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Konsolenkünste: Geniale Tricks für die Shell

10.07.2014 | 12:09 Uhr |

Verkettete Befehle sind eine der Stärken der Shell, um Resultate aus mehreren Kommandos zu modifizieren, zu berechnen und zu sortieren. Die Konsolen-Tipps zeigen diesmal unter anderem nützliche Befehlsverkettungen.

Open Suse: Systemverwaltung: Schnelles textbasiertes Yast

Eine Besonderheit von Open Suse ist das Konfigurations-Tool Yast, eine augenzwinkernde Abkürzung für „YetAnother Setup Tool“. Es fasst mehrere Aspekte der Systemadministration in einem grafischen Menü zusammen. Was aber, wenn mal keine grafische Oberfläche zur Verfügung steht, etwa auf Servern oder bei streikenden Treibern?

Yast führt ein Doppelleben: Die bekannte Seite zeigt es mit seiner grafischen Oberfläche, wie sie sich aus KDE und Gnome heraus starten lässt. Weniger bekannt ist die kommandozeilenbasierteVariante von Yast, die Menüs in Textform darstellt.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 3/2014

So klappt der Umstieg von XP zu Linux, Videoüberwachung mit Raspberry Pi einrichten, das beste Linux für jeden PC - das und mehr finden Sie in der neuen LinuxWelt 3/2014 .

Diese Variante von Yast eignet sich überall, wo es gerade mal keine Desktop-Umgebung gibt. Das Kommandozeilen-Yast bietet eine beinahe exakte Abbildung des Funktionsumfangs der grafischen Variante. Zudem ist Yast hier deutlich schneller: Ein Online-Update der Programmpakete ist in einem Bruchteil der Zeit erledigt, die ein Update mit der grafischen Version in Anspruch nimmt. Daher ist dieses Yast auch auf dem Desktop eine reizvolle Alternative. Allerdings liegt Yast in der Kommandozeile größtenteils in englischer Sprache vor.

Praktische Tricks für Desktop-Umgebungen

Um Yast in dieser Weise zu nutzen, geben Sie im Terminal den Befehl

sudo /sbin/yast

ein. Die Steuerung erfolgt mit den Pfeiltasten, die Enter-Taste wählt den jeweils aktiven Menüpunkt aus. Zudem gibt es gelb hervorgehobene Tastenkürzel, die mit der Alt-Taste funktionieren. Unten sind F-Tasten angegeben, um aus Untermenüs herauszukommen.

Typenkunde: Dieser Befehl gibt eine Liste aus, wie viele Dateien eines Typs im aktuellen Verzeichnis vorhanden sind.
Vergrößern Typenkunde: Dieser Befehl gibt eine Liste aus, wie viele Dateien eines Typs im aktuellen Verzeichnis vorhanden sind.

Dateimanagement: Ordner-Inventur: Dateitypen zählen

Wie viele Dateien eines Typs befindensich im Verzeichnis? Zum Abgleich von Dateilisten mit dem Inhalt von Verzeichnissen sind Auflistungen hilfreich, welche die Dateitypen aufschlüsseln.

Mit einer Verkettung mehrerer Befehle ist es möglich, eine tabellarische Auflistungder Dateitypen anhand derenEndung zu erstellen und dabei die Dateien jedes Typs zu zählen. Das folgende Kommando kombiniert sechs Einzelbefehle über das Pipe-Symbol (|):

ls | tr [:upper:] [:lower:] | grep -oP '\.[^\.]+$' | sort | uniq -c | sort

Die resultierende Liste ist dazu nach der Häufigkeit der Dateitypen aufsteigend sortiert. Eine ähnliche Inventur nimmt folgender Befehl vor, der den Platzbedarf von Dateien einer bestimmten Endung berechnet.

find . -name "*.DATEITYP" -type f -exec du -ch {} + | tail -n1

Die Angabe „DATEITYP“ ist ein Platzhalter und muss noch durch die gewünschte Endung ausgetauscht werden. Die Ausgabe erfolgt in Kilobyte (K), Megabyte (M) oder Gigabyte (G) – je nachdem, auf welche Summe die addierten Dateigrößen kommen.

Richtungsweisend: Mit dieser Ergänzung in der Konfigurationsdatei „.vimrc“, die auf vielen System erst noch angelegt werden muss, funktionieren die Pfeiltasten in Vi/Vim zur Cursor-Steuerung.
Vergrößern Richtungsweisend: Mit dieser Ergänzung in der Konfigurationsdatei „.vimrc“, die auf vielen System erst noch angelegt werden muss, funktionieren die Pfeiltasten in Vi/Vim zur Cursor-Steuerung.

