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Kamera-Zubehör im Eigenbau

17.07.2014 | 12:09 Uhr |

Fotoausrüstung ist teuer, und die Anschaffung lohnt sich für Hobbyfotografen kaum. Do-it-yourself- Ergänzungen erzielen jedoch oft verblüffende Ergebnisse – und das gratis.

Für ambitionierte Hobbyfotografen ist professionelles Zubehör schlicht zu teuer, wenn es nicht täglich zum Einsatz kommt. Während Sie für Foto-Equipment tief in die Tasche greifen müssen oder lange nach echten Schnäppchen auf dem Gebrauchtmarkt suchen, gelingen bessere Bilder schon mit kleineren Selbstbauprojekten. Eine Charakteristik von Digitalfotografie ist, dass Sie Ergebnisse von Selbstbauprojekten sofort überprüfen können. Und gerade das macht dieses Gebiet so einladend für Experimente, die sich übrigens in vielen Fällen unabhängig vom verfügbaren Budget lohnen.

Lichtzelt: Beleuchtung im Karton

Makro- und Nahaufnahmen brauchen ideale Lichtverhältnisse. Ein Aufsteckblitz oder gar der eingebaute frontale Aufhellblitz liefert keine akzeptablen Ergebnisse, sondern überbelichtete Bilder mit ungleichmäßiger Ausleuchtung. Für gelungene Nahaufnahmen bietet ein Lichtzelt gute Verhältnisse, indem es für eine weiches, schattenarmes Licht sorgt. Und mit wenig Aufwand und Materialien bauen Sie ein funktionales Lichtzelt einfach selbst.

Lichtzelt im Karton: Da es auf kurze Belichtungszeiten nicht ankommt, genügen hier normale Schreibtischlampen zur gleichmäßigen Ausleuchtung durch die Stoffwände.
Vergrößern Lichtzelt im Karton: Da es auf kurze Belichtungszeiten nicht ankommt, genügen hier normale Schreibtischlampen zur gleichmäßigen Ausleuchtung durch die Stoffwände.
© Ron Merlin (http://themerlinmenu.blogspot.com)

Sie benötigen dazu einen entsprechend groß dimensionierten Karton, dessen Kanten Sie mit Klebeband verstärken. Die Vorderseite des Kartons wird komplett entfernt, und die Grundfläche bleibt intakt, während Sie aus den drei senkrechten Seiten und der Oberseite mit einem Teppichmesser große Flächen ausschneiden. Ein weißes Leinentuch, etwa von einem alten Bettbezug, kommt über die ausgeschnittenen Flächen und kann mit einem Drahthefter oder Tacker befestigt werden. Für die seitliche Beleuchtung kommen normale Lampen in Frage, mit gleicher Farbtemperatur. Die Lichtstärke ist nicht entscheidend, da bei dieser Art von Studiofotografie die Belichtungszeit keine Rolle spielt. Ein sorgfältiger Weißabgleich ist für eine originalgetreue Farbwiedergabe aber in jedem Fall nötig, und es empfiehlt sich deshalb eine Aufnahme im RAW-Format.

Das beste professionelle Kamera-Zubehör von 2013

Makro-Fotostudio: Die leicht lichtdurchlässige Wand des Kunststoffeimers dient als Blitzdiffusor für den internen Aufhellblitz der Kamera.
Vergrößern Makro-Fotostudio: Die leicht lichtdurchlässige Wand des Kunststoffeimers dient als Blitzdiffusor für den internen Aufhellblitz der Kamera.
© David Wolski

