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Land Rover Discovery Sport: InControl Touch und Apps im Test

26.07.2015 | 08:57 Uhr |

Im Land Rover Discovery Sport sorgen Incontrol Touch und Incontrol Apps für Unterhaltung, Navigation und Information. Mit Touchscreen und Internet über Stock und Stein sozusagen. Ein ausführlicher Test des Infotainmentsystems im neuesten Land Rover.

Der seit Februar 2015 in Deutschland verkaufte Land Rover Discovery Sport ist das jüngste Fahrzeug des britisch-indischen Geländewagen-Herstellers. Mit dem in einer Fabrik bei Liverpool produzierten SUV können Sie zwar dank Permanent-Allradantrieb (ausgenommen das Einstiegsmodell, das nur über Frontantrieb verfügt) und ausreichend Bodenfreiheit sowie reichlich Watttiefe, Böschungs- und Rampenwinkel jederzeit einen Ausflug ins Gelände machen, in erster Linie dürfte der Discovery Sport aber wie die meisten SUVs hierzulande für den Straßen- und Boulevardeinsatz gedacht sein. Genau für diesen weniger hemdsärmligen Zweck hat Land Rover ein modernes Infotainmentsystem mit Touchscreen, Freisprechanlage, Bluetooth-Schnittstelle, Navigation und Smartphones-Apps eingebaut. Das haben wir getestet.

Der Testwagen: Ein Vierzylinder mit Allrad

Unsere Testbasis war ein Discovery Sport TD4 SE mit 2,2 Liter-Dieselmotor mit 150 PS Leistung. Der Discovery Sport besitzt das modernste Infotainmentsystem aller derzeit erhältlichen Land-Rover-Modelle: Mit Touchscreen (Incontrol Touch), Lenkradtasten, Sprachsteuerung, Navigation und Smartphone-Apps, die unter der Produktbezeichnung Incontrol Apps vermarktet werden.

Hardware: Klassische Infotainment-Ausstattung

Das Infotainmentsystem besteht aus dem 8-Zoll-Farb-Touchscreen in der Mitte des Armaturenbretts, den Menü-Tasten links und rechts des Bildschirms, Ein- und Ausschaltknopf sowie Klimareglern darunter, den Lenkradtasten, der Instrumententafel mit dem Informations-Display zwischen Tachometer und Drehzahlmesser und der Sprachsteuerung. Ein CD-Player fehlt bei unserem Testwagen, ist jedoch gegen Aufpreis erhältlich.

Das Armaturenbrett mit Lenkradtasten und dem 8 Zoll großen Incontrol Touch.
Vergrößern Das Armaturenbrett mit Lenkradtasten und dem 8 Zoll großen Incontrol Touch.
© Land Rover

Land Rover hat zudem großzügig 12-Volt- und 5-Volt-USB-Ladesteckdosen über das Fahrzeug verteilt: Vorne, in der Mittelkonsole, auf den Rücksitzen und im Kofferraum (wo sie unter anderem von den Passagieren auf den beiden Notsitzen im Kofferraum genutzt werden können).

Die Instrumententafel mit dem Informations-Display zwischen Tachometer und Drehzahlmesser.
Vergrößern Die Instrumententafel mit dem Informations-Display zwischen Tachometer und Drehzahlmesser.

Preise: Richtig heftig

Das Multifunktionslenkrad und das Navigationssystem Incontrol Touch (mit dem Kartenmaterial auf einer SD-Karte) sind bei bestimmten Ausstattungsvarianten im Preis enthalten. Einzeln kostet das Lenkrad 150 Euro (die beheizbare Variante 250 Euro), die Verkehrszeichenerkennung 270 Euro und Incontrol Touch (die SD-Kartennavigation) 800 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für das Audiosystem - je nach Umfang ab 600 Euro.

Digitalradio DAB+ (fehlte bei unserem Wagen) kostet 350 Euro Aufpreis. Für 1350 Euro verkauft Land Rover auch das Incontrol Touch Plus – das über einen CD-/DVD-Player verfügt. Zudem befindet sich auf dem Plus-System das Navigationskartenmaterial auf einer eingebauten Festplatte und nicht auf SD-Karte.

Für die über das ganze Auto verteilten USB-Anschlüsse muss man separat bezahlen. Die Funktion Incontrol Apps für das Smartphone kostet 410 Euro (zuzüglich Lizenzgebühren für kostenpflichtige Apps), Incontrol Remote 600 Euro, Incontrol Secure 640 Euro und Incontrol Wifi nochmals 350 Euro. Wenn man also das komplette Infotainmentsystem im Wagen haben will, wird das richtig teuer.

