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KDE: Die besten Programme für den Linux-Desktop

17.06.2016 | 14:50 Uhr |

Als ausgewachsene Arbeitsumgebung liefert KDE nicht nur einen attraktiven Desktop, sondern auch formidable Programme. Viele sind in den KDE-Varianten der verbreiteten Linux-Distributionen schon vorinstalliert.

Der Desktop von KDE macht nicht alle an: Sehr viele Einstellungsmöglichkeiten, eine schier überbordende Zahl an Funktionen an allen Ecken und Enden, das wirkt auf jene Anwender abschreckend, die eine einfache Oberfläche im Stil von Gnome und Unity bevorzugen. Aber im Windschatten von KDE entstehen Anwendungen, die oft zum Besten gehören, was die Open-Source-Community zu bieten hat – auch dies ist ein Motiv für KDE.

Wer eine komplette KDE-Umgebung installiert, ist erst einmal für die meisten Anwendungsbereiche mit Open-Source-Programmen versorgt. Zum engeren Kreis um die Desktopumgebung gehören KDE-Dienstprogramme wie Adressverwaltung, Brennprogramm, Taschenrechner, Musikplayer, Mailclient, Texteditor. Die Liste nützlicher KDE-Anwendungen für den Computeralltag ist lang. KDE scharte die empfehlenswerten Anwendungen als „KDE Software Collection“ um sich und deren Entwickler sprachen sich über gemeinsame Veröffentlichungstermine ab, damit eine neue Version von KDE immer auch gleich mit frischen Anwendungen erscheinen konnte. Ab KDE Plasma 5 ist diese Vorgabe aber nicht mehr so streng: Während die Bibliotheken, die ab jetzt in den „KDE Frameworks“ zusammengefasst sind, weiterhin dem Entwicklungszyklus des Desktops folgen, erscheinen die „KDE Applications“ nach einem eigenen Rhythmus. Seit Dezember 2015 umfassen die KDE Applications 146 Programme und in diesem Beitrag picken wir die Perlen heraus.

Die vorgestellten Programme machen übrigens nicht nur auf KDE eine gute Figur, sondern funktionieren auch unter den anderen Linux-Desktops. Bei der Installation über die Paketmanager der verwendeten Distribution zieht das jeweilige KDE-Programm die benötigten KDE-Bibliotheken als abhängige Dateien mit auf das System.

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Calligra: Für Dokumente und Grafiken

Calligra kann Libre Office nicht ersetzen. Aber einige Module wie die Diagramm- und Flowchart-Anwendung ergänzen es sinnvoll.
Vergrößern Calligra kann Libre Office nicht ersetzen. Aber einige Module wie die Diagramm- und Flowchart-Anwendung ergänzen es sinnvoll.

Bevor Open Office und dann Libre Office zur tonangebenden Office-Suite für Linux wurden, war Koffice eine Weile mit seinen Büroprogrammen eine beliebte Alternative zu Star Office. Nach einer Umstrukturierung 2010 erfasste man die Büro- und Grafikprogramme von KDE in der Softwaresammlung Calligra . Die klassischen Büroanwendungen wie die Textverarbeitung Words, die Tabellenkalkulation Sheets und das Präsentationsprogramm Stage sind solide Anwendungen. Im Funktionsumfang und bei der Kompatibilität mit Microsoft-Formaten können die Programme allerdings nicht mit Libre Office mithalten. Aber auch wer grundsätzlich auf Libre Office setzt, erhält über Calligra nützliche Softwareperlen, die Libre Office ergänzen können. Alle Programme von Calligra sind über die Paketverwaltung der verbreiteten Linux-Distributionen einzeln verfügbar.

Krita : Die Grafikbearbeitung ist das bekannteste Programm aus der Calligra-Kollektion. Es bekam zuletzt wegen seines hohen Entwicklungstempos, das Funktionen für professionelle Grafiker schnell umsetzt, viel Aufmerksamkeit. Krita stellt nicht die Retusche in den Mittelpunkt, sondern Werkzeuge für Illustratoren und Freihandzeichner, die Grafiken auf einem digitalen Zeichenblock erstellen – auch per Grafiktablett. Es gibt zudem 3D-Texturen sowie Tools zur Anpassung von Perspektive und Proportionen, die sich mit Adobe Photoshop messen können.

Grafikprogramm Krita: Unter den Calligra-Anwendungen ist Krita die bekannteste und wird professionellen Ansprüchen gerecht.
Vergrößern Grafikprogramm Krita: Unter den Calligra-Anwendungen ist Krita die bekannteste und wird professionellen Ansprüchen gerecht.

Braindump und Flow : Um Mindmapping und Flussdiagramme kümmern sich diese Calligra-Zutaten. Die Werkzeuge von Braindump eignen sich dazu, schnell und einfach verknüpfte Ideen in einem Diagramm festzuhalten. Flow enthält dagegen ein großes Arsenal für Flowcharts aller Art – von der Visualisierung einer Netzwerktopologie bis hin zu Schaltplänen und Geschäftsprozessen.

Plan ist ein Programm zum Projektmanagement, das vormals als Kplato bekannt war. Neben Zeitmanagement gibt es Gantt-Charts und Reportfunktionen. Plan liest und schreibt nur das eigene Dateiformat, aber es gibt externe Konverter für Microsoft Project.

Kexi : Mit diesem Tool bietet Calligra den Zugriff auf Datenbankserver wie My SQL, Postgre SQL oder das portable Sqlite. Kexi ist von Microsoft Access inspiriert und erlaubt Abfragen und die Eingabe von Daten in eine Datenbank mittels Formularen.

