Natürlich spielt das Internet alleine (noch) keine wahlentscheidende Rolle, denn in das Leben älterer Wähler hat es noch nicht umfassend Einzug gehalten. Doch der Zuwachs an Bedeutung ist insgesamt nicht mehr zu übersehen. Ein Grund ist hier auch, dass das Netz als Quelle für politische Informationen und zur Meinungsbildung die einzigartige Möglichkeit zur direkten Interaktion bietet.
Interaktiv: Blogs und Diskussionen
Gerade das Web 2.0, etwa durch Blogs und Web-News, bietet den Nutzern die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren und auszutauschen. Klassische Informationsquellen sind hier begrenzt und bieten keine Möglichkeiten zur Interaktion, wobei das Internet jedem die Möglichkeit bietet, aktiv und zeitnah Informationen nach dem eigenen Geschmack und Bedarf zu recherchieren und sogar selbst Beiträge zu leisten. Informationen gehen hier mehr in die Tiefe und sind oft graphisch besser aufbereitet; daneben sind sie aktueller und nutzen multimediale Möglichkeiten oft voll aus.
Schon bald, gerade wenn die an das Internet gewöhnten Nutzer den größten Teil der Bevölkerung stellen, könnte das Internet die endgültig maßgebliche Plattform für politische Entscheidungen und die Meinungsbildung der Wähler werden.
Direkter Kontakt zu den Wählern
Das Wahlkampfteam Obamas konnte durch die enorme Beteiligung der Wähler schnell auf aktuelle Entwicklungen reagieren und zum Beispiel durch Blogs oder das Einstellen von Videos all diejenigen erreichen, die sich auf den bekannten Websites bewegen oder sich sogar schon zu Unterstützern des Präsidentschaftsbewerbers erklärt hatten. Nicht nur das Wahlkampfteam, sondern der Nutzer selbst kann hier dazu beitragen, welche Informationen und Meinungen wo zu finden sind und dadurch unmittelbar die Meinungsbildung anderer Nutzer beeinflussen. Das Internet ist schneller und voll von unbezahlbaren, sozusagen ehrenamtlichen Wahlhelfern, die oft sogar nachts und in ihrer Freizeit dem Präsidentschaftsbewerber zuarbeiten indem sie andere Menschen direkt ansprechen und motivieren, für ihren Kandidaten zu stimmen. Und all das funktioniert unkompliziert und weitgehend kostenlos.
Blogs wie The Huffington Post und Politico zeigen beispielhaft, welche Macht das Internet den klassischen Informationsquellen entgegenzusetzen hat. Blogs dienen vielen Millionen US-Amerikanern als Informationsquelle und sind deshalb in den letzten Jahren zu einflussreichen Meinungsmachern geworden.
Unabhängigkeit
Das Internet als Informations- und Meinungsbildungsplattform ist unabhängig von den großen altbekannten Medien, die lange Zeit die politische Meinung bestimmten. Hier kommt jeder zu Wort und ganze Gruppen, die hinter einem politischen Bewerber stehen, können zu einer mächtigen Institution werden, die die Meinung maßgeblich mitbestimmen und umreißen kann.
Das Internet macht es möglich, potentielle Wähler unkompliziert und direkt anzusprechen und auf Veränderungen sofort zu reagieren. Meinungen und Stimmungen bilden sich schnell ab und können dadurch für die eigenen Zwecke genutzt werden – sei es nur durch das Wissen, etwas falsch gemacht zu haben. Das Internet entwickelt sich schnell und dient denen, die sich ausreichend darauf einlassen und sich damit beschäftigen. Zwar haben alle Kandidaten beider Parteien sich das Internet zu Nutze gemacht – jedoch mit unterschiedlichem Erfolg.
Obama und neue Technologien
Wie breitgefächert und wegbereitend die Kampagne vom Wahlgewinner Obama war, zeigt etwa die eigens für den Wahlkampf zur Verfügung gestellte Applikation für das iPhone. Hierüber konnten Wähler durch die sogenannte „Call Friends“-Funktion andere überzeugen oder erhielten durch aktuelle Informationen, Videos oder Photos schlicht neues Wahlkampfmaterial.
Kontakt per SMS und Mail
Die Entscheidung, Joe Biden als Vizepräsident zu ernennen, wurde per SMS und Mail verbreitet. Auf diesem, nicht gerade konventionellen Weg, erreichte sie unmittelbar alle Unterstützer Obamas, die sich in der Zeit davor mit ihrer Handynummer oder ihrer Mail-Adresse registriert hatten. Jeder durfte sich selbst angesprochen fühlen, jeden erreichte die Nachricht aus „erster Hand“. Nicht nur diese emotionale Bindung, sondern auch die Verdeutlichung der Wichtigkeit solcher Verbreitungswege machten es dem Wahlkampfteam Obamas immer einfacher immer mehr potentielle Wähler direkt und ungefiltert zu erreichen. Riesige Datenbanken mit Kontaktdaten von Unterstützern und potentiellen Wählern waren wichtige Ressourcen für die direkte Kommunikation fernab der klassischen Medien und des werbeüberfluteten (klassischen) Briefkastens. Auch der Dank für seinen Sieg am 4. November 2008 ging zuerst per Mail an seine vielen Unterstützer.
Für Aufsehen im Wahlkampf hat auch ein Video gesorgt, das man über die Seite von CNNBC anschauen und weitersenden kann. Trägt man dort Namen und E-Mail-Adresse eines oder mehrerer Bekannter ein, so konnte man das Wahlkampfvideo in personalisierter Form (der Name des Empfängers wird automatisch eingefügt) versenden. Das Video zeigt die fiktive Niederlage Obamas und beschreibt den „Verursacher“, der sich so direkt angesprochen fühlen soll.
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