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Kriterien für Profi-Beamer aus Herstellersicht

18.01.2015 | 09:27 Uhr |

Was macht einen Business-Beamer aus? Abhängig vom jeweiligen Hersteller erhält man andere Antworten. Eine Übersicht über verschiedene Einteilungsmöglichkeiten.

Auch wenn bei Business-Projektoren die Helligkeit das oberste Auswahlkriterium ist, nutzen die Hersteller verschiedene Möglichkeiten bei der Umsetzung. Da manche Firmen hier zweigleisig oder samt LCoS sogar dreigleisig fahren, interessiert zunächst, wie sie den Markt einteilen und worauf sie den Schwerpunkt im Business legen.

Canon etwa positioniert die LV-Serie mit 3LCD-Technik in den Multimedia- oder Consumer-Bereich, die auf LCoS basierenden Geräte der XEED-Serie dagegen eher im Business-Segment, wobei die Installationsmodelle Wechseloptiken bieten. Die Helligkeit sei ein wichtiges Kriterium, so Produktspezialist Dieter Röther, wichtiger wäre aber noch die raster- und verzerrungsfreie Qualität der Projektion, wozu auch eine hohe Auflösung und Farbwiedergabe gehörten.

Thomas Müller, DACH-Chef von BenQ
Vergrößern Thomas Müller, DACH-Chef von BenQ
© BenQ

Wettbewerber BenQ unterteilt den Markt in Heimkino und Business einschließlich Bildung, neudeutsch Education genannt. General Manager Thomas Müller stellt im Heimkino mehr die Full-HD-Fähigkeit, das Preis-Leistungs-Verhältnis, den Schwarzwert und Kontrast in den Vordergrund, bei Business-Geräten stünden dagegen der Reihe nach Helligkeit, Kontrastverhältnis und Schnittstellenvielfalt sowie die Flexibilität bezüglich des Aufstellungsortes vorn.

"Die Zukunft gehört Widescreen und Full-HD"

Acer segmentiert den Projektorenmarkt laut Produktmanager Tobias Rönnebeck nach fünf Einsatzbereichen: den stark wachsenden Heimkinomarkt, die ebenfalls zunehmend beliebten Kurzdistanz-Beamer, Installationsgeräte, LED-Vertreter und die klassischen Business-Projektoren, die mit lediglich 2,0 bis 2,5 kg höchst portabel seien. Das wichtigste Kriterium ist für Rönnebeck auf jeden Fall die Auflösung. "Die Zukunft gehört dem Widescreen-Format und Full-HD. Zudem spielen bei Business-Geräten Helligkeit und Kontrast eine zentrale Rolle, da Konferenzräume häufig nicht komplett abgedunkelt werden können", so der Acer-Manager.

Sony schließlich unterteilt den Markt laut Clara Son aus dem Marken-Marketing in Kurz- und Ultrakurzdistanzgeräte, Desktop- und Installationsprojektoren sowie in Heimkinoprojektoren und Beamer für die Visualisierung und Simulation. Dabei setze das Unternehmen auf die eigenen 3LCD-Panels wie die anorganischen BrightEra-Panels, die einen höheren Füllfaktor, eine längere Lebensdauer und ein besseres Kontrastverhältnis mit sich brächten.

Die Puddingprobe: Bildqualität, Kontrast und Farbhelligkeit

Barco-Vizepräsident Romeo Baertsoen nennt die Kategorien Business-Projektoren für Meeting-Räume und Auditorien mit 4.000 bis 10.000 Ansi-Lumen als Single- und 3-Chip-DLP-Lösungen, Venue- oder Event-Projektoren mit 8.000 bis oben genannten 40.000 Ansi-Lumen, technische Projektoren für Simulation, Virtual und Augmented Reality (V&AR) zum Beispiel sowie Beamer für Kinos und Post-Production. Für ihn zählen der Reihe nach die Bildqualität, Auflösung und Helligkeit bei Business-Geräten.

