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KDE: Dolphin und Krusader im Dateimanager-Vergleich

24.06.2016 | 14:50 Uhr |

Wer mächtige Dateimanager mit Netzwerkfähigkeiten sucht, wird unter KDE schnell fündig: Dolphin und Krusader sind zwei vielseitige Programme, die den leistungsfähigen KDE-Unterbau optimal nutzen.

Dateien öffnen, von A nach B kopieren, verschieben oder löschen: Diese Disziplinen beherrscht auch noch der einfachste Dateimanager. Im Alltag genügen diese grundlegenden Aktionen längst nicht mehr. Ein moderner Dateimanager muss eine stolze Zahl an Netzwerkprotokollen unterstützen sowie mit angeschlossenen Android-Geräten klarkommen. KDE hat in Sachen Dateiverwaltung eine Menge zu bieten: Zum einen sind die grundlegenden KDE-Bibliotheken für Netzwerkzugriffe ein Heimvorteil, zum anderen erweist sich bei diesen Tätigkeiten der enorme Funktionsumfang von KDE-Programmen und deren kleinteiligen Einstellungsmöglichkeiten als äußerst nützlich.

Dolphin: Gewandter Standard

Das Aushängeschild von KDE ist der Dateimanager Dolphin , da es der vorinstallierte Standard-Dateimanager dieser Desktopumgebung ist. Und dafür, dass es sich um einen Teil der Grundausstattung handelt, ist der gebotene Funktionsumfang von Dolphin beeindruckend.

Der Dateimanager ist ein Neuzugang ab KDE 4 und sollte die Fähigkeiten von KDE eindrucksvoll demonstrieren. Dolphin war auch eines der ersten Programme, das für KDE Plasma 5 auf das neue Toolkit Qt 5 portiert wurde. Allerdings sind noch nicht sämtliche Menüpunkte unter allen Linux-Distributionen ins Deutsche übersetzt und wer eine sehr aktuelle Version von KDE Plasma einsetzt, hat es hier häufig noch mit einem Sprachgemisch zu tun.

Er bietet viele Ansichtsoptionen, Tabs, Bildvorschau, konfigurierbare Toolbars und fortgeschrittene Funktionen wie ein Terminalfenster.
Vergrößern Er bietet viele Ansichtsoptionen, Tabs, Bildvorschau, konfigurierbare Toolbars und fortgeschrittene Funktionen wie ein Terminalfenster.

Nur auf den ersten Blick handelt es bei Dolphin um einen Ein-Fenster-Dateimanager: Über das Menü „Einstellungen/Control -> Seitenleiste/Panel“ stehen weitere Panels zur Verfügung, etwa eine Baumansicht der Ordner und ein Vorschaufenster für die rechte Seite. Wer häufiger mal ein Terminal im aktuellen Ordner benötigt, kann dieses mit einem Tastendruck auf F4 einblenden. Da es meist darum geht, Dateien von einem Ort zu einem anderen zu bewegen, löst sich Dolphin mit einem Klick auf „Teilen/Split“ von der einfachen Ordneransicht und zeigt ein zweites Ordnerfenster mit eigener Navigationsleiste an. Für Toolbars und Standardansichten gibt es erschöpfend viele Optionen in den Einstellungen.

KDE Plasma 5: So stellen Sie die Standardeinstellungen wieder her

Übrigens: Dolphin öffnet Dateien nach Apple-Manier mit einem Einfachklick. Die Einstellung dazu findet sich in den „Systemeinstellungen“ von KDE unter „Eingabegeräte -> Maus -> Allgemein -> Symbole“.

Suchen und finden

Die Suchmaschine Baloo von KDE findet Dateien nicht nur anhand des Namens, sondern erstellt einen Index der durchsuchbaren Dateien im Home-Verzeichnis.
Vergrößern Die Suchmaschine Baloo von KDE findet Dateien nicht nur anhand des Namens, sondern erstellt einen Index der durchsuchbaren Dateien im Home-Verzeichnis.

KDE 4 führte mit „ Nepomuk “ ein Grundgerüst ein, das Metadaten zu Dateien, Kontakten, Mailadressen und Kalendereinträgen in einer lokalen Datenbank sammelte und verknüpfte. Das Konzept nannte sich „semantischer Desktop“. Anwender sollten damit Infos und Dokumente schnell wiederfinden.