Konkurrenzumfeld und preisliche Einordnung

Preislich ist Incontrol Touch also im Premiumbereich angesiedelt, wie es dem Selbstverständnis der Marke Land Rover entspricht. Wir kommen im günstigsten Fall auf 680 Euro für die Kombination aus Incontrol Touch, Lenkradtasten, Verkehrszeichenerkennung, das günstigste Audiosystem und Incontrol Apps. Nimmt man dagegen statt der SD-Karten-Navigation die Festplattennavigation mit CD-/DVD-Player, DAB+, Touchscreen mit Dualview, TV-Empfang, Meridian-Soundsystem, alle vier Incontrol-Dienste, so landet man bei 5850 Euro. Zu diesem Preis kommen noch die Kosten für die diversen 12-Volt- und 5-Volt-USB-Steckdosen.

Wobei das gewählte Ausstattungpaket den Preis für das Infotainmentsystem erheblich beeinflusst. Laut Land Rover sieht das Preismodell folgemdermaßen aus:

Bei der Variante 1 bei der Ausstattungsvariante S setzt sich der Preis folgendermaßen zusammen:

410 Euro Incontrol Apps
800 Euro Incontrol Touch (SD-Karte)
150 Euro Multifunktionslenkrad
270 Euro Verkehrszeichenerkennung

Gesamtpreis: 1630 Euro mit 80 Watt-Audiosystem . Das 80-Watt-Radio ist Serie. Das 190-Watt-Soundsystem kosten 600 Euro Aufpreis. Das Meridian-Soundsystem ist hier nicht verfügbar.

Variante 1 ab Ausstattungsvariante SE:

410 Euro kosten die Incontrol Apps. Incontrol Touch (SD-Karte) ist bei SE Serie, ebenso das Multifunktionslenkrad. 270 Euro kostet die Verkehrszeichenerkennung zusätzlich.

Gesamtpreis: 680 Euro mit 160 Watt-Audiosystem . 160 Watt ist bei SE Serie, 250 Watt ist ab HSE Serie. Das Soundsystem Meridian kostet bei SE 1800 Euro und bei HSE ab 1400 Euro.

Variante 2 mit Festplattennavigation (bei S nicht verfügbar, erst ab Ausstattungsvariante SE erhältlich):

3.500 Euro kostet das Unterhaltungspaket mit Festplatten-Navigationssystem, Meridian Soundsystem, Digital TV und 8 Zoll-Touchscreen
350 Euro DAB+
410 Euro InControl Apps
600 Euro InControl Remote
640 Euro InControl Secure
350 Euro InControl WiFi

Gesamtpreis: 5850 Euro ab HSE

Zum Vergleich: Für die Infotainmentsysteme Audi Connect, BMW ConnectedDrive und Mercedes-Benz Comand Online muss man jeweils zwischen 3000 und 3500 Euro bezahlen. Wobei der TV-Empfang im BMW nochmal extra kostet. Volkswagen Discovery Pro kommt ebenfalls auf rund 3000 Euro. Geringfügig günstiger ist das System von Lexus.

Preisvergleich mit einem direkten Konkurrenten des Land Rovers: Das Infotainmentsystem Uconnect 8.4N im Jeep Grand Cherokee kostet 1200 Euro. Es ist in vielen Punkten mit dem Discovery Sport vergleichbar und nutzt beispielsweise auch die Navigation von TomTom. Allerdings hat der Land Rover in einem Punkt die Nase vorn: Bei den Apps beziehungsweise Internetdiensten. Dazu später mehr.

Mit 8 Zoll ist der Touchscreen im Land Rover in etwa so groß wie im Premiumsegment und im VW Golf GTD üblich. Allerdings ist der Land-Rover-Bildschirm deutlich kleiner als der 12,3-Zoll-Bildschirm im Audi TT (der aber kein Touchscreen ist).

7 Zoll ist die Durchschnittsgröße

Incontrol Touch liegt rund ein Zoll über der im Mittelklasse-Segment üblichen Größe von 7 Zoll. Einen ausführlichen Überblick über dieses preiswertere Markt-Segment finden Sie im Test des Toyota Aygo mit x-play touch und x-nav.

