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So sieht das WLAN der Zukunft aus

01.09.2013 | 16:31 Uhr |

Das Ende des Kabels naht. Nicht nur Internet funktioniert heute ohne Strippe: Auch TV und Drucker kann man bereits kabellos verbinden. Wir zeigen, wie die Zukunft aussieht.

Das Netzwerkkabel ist vom Aussterben bedroht. Viele Notebooks verzichten bereits auf einen entsprechenden Anschluss, Smartphones oder Tablets haben sowieso noch nie einen gebraucht, denn das Netzwerk funktioniert nur über WLAN. Doch das war nur der erste Schritt: Künftig sollen auch die Kabel für HDMI, USB oder Strom gekappt werden. Das Tablet sendet per Funk seinen Bildschirminhalt an den Fernseher, wo Sie auf 55 statt auf 10 Zoll Diagonale surfen, spielen oder arbeiten können. Und Dokumente und Fotos schicken Sie vom Smartphone an den Drucker.

Doch problemlos sind die kabellosen Übertragungsverfahren nicht – noch gibt es kaum Standards und jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen. Bevor Sie also alle Kabel kappen, zeigen wir Ihnen, ob beziehungsweise wo die kabellose Zukunft schon funktioniert.

1. TV: Filme kabellos zuspielen

Am meisten wünschen sich viele Nutzer die Ablösung des HDMI-Kabels. Dann ließen sich nicht nur mobile Geräte wie Notebook, Tablet oder Smartphone bequem als Zuspieler für den TV nutzen. Auch das Heimkino käme ohne Kabel zwischen Blu-ray-Player oder Konsole und Fernseher aus. Zahlreiche Verfahren wollen das ermöglichen. Wir stellen sie nachfolgend vor. Übrigens: Viele Hersteller werben mit dem Begriff Wireless HDMI – doch einen entsprechenden Standard gibt es gar nicht.

14 tollkühne Technik-Trends

Miracast

Miracast soll Bild und Ton von Smartphone, Tablet-PC oder Notebook unabhängig vom jeweiligen Gerätehersteller auf TVs oder Projektoren übertragen. Dafür setzt Miracast auf Wi-Fi Direct auf. Hier erkennen sich die Geräte automatisch und können eine Verbindung ohne den Umweg über einen Access Point aufnehmen. Sie nutzen dazu WPS (Wi-Fi Protected Setup) – entweder per PIN oder Tastendruck. Für die Sicherheit sorgt WPA2, den Austausch überwacht Wi-Fi Multimedia.

Miracast: Samsung hat die Technik unter dem Namen Allshare Cast schon an Bord – zum Beispiel auf dem Galaxy S3.
Vergrößern Miracast: Samsung hat die Technik unter dem Namen Allshare Cast schon an Bord – zum Beispiel auf dem Galaxy S3.

Das brauchen Sie: Damit die Verbindung reibungslos klappt, müssen alle Geräte Miracast unterstützen. Nvidia ist als eines der ersten Unternehmen vorgeprescht und integriert Miracast in die Mobilprozessoren der Tegra-3-Serie. Allerdings reicht Hardware allein nicht aus: Ein Miracast-Gerät benötigt auch Software, die den Standard versteht. Ab Android 4.2 ist Miracast ins Google-Betriebssystem integriert. Beim Nexus 4 finden Sie die Funktion unter „Display, Kabellose Übertragung“. Samsung hat mit Allshare Cast bereits eine Miracast-App verfügbar – zum Beispiel auf dem Samsung Galaxy S3: Dort zu finden bei „Drahtlos und Netzwerke, AllShare Cast“. Einige kommende Smartphones werden ebenfalls Miracast nutzen, etwa das HTC One. Künftig sollen auch einzelne Fernseher von LG und Samsung Miracast empfangen können. Samsung wird wie auch Sony außerdem Miracast-WLAN-Adapter für Fernseher anbieten.