Texteditor Vi/Vim: Probleme mit Cursor-Tasten lösen

Auf einigen Linux-Systemen kann es vorkommen, dass die Pfeiltasten im Editor Vi/Vim nicht wie gewohnt funktionieren: Anstatt den Cursor zu verschieben, produzieren diese Tasten im Bearbeitungsmodus nur die Buchstaben A, B, C, D.

Die originale Version von Vi kennt im Bearbeitungs- und Einfügemodus die Pfeiltasten noch nicht, erst Vim (eine Abkürzung für „ViImproved“) erleichtert die Bearbeitung von Textdateien mit der standardmäßigen Unterstützung der Pfeiltasten.

Diese anachronistische Eigenschaft von Vi ist ein Erbe des Computer-Terminals ADM-3A, auf dem Bill Joy die erste Version von Vi entwickelte. Das ADMI-3A hatte keine Pfeiltasten, und der Cursor wurde stattdessen im Befehlsmodus mit H, J, K, L bewegt.

Noch heute gibt es Versionen von Vim, die über ihre Konfiguration das Verhalten von Vi nachahmen. Ubuntu und seine Abkömmlinge liefern beispielsweise mit dem Paket „vim-tiny“eine Version von Vim, in der die Pfeiltasten nicht funktionieren.

Die Lösung ist indes einfach: Legen Sie im Home-Verzeichnis eine Datei mit dem Namen „.vimrc“ an, falls diese noch nicht existiert, und tragen Sie dort in der ersten Zeile das folgende Kommando ein:

set nocompatible

Ab dem nächsten Start von Vi/Vimfunktionieren die Pfeiltasten wie gewohnt.

Weitere Konsolen-Tricks für Linux

So sieht der Fortschritt aus: Der Pipe Viewer pv ist in vielen Fällen eine nützliche Ergänzung für Befehle, die keine Fortschrittsanzeige bieten. Er gibt dazu eine Datei als Datenstrom weiter.
Vergrößern So sieht der Fortschritt aus: Der Pipe Viewer pv ist in vielen Fällen eine nützliche Ergänzung für Befehle, die keine Fortschrittsanzeige bieten. Er gibt dazu eine Datei als Datenstrom weiter.

Dateiverwaltung: Checksummen mit Fortschrittsanzeige

Tools wie md5sum und sha1sum sind auf Geschwindigkeit getrimmt, um aus übergebenen Dateien möglichst flott eine Checksumme zu berechnen. Nützlich ist dies beispielsweise bei der Übertragung von sehr großen Dateien mit mehreren GB. Eine zuvor und danach erstellte Checksumme stellt sicher, dass bei der Übertragung alles geklappt hat. Die Kommandozeilen-Tools md5sum und sha1sum haben nur einen Schönheitsfehler: Beide zeigen keinen Fortschritt an, sondern verrichten stumm ihr Werk, bis die Checksumme fertig ist.

Mit einem Fortschrittsbalken und einer Zeitanzeige werden Tools wie md-5sum und sha1sum ein Stück sympathischer. Beibringen können Sie den Tools diese Funktion mit dem Hilfsprogramm pv. Der Name steht für „Pipe Viewer“ – ein Kommandozeilenmonitor, um Datenströme durch Pipes zu beobachten. Unter anderem kann pvauch Fortschrittsbalken zeigen, wo eigentlich keine vorgesehen sind. So berechnen Sie zu einer Datei „beispiel.iso“ mit md5sum eine Checksumme und sehen dabei den Fortschritt:

pv beispiel.iso | md5sum

Mehr ist nicht zu tun – der Pipe Viewer kümmert sich automatisch um die Prozessanzeige und gibt die Datei zum eigentlichen Befehl weiter, der hinter dem hinter dem Pipe-Symbol (|) angegeben ist.

Genauso funktioniert dieser Trick mit sha1sum:

pv beispiel.iso | sha1sum

Der Pipe Viewer ist nicht bei allen Linux-Distributionen im vorinstallierten Standardrepertoire. Dies ist aber kein großes Hindernis, da das Paket „pv“bei allen großen Distributionen in den Paketquellen zu finden ist. In Ubuntu und Mint rüsten Sie das Tool mit

sudo apt-get install pv

nach, und auch Open Suse und Fedora kennen das Paket „pv“.

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