iOS, Android, WebOS, Windows 7

Welcher Tablet-PC ist der richtige?

Dienstag, 20.09.2011 | 15:12 von Boris Hofferbert
Bildergalerie öffnen Welcher Tablet-PC ist der richtige?
© iStockphoto.com/Nikada
Ob Android oder iOS, WebOS oder sogar Windows 7, wer sich heute für den Kauf eines Tablet-PCs entscheidet, hat nicht nur in Sachen Hardware die Qual der Wahl. Noch mehr als beim Desktop-PC bestimmt das Betriebssystem eines Tablets über dessen Möglichkeiten, Bedienkomfort und Alltagstauglichkeit. Wir haben für Sie die Stärken und Schwächen der vier großen Systeme analysiert und verraten, welches Tablet-Betriebssystem für Sie das richtige ist.
Allen Spöttern und Unkenrufen zum Trotz hat es  Apple mit dem iPad geschafft den Tablet-PC vom Nischenprodukt zum Verkaufsschlager zu befördern – und einen wahren Hype ausgelöst. Kein Wunder also, dass die Konkurrenz schnell nachgezogen ist. Kaum eine IT-Größe verzichtet mittlerweile auf ein eigenes Tablet in unterschiedlichen Varianten. Kein Wunder, bieten die Flachmänner doch eine ideale Ergänzung zum klassischen Laptop, da sie nicht nur handlicher sind, sondern in der Regel auch immer verfügbar, weil die vom PC bekannten Bootzeiten ebenso minimiert werden, wie der Aufwand für die Systempflege.

Doch wer den Kauf eines Tablets in Erwägung zieht, sieht sich nicht nur einer großen Auswahl an Geräten gegenüber, sondern muss sich vor allem mit dem verwendeten Betriebssystem auseinandersetzen. Die unterschiedlichen OS-Varianten für Tablets richten sich in ihren Möglichkeiten und der Bedienung an ganz unterschiedliche Nutzertypen. Zwar hat Apple mit iOS auf dem iPad eine klare Richtung vorgegeben, an der sich die Konkurrenz orientiert, dennoch bieten Android 3, webOS oder Windows 7 auch jede Eigenschaften, bei denen Apple nicht mithalten kann.

Wir haben uns die wichtigen Systeme angesehen und verraten, für welchen Anwender welches Tablet-OS das richtige ist. Dabei analysieren wir in unserer Kaufberatung für Tablets nicht nur Aspekte wie Sicherheit, Anwenderfreundlichkeit und die App-Auswahl, sondern werfen auch einen Blick in die Zukunft der Systeme und stellen mit vielfältigen Informationen die aktuelle Hardware für die Systeme vor und zeigen die markantesten Unterschiede zwischen den getesteten Tablets.

Apple iOS für das iPad

Bei Apples iOS für das iPad handelt es sich de facto um eine an die höhere Bildschirmauflösung angepasste Version der iPhone-Variante, die wiederum ein Derivat des Desktop-Systems Mac OS X ist. Erstmals vorgestellt wurde das System im April 2010 bei der Präsentation des iPads.


Eigenschaften von Apple iOS

Der Ordner Online-Dienste
Vergrößern Der Ordner Online-Dienste

Das System lässt sich genauso bedienen wie sein Smartphone-Cousin und ist abwärtskompatibel zu iPhone-Anwendungen. Seit Version 4 erlaubt iOS auch das gleichzeitige Ausführen mehrerer Apps, zwischen denen per Doppelklick auf den Home-Knopf des iPads hin- und hergewechselt werden kann. Allerdings handelt es sich dabei nicht um echtes Multitasking, da Apple genau vorschreibt, was die Apps im Hintergrund machen dürfen, anstatt ihnen freien Zugriff auf die Systemressourcen zu geben. In der Praxis merkt der Anwender davon aber nicht viel, weil beispielsweise die Musikwiedergabe oder die Navigation nicht unterbrochen wird. Davon abgesehen werden Apps beim Wechsel gewissermaßen eingefroren, wodurch sie den Akku wenig bis gar nicht mehr belasten. Eine Besonderheit sind Apps, die Benachrichtigungen an den User schicken dürfen. Diese laufen im Hintergrund und melden sich mit einer eingeblendeten Textnachricht, die – je nach laufender Anwendung – durchaus störend sein kann. Erst in der nächsten iOS-Version wird Apple diesen Vorgang eleganter lösen (s. unten).

Sicherheit

Die wohl größte Stärke von iOS ist sein Sicherheitskonzept. Apple prüft jede einzelne App vor dem Release im App-Store auf Herz und Nieren, wodurch Schadsoftware faktisch keine Chance hat. Jede geöffnete App läuft in einer eigenen Sandbox und kann daher nicht auf andere Bereiche des Systems zugreifen, sofern diese Funktion nicht explizit einprogrammiert wurde. Sicherheitslücken im System oder im Browser werden regelmäßig über kleinere Updates gestopft. Die Netzwerkverbindungen lassen sich per VPN-Tunnel sichern, zudem erlaubt Apple keine Installation von Anwendungen aus anderen Quellen als den App-Store. Da viele Kunden dies als große Einschränkung empfinden, öffnen Sie iOS über einen so genannten „Jailbreak“. Dabei wird durch das Ausnutzen von Sicherheitslücken der Zugriff auf das Dateisystem des iPads und damit die Möglichkeit, beliebige Apps aus fremden Quellen zu installieren, freigeschaltet. Im Gegenzug verlässt man aber auch die Sicherheit der geschlossenen Apple-Welt und öffnet mögliche Einfalltore für Schadsoftware.