Vorteile: Miracast ist ein herstellerunabhängiger Standard, den verschiedene Produkte unterstützen – Sie machen sich also nicht von einem Hersteller abhängig. Außerdem setzt Miracast auf erprobte Standards wie WLAN.

Probleme: Noch fehlen Produkte. Auch die Software-Unterstützung wie zum Beispiel beim Nexus 4 scheint laut Internetberichten noch nicht sehr ausgereift. Außerdem müssen die Geräte Apps mitbringen, die diese Funktion nutzen – das könnte bei der Gerätevielfalt von Android ein Problem werden und so wiederum herstellerspezifischen Insellösungen Vorteile verschaffen.

Aussichten: Hat Potenzial. Mit Samsung läuft Miracast schon bei einem wichtigen Anbieter. Und Android wird dafür sorgen, dass zahlreiche Miracast-Geräte demnächst auf den Markt kommen.

Wichtige Entwicklungen bei Laptops, PCs und Konsolen

Intel Wireless Display (WiDi)

Das Notebook gibt Inhalte per WLAN über eine Punkt-zu-Punkt- Verbindung an den Fernseher beziehungsweise einen dort angeschlossenen Adapter weiter. So können Sie vom Notebook aus Fotos und Filme auf dem TV betrachten und über den Laptop steuern.

Das brauchen Sie: Für WiDi ist eine Core- Prozessor der dritten Generation von Intel notwendig sowie Windows 7 oder 8. Das WLAN-Modul muss aus der Centrino-Familie von Intel stammen. Auf aktuellen Notebooks mit diesen Komponenten ist die passende WiDi-Software meist vorinstalliert.

Vorteile: Die notwendigen Komponenten sind in vielen aktuellen Notebooks bereits vorbaut. Außerdem ist Intel Wi-DI keine Ein bahnstraße – künftig soll auch Miracast unterstützt werden: Das WLAN-Modul Centrino Advanced-N 6235AGN ist dafür bereits zertifiziert – dann genügt das Update auf die künftige Software-Version 3.5 für Miracast.

Nachteile: Mit WiDi sind Sie auf Notebooks und die Intel-Plattform festgelegt. Die erste Produktgeneration kämpfte noch mit Latenzproblemen und konnte nicht mit 1080p-Videos sowie dem Blu-ray-Kopierschutz HDCP umgehen. Das ist ab Wi-Di- Version 2.1 gelöst – ein guter Start war das aber nicht. Außerdem haben Sie Zusatzkosten: Um einen Fernseher WiDi-fähig zu machen, benötigen Sie einen Zusatzadapter für ab rund 85 Euro.

Aussichten: Mäßig. Zwar ist WiDi von den vorgestellten Verfahren am weitesten verbreitet, wird aber kaum genutzt. Der Fernseher als Zusatzbildschirm ist für ein Notebook nicht unbedingt notwendig. Außerdem gibt es nur wenige Adapter und noch weniger Fernseher mit eingebautem WiDi.

Die neuen Smartphones und Tablets für 2013

WHDI: Wireless Home Digital Interface

WHDI soll für ein Heimkinovergnügen ohne Kabel sorgen. Mit einem Adapter wie dem Belkin Screencast AV 4 bringen Zu spieler wie Konsole und Blu-ray-Player ihre Filme über Funk auf den Fernseher.
Vergrößern WHDI soll für ein Heimkinovergnügen ohne Kabel sorgen. Mit einem Adapter wie dem Belkin Screencast AV 4 bringen Zu spieler wie Konsole und Blu-ray-Player ihre Filme über Funk auf den Fernseher.