Touchscreen statt Controller auf der Mittelkonsole

Der Haupt-Unterschied zwischen Incontrol Touch von Land Rover einerseits und Audi, BMW, Lexus und Mercedes-Benz andererseits ist das Bedienkonzept: Während die anderen genannten Premium-Hersteller auf einen Touchscreen verzichten und stattdessen einen Controller (mit einem kleinen Touchpad darauf) auf der Mittelkonsole einbauen, verbaut Land Rover einen Touchscreen, wie es bei Volkswagen und den übrigen Volumenherstellern üblich ist. Die Frage Touchscreen im Auto - Pro und Contra haben wir bereits an anderer Stelle ausführlich diskutiert.

Land Rover verzichtet zudem im Unterschied zu BMW und Mini auf eine fest eingebaute SIM-Karte und bietet auch keinen SIM-Kartenslot im Fahrzeug an, wie es Audi macht. Stattdessen läuft die Internetverbindung über das gekoppelte Smartphone. Mehr dazu später. So viel kann man aber jetzt schon verraten: Die Koppelung zwischen Smartphone und Infotainmentsystem im Land Rover geht ähnlich einfach wie zum Beispiel bei Mazda und deutlich einfacher als zum Beispiel bei Comand Online von Mercedes-Benz über die Bühne.

Touchscreen: Solide 8 Zoll

Der 8-Zoll-Touchscreen ist das Herz des Infotainmentsystems Incontrol Touch. Er reagiert zuverlässig und ausreichend schnell auf Fingereingaben und lässt sich grundsätzlich gut ablesen. Bei starker Sonneneinstrahlung spiegelt die Bildschirmoberfläche jedoch deutlich.

Incontrol Touch mit 8-Zoll-Farb-Touchscreen und den Menütasten links und rechts
Vergrößern Incontrol Touch mit 8-Zoll-Farb-Touchscreen und den Menütasten links und rechts
© Land Rover

Über die Menü- beziehungsweise Schnellzugriffstasten links und rechts des Bildschirms (sowie über die Klimaregeltasten weiter unten auf der Mittelkonsole) kann man das jeweilige Menü auf dem Bildschirm öffnen. Solche Menüs gibt es für das AM- und FM-Radio sowie Audio-Streaming, für die Klimaanlage, für die Navigation, die Telefonie, aber auch für die Rückfahrkamera (deren Bild man sich auch während der Vorwärtsfahrt anzeigen lassen kann) und den Bord-Computer mit den Verbrauchsdaten.

Der Startbildschirm des Touchscreen zeigt die Menüpunkte Medien (Radio, USB, AUX), Telefon, Klima und Navigation als große Touch-Flächen. Scrollt man den Bildschirm weiter, kommt unter anderem die Schaltfläche für die Incontrol Apps. Hierunter fasst Land Rover die Smartphone-Apps mit diversen Internetfunktionen zusammen.

Auf der zweiten Bildschirmseite von Incontrol Touch findet man den Menü-Punkt Incontrol Apps.
Vergrößern Auf der zweiten Bildschirmseite von Incontrol Touch findet man den Menü-Punkt Incontrol Apps.

Informationsdisplay im Cockpit

Zusätzlich zu diesem Hauptbildschirm in der Mitte des Armaturenbretts gibt es noch einen kleinen Bildschirm – keinen Touchscreen – zwischen Tachometer und Drehzahlmesser: Das so genannte Informationsdisplay. Es zeigt Angaben vom Bordcomputer wie den Kraftstoffverbrauch und die Restreichweite, die gewählten Radiosender, die erkannten Geschwindigkeitsbegrenzungen und vor allem die Abbiegehinweise der Navigation. Hier orientiert sich Land Rover an der Ausstattung vieler anderer Automobilhersteller, die ebenfalls ein kleines Zusatzdisplay im Cockpit verbauen (beim Audi TT ist das wegen des grundsätzlich anderen Cockpit-Konzepts überflüssig).

Lenkradtasten: Gute Ergonomie

Die Lenkradtasten des Discovery Sport sind einfach gehalten und lassen sich intuitiv bedienen. Die links von der Hupe angebrachten Tasten bedienen die Senderwahl für das Radio und die Lautstärke, die Freisprechanlage, die Sprachsteuerung, aber auch den Bordcomputer und dessen Menüs. Die Lenkradtasten rechts vom Hup-Feld dienen für Tempomat beziehungsweise ACC.

Die Lenkradtasten lassen sich schon nach kurzer Eingewöhnungszeit blind bedienen und reduzieren das Ablenkungsrisiko des Autofahrers deutlich.

Telefonie und Freisprechanlage

Die Bluetooth-Koppelung zwischen Smartphone und Infotainmentsystem klappt einwandfrei, nicht nur mit unserem iPhone 5C und Nexus 4, sondern auch mit einem betagten HTC Desire.

