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Kleine Radio-Bastelei: Das Variometer-Audion

28.08.2014 | 08:49 Uhr |

Stellen Sie sich vor, Sie seien auf einer einsamen Insel gestrandet und brauchen ein Kurzwellenradio. Ein paar elektronische Bauteile liegen herum, irgendwie muss das jetzt gehen. Zeit haben Sie ja genug.

Burkhard Kainka ist Autor diverser Bücher und CDs und betreibt die Websites www.b-kainka.de und www.elektronik-labor.de . In seiner Bastelecke stellt er kleine Projekte "für junge und jung gebliebene Elektroniker" vor, die sich schnell nachbauen lassen. Beim Blick auf ein paar Bauteile-Reste stellte er sich vor, auf einer einsamen Insel gestrandet zu sein und dringend ein Kurzwellenradio zu brauchen. Was man dazu braucht, erklärt er hier.

Ein paar elektronische Bauteile liegen herum, aber spezielle HF-Bauteile wie Drehkondensator und Kurzwellenspule fehlen. Ein Lautsprecher, ein alter Blechdeckel und eine gebrauchte 1,5-V-Batterie sind vorhanden. Damit muss es jetzt irgendwie gehen.  

Die Schaltung
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© Burkhard Kainka

Die Schaltung entspricht im Kern dem Emitterfolger-Audion und dem Kurzwellen-Retro-Radio , allerdings mit einem vereinfachten NF-Endverstärker für 1,5-V-Betrieb. Statt des Drehkos hat das Audion einen Festkondensator, der je nach KW-Band aus mehreren Einzelkondensatoren zusammengelötet wird. Der Kern des Radios ist eine selbst gewickelte Variometer-Spule, die einen Feinabgleich durch Verbiegen zulässt. Hier wurden 17 Windungen stramm auf eine Mignon-Batterie gewickelt. Beim Abziehen vom Wickeldorn ging die Spule etwas auseinander. Übrig blieben 15 Windungen mit einem Durchmesser von 17 mm.

Spulenberechnung
Vergrößern Spulenberechnung
© Burkhard Kainka

So eine Spule lässt sich leicht berechnen (siehe Kleine HF-Spulenkunde ) . Dann weiß man schon mal, wo man ungefähr landet. Durch Auseinanderziehen der Spule kommt man leicht bis zu 20 Prozent höher.
 

Spule lässt sich auseinanderziehen
Vergrößern Spule lässt sich auseinanderziehen
© Burkhard Kainka

Wenn die gewünschte Frequenz und die passende Antennenkopplung grob gefunden sind, stellt man das Poti nahe an den Rückkopplungseinsatz, wobei ein Anstieg des Rauschens die gesteigerte Empfindlichkeit verrät. Dann wird die Spule vorsichtig verbogen, bis der gewünschte Sender klar zu hören ist. Im ersten Versuch war das der niederländische Auslandsdienst RNW auf 5955 kHz. Die Deutsche Welle hat sich ja leider abgeschaltet und ist für gestrandete Seefahrer nicht mehr verfügbar. Am Abend kommen aber noch andere Stationen hinzu. Jedenfalls ist die Frequenz mit etwas Geschick ebenso genau einzustellen wie mit einem Drehko.

Hebel-Mechanismus zur Verlängerung der Spule
Vergrößern Hebel-Mechanismus zur Verlängerung der Spule
© Burkhard Kainka

Um die Abstimmung noch etwas zu vereinfachen, bekam das Radio am Ende noch einen Hebel-Mechanismus zur einstellbaren Verlängerung der Spule. Das Youtube-Video zeigt das Radio in Aktion auf dem 15-MHz-Band.

Hinweis für alle Bastler:
Wenn auch Sie ein kreatives Projekt entwickelt haben, schreiben Sie uns. Wir würden Ihre Konstruktionen, nützlich oder einfach nur schräg, gern im Hacks-Bereich auf www.pcwelt.de vorstellen. Schreiben Sie an Birgit Götz - bgoetz@pcwelt.de.

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