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Kleine Bastelei: Das magische Auge

04.11.2014 | 10:00 Uhr |

Wie Sie mit ein paar alten Radioröhren und ein paar wenigen Bauteilen ein Licht-Spiel zur Entspannung selber bauen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Burkhard Kainka ist Autor diverser Bücher und CDs und betreibt die Websites www.b-kainka.de und www.elektronik-labor.de . In seiner Bastelecke stellt er kleine Projekte "für junge und jung gebliebene Elektroniker" vor, die sich schnell nachbauen lassen. Vorgestellt haben wir bereits seinen Multi-LED-Blitzer in einer Glühbirne, ein Gammastrahlen-Mikrofon und ein analoges Lauflicht . Für das magische Auge, das Burkhard Kainka heute beschreibt, hat er erneut in seine Bastel-Restekiste gegriffen.

In meinem Keller steht eine große Kiste mit vielen alten Röhren, die dort seit Jahrzehnten ihr Vakuum bewahren. Da fand ich auch ein magisches Auge EM85. Es muss wohl mal in einem Radio als Abstimmhilfe gedient haben. Und jetzt leuchtet es wieder! Nicht nur das, es erzeugt eine langsam schwingende Bewegung und trägt so aktiv zur mentalen Entspannung des Betrachters bei.

Das magische Auge
Vergrößern Das magische Auge
© Burkhard Kainka

Die Röhre braucht 6,3 V/0,3 A für die Heizung und 250 V bei ca. 2 mA für die Anode. Zur Versorgung dient der kleine Spannungswandler des Blitzgeräts aus einer alten Kamera. Die Schaltung habe ich etwas verändert, damit sie mit 6 V versorgt werden kann. Außerdem habe ich einen Regelkreis für stabile 250 V eingebaut.

Die Schaltung wurde etwas verändert, damit sie mit 6 V versorgt werden kann.
Vergrößern Die Schaltung wurde etwas verändert, damit sie mit 6 V versorgt werden kann.
© Burkhard Kainka

Der Spannungswandler erzeugte ursprünglich eine negative Spannung. Mit einer geänderten Gleichrichtung kommen nun + 250 V raus. Der Regelkreis verwendet die vorhandene Glimmlampe als Spannungsreferenz. Sie weist eine stabile Brennspannung von 200 V auf und arbeitet ähnlich wie eine Zenerdiode für höhere Spannungen.

Der Spannungswandler erzeugt mit einer geänderten Gleichrichtung nun + 250 V.
Vergrößern Der Spannungswandler erzeugt mit einer geänderten Gleichrichtung nun + 250 V.
© Burkhard Kainka

Das magische Auge besitzt eine Leuchtschicht auf der Blechanode, dem Leuchtschirm. Eine Ablenkelektrode sorgt für den variablen Winkel. Die Leuchtflächen wachsen mit der Ablenkspannung. Zur Steuerung ist eine Spannung zwischen ca. 100 V und 200 V nötig. Die Röhre enthält deshalb neben der eigentlichen Leuchtröhre eine zusätzliche Triode. Mit einem Anodenwiderstand von 470 k erhält man die notwendige Verstärkung. Am Gitter der Triode muss nun eine Spannung zwischen 0 und ca. -10 V angelegt werden, um den vollen Aussteuerbereich zu erzielen. Üblicherweise wurde die Röhre direkt von der negativen Regelspannung der ALC des Radios gesteuert.

Die Röhre enthält neben der eigentlichen Leuchtröhre eine zusätzliche Triode.
Vergrößern Die Röhre enthält neben der eigentlichen Leuchtröhre eine zusätzliche Triode.
© Burkhard Kainka
Schattenwinkel als Funktion der Gittervorspannung
Vergrößern Schattenwinkel als Funktion der Gittervorspannung
© Burkhard Kainka

Hier habe ich einen kleinen Sinusgenerator mit einer Frequenz von rund 1 Hz gebaut, um das Gitter der Röhre anzusteuern. Die Betriebsspannung kommt von der hochgelegten Kathode der Röhre. Die Leuchtflächen schwingen nun dauernd hin und her.

Hier wurde ein kleiner Sinusgenerator mit einer Frequenz von rund 1 Hz gebaut.
Vergrößern Hier wurde ein kleiner Sinusgenerator mit einer Frequenz von rund 1 Hz gebaut.
© Burkhard Kainka

Die ganze Schaltung wurde in einer Blechdose untergebracht. Oben auf dem Deckel steht die Röhrenfassung. Zwei lange Schrauben sorgen für den nötigen Abstand und halten die Fassung und die Zusatzplatinen. Das ganze Gerät kann von einem 6-V-Akku versorgt werden.

Die ganze Schaltung wurde in einer Blechdose untergebracht.
Vergrößern Die ganze Schaltung wurde in einer Blechdose untergebracht.
© Burkhard Kainka

Das magische Auge verwendet man am besten im Dunkeln bei einem Gläschen Wein. Dank des Akkubetriebs kann es in lauen Sommernächten auch im Garten eingesetzt werden. Das grüne Leuchten und die sanften Schwingungen entspannen den Betrachter schnell und nachhaltig. Bereits nach zehn Minuten verschwinden alle schwere Gedanken. Nach weiteren zehn Minuten fällt der Betrachter in Trance, wobei keine Garantie dafür übernommen werden kann, dass er auch wieder aufwacht.

Das magische Auge leuchtet: Entspannung garantiert.
Vergrößern Das magische Auge leuchtet: Entspannung garantiert.
© Burkhard Kainka

Hinweis für alle Bastler:
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