Was die Bildqualität angeht, empfiehlt er gemäß der Puddingprobe jedem Käufer sich selbst ein Bild davon zu machen. Die Helligkeit werde von vielen Herstellern übertrieben, um "eine nette Zahl auf das Datenblatt zu bekommen". Barco halte es mit dem ISO-Standard 21118, der klar stipuliere, welcher Lichtstrom erzielt wird. Hersteller von LCD-Projektoren werfen dem DLP-Lager aus Taiwan auch oft übertriebene Kontrastwerte vor.

Tatsächlich fällt auf, dass die diesbezüglichen Angaben aus Japan in der Regel sehr viel bescheidener sind. Nun sind DLP-Chips zwar etwas kontrastreicher als LCoS- oder LCD-Chips, aber um mit fotovideotec.de zu sprechen, werden die unter Laborbedingungen gemessenen Kontrast-Raten von 3.000:1 oder gar 100.000:1 in der Praxis nie erreicht. Wenn man Testbilder auf einer weiß gestrichenen Wand projiziert, kommen selbst Spitzen-Beamer nur auf Kontrastwerte von ungefähr 100:1, in absolut dunklen Räumen vielleicht auf bis zu 300:1.

Folglich ist der Kontrast, der Unterschied zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt, in der Praxis tatsächlich relativ. Das heißt aber nicht, dass er völlig egal ist. Denn je höher der Kontrast, je besser werden Schattierungen und Farbunterschiede wahrgenommen. Wo möglich, empfiehlt sich daher, den Raum möglichst abzudunkeln und eine Leinwand mit gutem Abstrahlverhalten, Leuchtdichte- oder Gain-Faktor zur Hilfe zu nehmen.

Wie Epson-Vertriebschef Paul Schmidt betont, kommt es auch auf die Farbhelligkeit an, "weil manche Projektoren nur bei weißem Licht die angegebene Helligkeit erreichen, nicht aber bei farbigen Charts oder Präsentationen". Installationsprojektoren, wie sie von Epson unter anderem in Münchens U-Bahnhöfen eingesetzt werden, müssten auch im 24/7-Dauerbetrieb zuverlässig arbeiten und überdies sehr hell sein. Entscheidend sei in jedem Fall der konkrete Einsatzbereich. Ein mobiler Projektor für Klassenzimmer zum Beispiel müsse andere Anforderungen erfüllen als ein Gerät in Gaststätten, wo aufwändigere Filter oder Gehäuse eingesetzt werden, um die empfindliche Elektronik vor Staub, Rauch und Feuchtigkeit zu schützen.

Viel Lärm um nichts?

Panasonic-Manager Hartmut Kulessa nennt im B2B-Bereich die Unterscheidung zwischen portablen Gerät für Meeting-Räume und Klassenzimmer bis fünf Kilogramm und dann Kurzdistanz-, Installations- und Large Venue Beamer. Die Nahkampf-Projektoren bewähren sich vor allem im Bildungsbereich und bei interaktiven Präsentationen, weil der Lehrer oder Referent so nah an die digitale Tafel (Whiteboard) herantreten kann, ohne dass sein Schatten das Bild stört. Installationsprojektoren decken laut Kulessa eine "große Helligkeitsbandbreite" ab und seien vor allem für die Festinstallation bestimmt, Large-Venue- oder Systemgeräte dagegen für die Großbildprojektion.

"Entscheidend ist in jedem Fall die Helligkeit", so Kulessa. Da aber mit zunehmender Leuchtkraft auch der Geräuschpegel steige, komme es darauf an, diesen so gering wie möglich zu halten. Häufig gemachte "flüsterleiste" Versprechen von 37 dB oder mehr sind gelinde gesagt ein Hohn, wenn man bedenkt, dass bei 40 dB schon normale Gespräche anfangen.

