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Knoppix: Das Live-System-Urgestein in neuer Form

06.10.2014 | 13:11 Uhr |

Seit 14 Jahren kümmert sich Klaus Knopper um die Entwicklung von Knoppix. Es ist das technische Vorbild vieler Live-Systeme und beansprucht mit ausgezeichneter Hardware-Erkennung bis heute einen Klassiker-Status.

Die Entstehungszeit von Knoppix fällt in jene Jahre, in der Linux-Distributionen noch in Form mehrerer CDs aus einem Karton mit Handbuch auf den Rechner kamen. Schon die Installation war aufgrund der manuellen Einrichtung der Hardware, von der Netzwerkkarte bis zur X11-Konfiguration der grafischen Oberfläche, eine anspruchsvolle Angelegenheit. Dann trat Knoppix auf den Plan, das nicht nur eines der ersten Live-Systeme überhaupt war, das komplett von CD lief, sondern mit seinen automatischen Konfigurations-Scripts den Anwendern eine Menge Arbeit abnahm. Das Ziel war zunächst, einen komplett eingerichteten Linux-Desktop ohne Installations-Odyssee bereitzustellen.

Bootoptionen: Die Tasten F2 und F3 zeigen die Startparameter (Cheatcodes) von Knoppix. Mehrere Desktops stehen allerdings nur in der vier GB großen DVD-Variante bereit.
Vergrößern Bootoptionen: Die Tasten F2 und F3 zeigen die Startparameter (Cheatcodes) von Knoppix. Mehrere Desktops stehen allerdings nur in der vier GB großen DVD-Variante bereit.

1. Einsatzgebiet: Instant-Linux mit Arbeitsumgebung

Heute ist der Linux-Einstieg einfacher, und Knoppix übernimmt eine andere Rolle: Als portables Debian-System punktet es vor allem mit seiner Software-Ausstattung, die in der DVD-Variante enorm ist und von keinem anderen System übertroffen wird. Um Knoppix ist es etwas stiller geworden, neue Versionen erscheinen nur noch im Jahresrhythmus, und die Programmpakete liegen nicht in den frischesten Versionen vor. Mit nach wie vor exzellenter Einbindung von Hardware und seiner deutschsprachigen Arbeitsumgebung ist Knoppix aber weiterhin die erste Wahl für ein Zweitsystem, mit dem sich ernsthaft arbeiten lässt. Insbesondere in Windows-Umgebungen, wo auf die Schnelle keine Linux-Installation möglich sind, punktet Knoppix. Die schlanke LXDE-Arbeitsumgebung eignet sich nebenbei auch vortrefflich für Alt-PCs, denn der Kernel der 32-Bit-Version braucht keine CPU mit PAE-Erweiterung. Viele eigene Scripts mit deutschsprachiger grafischer Oberfläche bringen das Live-System schnell in Windows-Netze, starten einen SSH-Server-Client oder einen ganzen Terminal-Server, der Knoppix von anderen PCs aus mit PXE-Boot über das Protokoll TFTP starten kann.

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2. Desktop-Auswahl und Bedienung

Zum Start zeigt Knoppix ein schlichtes textbasiertes Bootmenü, in dem die Tasten F2 bis F3 weitere Startoptionen und allgemeine Parameter des Linux-Kernels anzeigen. Das System bootet mit Standardeinstellungen mit einem Druck auf Enter. In der DVD-Variante lohnt sich aber ein Blick in die Optionen, da nicht nur LXDE als Desktop bereitsteht (Standard), sondern auch KDE (Auswahl „knoppix desktop=kde“) sowie Gnome („knoppix desktop=gnome“). Auf der DVD ist außerdem ein 64-Bit-Kernel integriert, der mit der Option „knoppix64“ startet.

Mit den Standardoptionen der CD-Variante startet Knoppix den schlichten LXDE-Desktop, der bei erkanntem, 3D-fähigen Grafikchips mit den 3D-Effekten von Compiz ausgestattet ist. Alle Programme sind links unten über das Anwendungsmenü zugänglich, wobei dieses in der DVD-Ausgabe deutlich umfangreicher ausfällt und beispielsweise eine große Zahl von KDE-Programmen und Entwicklungswerkzeuge liefert. Libre Office 4, Firefox mit vorinstalliertem Flash-Plug-in, Adblocker und Noscript-Erweiterung sind aber auch in der CD-Version enthalten. Die Verbindung zu Netzwerk und WLAN übernimmt der gewohnte Network-Manager über sein Applet im Panel.

