Schneller Surfen

LTE auf dem Land – Drosselung bei erreichtem Datenvolumen

Montag den 15.10.2012 um 13:31 Uhr

von Daniel Behrens

Wer ist von der Drosselung betroffen?
Mehrere Gigabyte Datenvolumen innerhalb eines Monats zu erreichen, kann je nach Surfverhalten sehr schnell gehen oder gar nicht vorkommen. Wer nur im Internet herumsurft und ab und zu mal ein kurzes Youtube-Video in Standardqualität anschaut, wird keinesfalls an die Grenze von 5 GB stoßen. Selbst wenn Sie täglich eine Handvoll Clips in höherer Auflösung (720p oder 1080i) abspielen, ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie 5 GB erreichen. Die Drossel wird vor allem diejenigen betreffen, die mehr oder weniger regelmäßig Spielfilme über das Netz herunterladen oder streamen – ganz gleich, ob legal über Online-Videotheken wie Maxdome und Videoload oder in der rechtlichen Grauzone über Kinox.to und Tauschbörsen. Ein Spielfilm von 90 Minuten in Standardqualität verschlingt je nach Kompressionsverfahren („Video-Codec“) rund 1,5 GB. In HD fällt im Durchschnitt die doppelte Datenmenge an.

Sobald die Drosselung einsetzt, geht die Download-Geschwindigkeit für den Rest des Monats auf 384 KBit/s runter. Das ist gerade noch ausreichend, um damit im Web zu surfen. Youtube-Videos anzuschauen macht damit keinen Spaß, da sie selbst bei geringer Auflösung nur stockend abgespielt werden. Noch schwerer wiegt allerdings, dass bei der Telekom die Upload-Geschwindigkeit unnötigerweise auf einen noch geringeren Wert, nämlich auf 64 KBit/s, gebremst wird. Fotos per Mail zu versenden oder ins Netz – beziehungsweise neudeutsch „in die Cloud“ – zu stellen, wird dann zur nervigen Geduldsprobe. Von Videos ganz zu schweigen. Bei Skype-Telefonaten sinkt die Soundqualität, Webcam-Chats werden quasi unmöglich. Das Problem verschärft sich entsprechend, wenn mehrere Anwender in einem Haushalt den Zugang gleichzeitig nutzen.

Huawei B390: Diesen Router mit integriertem LTE-Modem gibt
es bei vielen LTE-Providern.
Vergrößern Huawei B390: Diesen Router mit integriertem LTE-Modem gibt es bei vielen LTE-Providern.
© O2

Erfahrungsberichte
Um herauszufinden, wie die LTE-Situation vor Ort in den ehemaligen „weißen Flecken“ aussieht, haben wir die Leser von pcwelt.de, die Nutzer des PC-WELT-Forums sowie unsere Facebook-Fans gebeten, uns ihre Erfahrungsberichte zu senden. Über Bestellung, Abwicklung, Lieferung und Installation äußern sich die meisten positiv. Leser Michael H. bringt es auf den Punkt: „Die Einrichtung ist sehr, sehr simpel: Router aus dem Karton, SIM-Karte rein, Netzstecker in die Dose, mit dem PC verbinden, fertig“. Auch mit der Geschwindigkeit ist er sehr zufrieden. Laut Speedtest übertrifft er mit einem Download-Tempo von 22,3 MBit/s die maximale Bandbreite seines Vodafone-Tarifs von 21,6 MBit/s sogar leicht. Auch die Upload-Geschwindigkeit kann sich mit 5,6 MBit/s sehen lassen. Und das trotz schwachem Signal (Pegel eins von vier laut Statusanzeige des Routers).