Makrofotografie: Ministudio im Eimer

Bei Produktbildern von Kleinteilen, etwa für eine Abbildung auf Ebay, ist jede Art von Schatten unerwünscht, und es kommt nur auf eine weiche, gleichmäßige Ausleuchtung an. Mit einem gewöhnlichen Blitzgerät oder mit dem eingebauten Aufhellblitz ist so etwas nicht zu machen. Die geniale Selbstbaulösung ist unansehnlich, aber umso effektiver: Ein weißer Kunstoffeimer dient zugleich als Lichtzelt und als Blitz-Diffusor für den internen Blitz der Kamera, um einen ähnlichen Effekt wie bei einem Ringblitz zu bekommen. Der Aufbau ist extrem einfach und besteht lediglich aus einem dünnwandigen Eimer, in dessen Boden Sie ein kreisrundes Loch schneiden, in welches das Objektiv der Kamera passt. Für die Ausleuchtung genügt schon der ausgeklappte Aufhellblitz einer DSLR, denn die Eimerwand verteilt das Licht gleichmäßig. Aufgrund des geringen Abstands zum Objektiv ist dieses Mini-Fotostudio natürlich nur für Makrofotografie mit entsprechender Optik geeignet.

Kleine Ergänzung, maximale Wirkung: Eine Bounce-Card (Reflektor-Karte) lenkt einen Teil des Blitzlichts nach vorne um und reduziert damit Schattenwurf bei indirekten Blitzen.
Vergrößern Kleine Ergänzung, maximale Wirkung: Eine Bounce-Card (Reflektor-Karte) lenkt einen Teil des Blitzlichts nach vorne um und reduziert damit Schattenwurf bei indirekten Blitzen.
© www.abetterbouncecard.com

Blitz: Die perfekte Bounce-Card

Ein direkter Blitz führt in den meisten Fällen zu unansehnliches Bildern mit harten Schatten, konturlosen Motiven und dunklem Hintergrund – typische, tot geblitzte Party-Bilder, die anschließend niemand mehr sehen will. Ansehnliche Ergebnisse liefert nur ein indirekter Blitz, der auf Wand oder Zimmerdecke gerichtet wird. Die Ausleuchtung ist weicher und natürlicher, allerdings entstehen auf Gesichtern immer noch zu dunkle Schatten. Eine ideale Kombination zwischen indirektem Blitz und frontalem Licht liefert eine Reflektor-Karte (Bounce-Card), welche einen Teil des indirekten Blitzlichts nach vorne umlenkt. Bei Blitzgeräten gehört eine Bounce-Card nur bei teuren Modellen zum Lieferumfang, und einzeln sind die Reflektoren völlig überteuert. Mit wenig Material und Aufwand können Sie eine Bounce-Card leicht selbst bauen. Sie benötigen nur ein Stück weißes Moosgummi (circa 200 mm x 200 mm) und Klettband. Schneiden Sie das Moosgummi trapezförmig zu, und befestigen Sie es mit dem Klettband auf der Rückseite des Blitzgerät. Die Reflexionsfläche und damit die Stärke des frontalen Lichts können Sie so je nach Bedarf justieren. Die selbst gebaute Bounce-Card stellt damit jede fertig gekaufte in den Schatten und ist auch für teure Blitzgeräte eine ideale Ergänzung.

Wie Bokeh-Effekte beim Fotografieren entstehen

Gut gepolstert: Mit einem maßgeschneiderten Inlay mit einer Füllung aus Kunststoff und Karton können Sie jede Tasche zum sicheren Transport der Ausrüstung umbauen.
Vergrößern Gut gepolstert: Mit einem maßgeschneiderten Inlay mit einer Füllung aus Kunststoff und Karton können Sie jede Tasche zum sicheren Transport der Ausrüstung umbauen.
© Derek Wong (http://www.goingthewongway.com)

Unterwegs: Gepolsterte Transporttasche

Beim Transport der Fotoausrüstung kommt es darauf an, dass die einzelnen Ausrüstungsteile nicht aneinanderschlagen und sich gegenseitig beschädigen. Um das Equipment sicher in einer Tragetasche unterzubringen, ist ein passendes gepolstertes Inlay nötig, wie es auch in Fototaschen als Polster und Abstandshalter dient. Wer mit einer Nähmaschine umgehen kann, braucht keine spezielle Transporttasche, sondern näht sich die passenden Inlays speziell für die eigene Ausrüstung selbst. Als Futter eignet sich Schaumstoff, der um stabilen Karton in der gleichen Größe gelegt wird. Der Karton hat die Aufgabe, das Inlay zu stabilisieren. Dieses Sandwich nähen Sie in ein absolut fusselfreies Gewebe ein und fixieren dazu alles mit langen Stecknadeln.

