22.06.2012, 13:09

Peter Stelzel-Morawietz

Kostenfalle Ausland

Je nach Land können bis zu 35 Euro pro MByte anfallen

Die Kosten fürs mobile Surfen differieren stark nach Reiseland, Provider und Tarif. Gerade die Netzbetreiber haben nämlich so viele Tarife, dass Sie genau hinschauen müssen, um Ihren zu finden. Beim Urlaubsland muss man deshalb aufpassen, weil die Mobilfunkprovider die Staaten meist in mehreren Gruppen zusammenfassen. Von den EU-Staaten abgesehen kann jeder Provider jedes Reiseland beliebig jeder Ländergruppe zuordnen. Gehört die Türkei bei einem Provider zur günstigsten Tarifgruppe, kann es beim nächsten ganz anders sein.
Die Stiftung Wartentest bietet im Internet einen interaktiven Tarifrechner, der für rund 80 deutsche Mobilfunkprovider die Roamingpreise für Telefonate und Daten in die EU sowie in sechsweitere Urlaubsländer umfasst, darunter die Schweiz, die Türkei, die USA und Kroatien. Je nach Anbieter bezahlt der deutsche Urlauber in der Türkei zwischen „günstigen“ zwei Euro pro MByte bis über 25 Euro. Der Abruf dieser Tarifdatenbank kostet einen Euro, zu bezahlen per Kreditkarte oder Paypal.
Sechs Tipps für weniger Kosten im Ausland

Die neuen Reisepakete der deutschen Provider

Die Unterschiede sind bei gleicher Leistung enorm, doch selbst MByte-Preise von „nur“ zwei Euro bedeuten verglichen mit einer Inlands-Flatrate einen Preissprung von über 10.000 Prozent. Welche Möglichkeiten gibt es also, der Kostenfalle durch Datenroaming im Ausland zu entgehen? Die wichtigsten Optionen heißen: vollständiger Verzicht, ein Provider- oder Tarifwechsel, eine ausländische SIM-Karte oder Internet per WLAN-Verbindung.
 
Gerade im Urlaub sind Apps auf dem Smartphone enorm nützlich: Wann hat das Museum offen, wie komme ich am schnellsten zum Ziel, oder wie heißt das Gebäude vor mir? Mit der passenden App sind viele Fragen schnell beantwortet. Der Verzicht aufs Handy wäre hier ein Informationsnachteil.

Option Nummer zwei heißt Providerwechsel. Selbstverständlich kann es sich schon für einen Urlaub lohnen, den Anbieter zu wechseln und sich eine neue SIM-Karte zu besorgen. Schließlich bezahlen Sie unter Umständen weniger als ein Zehntel, wie das Beispiel Türkei zeigt. Und doch bleibt es teuer, denn da ist noch die Taktung. Viele Provider rechnen in ungünstigen 100 KByte- Blöcken ab. Selbst wenn eine App nur eine minimale Datenmenge anfordert, werden stets 100 KByte berechnet. Bei zehn Euro pro MByte ist dann jedes Mal ein Euro weg.
Bleibt drittens der Tarifwechsel: Es ist gerade ein Jahr her, als die ersten Netzbetreiber ihren Businesskunden Volumenpakete für mobiles Internet jenseits der deutschen Grenzen anboten. Inzwischen gibt es diese Reisepakete als Option auch für private Vertragskunden sowie bei vielen Prepaid- Providern. Angeboten werden die Pakete entweder zum einmaligen Aktivieren oder monatlich im Abo. Zwar lässt sich bei einer Datenmenge von 25 oder 50 MByte nicht von einer echten Flatrate sprechen, doch stellt ein 7-Tage-Europapaket mit 50 MByte für fünf Euro schon einen deutlichen Fortschritt dar.

Auch hier gilt es, beim jeweiligen Provider genau hinzuschauen: Denn Bezeichnungen wie „Europa“-Pakete sagen noch gar nichts über die Länder, für die die Option gilt. So kann die Schweiz drin sein, Kroatien oder die Türkei aber draußen.

Bietet Ihr Provider kein oder kein attraktives Paket fürs Datenroaming, besorgen Sie sich eine SIM-Karte eines Prepaid-Anbieters mit Reisepaket. Abroadband bietet mobiles Internet zum Einheitspreis von 59 Cent pro MByte in mehr als 60 Ländern, darunter die USA, Kanada, Schweiz, Türkei und viele weitere Nicht-EU-Staaten. Die SIM-Karte kostet einmalig knapp 20 Euro, weitere Gebühren fallen nur bei tatsächlicher Nutzung an. Möchten Sie weiter unter Ihrer bisherigen Rufnummer erreichbar bleiben, verwenden Sie dafür ein Zweithandy. Neue einfache Mobiltelefone zu Preisen von 15 Euro kosten weniger als ein einziges MByte Datenvolumen beim falschen Provider.
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