Bildverwaltung: Gwenview und Digikam

Digikam bändigt Bilderfluten. Die Fotoverwaltung kann Fotos auch automatisch nach Tags und GPS-Daten katalogisieren. Zuletzt kam eine Gesichtserkennung hinzu.
Vergrößern Digikam bändigt Bilderfluten. Die Fotoverwaltung kann Fotos auch automatisch nach Tags und GPS-Daten katalogisieren. Zuletzt kam eine Gesichtserkennung hinzu.

Ein Programm, das sich als Fotoverwaltung weit über die KDE-Arbeitsumgebung hinaus einen Namen gemacht hat, ist Digikam . Das seit über zehn Jahren stetig weiterentwickelte Programm zur datenbankgestützten Organisation großer Bildbestände wird sogar regelmäßig nach Windows portiert, denn die Fähigkeiten von Digikam sind beachtlich: Neben der Sortierung und Kategorisierung von Aufnahmen nach Alben, Tags und Stichwörtern gibt es fortgeschrittene Sortierungsmöglichkeiten. Geotagging und Gesichtserkennung sind zwei neuere Features. Auch eine Unterstützung von Fotos in RAW-Formaten ist vorhanden: Digikam kann nicht nur die eingebettete Vorschau anzeigen, sondern auch eine RAW-Datei in der Vorschau öffnen. Ersatz für ein Programm für RAW-Abzüge wie Ufraw, Darktable und Rawtherapee ist Digikam allerdings noch nicht.

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Gwenview : Als Bildbetrachter ist Digikam mit seinem Datenbank-Back-End nicht geeignet. Zum Betrachten gibt es in KDE Gwenview. Dies startet nicht nur schneller als Digikam, es ist auch gut für die Stapelbearbeitung außerhalb von Digikam geeignet und integriert sich gut in das Kontextmenü von vorhandenen KDE-Dateimanagern. Gwenview unterstützt alle verbreiteten Grafikformate und kann sogar PSD-Dateien von Adobe Photoshop anzeigen. Die Kipi-Plug-ins (siehe Kasten) liefern Tools zur Stapelverarbeitung von der Bildern.

Okular: Nicht nur für PDFs

Okular: Der Reader öffnet nur PDF-Dateien und bietet ein Auswahlwerkzeug, um beliebige Ausschnitte als Text oder Bild in die Zwischenablage zu befördern.
Vergrößern Okular: Der Reader öffnet nur PDF-Dateien und bietet ein Auswahlwerkzeug, um beliebige Ausschnitte als Text oder Bild in die Zwischenablage zu befördern.

Ein PDF-Betrachter ist heute Teil jeder Desktopumgebung und in KDE übernimmt Okular die Darstellung von PDF-Dateien. Das Programm kann aber noch mehr: Der Dokumentbetrachter unterstützt gängige Formate wie Postscript, EPS, DVI, Ebook-Formate wie Epub, Amazon Mobipocket, Open-Document-Dateien und sogar CHM-Dateien von Windows. Zur Navigation durch ein Dokument zeigt Okular in der Seitenleiste das enthaltene Inhaltsverzeichnis an und außerdem eine Seitenvorschau und individuelle Lesezeichen, die Anwender selbst setzen können. Diese Lesezeichen speichert Okular nicht in der Dokumentdatei, sondern in seinen eigenen Einstellungen. Lesezeichen stehen so unabhängig vom eigentlichen Dokument über Okular bereit, das wie ein Zettelkasten alle Einträge einer Bibliothek an einer Stelle sammelt. Für PDF-Dateien gibt es einen Revisionsmodus für Anmerkungen und Markierungen, der per F6-Taste aktiviert wird. Diese Änderung müssen dann aber im PDF-Dokument selbst über „Datei -> Speichern unter“ gesichert werden. Nicht zu verachten sind die Möglichkeiten zum gezielten Ausschneiden von Textstellen und Bildern unter „Extras“, die auch bei Dokumenten ohne korrekten Textfluss die Kopie einer Stelle anhand einer frei dimensionierbaren Auswahlbox erlauben.

Wer Okular unter Debian oder Ubuntu nachinstalliert, braucht zur vollen Unterstützung aller Formate diesen Befehl

sudo apt-get install okular-extrabackends-kde4  

auf der Kommandozeile.

Entwicklung: Kate und Kdevelop

Für Textdateien, Konfigurationsdateien und Scripts benötigt man zur Bearbeitung oder Durchsicht einen leistungsfähigen Editor. Mit dem Editor Kate hat KDE ein Programm in der Grundausstattung, das schon einige Elemente einer Programmierumgebung wie Syntax-Highlighting und Projektbaumansicht übernimmt. Kate erkennt den Quellcode von etlichen Sourcecode-Dateien, von Assembler bis XML. Funktion-Folding erlaubt das Einklappen einzelner Abschnitte, und zusammen mit der Hervorhebung von Klammern ist Kate allein schon eine große Hilfe bei der Durchsicht von Quellcode und bei kleineren Programmieraufgaben.

Kdevelop : Eine Nummer größer als Kate ist Kdevelop, das Programm geht aber trotz seines deutlich größeren Funktionsumfangs immer noch als schlankes IDE durch (Integrated Development Environment). Die Programmierumgebung enthält eine komplette Projektverwaltung mit Dateibrowser und Klassenbibliothek. Syntaxhervorhebung und Autovervollständigung unterstützen alle gängigen Programmier- und Scriptsprachen.

Ein Templatesystem erlaubt die Anlage neuer Programmierprojekte aus Vorlagen heraus und zur Versionsverwaltung gibt es eine Schnittstelle zu CVS oder Subversion.

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