Während Wireless Display von einem PC oder Notebook als Quelle ausgeht und Miracast vor allem für mobile Geräte wie Smartphone und Tablet gedacht ist, zielt WHDI aufs kabellose Heimkino. Mit dem passenden Adapter können Sie Bluray- Spieler oder Konsole kabellos mit dem TV verbinden. Künftig werden auch Beamer mit WHDI drahtlos Bilder zum Fernseher übertragen. Das Verfahren nutzt 11n-WLAN im 5-GHz-Band. Die Multimedia-Daten sollen dabei priorisiert übertragen werden, um Störungen auf der Funkstrecke zu minimieren. DFS (Dynamic Frequency Selection) sorgt dafür, dass sich mehrere WHDI-Funkquellen nicht gegenseitig stören. WHDI Version 1 erreicht mit 40-MHz-Funkkanälen bis zu 3 GBit/s, was für ein unkomprimiertes 1080p-Signal ausreicht. Auch 3D-Video lässt sich übertragen. Künftig soll mit Version 2.0 auch Ultra HD – die vierfache Full-HD-Auflösung – möglich sein.

Das brauchen Sie: Einen Sender am Zuspieler und einen Empfänger am Fernseher – beispielsweise den Belkin Screencast AV4 oder den HP Connect TV. Zuspieler und TV brauchen nur einen HDMI-Anschluss.

Vorteile: Die hohe Bandbreite sorgt dafür, dass auch das Übertragen von Full-HD-Videos mit hoher Bandbreite problemlos funktioniert. Die WLAN-Reichweite genügt auch, um innerhalb eines Zimmers Geräte zu verbinden, die keinen Sichtkontakt haben oder in Regal oder Schrank untergebracht sind.

Nachteile: Sie sparen sich zwar das Kabel, haben aber mit Sender und Empfänger zwei zusätzliche Geräte im Wohnzimmer stehen. Außerdem sind die ersten Adapter und WHDI-Geräte nicht sehr günstig.

Aussichten: Nur für Heimkino-Enthusiasten. WHDI lohnt sich vor allem für ein fest installiertes Multimedia-System mit Zuspielern wie beispielsweise einem Beamer und Fernseher. Für Spontan-Verbindungen über mobile Geräte eignet sich Miracast besser.

Lohnen sich 4K-Fernseher

Apple Airplay

Sie können von Apple- Mobilgeräten wie dem iPad, iPhone oder iPod touch per WLAN Fotos, Musik und Videos auf einen Fernseher übertragen (Streaming). Außerdem lässt sich auf dem Fernseher und dem Zuspielgerät das gleiche Bild anzeigen – so können Sie präsentieren oder am TV surfen (Mirroring). Schließlich können Sie den Fernseher als Abspieler und das Apple-Gerät als Fernsteuerung verwenden (Dual-Screen).

Das brauchen Sie: Apple-Mobilgeräte ab iOS 4.3 (iPad 2, 3, 4 sowie iPad mini, iPhone 4S, 5, iPod touch 5.Generation) unterstützen alle Airplay-Funktionen. Apple-Rechner wie iMac, Mac mini, Macbook Air, Macbook Pro benötigen MacOS-Version 10.8 und dürfen nicht älter als 2011 sein. Am TV muss die Settop-Box Apple TV als Empfänger angeschlossen sein. Und Apps, die Sie zum Übertragen nutzen, müssen Airplay anbieten.

Die günstige LTE-Flatrate für Zuhause

Vorteile: Auf der Apple-Insel arbeiten alle Geräte meist reibungslos zusammen. Das Bedienkonzept ist einfach und durchgängig.

Nachteile: Sie legen sich auf Apple-Geräte fest oder Produkte, die Airplay unterstützen. Da Airplay keine dedizierte Funkverbindung zwischen Zuspieler und Fernseher nutzt, sondern das WLAN-Netzwerk, können Störungen auf der Funkstrecke oder parallel laufende Downloads Airplay behindern.

Aussichten: Die beste Lösung für Apple- Anwender. Apple dürfte zusätzliche Funktionen einführen und hat mit dem geplanten eigenen Fernseher bald ein passendes Abspielgerät. Im Audiobereich setzen schon zahlreiche Hersteller von Receivern und Lautsprechern auf Airplay und verschaffen der Apple-Technik dadurch einen Vorsprung.

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