Die Leistung von Nepomuk und seinem Indexdienst blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Ab KDE 4.13 verzichtete die Desktopumgebung wieder auf Nepomuk und machte dem einfacheren, aber deutlich schnelleren Indexdienst Baloo Platz. In Aktion ist Baloo im Dateimanager Dolphin über die Suche in der Menüleiste zu sehen: Das Eingabefeld kann nach Dateinamen und Inhalten suchen, wobei diese Suche bei Textdateien, Libre-Office-Dokumenten, PDFs und DOC-Dateien funktioniert. Für andere Dateitypen fehlen noch Filter.

Krusader: Doppelt hält besser

Krusader ist der Alleskönner unter den Dateimanagern und richtet sich an Fortgeschrittene, die den Zwei-Fenster-Standard bevorzugen.
Vergrößern Krusader ist der Alleskönner unter den Dateimanagern und richtet sich an Fortgeschrittene, die den Zwei-Fenster-Standard bevorzugen.

Das Konzept von Zwei-Fenster-Dateimanagern ist 30 Jahre alt und geht auf den 1986 erschienenen Norton Commander zurück. Aber bis heute ist diese Aufteilung zur Dateiverwaltung ein beliebter und tragfähiger Ansatz. Mit dem Programm Krusader hat KDE einen wahren Alleskönner als Dateimanager auf Lager, der das altbewährte Konzept erfolgreich umsetzte. Krusader ist allerdings in den verbreiteten Distributionen mit KDE 4 oder Plasma 5 nicht vorinstalliert. Das Paket „krusader“ ist aber überall verfügbar, denn es gehört zur KDE-Programmsammlung „Extragear“. In Debian/Kubuntu ist das Paket im Terminal mit dem Befehl

sudo apt-get install krusader

zu installieren, in Open Suse mittels

sudo zypper install krusader

und in Manjaro KDE über

sudo pacman -S krusader

Krusader liegt seit einiger Zeit in der Version 2.4 vor, die zwar den Zusatz „Beta-3“ trägt, aber als ausgereift gilt. Allerdings ist Krusader noch nicht nach Qt 5 übersetzt und das Programm bringt deshalb bei der Installation unter KDE Plasma 5 einige KDE-4-Bibliotheken mit, fügt sich aber perfekt in die Desktopumgebung ein. Wer schon mit einem Zwei-Fenster-Dateimanager wie etwa dem Total Commander unter Windows gearbeitet hat, wird sich hier sofort zurechtfinden.

Der Clou: In den Adresszeilen der Dateifenster unterstützt auch Krusader die Netzwerkprotokolle der KIO-Slaves von KDE, die gleich im Anschluss näher erläutert werden. Opulente Anpassungsmöglichkeiten hat Krusader unter „Einstellungen -> Krusader einrichten“, damit der Dateimanager auch mit weniger Toolbars und Menüs auf kleinere Notebook-Bildschirme passt. Neben allen einfachen und komplexen Dateioperationen beherrscht der Krusader auch das Splitten und Zusammenfügen von Binärdateien, kann Archive als Ordner öffnen, ausgewählte Dateien packen und Textdateien mit dem eigenen, auf Kate basierenden Texteditor bearbeiten. Damit ist Krusader unterm Strich generell unter allen Linux-Desktops eine gute Wahl für Poweruser.

KIO-Slaves: Einfach ins Netzwerk

Hier ist ein Verzeichnis auf einem entfernten Rechner über den KIO-Slave für SSH im Dateimanager Dolphin geöffnet.
Vergrößern Hier ist ein Verzeichnis auf einem entfernten Rechner über den KIO-Slave für SSH im Dateimanager Dolphin geöffnet.

Für den Netzwerkzugriff hat KDE eine solide Protokollüberstützung in seinen Bibliotheken, die auch anderen KDE-Programmen zur Verwendung freistehen und den Datenaustausch im Netzwerk im Netzwerk unkompliziert machen. Mit diesen Schnittstellen, den „KIO-Slaves“, können die Dateimanager von KDE wichtige Netzwerkprotokolle nahtlos einbinden. KIO steht kurz für „KDE Input/Output“ und liefert enorm praktische Protokollunterstützung, die allen KDE-Programmen einheitlich und völlig transparent Zugriff auf Dateien im Netzwerk erlaubt. So stehen KIO-Slaves für den Dateizugriff auf Samba-Freigaben, auf FTP-Verzeichnisse und sogar auf SSH-Server bereit.