Die LTE-Sende- und Empfangseigenschaften hängen offenbar sehr von den örtlichen Gegebenheiten ab. Während mehrere Leser ganz ohne Probleme oder zumindest nach Ausprobieren mehrerer Router-Standorte im Haus ein gutes Signal bekommen, müssen andere dafür eine kleine Außenantenne anbringen. Leser Harry K. ist mit dem Funktionsumfang des Telekom-Routers Speedport LTE als, wie er selber sagt, „bisheriger verwöhnter Fritzbox-Benutzer“, etwas enttäuscht. Die Nachricht, dass AVM dieses Jahr neue LTE-Fritzboxen herausbringen will, würde ihn sicherlich freuen – wenn er LTE nicht schon wieder abgeschworen hätte. Wie er schreibt, versucht er derzeit aus dem Vertrag mit der Telekom herauszukommen. Der Grund: 10 GB Datenvolumen waren bei ihm schnell verbraucht und seiner Erfahrung nach „kann man mit dem gedrosselten LTE […] nicht mehr arbeiten.“

Fast ganz in Weiß: AVM bringt dieses Jahr zwei Fritzboxen
mit integriertem LTE-Modem auf den Markt.
Vergrößern Fast ganz in Weiß: AVM bringt dieses Jahr zwei Fritzboxen mit integriertem LTE-Modem auf den Markt.
© AVM

Auch bevor die Drossel „zuschlägt“, kann das Tempo zeitweilig absacken, so die Erfahrung einiger Anwender. Sie berichten von Download-Raten, die in den Abendstunden – also zur Hauptnutzungszeit von Privatmenschen – auf 3 MBit/s bis 0,5 MBit/s fallen. In den meisten Fällen wird das daran liegen, dass die Kapazität der Funkzelle von 75 MBit/s durch zu viele gleichzeitige Anwender ans Limit gebracht wird. Unseren Informationen nach rühren die Engpässe bei manchen Providern allerdings auch daher, dass einzelne Basisstationen mit weniger als 75 MBit/s ans Internet angebunden sind. Eine sehr deutliche Zusammenfassung zum Thema LTE auf dem Land liefert PC-WELT-Forenbenutzer „Juli1957“: „Besser als gar nichts, aber keine Alternative zu einem schnellen DSL-Anschluss ohne Volumenbegrenzung!“

Montag den 15.10.2012 um 13:31 Uhr

von Daniel Behrens

Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (2)
  • VincentVega666 00:08 | 18.02.2013

    Das deckt sich mit dieser Erhebung: http://www.ltemap.de/lte-datenvolumen-zu-wenig-fur-den-durchschnitts-user/

    Auch 10GB sind meiner Ansicht nach noch zu wenig, außer man ruft wirklich nur Emails ab und surft ab und an ein wenig auf normalen Webseiten ohne große Mediendateien.

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  • bstelzer80 08:31 | 17.10.2012

    LTE-Drosselung sinnvoll?

    Ihre Einschätzung dass ein Datenvolumen von 5 GB für einfaches Surfen ausreichend ist mag für 1-Personenhaushalte passen, bei "normalen" 2-4 Personenhaushalten stösst das Modell aber sehr schnell an seine Grenzen.
    Nicht berücksichtigt ist vor allem wie sich das Web gegenüber dem Nutzer aufstellt. (OS-) Updates werden mittlerweile wöchentlich ausgerollt, bei mehreren Devices (PC, Smartphome, Tablet, TV etc.) im Haushalt kommen hier bereits mehrere GB zusammen. Für Gamer kommen selbst bei einem Verzicht der Nutzung von Steam & Co. durch (Content-) Updates etliche GB hinzu die das Inklusivvolumen in Windeseile auffressen.

    Aus der Erfahrung kann ich Ihnen berichten, dass in einem 4-Personenhaushalt das Inklusivvolumen nach spätestens 14 Tagen verbraucht ist. Der dann verfügbare Downstream von [U]bis zu 384 kBit/s[/U] ist merklich schlechter als DSL Light mit gleicher Bandbreite. Zusätzlich fällt bei atmosphärischen Störungen - also bei jeder Schlechtwetterfront - LTE häufig komplett aus.

    Aus all diesen Gründen habe ich LTE bei der Telekom wieder gekündigt und bin zum günstigeren DSL Light zurückgekehrt. Der Service der Telekom war hier übrigens sehr unbürokratisch.

    LTE ist sicher eine interessante Alternative in ländlichen Regionen, in der jetzigen Angebotsstruktur absolut nicht zu empfehlen.

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