Als Hülle eignen sich beispielsweise Nylon und Polyester-Baumwoll-Mischgewebe. Bei der Verarbeitung ist langsames Nähen wichtig, damit die Nadel nicht heißläuft und das Gewebe beschädigt. Zum Verbinden und Fixieren des Inlays in der Tasche nähen Sie per Hand Klettband an geeigneten Stellen auf die einzelnen Polsterteile.

Gegen Zittern und Wackeln: Ein Schnurstativ wird einfach am Stativgewinde der Kamera befestigt und mit dem Fuß straff gezogen, um die Kamera zu stabilisieren.
Vergrößern Gegen Zittern und Wackeln: Ein Schnurstativ wird einfach am Stativgewinde der Kamera befestigt und mit dem Fuß straff gezogen, um die Kamera zu stabilisieren.

Schnurstativ: Kamera stabilisieren

Ob Sie für eine Aufnahme ein Stativ brauchen, hängt nicht nur von der Belichtungszeit allein ab. Die Objektivbrennweite entscheidet, wann Sie Freihandfotos schießen können oder die Kamera stabilisieren müssen. Die Faustregel lautet: Wenn die Belichtungszeit länger als 1/Brennweite beträgt, ist ein Stativ nötig. Mit einem Schnurstativ können Sie die Kamera mit wenig Aufwand stabilisieren, um auch über den sicheren Bereich hinaus bei Freihandaufnahmen das Bild nicht zu verwackeln. Das Prinzip eines Schnurstativs ist einfach: Eine Schnur wird mit einer passenden Schraube am Objektivgewinde an der Kamera befestigt. Mit dem Fuß wird die Schnur gespannt, und der Gegenzug verringert von selbst Zittern und Wackeln, so dass Sie mit etwas Übung unverwackelte Bilder bis etwa 1/20 Sekunde Belichtungszeit bekommen.

Abgelegt: Ein Bohnensack passt sich auf unebenem Untergrund der Auflagefläche der Kamera an und sorgt für verwacklungsfreie Aufnahmen – bei längeren Belichtungszeiten mit Selbstauslöser.
Vergrößern Abgelegt: Ein Bohnensack passt sich auf unebenem Untergrund der Auflagefläche der Kamera an und sorgt für verwacklungsfreie Aufnahmen – bei längeren Belichtungszeiten mit Selbstauslöser.
© David Wolski

Perfekte Auflage: Bohnensackstativ

Der Name sagt schon alles über den Aufbau dieses ebenso einfachen wie genialen Hilfmittels aus. Das Bohnensack- Stativ ist ein weicher, aber stabiler Gewebebeutel mit etwa zwei Litern Fassungsvermögen, den Sie mit der bevorzugten Sorte von Hülsenfrüchten füllen. Das Funktionsprinzip ist wie bei den etwas aus der Mode gekommenen Sitzsäcken.

Der Bohnensack dient der Kamera als stabilisierendes Kissen, um sie bei Aufnahmen mit länger als 1/60 Sekunde Belichtungszeit verwacklungsfrei auf dem Untergrund abzustützen. Da der Bohnensack flexibel ist, muss der Untergrund nicht eben sein.

Drücken Sie die Kamera einfach so weit in den Sack, bis der Horizont im Sucher oder auf dem Kamerabildschirm gerade ist und die Kamera nicht wackelt. Da schon ein Druck auf den Auslöser bei langen Belichtungszeiten zur Verwacklung führt, hilft ein Fernauslöser oder ein weiterer Trick: Ohne Fernauslöser verwenden Sie einfach den internen Selbstauslöser der Kamera mit Timer.

