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Leckere Fotos wie ein Food-Profi schießen

08.03.2015 | 10:09 Uhr |

Es haben wohl noch nie so viele Menschen Fotos von ihrem Essen gemacht wie heute. Vor allem Facebook oder unzählige Blogs sind Tummelplätze für zumindest visuelle kulinarische Highlights, aber auch ebensolche Katastrophen. Letzteres muss aber gar nicht sein.

Bis auf wenige Ausnahmen darf man wohl davon ausgehen, dass Menschen, die in Ihrem Blog oder auf Ihrer Facebook-Seite Bilder ihres Essen posten, der Welt mitteilen möchten, dass dort gerade etwas sehr Leckeres vor ihnen steht. Womöglich sogar selbst zubereitet. Oder vom Koch in der Restaurantküche appetitlich angerichtet, denn schließlich nutzen ja nicht nur Privatleute Webseiten und soziale Netze, um ihre kulinarischen Kreationen zu präsentieren. Für Gastronomen können die digitalen Medien eine ideale Marketing-Plattform sein. Oder aber eine Falle, denn hier isst das Auge nicht mit, sondern hier isst ausschließlich das Auge. Soll also der Food-Blog erfolgreich werden, soll die Restaurant-Homepage oder Facebook-Seite Lust auf mehr machen, sind gute Fotos das A und O. Und die sind gar nicht so schwer zu machen.

Die geheimen Tricks der Profi-Fotografen

Natürlichkeit ist Trumpf

Kaum ein Restaurant und erst Recht kein Hobby-Koch oder Freizeit-Gourmet leistet sich den Luxus eines Food-Stylisten, der Essen mit allen möglichen Tricks und teilweise künstlichen Hilfsmitteln perfekt inszeniert, damit die Bilder anschließend in einem Edel-Kochbuch Verwendung finden können. Das muss nicht sein, denn auch ohne Haarlack und andere Tricks sieht ein gut gegrilltes Steak sehr lecker aus, wenn es auf dem Teller schön angerichtet und gut fotografiert ist. Allerdings bedeutet das eben auch nicht, dass es damit getan ist, mal eben mit dem Smartphone oder der Kompaktkamera draufzuhalten.

Sonnenlicht ist ohne Reflektoren oder Diffusoren kaum kontrollierbar, wie dieses Foto zeigt. Das Bild ist in Sachen Belichtung unausgewogen
Vergrößern Sonnenlicht ist ohne Reflektoren oder Diffusoren kaum kontrollierbar, wie dieses Foto zeigt. Das Bild ist in Sachen Belichtung unausgewogen

Die nötige Ausrüstung

Was benötigen Sie für gute Food-Fotos? Nicht viel, aber das Wenige sollte vernünftig sein. Ideal ist eine lichtstarke Kompaktkamera mit einem Blitzschuh, eine Systemkamera oder eine DSLR. Dazu ein Aufsteckblitz mit dreh- und schwenkbarem Reflektor. Dann noch einen schönen Tisch als Untergrund, möglichst gleichmäßig beleuchtet, also idealerweise nicht unbedingt in Fensternähe. Außerdem sollte die Platte nicht glänzen oder spiegeln; Glas, Edelstahl oder Marmor sind eher ungeeignet. Wenn Sie möchten, können Sie noch ein paar unterschiedliche Brettchen, Platten oder Teller zum Anrichten verwenden, auch kleine Requisiten wie Pfeffermühle, Kräuter und Gewürze oder ein schönes Messer schaden nicht. Erlaubt ist, was gefällt und zum jeweiligen Essen passt. Allerdings sollte das „Rundherum“ oder auch intensiv gemustertes Geschirr nicht das Bild dominieren. Das war es aber auch schon, mehr müssen Sie nicht haben. Einzige Ausnahme: Ist der Raum sehr hoch oder die Decke dunkel, dann empfiehlt sich noch ein Reflektor mit Stativ. Wer will, kann auch ein Table Top-Studio verwenden, aber nötig ist das nicht. Ein Wort noch zur Optik bei Kameras mit Wechselobjektiven: Auch hier ist eine hohe Lichtstärke von Vorteil. Eine recht preiswerte Lösung zumindest für DSLRs ist hier ein Festbrennweiten-Objektiv mit 50 mm und Lichtstärke 1,8. So etwas bekommt man für die meisten Modelle für etwa 100 Euro, und damit lässt sich vernünftig arbeiten.