Telefonate lassen sich auf zweierlei Weise beginnen: Entweder über einen Druck auf die entsprechende Lenkradtaste. Oder per Sprachsteuerung. In jedem Fall erscheint dann auf dem Bildschirm das Menü mit der Kontaktliste und dem Zifferneingabefeld. Die Erkennung der Sprachsteuerung war gut, das System erkannte selbst lange Nummern in einem Rutsch fehlerfrei und startete dann den Anruf.

Die Sprachqualität war in Ordnung, unsere Gesprächspartner verstanden uns gut und auch wir verstanden sie einwandfrei.

Positiv am Land-Rover-System: Es lassen sich zwei Smartphones gleichzeitig koppeln.

Der Abbiege-Assistent von TomTom
Vergrößern Der Abbiege-Assistent von TomTom

Navigation: Schlichte Optik, solides Routing, ungenaue Stau-Infos

Der Discovery Sport bietet eine unspektakuläre, aber solide Navigation, deren Technik TomTom liefert. Allerdings stehen die sehr guten TomTom-Echtzeitverkehrsinformationen nicht zur Verfügung. Die Grafik ist einfach gehalten, eine fotorealistische Google-Earth-Darstellung wie beispielsweise im Audi TT gibt es hier nicht. Google Street View oder Fotos von Panoramio stehen ebenfalls nicht zur Verfügung. Vor allem aber fehlen im Land Rover die von Audi oder BMW bekannten Online-Echtzeit-Verkehrsinformationen, die sehr exakt die aktuelle Verkehrslage wiedergeben.

Der Kartenbildschirm bietet Informationen wie die Ankunftszeit und die Kilometer beziehungsweise verbleibende Zeit bis zum Ziel, den nächsten Abbiegehinweis, Tasten zum Ein- und Auszoomen, eine Taste zum Eingeben neuer Ziele und zur Anzeige der Verkehrslageinformationen (die aber erst über weitere Untermenüs erreichbar ist) und Routenoptionen.

Kartenansicht während der Navigation
Vergrößern Kartenansicht während der Navigation

Die Karte kann man mit dem Finger verschieben, allerdings reagiert die Karte verzögert beziehungsweise läuft immer etwas nach – diese Bedienungsart ist zumindest während der Fahrt wegen der damit verbundenen Ablenkungsgefahr nicht zu empfehlen. Eine Zoom-Geste ist nicht möglich, zum Ein- und Auszoomen muss man das Minus- beziehungsweise Plus-Symbol auf dem Bildschirm verwenden.

Man kann mit dem Finger einen Punkt auf der Karte markieren und sich dann dorthin lotsen lassen. Damit kann man POIs direkt ansteuern, die per Symbol auf dem Kartenbildschirm angezeigt werden.

Die Zieleingabe ist per Touchscreen oder per Sprachsteuerung möglich, beides funktionierte im Test gut. Das Navigationsgerät speichert die Liste mit bereits angesteuerten Zielen und eine Heimatadresse.

Bei der POI-Suche kann man aus vorgegebenen Listen auswählen, aber auch Freitext eingeben. Letzteres sollte man aber mit Bedacht machen. Wenn Sie beispielsweise eine Werkstatt suchen, dann geben Sie im Idealfall den Namen des Inhabers ein und lassen die genaue Bezeichnung der Werkstatt offen (also nicht XY-Werkstatt oder XY-Autohaus, sondern XY eingeben). Ansonsten erkennt das Navigationsgerät Ihre Suche nicht. Bleibt die Sucheingabe dagegen möglichst allgemein, steigt die Trefferquote.

Die Navigation lotst grundsätzlich zuverlässig, sie greift dazu auf TomTom-Technik zu, was man unter anderem an der Tunnelansicht erkennt (zum Beispiel nutzen auch Jeep und Renault TomTom für ihre fest eingebauten Navigationsgeräte). Die Abbiege-Hinweise kommen in ausreichender Zahl.

Die Routenberechnung benötigt einige Sekunden, bis sie ein Ergebnis liefert. Verkehrslageinformationen werden dabei zwar berücksichtigt. Allerdings hapert es an der Qualität der Verkehrslageinformationen – diese liegen nämlich nur als TMC vor; TMC ist nun einmal die ungenaueste Quelle für Verkehrslageinformationen. Das führt zu dem bekannten Problem, dass Verkehrslageinformationen fast nur für Fernstraßen vorliegen und selbst dafür sehr ungenau sind. Man bekommt die Stauwarnung also oft erst angezeigt, wenn man schon im Stau steht. Besonders kurze Staus sind bei TMC nicht erkennbar.