Wie Bokeh-Effekte beim Fotografieren entstehen

Mit einem Gehäusedeckel zur Lochkamera: Wichtig für eine akzeptable Schärfe ist ein klar begrenztes, winziges Loch, dessen Durchmesser nur der Bruchteil eines Millimeters betragen darf.
Vergrößern Mit einem Gehäusedeckel zur Lochkamera: Wichtig für eine akzeptable Schärfe ist ein klar begrenztes, winziges Loch, dessen Durchmesser nur der Bruchteil eines Millimeters betragen darf.
© David Wolski

Camera Obscura: Digitale Lochkamera

Der einfachste Aufbau einer Kamera ist die „Camera Obscura“, die ohne Optik auskommt: In einem lichtdichten Kasten lässt lediglich ein winziges Loch gegenüber der fotoempfindlichen Fläche das Licht herein. Der kleine Durchmesser des Lochs begrenzt das einfallende Licht und erzeugt eine erkennbare Abbildung. Je weniger Lichtstrahlen hereinkommen, desto schärfer ist das Bild, denn bei einer Lochkamera wird das Licht nicht durch Linsen fokussiert. Zu einer Lochkamera lässt sich jede digitale Spiegelreflexkamera umbauen. Sie benötigen dazu nur einen lichtdichten Gehäusedeckel, Bohrmaschine, doppelseitiges Klebeband, Alufolie, Schere und eine Stecknadel. In den Objektivdeckel bohren Sie zunächst ein Loch, dass Sie von der Rückseite lichtdicht mit dem Doppelseitigen Klebeband und der Alufolie abkleben. Über das Loch in der Mitte darf sich nur Alufolie spannen. Möglichst zentriert stechen Sie behutsam in die Folie ein winziges Loch mit nur dem Bruchteil eines Millimeters als Durchmesser. Die Spiegelreflexkamera können Sie mit dem modifizierten Deckel nun als Lochkamera verwenden.

Camera Obscura: Eine optimal gelungene Aufnahme der professionellen Fotografin Stephanie Zettl mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, die zur Lochkamera umfunktioniert wurde.
Vergrößern Camera Obscura: Eine optimal gelungene Aufnahme der professionellen Fotografin Stephanie Zettl mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, die zur Lochkamera umfunktioniert wurde.
© Stephanie Zettl (http://www.zettlphoto.com)

Das winzige Loch entspricht etwa einer Blende von F/200, benötigt eine Belichtungszeit von mehreren Sekunden und geeignet ist hier nur der manuelle Modus der Spiegelreflexkamera. Es ist Experimentalfotografie, und für gute Bilder sind mehrere Versuche nötig – auch um das Loch klein genug zu stechen und so eine akzeptable Schärfe zu erhalten.

Tipp: Inoffizielle Firmware für Canon

Software-Modifikationen an der Firmware von Digitalkameras sind selten, da Hersteller den Code für freie Entwickler nicht dokumentieren. Eine Ausnahme ist das „Canon Hacker’s Development Kit“ (CHDK), das eine Firmware-Erweiterung für Canon-Kameras vom Typ Powershot und Ixus ist. Es wird temporär über die Speicherkarte geladen und ist kein permanenter Ersatz für die Hersteller-Firmware, die dabei völlig unberührt bleibt. Beachten Sie, dass laut Canon trotzdem die Herstellergarantie beim Einsatz der alternativen Firmware erlischt. Das Canon Hacker’s Development Kit erlaubt unter anderem Aufnahmen im RAW-Format, Serienbildfunktion für Belichtungsreihen, Live-Histogramme, Videofunktionen und Tethering über USB. Welche Kameras unterstützt werden, zeigt die Projekt-Webseite http://chdk.wikia.com/wiki/CHDK auf der rechten Seite unter „Supported Cameras“. Ein Eintrag bietet zu jedem unterstützten Modell weitere Informationen und gibt einen Download- Link zur passenden Version der alternativen Firmware an. Ein deutschsprachiges Forum zum Erfahrungsaustausch zu CHDK ist auf http://forum.chdk-treff.de zu finden, und ein von der Anwendergemeinde erstelltes Handbuch im PDF-Format können Sie in diesem Forumsthread abrufen.

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