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Laser gegen Tinte - Kampf der Druckertechnologien

25.07.2015 | 08:23 Uhr |

Laserdrucker waren jahrelang die erste Wahl für den Profi-Einsatz. Doch die Tintenstrahltechnologie hat aufgeholt. Wir nennen Vorteile und Nachteile.

Tinte oder Laser? Die Frage nach der besseren Druckertechnologie spaltet die Branche. Dabei lassen sich die Hersteller grob in drei Kategorien einordnen: Die Tintenstrahlfraktion, die sich fast komplett auf die Tintentechnologie konzentriert, die Hersteller, die zweigleisig fahren, und Unternehmen, die ausschließlich Laserdrucker im Portfolio haben.

Entsprechend fallen auch die Argumente für und wider den entsprechenden Drucktechnologien aus. Eines ist jedoch gewiss: Sowohl Tinten- als auch Laserdrucker haben längst die Grenzen der ursprünglichen Einsatzbereiche überschritten. Günstige Laserdrucker sind heute auch beim privaten Endkunden im Einsatz, während Business-Ink-Geräte längst im professionellen Gebrauch sind. Konnte man früher eher von einer friedlichen Koexistenz sprechen, wird heute vehement die Diskussion über die bessere Technologie geführt.

'Wir haben kleine Unternehmen als Wachstumsfeld im Tintenstrahldruckmarkt identifiziert', Dieter Röther, Produktspezialist bei Canon
Vergrößern 'Wir haben kleine Unternehmen als Wachstumsfeld im Tintenstrahldruckmarkt identifiziert', Dieter Röther, Produktspezialist bei Canon
© Canon

Zwar wurden auch schon früher Tintenstrahler in Büros eingesetzt, doch erst in jüngerer Zeit kann ein breitere Anwendung beobachtet werden: "Erst durch die Entwicklung neuer Produkte konnte der B2B-Markt erfolgreich adressiert werden", erläutert Epson -Marketingleiter Schahin Elahinija. "Bisher waren Tintenstrahldrucker nur für den Consumer-Markt ausgelegt, seit etwa zwei Jahren hat sich dies stark gewandelt", pflichtet ihm Klaus Baumann, Geschäftsführer des Memjet-Distributors Compatech bei.

Erst kürzlich ist auch Canon in das Business-Ink-Segment eingestiegen: "Wir haben kleine Unternehmen als Wachstumsfeld im Tintenstrahldruckmarkt identifiziert und eine neue Technologie entwickelt, die höhere Druckgeschwindigkeiten und Druckvolumen ermöglicht", berichtet Dieter Röther, Produktspezialist bei Canon. Man habe damit auf steigende Kundennachfrage reagiert.

Tintenstrahler verbrauchen weniger Energie

'Wenn es um professionellen Office-Druck geht sind Lasergeräte die erste Wahl', Dirk Bader, Teamleiter Product Marketing DACH bei Lexmark
Vergrößern 'Wenn es um professionellen Office-Druck geht sind Lasergeräte die erste Wahl', Dirk Bader, Teamleiter Product Marketing DACH bei Lexmark
© Lexmark

Als Argumente für den Einsatz von Tintenstrahlern werden hauptsächlich der niedrige Energieverbrauch, die niedrigen Druckkosten und der geringere Wartungsaufwand genannt. Unterschwellig spielt auch die Diskussion um eine vermeintliche Feinstaubbelastung tonerbasierter Druckverfahren eine Rolle. "Aus unserer Sicht ist der Laserdruck die Zukunftstechnologie", widerspricht Dirk Bader, Teamleiter Product Marketing DACH bei Lexmark . Lexmark hatte bereits erste Business-Tintenstrahler eingeführt und sich dann 2012 überraschend aus dem Segment verabschiedet. "Toner wird eingebrannt und kann nicht verschmieren", erklärt Bader.

Bei Kyocera verweist man zudem die Druckqualität: "Laserdrucker haben die bessere Qualität bei allen gängigen Office Papieren", meint Abteilungsleiter Produktmarketing, Bernd Austinat. Die Darstellung sei sowohl bei Text als auch bei Grafiken deutlich detaillierter und kontrastreicher. "Tintenstrahldrucken arbeiten mit flüssiger Tinte, die von den Fasern des Papieres aufgezogen wird. Die Folge, Text franst aus und farbige Grafiken werden blass ausgegeben. Diese schlechten Eigenschaften verstärken sich noch beim Einsatz von Recycling-Papier", erläutert der Kyocera-Produktspezialist.

Ein weiteres Problem sieht Austinat darin, dass der Druckkopf eintrocknen kann, wenn der Drucker längere Zeit nicht in Gebrauch ist: "Um das Eintrocknen zu verhindern, werden die Düsen des Druckkopfes mit Tinte durchspült. Das ist kostenintensiv", führt er an.

Laserdrucker punkten bei der Druckqualität

'Laserdrucker haben die bessere Qualität bei allen gängigen Office Papieren', Bernd Austinat, Abteilungsleiter Produktmarketing bei Kyocera
Vergrößern 'Laserdrucker haben die bessere Qualität bei allen gängigen Office Papieren', Bernd Austinat, Abteilungsleiter Produktmarketing bei Kyocera
© Kyocera

Laut Austinat werden häufig auch Probleme bei der Weiterverarbeitung insbesondere bei einfachem Kopier- oder Recycling-Papier genannt. Bedingt durch die hohe Ausgabegeschwindigkeit seien die Ausdrucke oft gewellt, besonders im Duplex-Modus. "Zwar wird bei verschiedenen Tintendruckern oft damit geworben, dass diese durch Pigmenttinten oder ähnliches wasserfeste Ausdrucke produzieren können. In der Praxis zeigt sich aber häufig, dass die Ausdrucke nicht wischfest sind", behauptet der Kyocera-Manager. Hier sein Laserdrucker einfach nicht zu schlagen. Das will Stephan Batteux, Manager Inkjet Printer Portfolio bei Hewlett-Packard , nicht so stehen lassen: "Bei manchen Kunden und Händlern herrscht zwar das Vorurteil, Tinte sei teuer und würde verschmieren. Außerdem befürchten sie ein zu häufiges Wechseln der Patronen. Diese Vorbehalte können wir aus dem Weg räumen", bekräftigt er. So seien die aktuellen Officejet-Pro- und Officejet-Enterprise-Geräte nicht nur kostengünstiger als Laserdrucker. "Auch die Tintenpatronen haben eine hohe Reichweite mit bis zu 10.000 Seiten. Die pigmentierte Tinte sorgt für wischfesten und dokumentenechten Ausdruck", widerspricht Batteux.

Ein weiteres Argument pro Laser ist der Funktionsumfang der etablierten Geräte: "Laserdrucker verfügen über ein professionelles Farbmanagement und decken die unterschiedlichsten Business-Applikationen ab. So bieten Lasergeräte beispielsweise umfangreichere Sicherheitsfunktionen. Dadurch werden sie den heutigen Business-Marktanforderungen stärker gerecht als Tintenstrahlgeräte", wirft Lexmark-Manager Bader ein. Zudem seinen Laserdrucker robuster, leiser und in der Reichweite überlegen. "Wenn es um professionellen Office-Druck geht sind Lasergeräte die erste Wahl", ist sich Bader sicher. Dies sind allerdings überwiegend Eigenschaften, die unabhängig von der verwendeten Drucktechnologie implementiert werden können. So rüsten die Tintendruckerhersteller ihre Produkte im Funktionsumfang und in der Leistungsfähigkeit weiter auf und sind hier in mancherlei Hinsicht den Laserdruckern längst ebenbürtig.

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