Als Requisite braucht es nicht viel. Wer oft Essen fotografiert, sollte ein paar unterschiedliche Unterlagen verwenden. Zum Beispiel ein Tisch-Set im Holzdekor, das auf dem Foto später echt aussieht. Auch eine Schieferplatte, für wenige Euro in vielen Möbel- oder Dekozubehör-Läden zu erstehen, ist eine gute Plattform für Fotos.
Vergrößern Als Requisite braucht es nicht viel. Wer oft Essen fotografiert, sollte ein paar unterschiedliche Unterlagen verwenden. Zum Beispiel ein Tisch-Set im Holzdekor, das auf dem Foto später echt aussieht. Auch eine Schieferplatte, für wenige Euro in vielen Möbel- oder Dekozubehör-Läden zu erstehen, ist eine gute Plattform für Fotos.

Das Setup

Die Vorbereitung ist ziemlich simpel. Der Tisch sollte sauber sein, die Kamera mit vollen Baterien bereit liegen. Richten Sie das Essen auf einem Teller oder einer Platte so an, wie Sie es einem Gast servieren würden oder wie sie es selbst gerne serviert bekämen. Achten Sie darauf, dass der Teller nach dem Belegen überall dort, wo keine Lebensmittel sind, sauber ist. Das gilt insbesondere für den Rand. Nehmen Sie sicherheitshalber Küchenkrepp mit, um eventuell noch einmal nachzupolieren. Anschließend sollten Sie zügig den Weg zur Foto-Location antreten und loslegen.

Fotografieren ohne Automatik

Das Shooting

Im Normalfall sollte man keine Fotos machen, bei denen das Essen hinterher in den Müll wandert, weil es nicht mehr genießbar ist. Vermeiden Sie deshalb zu aufwändige Arrangements und Vorbereitungen. Es macht überhaupt nichts, auch mal ein Tellerbild am gedeckten Tisch zu machen, bei dem im Hintergrund noch eine Flasche Wein oder eine Schüssel erkennbar ist. Improvisieren Sie ruhig.

Tragen Sie Latex- oder Nitril-Handschuhe. Das hilft, Fingerabdrücke beim Anrichten oder Bewegen des Telbers zu vermeiden.
Vergrößern Tragen Sie Latex- oder Nitril-Handschuhe. Das hilft, Fingerabdrücke beim Anrichten oder Bewegen des Telbers zu vermeiden.

Schritt 1: Direktes Anblitzen vermeiden

Die wichtigste Regel: Blitzen Sie Ihr Essen nie an. Nutzen Sie den Aufsteckblitz und drehen Sie dessen Kopf Richtung Decke oder ggf. zu einem hinter Ihnen befindlichen Reflektor.

Schritt 2 : Testreihen

Nun machen Sie eine Reihe von Bildern, immermit leicht veränderten Perspektiven. Mal sehr flach, mal etwas schräger. Das hat den Vorteil, dass Sie eventuelle Reflexionen beispielsweise durch Fett oder eine saftige Oberfläche ausgleichen können. Außerdem haben Sie dann mehr Spielmöglichkeiten bei der Wahl des finalen Bildausschnitts am Rechner hinterher. Nutzen Sie zudem die Zeitautomatik und variieren Sie die Blende, um mitder Tiefenschärfe zu spielen.