Usability

Die Fingerbedienung von iOS ist durchgängig intuitiv. Neben Wischbewegungen versteht das System auch Multitouch-Gesten, die unter anderem für die Zoomfunktion genutzt werden können. Ein weiterer Pluspunkt ist die Ressourcenverwaltung: Das System geht in nahezu keiner Situation merklich in die Knie, sodass ein flüssiges Arbeiten möglich ist. Installierte Anwendungen landen auf dem Homescreen und lassen sich arrangieren oder in Ordnern sortieren. Weitere Elemente wie Widgets fehlen iOS. Umständlich ist der Dateiaustausch mit dem PC oder Mac, der standardmäßig nur über die Zusatzsoftware iTunes funktioniert. Durch den Verzicht auf ein klassisches Dateisystem ist es zudem schwierig, Dateien zwischen Apps auszutauschen, um beispielsweise Dokumente mit einem anderen Programm zu öffnen. Viele Apps umgehen dies durch ein „Senden“-Menü, über das zumindest bestimmte Programme mit Daten gefüttert werden können. Der vorinstallierte Mail- und Kalender-Client von iOS bietet zudem nur rudimentäre Synchronisationsmöglichkeiten mit Exchange-Servern oder Outlook und eignet sich eher als Frontend für Webmail-Dienste. Drucken lässt sich via AirPrint auf kompatiblen Netzwerkdruckern, derer es aber noch nicht allzu viele gibt.

Apps & Multimedia

Mit dem App Store darf sich Apple des derzeit größten
Software-Angebots für reine Tablet-Systeme rühmen.
Vergrößern Mit dem App Store darf sich Apple des derzeit größten Software-Angebots für reine Tablet-Systeme rühmen.

Mit dem App Store darf sich Apple des derzeit größten Software-Angebots für reine Tablet-Systeme rühmen. Rund 150.000 iPad-optimierte Apps finden sich im Angebot, dazu kommen die rund 300.000 iPhone-Anwendungen. Letztere werden allerdings wahlweise klein oder in einer pixeligen Zoomansicht dargestellt, sodass sie eher Notlösungen sind. Ob Office-Lösung oder Multimediaplayer, Nachrichten-Aggregator oder Spiel für zwischendurch, der App Store ist hervorragend sortiert. Allerdings kostet der Großteil der Apps Geld, was vor dem Hintergrund, dass es meist keine Probierversion und kein Umtauschrecht gibt, negativ aufstößt. Auch erlaubt Apple keine Anwendungen, die native Apps ersetzen, einen alternativen Mailclient oder einen Browser mit einer anderen Engine als Safari gibt es also nicht. Ein Nachteil beim Surfen im Web ist das komplette Fehlen von Adobe Flash. Viele Seiten mit Videos oder Flashanimationen lassen sich daher nicht auf dem iPad darstellen. Ausnahmen sind YouTube-Inhalte und HTML5-Videos, die problemlos im Mobile Safari funktionieren. Videos spielt das iPad bis zu 720p ab, versteht sich dabei aber standardmäßig nur auf das von Apple favorisierte MPEG4-Format; MKV- oder DivX-Videos lassen sich aber mit separaten Apps abspielen.


Hardware

Apple-typisch läuft iOS nur auf einer Geräteklasse, dem iPad und seinem Nachfolger iPad 2. Das aktuelle Tablet ist mit einer Ausstattung von 16 GB und ohne 3G-Modem für 479 Euro erhältlich, die Luxusvariante mit 64 GB und eingebautem 3G ist ab 799 Euro erhältlich. Im Vergleich zum 2010 erschienenen ersten iPad verfügt die zweite Generation über einen schnelleren Prozessor, mehr Speicher und ist leichter und flacher. Die bessere Performance ist besonders für die Videobearbeitung und anspruchsvolle Spiele interessant. Wer das Gerät aber primär zum Surfen und die Videowiedergabe braucht, darf beruhigt zum alten iPad greifen, das bereits ab 300 Euro erhältlich ist.

Zukunftsaussichten

Apple ist bekannt dafür, auch ältere Geräte regelmäßig mit Aktualisierungen zu versorgen. Auch das für den Herbst angekündigte iOS 5 wird keine Ausnahme machen und für iPad 1 und 2 bereitgestellt. Der Versionssprung bringt eine Reihe wichtiger Verbesserungen mit sich. So funktioniert die Aktivierung und Synchronisation mit dem PC in Zukunft auch ohne Kabel, zudem integriert Apple ein neues Benachrichtigungssystem, das weitaus eleganter ist, als die derzeitige Lösung. Darüber hinaus wird das soziale Netzwerk Twitter tief ins System integriert und Safari wird mit einer neuen Oberfläche versehen.


Fazit zu Apples iPad und iOS

Apples iOS ist ein ausgereiftes und sehr gut funktionierendes System, das hervorragend auf das Tablet abgestimmt ist. Wer sich möglichst wenig mit seinem Tablet beschäftigen und sich ausschließlich mit Inhalten beschäftigen möchte, für den führt kaum ein Weg am iPad vorbei. Als echter Ersatz für den klassischen PC eignet sich das iPad aufgrund der Beschränkungen beim Dateimanagement und der Einschränkung beim Umgang mit Mails und Kalendern allerdings nur bedingt.

Dienstag, 20.09.2011 | 15:12 von Boris Hofferbert
Kommentieren Kommentare zu diesem Artikel (0)
1117830