Deren Aktivierung erfolgt über ein jeweils spezielles Protokollpräfix, das den Protokolltyp, die Netzwerkadresse und optional den Netzwerkport im Format

[Protokoll]://[Adresse][:Port]

beschreibt. So funktioniert beispielsweise der Netzwerkzugriff auf einen Server mit SSH über KIO-Slaves in den Dateimanagern Dolphin oder Krusader: Nach einem Klick in die Adressleiste kann man dort manuell eine beliebige Adresse und ein Protokoll eingeben. Für den Zugriff auf einen anderen Rechner mit SSH ist das Protokoll-Präfix „sftp“ nötig, das nach dem Schema

sftp://[Adresse]

in der Adresszeile angegeben wird. Es startet automatisch das KIO-Subsystem und fragt nach der einmaligen Bestätigung des Fingerabdrucks des SSH-Servers und danach nach Benutzernamen und Passwort. Anschließend stellen Dolphin und Krusader die Verzeichnisinhalte über die SSH-Verbindung so dar, als wäre es ein lokaler Ordner.

Tipp: Die besten Programme für KDE

Damit nicht genug: Sie können Dateien nun mit anderen KDE-Programmen wie etwa dem Texteditor Kate oder dem Grafikbetrachter Gwenview öffnen, bearbeiten und speichern – alles über diese Netzwerkverbindung. KDE wird damit zum perfekten Werkzeug für den unkomplizierten Datenaustausch unter Linux-PCs im Netzwerk und ist auch für Webdesigner und Programmierer ideal. SSH-Verbindungen sind zudem bei weitem nicht alles, auf das sich die KIO-Slaves verstehen. KDE unterstützt auf die gleiche Weise auch folgende Netzwerkverbindungen.

KDE versteht sich ab Version 4.10 auch auf das Media Transfer Protocol (MTP) und macht den Umweg über andere Programme oder Treiber überflüssig.
Vergrößern KDE versteht sich ab Version 4.10 auch auf das Media Transfer Protocol (MTP) und macht den Umweg über andere Programme oder Treiber überflüssig.

Windows-Freigaben: Auf Netzwerkfreigaben von Windows-Rechnern oder Samba-Servern greifen Sie mit dem Protokollpräfix „smb://[Adresse]/[Freigabe]“ zu. Die Passwortabfrage erfolgt auch hier bei der Verbindungsaufnahme.

FTP-Server: Eine FTP-Verbindung kann KDE mit dem Präfix „ftp://[Adresse]“ aufbauen. Wie bei FTP üblich, werden hier Passwort und Benutzername unverschlüsselt übertragen. Das Protokoll ist für die Datenübertragung außerhalb des eigenen LAN also nicht empfehlenswert.

SFTP-Server: Dieses Protokoll arbeitet ähnlich wie FTP, ist aber komplett verschlüsselt und sicherer. SFTP ist kein exotisches Protokoll, sondern wird vom üblichen SSH-Serverdienst unter Linux unterstützt. Unter KDE bauen Sie eine Verbindung mit „sftp://[Adresse]“ auf.

Webdav: Unverschlüsseltes Webdav kann KDE mit dem Protokoll-Präfix „webdav://[Adresse][:Port]“ nutzen. Die verschlüsselte Variante funktioniert dagegen mit „webdavs://[Adresse][:Port]“. Der Parameter [:Port] gibt an, auf welchem Port Webdav auf dem Server läuft.

MTP: Android nutzt schon seit Version 3.x für den Dateiaustausch das Protokoll MTP (Media Transfer Protocol), das sich nicht als gewöhnlicher USB-Speichermedium am System anmeldet. Ab KDE 4.10 liefert die Desktopumgebung einen KIO-Slave für MTP. Nach der Verbindung des Android-Geräts informiert KDE im Benachrichtigungsbereich, dass ein „Tragbarer Medienspieler“ erkannt wurde. Das angeschlossene Gerät taucht nun auch im Dateimanager Dolphin und in den Dateidialogen von KDE in der Seitenleiste auf. Ein Klick darauf öffnet das Gerät mit dem Protokoll-Präfix „mtp:/[Gerät]“ und erlaubt den Zugriff auf den Speicher wie auf ein Laufwerk.

Wichtig: Wenn Sie die Dateien über die KIO-Schnittstelle mit Gnome-Programmen öffnen, etwa mit Libre Office oder Gimp , so können diese nicht direkt auf die Dateien zugreifen. Stattdessen stellt KDE dann eine Kopie bereit, die in ein temporäres Verzeichnis heruntergeladen wird und im Nur-Lesen-Modus zur Verfügung steht.

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