Diese Verkehrslage-Dienste gibt es für Autofahrer

Das Navigationssystem bietet während der Fahrt Alternativrouten an, wenn es diese aufgrund der TMC-Basis für besser als die aktuell gewählte Route hält. Diese Routenänderungen kann man annehmen oder ablehnen – das erfolgt über den Bildschirm.

TMC-Informationen werden während der Fahrt auf dem Bildschirm eingeblendet und zusätzlich vorgelesen. Man kann den Bildschirm mit den Verkehrslagedaten aber sofort wegklicken, woraufhin auch die Durchsage abbricht.

Alle Verkehrslagedaten hält das Navigationsgerät auf einer Liste vor. Aber erstens dauert es einige Zeit, bis die Liste für die gewählte Route überhaupt Einträge aufweist – die ersten Minuten einer Fahrt ist man verkehrslagetechnisch komplett im Blindflug unterwegs. Zweitens ist die Liste wie bei TMC eben üblich unvollständig. Und drittens muss man sich erst durch das Navigationsmenü durcharbeiten, bis man zu den Verkehrslagedaten gelangt. Das kostet nicht nur Zeit und ist unpraktisch, sondern vor allem wird der Fahrer dadurch lange vom Verkehrsgeschehen abgelenkt.

Das Kartenmaterial befindet sich bei Incontrol Touch auf einer SD-Karte, die im entsprechenden Slot am hinteren Ende der Mittelkonsole untergebracht ist.

Verkehrszeichenerkennung per Kamera
Vergrößern Verkehrszeichenerkennung per Kamera

Verkehrszeichenerkennung per Kamera

Verkehrszeichen und vor allem Geschwindigkeitsbegrenzungen erkennt der Wagen mit Hilfe der Kamera hinter dem Innenspiegel an der Windschutzscheibe. Diese Erkennung funktionierte im Test sehr zuverlässig und hat gegenüber datenbankbasierten Systemen den Vorteil, dass sie auch zeitlich befristete oder kurzfristige Tempolimits erkennen und anzeigen kann. Ist die Windschutzscheibe stark verschmutzt oder beschlagen, dann ist die Kamera außer Funktion und die Verkehrszeichenerkennung funktioniert nicht – genauso wenig wie der Spurverlassenswarner.

Sprachsteuerung: Solide, aber sehr penibel

Es dauert einige Sekunden nach dem Start des Infotainmentsystems, bis die Sprachsteuerung zur Verfügung steht. Damit können Sie die Navigation, die Radio/Musik-Wiedergabe und die Telefonie bedienen. Die Sprachsteuerung von Incontrol Touch steht jedoch nicht für Incontrol Apps zur Verfügung,

Mit der Lenkradtaste links vom Hup-Feld aktivieren Sie die Sprachsteuerung. Auf dem Bildschirm erscheinen dann die zur Verfügung stehenden Befehle. Sie können dann per Sprachbefehl zum Beispiel sagen „Sender Bayern 3“, um diesen Radiosender einzustellen. Oder Sie wählen damit eine Telefonnummer beziehungsweise einen Telefonkontakt oder geben ein Ziel für die Navigation ein. Das geht auch für die POI-Suche: „Finde nächste Tankstelle“ ist dafür ein Beispiel – die syntaktische Regel hierfür lautet: Finde nächste + Kategorie.

Die Sprachsteuerung erkannte unsere Befehle auch bei offenem Fenster gut. Ein Radiosender kann per Sprachsteuerung zum Beispiel aus der laufenden Navigation heraus gewählt werden. Das klappt gut, aber danach kehrt der Bildschirm nicht mehr zur Navigation zurück, sondern zeigt stattdessen das Radio-Menü. Ärgerlich.

Alles in allem erkannte uns die Sprachsteuerung gut. Bei den Befehlen müssen Sie aber genau die von Land Rover vorgegebene Form einhalten, damit Sie verstanden werden.

Radio und Musik

Radio stand als AM und FM zur Verfügung, DAB+ gab es in unserem Testfahrzeug nicht, Land Rover bietet DAB+ aber gegen Aufpreis an. Die Senderwahl und Senderspeicherung funktionierte problemlos. Durch die Sender kann man auch per Lenkradtasten navigieren, ebenso kann man mit der linken Hand am Lenkrad die Lautstärke regeln.

Neben Audio-Streaming vom Smartphone via Bluetooth kann man Musik auch vom USB-Stick abspielen. Videos lassen sich jedoch nicht vom externen Datenträger abspielen. In Sachen Unterhaltung stehen noch Webradio und Audiobooks zur Verfügung.

