14.03.2012, 09:30

Moritz Jäger

Mobiles Internet

Die richtige Hardware für LTE

Das erste Smartphone mit LTE: HTC Velocity 4G ©HTC

Long Term Evolution (LTE), die nächste Generation des mobilen Internets, steht in den Startlöchern. PC-Welt gibt einen Überblick über erhältliche und kommende Geräte.
Der neue Mobilfunkstandard LTE nimmt Fahrt auf. Vodafone bietet LTE bereits seit einiger Zeit in ländlichen Gegenden an. Die Telekom zog zur CeBIT nach, startete das Netz in Frankfurt und passte die eigenen Tarife für LTE an. Der dritte Lizenzinhaber, O2 Telefonica, startet offiziell am 2. Juli 2012. LTE-Netze und -Tarife sind also da, aber wie sieht es mit den Endgeräten aus?

Smartphones mit LTE

Aktuell gibt es ein Smartphone im Handel, das HTC Velocity4G. Dieses Gerät wird bereits in Düsseldorf verkauft, der deutschlandweite Verkaufsstart soll Anfang April erfolgen. Doch auch die Konkurrenz schläft nicht: Samsung plant eine LTE-Ausgabe des Galaxy S II, LG hat bereits ein Optimus LTE in der Hinterhand.
Tablets mit LTE
Bei den Tablets hat Asus die Nase vorne. Der Konzern plant zwei LTE-Geräte: Das Transformer Pad Infinity und das Transformer Pad 300, eine LTE-Variante des Transformer Prime. Das neue iPad taugt in Deutschland übrigens nicht als Zugpferd für LTE. Apple hat es scheinbar versäumt, den eigenen Produktionsablauf für eine weltweite LTE-Unterstützung anzupassen. Der im iPad 3 verbaute LTE-Chip unterstützt die in Deutschland verwendeten LTE-Frequenzen nicht.
Neben den unterschiedlichen Frequenzen besteht noch ein weiteres Problem, das vor allem LTE-Smartphones betrifft: Solange es keine flächendeckende Abdeckung gibt, werden Sprachanrufe entweder wie bisher per GSM abgewickelt oder über das Verfahren Circuit Switched Fallback (CSFB) für LTE und die Datenübertragung umgewandelt. Die erste Generation der LTE-Smartphones verfügt daher über zwei Funkmodule: Eines für GSM, UMTS und HSDPA und eins für LTE. Sind beide aktiv, reduziert sich die Akkulaufzeit deutlich. Bei der Umleitung der Anrufe mittels CSFB kommt es zu einer deutlichen Verzögerung. Dieses Problem wird sich erst mit der steigenden LTE-Abdeckung lösen.
USB-Modems und Datensticks mit LTE
Deutlich besser als bei den Smartphones sieht das Angebot bei USB-Sticks und Datenmodems für LTE aus. Vodafone verkauft bereits den K5005 LTE USB-Stick als Modem, der neben LTE auch mit 3G klarkommt. Alternativ gibt es den reinen LTE-Stick Samsung GT B3740. Ähnlich sieht es bei der Telekom aus: LTE-Kunden können bereits den Speedstick LTE vorbestellen. O2 hat derzeit noch keine konkreten Angebote online, auch hier wird es aber zum LTE-Start USB-Geräte von ZTE geben.
Den LTE-Stick stecken Sie in die USB-Schnittstelle des Notebooks und verbinden so den Laptop per Funk mit dem LTE-Netzwerk. Das ist aber nicht nur für Notebook-Nutzer interessant, sondern bietet Firmen einen alternativen Internetzugang. Viele aktuelle Router besitzen einen USB-Port, die meisten können dort auch die Daten-Sticks aufnehmen. Relativ günstig kann man so sein komplettes Netzwerk mit LTE online bringen. Ebenfalls interessant dürfte diese Option für Android-Tablets werden: Android unterstützt ab Version 3.0 den USB-Host-Modus. Damit kann ein Tablet einen eingesteckten USB-Stick direkt ansprechen. Mit den passenden Treibern ließe sich so jedes neue Android-Gerät mit LTE nachrüsten. Allerdings verfügen nur wenige Tablets über einen vollwertigen USB-Anschluss. Die meisten besitzen eine Mini- oder Micro-USB-Buchse, für die Sie ein passendes Adapterkabel brauchen.
Router mit LTE
Router mit UMTS werden bislang höchstens als Notfall-Systeme verwendet, wenn die Interverbindung per DSL ausfällt. Dies dürfte sich mit LTE ändern. Die Datengeschwindigkeit von 100 MBit/s im Downstream und 50 MBit/s im Upstream nimmt es locker mit DSL auf, damit wird LTE zur Alternative zu kabelgebundenen Diensten, wenn das Netz weiter ausgebaut wird. Vodafone bietet bereits den B1000 LTE W-LAN Router an, die Telekom rüstet die Speedport-Serie mit LTE aus. Dazu ziehen Netzwerkhersteller mit eigenen Produkten nach. AVM stellte auf der CeBIT zwei Fritz!Box-Geräte vor (6842 LTE und 6810 LTE), die eine Telefonanlage mitbringen und DECT-Telefone unterstützen. Für Unternehmen hat beispielsweise Lancom mit dem 1781-G ein entsprechendes Gerät im Angebot, das neben LTE auch UMTS und HSDPA-Unterstützung mitbringt.
LTE: Hier liegen die Probleme
Viele Startschwierigkeiten von LTE lassen sich auf die unterschiedlichen Frequenzen weltweit zurückführen. Da es noch keine Multi-Frequenz-Chips in der benötigten kleinen Bauweise gibt, macht dies LTE-Geräte für die Hersteller teuer: Für jedes Land braucht das mobile Geräte einen anderen LTE-Funk- Chip, die Produktion muss entsprechend angepasst werden, was teuer ist. Das lohnt sich nur, wenn der jeweilige Markt gute Einnahmen verspricht - was in der Startphase von LTE alles andere als sicher ist.
Die Frequenzen, die nun für LTE genutzt werden, kamen in den meisten Ländern vorher für analoge Funktechnologien zum Einsatz. Das  800 MHz-Band wurde in Deutschland beispielsweise durch den Umstieg auf das digitale Antennenfernsehen DVB-T frei. In Deutschland verwenden Vodafone und O2 die Bänder auf 800 MHz und 2,6 GHz, die Deutsche Telekom nutzt zusätzlich noch 1,8 GHz.
Die Situation erinnert an die ersten Gehversuche von GSM und UMTS. Noch vor wenigen Jahren musste man bei einer Reise in die USA genau überprüfen, ob das eigene Handy die dort gängigen Frequenzblöcke unterstützt. War dies nicht der Fall, konnte sich das Telefon nicht einbuchen. Langfristig wird die Entwicklung zu Multi-Frequenz-Chipsätzen gehen, die mehrere LTE-Bänder unterstützten und automatisch umschalten können. Erst dann wird es beispielsweise wohl auch ein iPad geben, das das deutsche LTE-Netz unterstützt.
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