Schärfebereich
Vergrößern Schärfebereich

Schritt 3 : Schärfebereich

Aber Achtung! Bei einem klassischen Tellerbild sollten bestenfalls der vordere oder der hintere Rand etwas in die Unschärfe abgleiten, der Schärfepunktdann einigermaßen mittig liegen. Hierim Beispiel ist der Unschärfebereichvorn zu groß. Wählen Sie also die Tiefenschärfe nicht zu gering. Anders, wenn Sie ein Stück Fleisch im Anschnitt fotografieren. Das kann durchaus in die Unschärfe laufen, hier liegt der Fokus auf der Schnittfläche.

Licht und Schatten
Vergrößern Licht und Schatten

Schritt 4 : Licht und Schatten

Behalten Sie das Ergebnis im Auge, betrachten Sie kurz das jeweilige Bild. Auf zwei Dinge sollten Sie achten. Erstens: Ist die Ausleuchtung gleichmäßig oder sind Teile des Tellers übermäßig hell? Und Zweitens: Wirft der Teller oder dessen Belag Schlagschatten.

Indirektes Licht
Vergrößern Indirektes Licht

Schritt 5 : Indirektes Licht

In dem Fall verändern Sie die Position des Blitzkopfes. Beide Phänomene sind das Ergebnis von zu viel direktem Licht, weshalb Sie die Blitzrichtung noch weiter entgegen dem Teller wählen sollten, bis, wie im Beispiel, nur noch ein dezenter Schatten bleibt. Eventuell bietet es sich sogar an, den Blitz leicht schräg nach hinten auszurichten, denn dadurch, dass die Kamera vorwärts geneigt wird, blitzt er dann senkrecht die Decke an.

Ein Ausschnitt genügt
Vergrößern Ein Ausschnitt genügt

Schritt 6 : Manchmal genügt ein Ausschnitt

Falls es eine Hauptzutat gibt, können Sie auch darauf zoomen, die Beilagen wandern dann in den Hintergrund oder an den Bildrand. Bei speziellen Motiven kann es auch sinnvoll sein, nur einen Ausschnitt zu wählen, etwa wenn Sie einen Berg Krabben oder Rippchen auf dem Teller liegen haben. Also immer dann, wenn sich das Motiv ob seiner Größe nur noch mit viel Rand erfassen lässt.

Verwendung im Web
Vergrößern Verwendung im Web

Schritt 7 : Verwendung im Web

Wenn Sie sich einen großen Gefallen tun wollen und Ihre Kamera das hergibt, fotografieren Sie im RAW-Format. Sie können dann hinterher viel nachjustieren, ohne dass die Qualität des Fotos leidet. Sowohl für die Belichtung, den Weißabgleich und den Kontrast kann das hilfreich sein, weil Sie eventuell die Bildwirkung noch verstärken. Anschließend bleibt nur noch, das Foto zu speichern und dort zu platzieren, wo es hin soll. Für die Verwendung im Web sollten Sie es aber noch kleiner rechnen, eine ganz gute Größe ist eine Breite (oder Höhe bei Hochformat) von 12 cm bei einer Auflösung von 150 dpi.

Sie sehen, es ist relativ wenig Aufwand nötig, um gute Food-Fotos hinzubekommen. Wichtig ist, dass das, was da auf dem Teller abgelichtet wird, schon in natura lecker aussieht, dann ist es ein Leichtes, davon auch einbrauchbares Foto zu bekommen. Und mehr muss nicht sein, mehr benötigt es nicht – schließlich wollen Sie der Außenwelt ja nur authentisch mitteilen, dass da gerade ein unglaublich leckeres Gericht vor Ihrer Linse steht. Und zwar eins, dass am liebsten jeder sofort essen möchte, nicht überzeichnet, nicht überdekoriert, sondern ganz real.

Dieser Artikel stammt aus der FotoWelt 1/2014

Die Highlights der Photokina, die Tricks der Profis, 20 Systemkameras im Test - das und mehr lesen Sie in der neuen FotoWelt 1/2014 !

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