Incontrol: Apps, Internet, Notruf, Diebstahlalarm und Fahrzeug-Ortung

Incontrol Remote (Pannenhilfe, SOS-Notruf, Fernüberprüfung für Kraftstoffstand und Reichweite, Positionsfinder für das Fahrzeug, Fernüberprüfung, ob die Fenster geschlossen sind, sowie das Herunterladen von Fahrtdetails), Incontrol Secure (Ortungsdienst für gestohlene Fahrzeuge), Incontrol Wifi (WLAN-Hotspot – SIM-Karte dafür erforderlich) und Incontrol Apps (Smartphone-Apps mit Internetzugang) heißen die vier Dienste, die Land Rover für den Discovery Sport anbietet. Wir haben uns davon Incontrol Apps angeschaut.

Incontrol Apps: Per Fingerdruck startet die App. Eine Sprachsteuerung steht dafür nicht zur Verfügung.
Vergrößern Incontrol Apps: Per Fingerdruck startet die App. Eine Sprachsteuerung steht dafür nicht zur Verfügung.
© Land Rover

Eines vorweg: Apple Carplay oder Mirrorlink für Android gibt es nicht, dafür hat Land Rover über die App „Incontrol Apps“ eine Schnittstelle zu diversen Internetdiensten realisiert.

Musik vom Smartphone auf das Auto - per Incontrol App
Vergrößern Musik vom Smartphone auf das Auto - per Incontrol App

Incontrol Apps: Smartphone-Apps und Internet-Dienste für Android und iOS

Um Incontrol Apps (von Bosch entwickelt) nutzen zu können, muss zunächst die entsprechende Android- oder iOS-Incontrol-App auf dem Smartphone installiert werden. Voraussetzung sind Android 4.0 oder iOS 7.0 auf dem Smartphone. Die Incontrol App zeigt dann die für das jeweilige Smartphone zur Verfügung stehenden Incontrol Apps an. Diese muss man einzeln auswählen und auf dem Smartphone installieren.

Auf der SD-Karte befindet sich das Kartenmaterial für Incontrol Touch, in die USB-Buchse wird das Kabel des iPhones für die Verbindung zu Incontrol Apps gesteckt.
Vergrößern Auf der SD-Karte befindet sich das Kartenmaterial für Incontrol Touch, in die USB-Buchse wird das Kabel des iPhones für die Verbindung zu Incontrol Apps gesteckt.

Dann muss man das Android-Smartphone oder iPhone via USB-Kabel mit dem Wagen verbinden (und zwar mit dem USB-Anschluss ganz hinten in der Mittelkonsole) und auf dem Touchscreen den Menü-Punkt Incontrol Apps auf der zweiten Bildschirmseite auswählen. Bei der erstmaligen Verwendung einer App wird diese auf das Infotainmentsystem gespiegelt.

Incontrol Apps: Verbindung zwischen Land Rover und Smartphone steht
Vergrößern Incontrol Apps: Verbindung zwischen Land Rover und Smartphone steht
© Land Rover

Sobald die Verbindung zwischen Smartphone und Incontrol Touch steht, kann man die Apps auf dem Fahrzeug-Touchscreen bedienen. Der gesamte Internettraffic geht über das gekoppelte Smartphone, dessen Mobilfunkvertrag muss also dafür ausgelegt sein. Die Rechenleistung für die Apps und den Speicherplatz muss ebenfalls das Smartphone liefern, ebenso wird dessen Akku belastet. Wir haben es hier also mit einer ähnlichen Lösung wie mit Mirrorlink oder mit dem Intellilink im Opel Adam zu tun.

App-Auswahl

Beispiele für diese Incontrol Apps sind der Webradio-on-demand-Anbieter Stitcher, die kostenpflichtige Parkplatzsuche (Parkopedia), die Hotelsuche (Hotelseeker), die kostenpflichtige Sygic GPS Navigations-App, mehrere Nachrichtenticker (wie zum Beispiel News on Board), Audiobooks, Cityseeker, aber auch Kalender, Kontakte und Musik vom Smartphones. Diese letzten drei Apps sind in jedem Fall vorinstalliert, die übrigens Apps muss man wie oben erwähnt erst auswählen und installieren. Stitcher ist eine gern genommene Webradio-App, die wir auch aus dem Porsche Panamera und aus dem Mazda 3 kennen.

Incontrol Apps: Diese Apps können auf dem iPhone installiert werden.
Vergrößern Incontrol Apps: Diese Apps können auf dem iPhone installiert werden.

