Ohne Unterstützung bleiben derzeit auch Anwender, die Rechnungen per Lastschrift abbuchen oder Gesamtrabatte auf Rechnungen gewähren wollen.

Noch nicht entschieden ist ferner eine Paypal-Anbindung sowie die Möglichkeit, individuell definierbare Zahlungsziele für einzelne Kunden zu setzen. Für Händler ein Muss: Bei der Bearbeitung von Belegen sollten Einkaufspreis und Verkaufspreis angezeigt werden. Doch: „Solange einem Produkt nicht EK und VK zugeordnet werden können, macht meiner Meinung nach lexoffice für Unternehmen, die Waren und Dienstleistungen einkaufen und dann wieder verkaufen, keinen Sinn“, klagt dieser Tester. Er müsse die Rechnung immer parallel in Excel mitführen. „Da ist der ganze Nutzen wieder dahin.“ Ob sein Wunsch überhaupt Realität wird, ist indes noch nicht sicher.

Entschieden ist dagegen derzeit der Verzicht auf eine Ebay-Schnittstelle – „Umsetzung z. Zt. nicht vorgesehen.“ Mit demselben Kommentar sind auch die Vorschläge für eine Schnittstelle zur Steuererklärungssoftware QuickSteuer von Lexware sowie für eine Mehrsprachigkeit der Lösung versehen. Nach einer Alternativ-Lösung müssen sich auch Dienstleister umsehen, die Rechnungen für Services schreiben, die an verschiedenen Tagen stattfanden und deshalb eine Spalte für das konkrete Leistungsdatum in der Service-Zeile benötigen.

Fazit: Die Wunschliste der Anwender ist noch lang – für die Entwickler gibt es noch einiges zu tun…
 
Lexoffice: Wunsch und Wirklichkeit

Bis dato fehlt in der Cloud-Buchhaltungslösung lexoffice.de von Lexware noch so einiges an Funktionalität. Hier die Top 10 der meist gewünschten, noch fehlenden Features. Und zehn Funktionen, die auf Drängen der Anwender integriert wurden.

Die Top 10 der Wünsche (Stand 04.11.2013)
1.    2036 Stimmen: Unternehmensberichte (EÜR, Bilanz)
2.    1353 Stimmen: Mehr Gestaltungsmöglichkeiten für Druck/E-Mail.
3.    1178 Stimmen: Textbausteine
4.    1042 Stimmen: Kassenbuch
5.    712 Stimmen: Nachträgliches Bearbeiten von Rechnungen
6.    663 Stimmen: Umsatzsteuer-Voranmeldung/Elster
7.    574 Stimmen: Nummernkreise für Angebote/Rechnungen
8.    542 Stimmen: Android-App für mobilen Zugriff auf Daten
9.    511 Stimmen: Gesamtrabatt auf Rechnung
10.  506 Stimmern: Erfassung von Geschäftsvorfällen ohne Beleg

10 Wünsche, die Wirklichkeit wurden
1.    1686 Stimmen: Schnittstelle für Steuerberater
2.    1141 Stimmen: Rechnungs-Storno
3.    827 Stimmen: Rechnungsliste drucken und exportieren
4.    651 Stimmen: Rechnungsvorlagen nach Baukastenprinzip erstellen und Wasserzeichen für Rechnungen
5.    543 Stimmen: Mahnwesen
6.    229 E-Mail-Texte und Signaturen
7.    224 Stimmen: Zweite Adresszeile für Firma
8.    203 Stimmen: Zahlungseingangs-Datum in Übersicht
9.    156 Stimmen: Erfassung von Eingangsgutschriften
10.  125 Stimmen: Zahldatum erfassen bei manueller Bezahlung
 

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