Tatsächlich sind die Dezibelwerte aber relativ, weil höhere Tonfrequenzen mitunter als nerviger empfunden werden als tiefere. Gerade bei portablen Geräten für Handlungsreisende empfiehlt sich daher vor dem Kauf eine Hörprobe, weil die kompakte Bauweise weniger Raum für die Dämmung der Lüftergeräusche bietet. Beamer mit LEDs als Lichtquelle erfordern zwar einen geringeren Kühlungsaufwand, sind aber nicht zwingend leiser als solche mit herkömmlichen UHP-Lampen. Mit voller Lichtleistung (nicht im Eco-Betrieb) erreichen viele LED-Projektoren sogar Betriebsgeräusche von 33 oder 34 dB.

Mit passiver Kühlung lassen sich die Betriebsgeräusche deutlich senken. Daher sollte beim Kauf der Beamer eben auch darauf geachtet werden, dass sie möglichst unaufdringlich ihre Arbeit verrichten. Unabhängig von der Lampentechnologie und Größe des Gerätes sitzt man besser nicht zu nah dran, denn das Gebläse kann nicht nur mehr oder weniger lautstark sein, sondern auch recht heiß werden, wenn es zur Seite abstrahlt.

Flexibilität ist Trumpf

BenQ-Manager Müller hat es schon angesprochen: Die Flexibilität bezüglich der Aufstellung ist gerade bei mobilen Business-Projektoren ein entscheidender Faktor. Erreicht werden kann das unter anderem durch Wechseloptiken. Entsprechende Beamer sind aber nicht günstig und oft auch erst ab dem Installationssegment verfügbar. Flexible Aufstellmöglichkeiten bieten auch die bereits erwähnten Kurzdistanzprojektoren oder entsprechende Objektive, wie sie etwa Barco und NEC im Programm haben. Schließlich sorgen Weitwinkelobjektive für schattenfreie Projektion und dafür, dass das Auge des Zuschauers im Saal nicht geblendet wird, wie NEC betont.

Zur Flexibilität gehört auch ein eingebauter Lautsprecher, der sich besonders bei portablen Geräten bezahlt macht, weil Notebook-Lautsprecher meist zu schmalbrüstig sind und sonst ein extra Kabel zu einer Hifi-Anlage erforderlich wäre.

Wichtig für eine flexible Aufstellungsmöglichkeit im Raum ist auch eine großzügig bemessene horizontale und vertikale Linsenverstellung (Lens Shift), die der ebenfalls meist angebotenen Keystone- oder Trapezkorrektur vorzuziehen ist. Sonys eingangs genannter 3LCD-Laser-Projektor VPL-FHZ55 bietet dabei auch Edge-Blending für die Großprojektion mit mehreren Beamern.

Die Projektionsüberlagerung ist zwar technisch aufwändig, bietet aber noch zwei weitere entscheidende Vorteile: eine deutliche Steigerung des Lichtstroms beziehungsweise der Helligkeit und 3D-Projektion mit zwei lichtstarken Installationsgeräten, die oft selbst nicht 3D-fähig sind.

Fazit: Probieren geht über Studieren

Es finden sich viele Business-Anwendungen für Beamer und jeweils passend auch die richtigen Geräte. LED-Zwerge (Pico-Projektoren) sind zwar noch nicht lichtstark genug. Dieses Manko machen sie aber dadurch wett, dass sie mitunter nur an ein Smartphone angedockt zu werden brauchen.

Bei großen Veranstaltungen wie Aktionärsversammlungen werden zwar teils schon LCD- oder LED-Bildwände eingesetzt, aber ein nahtloses und möglichst pixelfreies Großbild ist nur über entsprechende Installations- oder Large-Venue-Projektoren zu erzielen. Edge-Blending oder Stacking ist eine interessante Alternative, wenn es um 3D- und 4K- oder gar 8K-Anwendungen geht.

Während man mittlerweile alles im Internet kaufen kann, sollte man sich bei der Wahl eines Business-Projektors wohl doch besser auf die Spezialisten aus dem AV- oder IT-Fachhandel und die "Puddingprobe" verlassen. Auf deutsch: Es gilt mal wieder "Probieren geht über Studieren". (mb)

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