Die Benutzbarkeit der verfügbaren Apps schwankt aber sehr. Einige Apps wie Kalender, Musik oder Kontakte, sowie die Nachrichten-App oder Audiobooks und Stitcher (das ein Benutzerkonto voraussetzt) funktionierten auf unserem iPhone 5C mit iOS 8 und auf unserem Nexus 4 mit Android 5 auf Anhieb. Die Nachrichten-App liest Nachrichten sogar vor, wenn auch mit einer Roboter-artigen Stimme, die Thomas de Maizière als M-a-i-z-i-e-r-e buchstabiert. Doch immerhin funktionieren diese Apps.

Die Cityseeker-App lief unter Android leidlich stabil und lieferte durchaus brauchbare Informationen. Unter iOS brachten wir sie dagegen nicht zum Laufen, obwohl sie installiert war.

Warten auf Godot...oder auf die Incontrol-App.
Vergrößern Warten auf Godot...oder auf die Incontrol-App.

Andere Apps dagegen wie Hotelseeker konnte man zwar starten, doch einige Male blieb der Bildschirm danach hängen und zeigte dauerhaft den Text „Anwendung wird geöffnet. Bitte warten“ an. Die Apps hängten sich trotz einer guten Vodafone-Verbindung in München (4 bis 5 Balken Empfangsqualität) auf. Sie reagieren dann überhaupt nicht mehr und blockieren sogar den gesamten Incontrol-Apps-Bildschirm. Wir mussten das iPhone dann erst vom USB-Anschluss trennen (während der Fahrt ist das nicht gerade ein Beitrag zur Verkehrssicherheit) und neu verbinden, um Incontrol Apps wieder verwenden zu können.

Die Nachrichten kann man sich auch vorlesen lassen.
Vergrößern Die Nachrichten kann man sich auch vorlesen lassen.

Wieder andere Apps wie Parkopedia und die Sygic-Navigation (79,99 Euro im App Store) sind kostenpflichtig. Eine Google Lokale Suche gibt es derzeit jedoch nicht. Insgesamt schienen die Incontrol-Apps unter Android stabiler als unter iOS zu laufen.

Die oberen drei Incontrol Apps sind immer verfügbar. Der Rest muss installiert werden.
Vergrößern Die oberen drei Incontrol Apps sind immer verfügbar. Der Rest muss installiert werden.

Nach jedem Einschalten des Infotainmentsystems muss man erneut die Verbindung bestätigen. Ärgerlich waren dann aber die relativ häufigen Verbindungsprobleme, wenn wir das iPhone 5C/Nexus 4 an die USB-Buchse anschlossen. Relativ oft erkannte Incontrol Apps das Smartphone nicht und wir mussten mehrere Anläufe hintereinander unternehmen beziehungsweise wurden vom System mehrmals aufgefordert das iPhone zu entsperren.

Incontroll Apps ist nicht Mirrorlink

Bei Incontrol Apps für Android handelt es sich nicht um die Mirrorlink-Technologie, wie uns Land Rover auf Nachfrage erklärte: „Mittels der Incontrol Apps-Technologie spiegelt die Head Unit die Apps nutzergerecht und speziell für das Fahrzeug angepasst auf dem Fahrzeugdisplay. Berührungen auf dem Touch-Display der Head Unit werden an das Telefon übertragen und dort verarbeitet. Wird das USB-Kabel abgezogen, unterbricht die Verbindung sofort. Daten werden nicht in der Head Unit gespeichert.

Der Unterschied zu Mirror-Link: Incontrol Apps stellt eine Auswahl an Anwendungen zur Verfügung, die vorab auf Ihre grundsätzliche Eignung und deren Nutzen im Fahrzeug geprüft werden. Ist die Auswahl erfolgt, werden die Apps von den App-Firmen nach strengen Fahrersicherheitsvorgaben (festgelegt durch Bosch, Jaguar Land Rover und gesetzlichen Vorgaben) nochmals angepasst. Dieses bedeutet, dass Funktionalitäten zum Teil herausgenommen oder Ansichten vereinfacht und vergrößert dargestellt werden. Bei Mirror-Link ist das nicht der Fall.“

So sieht der Startbildschirm von Incontrol Apps im größeren Range Rover Sport aus.
Vergrößern So sieht der Startbildschirm von Incontrol Apps im größeren Range Rover Sport aus.
© Land Rover

