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So trifft das Erdbeben in Japan die IT-Industrie

28.03.2011 | 13:45 Uhr |

Die erste Schockstarre ist überwunden. Nun beginnen Hersteller, Distributoren und Händler mit der Analyse, welche Auswirkungen das verheerende Erdbeben in Japan auf den Markt und ihr Unternehmen haben wird.

Die erste Schockstarre ist überwunden. Nun beginnen Hersteller, Distributoren und Händler mit der Analyse, welche Auswirkungen das verheerende Erdbeben in Japan auf den Markt und ihr Unternehmen haben wird.

Nach wie vor sind die Folgen schwer einschätzbar. Zudem ist noch völlig unklar, ob die Hilfskräfte die Lage im Kernkraftwerk in Fukushima in den Griff bekommen. Unsere Schwesterpublikation ChannelPartner hat trotzdem Hersteller und Distributoren nach einer ersten Lagebeschreibung gefragt.

Einen Überblick über ein großes Produktspektrum besitzen die Distributoren. "Stark betroffen sind Flash-Speicher, speziell von Toshiba", weiß Ulf Kilper, Produktmanager bei Devil . So registriert Kilper stark steigende Preisen bei Flash-Produkten wie USB-Sticks und SD-Karten. Auch bei SSDs gibt es Auswirkungen: "Die Ware wird massiv gebrokert, was zu künstlichen Verzerrungen führt", weiß der Devil-Manager. Kurzfristig beobachtet er Preissteigerungen bis zu 30 Prozent. Kilper geht davon aus, dass "das Preisniveau sich mittelfristig auf ein dauerhaft höheres Niveau" einpendelt. Sein Kollege Andreas Dudda, BU-Leiter Komponenten und Software, hält auch Preisanstiege in anderen Produktbereichen für möglich. Zudem könne es Allokationen geben, unabhängig davon, ob es direkte Folgen der Katastrophe oder "indirekte Effekte des nervösen Spotmarktes" seien. Jochen Bless, Bereichsleiter Peripherie, Komponenten und Software bei Actebis , hat ebenfalls anziehende Preise registriert: "Wir rechnen bei Halbleitern mit erheblichen Auswirkungen", sagt der Actebis-Bereichsleiter.

Ähnlich äußert sich auch Achim Reichstein, Einkaufsleiter bei Distributor Siewert & Kau : "Die Auswirkungen sind unmittelbar nach derartigen Ereignissen spürbar. Hamsterkäufe führen innerhalb weniger Stunden zu Bestellannahmestops und Allokationen bei den Herstellern und Lieferanten", berichtet er im ChannelPartner-Interview .

Bei Ingram Micro gibt man sich bei der Einschätzung der Lage vorsichtig: "Wir beobachten momentan noch mehr als sonst die Entwicklungen auf dem Markt. Darüber hinaus stehen wir in sehr engem Kontakt mit den japanischen Herstellern, auch auf höchster Konzernebene", berichtet Vice President Robert Beck. Viele dieser Unternehmen seien aber global aufgestellt und so in der Lage sind, die Produktionen sofern nötig zu verlagern. Lieferengpässe und Preisanstiege schließt aber auch Beck nicht aus.

Michael Döll, Director Operations bei Tech Data , glaubt nicht an kurzfristig drastische Preissteigerungen. Allerdings erwartet Döll mittelfristig, also in den nächsten beiden Quartalen einen Anstieg der Preise.

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