Auf USB-Datenträgern einrichten: Für die Übertragung auf einen bootfähigen USB-Stick liefert Knoppix im Live-System sein eigenes Tool mit.
Vergrößern Auf USB-Datenträgern einrichten: Für die Übertragung auf einen bootfähigen USB-Stick liefert Knoppix im Live-System sein eigenes Tool mit.

3. Praxis: kleine durchdachte Helferlein

Von optischen CDs und DVDs läuft Knoppix langsam und behäbig, von USB-Datenträgern dagegen anständig flott. Der Transfer der ISO-Dateien mit Unetbootin ist der CD-Version aber wegen des fehlenden Bootmenüs nicht optimal und in der DVD-Ausgabe gar nicht möglich. Das passende Tool zur Erstellung eines bootfähigen USB-Sticks bringt Knoppix in allen Versionen aber selbst mit: Das laufende Live-System lässt sich im Anwendungsmenü unter „Knoppix -> KNOPPIX auf Flash-Disk installieren“ über einige Dialoge auf einem eingesteckten USB-Stick bootfähig einrichten. Die CD braucht dazu einen Datenträger mit einem GB Speicherplatz, die DVD dagegen einen USB-Stick ab acht GB, jeweils mit FAT32 formatiert Nach der Auswahl des USB-Laufwerks bietet Knoppix die Optionen „mit optionaler Overlay-Datei <4GB“ und „mit zusätzlicher Overlay-Partition“. Diese Einstellungen betreffen beide den verfügbaren Platz für zusätzliche Daten, die man in Knoppix beim Start von USB-Laufwerken einrichten kann. Die erste Möglichkeit erlaubt bis zu vier GB Daten in einer automatisch beim Systemstart eingehängten Image-Datei auf der FAT32-Partition. Diese Datei kann zudem per Passwort mit AES-256 verschlüsselt werden, was einen guten Schutz der persönlichen Daten beim Verlust des USB-Sticks garantiert. Die zweite Option richtet bei größeren USB-Sticks eine weitere Partition mit Reiser FS ein; dies kann sinnvoll werden, wenn das 4-GB-Limit von FAT32 pro Datei ein Hindernis ist.

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 5/2014

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Die Wege ins Windows-Netzwerk sind in Knoppix kurz: Über „Knoppix -> Netzlaufwerke suche/mounten“ geht das System auf die Suche nach Windows-Freigaben. Zur Verbindung zu einem Server ist dann nur noch die Eingabe von Name und Passwort nötig. Anschließend hängt Knoppix eine ausgewählte Freigabe unter „/media/[Server]_[Freigabe]“ ein. Ebenfalls nützlich ist es, selbst von Knoppix aus Freigaben ins Windows-Netzwerk über den mitgelieferten Samba-Server anzubieten. Dies funktioniert über „Knoppix -> Samba-Server“, wo Sie über „config“ erst ein Passwort für den Benutzer „knoppix“ festlegen und mit „start“ dann den Ordner „/home/knoppix“ freigeben. Für Linux-Clients eignet sich aber zur Anmeldung und zur Datenübertragung SSH am besten, und der Server-Dienst dafür wartet unter „Knoppix -> SSH Server starten“.

Lokale Partitionen erkennt Knoppix und kann diese per Klick im Dateimanager einbinden, wobei alle wichtigen Dateisysteme unterstützt werden. Der Zugriff auf Windows-Partitionen erfolgt über den Treiber ntfs-3g, der in der vorliegenden Version auch mit Windows 8.x umgehen kann und bei aktiviertem Fast Boot die betroffene Windows-Partition „readonly“ einhängt, um Datenverlust zu vermeiden.

Steckbrief Knoppix

Einsatzgebiet: umfassendes Live-System für den Desktop
Zielgruppe: Einsteiger und Administratoren
Systemanforderungen: gering, die 32-Bit-Variante läuft bereits ab Pentium II (ohne PAE) und 256 MB RAM
Download: http://knopper.net/knoppix , ISOs der CD-Version (700 MB) und DVD-Version (4 GB)
Dokumentation: http://knopper.net/knoppix/knoppix720.html

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