Wir wollten natürlich auch wissen, weshalb einige Apps langsam oder überhaupt nicht reagieren. Dazu Land Rover beziehungsweise Bosch: „Die Ladedauer einzelner Apps hängt von deren Komplexität (z.B. Anzahl der Bilder, die im Hintergrund geladen werden) und von der Qualität des Netzempfanges ab. Sygic ist z.B. eine App, bei der das Kartenmaterial vorab heruntergeladen wird und die grundsätzlich unabhängig von Netzempfang stabil läuft. Wenn die App allerdings gestartet wird, versucht sie sich mit dem Server zu verbinden, um Updates abzurufen. Ist der Bildschirm dann längere Zeit schwarz, bedeutet das, dass der Netzempfang schwach ist und sie braucht länger um zu laden.“

Alles in allem läuft Incontrol Apps noch etwas unrund, nicht alle Apps lassen sich wirklich sinnvoll nutzen. Die Idee hinter dem Konzept ist aber okay, Land Rover ist auf dem richtigen Weg. Zumal mit Sygic-App dann auch die Schwächen der eingebauten Navigation wie die fehlenden Online-Echtzeitverkehrsinformationen und die doch sehr schlichte Optik behoben wären (die Echtzeitverkehrslageinformationen kosten aber noch einmal extra). Und bei Incontrol Apps gibt es keine grundsätzlichen Koppelungsprobleme, was man nicht von allen derzeit verbauten Infotainmentsystemen sagen kann. Land Rover beziehungsweise Bosch, das Incontrol Apps entwickelt, müssen nur noch dafür sorgen, dass alle Apps zuverlässig und schnell funktionieren. Und natürlich muss die Zahl der verfügbaren Apps noch deutlich steigen. Dann wäre Incontrol Apps durchaus eine runde Sache.

Gegen Aufpreis bietet Land Rover auch noch einen WLAN-Hotspot im Fahrzeug an (Incontrol Wifi). Neben Incontrol Apps gibt es auch noch die Incontrol Remote App sowie Incontrol Secure. Sie stellt verschiedene Fernzugriffsfunktionen (Reifendruck, Kraftstoffstand, Schließstatus der Türen) und Hilfen im Falle eines Diebstahlversuchs zur Verfügung. Außerdem gibt es einen Pannennotruf.

Fazit zu Incontrol Touch und Incontrol Apps

Sprachsteuerung, Freisprecheinrichtung und Lenkradtasten arbeiten gut bis sehr gut. Kritik muss man dagegen an der Navigation üben: Das Routing ist zwar solide, doch Verkehrslagedaten, die nur auf dem ungenauen TMC basieren, sind für ein Premium-Fahrzeug nicht mehr zeitgemäß. Audi, BMW und mittlerweile auch Mercedes-Benz sowie Volkswagen in den Fahrzeugen mit Car-net-Zugang liefern deutlich exaktere Verkehrslageinformationen. Zudem ist die Karten-Optik zwar grundsätzlich okay; für ein so hochpreisiges Lifestyle-SUV wie den Discovery Sport würde man sich aber eine ähnliche peppige Kartenoptik wie bei Audi Connect mit Google-Earth-Karte und Zusatzfunktionen wie Panoramio und Street View wünschen.

Das Incontrol-Ökosystem passt zu dem Fahrzeug. Speziell bei den Incontrol Apps sollten Land Rover beziehungsweise Bosch aber noch nachbessern, damit es nicht zu einfrierenden Apps und häufigen Verbindungsabbrüchen kommt. Denn wenn man während der Fahrt immer wieder aufgefordert wird, das Smartphone zu entsperren, obwohl man das vor dem Losfahren längst gemacht hat, dann ist das nicht nur ärgerlich, sondern sogar gefährlich. Die grundsätzliche Richtung, die Land Rover mit Incontrol Apps einschlägt, ist aber in Ordnung. Wobei Land Rover mittelfristig aber darüber nachdenken sollten, ob es nicht wie BMW ein SIM-Karte fest in das Fahrzeug einbaut oder wie Audi einen SIM-Kartenslot verbaut, in den der Fahrer dann eine zweite SIM-Karte einstecken kann.

Der Hauptkritikpunkt an dem Infotainmentsystem im Land Rover Discovery Sport ist jedoch der Preis, der in der maximalen Ausbaustufe alles übertrifft, was Audi und BMW in Sachen Infotainment anbieten. Die InCar-Systeme der beiden bayerischen Automobil-Hersteller sind derzeit jedoch deutlich leistungsfähiger als Incontrol Touch und Incontrol Apps von Land Rover. Kosten aber trotzdem weniger.

 

 

 

 

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