2165523

So nehmen Sie Musik aus dem Internetradio mit Streamripper auf

18.09.2016 | 15:33 Uhr |

Die Zahl der Radiosender, die ihr Programm auch oder gar ausschließlich übers Internet ausliefern, ist längst fünfstellig. Da findet jeder Musikgeschmack einschlägige Sender. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie die Titel auf Festplatte speichern.

Um Musik-Streams oder Podcasts anzuhören und dabei auch gleich dauerhaft zu speichern, gibt es einschlägige Software mit mehr oder weniger einfacher Bedienung. Da der VLC-Mediaplayer quasi zur Standardausstattung auf jedem Linux-oder Windows-Rechner gehört (oder gehören sollte), beschreiben wir zunächst die Vorgehensweise bei diesem Player. Bevorzugte Aufzeichnungs-Software ist allerdings der im Anschluss besprochene Streamripper.

Auch interessant: Kopieren, laden und anschauen erlaubt

Technisch arbeitet VLC einwandfrei, fordert aber einige Klicks und evtl. Nachbearbeitung.
Vergrößern Technisch arbeitet VLC einwandfrei, fordert aber einige Klicks und evtl. Nachbearbeitung.

Mit VLC Internetradio speichern

Der VLC kann ja bekanntlich alles, und so gehört auch das Abspielen von Internet-Streams und das Speichern derselben zu seinem Repertoire. So ganz bequem funktioniert das hier allerdings nicht. Von mehreren möglichen Varianten ist die folgende noch die einfachste:

Zunächst benötigen Sie die Internet-URL des gewünschten Senders oder Podcasts. Bei der beliebten Streaming-Plattform www.shoutcast.com erreichen Sie die URL nach Rechtsklick auf das Download-Symbol und „Adresse des Links kopieren“. Diese URL können Sie dann im VLC unter „Medien -> Netzwerkstream öffnen“ als Netzwerkadresse einfügen. Ein neuerer VLC unterstützt übrigens auch das direkte Drag & Drop von Shoutcast & Co. in die Wiedergabeliste (Strg-L).

Befindet sich der Stream in der Wiedergabeliste, klicken Sie mit rechter Maustaste auf den Eintrag und wählen „Speichern“. Im nun gezeigten Unterdialog „Konvertieren“ geben Sie als „Profil“ das Format MP3 oder OGG an und definieren über „Durchsuchen“ eine Zieldatei. Wenn Sie bei der Aufnahme mithören möchten, verwenden Sie die zusätzliche Option „Ausgabe anzeigen“. Mit der Schaltfläche „Start“ beginnt die Aufzeichnung, die Sie über die Wiedergabeliste jederzeit anhalten können. Technisch ist gegen den Einsatz des VLC nichts einzuwenden, die Bedienung aber erfordert doch für jeden Vorgang diverse Klicks. Hinzu kommt, dass Sie manuell für korrekte Dateinamen Ihrer Aufzeichnungen sorgen müssen und dass der VLC keine Trennung der Musikstücke leistet. Sie müssen den Gesamt-Stream also nachbearbeiten, wenn Sie die Musikstücke als Einzeldatei nutzen wollen.

Mit Streamripper Internetradio unter Linux speichern

Das Kommandozeilen-Tool Streamripper gehört nicht zum Standardumfang von Linux-Distributionen, ist aber in den Repositories enthalten. Unter Ubuntu und Linux Mint ist die Software mit dem Terminal-Befehl

sudo apt-get install streamripper

schnell installiert.

Selbstverständlich können auch Windows-Nutzer die Vorteile von Streamripper nuten.

Auch interessant: Die richtige Linux-Distribution für Einsteiger

Auch hier benötigen Sie zunächst wieder die Internet-URL des Senders, wie für www.shoutcast.com oben beschrieben. Beachten Sie, dass Sie im Terminal eine kopierte URL mit der Tastenkombination Strg-Shift-V einfügen können (statt mit Strg-V). Im Übrigen beherrscht das Terminal auch Drag & Drop einer URL mit der Maus direkt aus Shoutcast oder von der Browser-Adresszeile.

Im Prinzip benötigt der Vorgang nur den Programmaufruf und die URL:

streamripper http://yp.shoutcast.com/[...]

Damit beginnt sofort die Aufnahme, wobei die Dateien in jenem Verzeichnis abgelegt werden, in dem der Streamripper gestartet wurde. Dabei entstehen standardmäßig Ordner mit den Namen der betreffenden Radiosender, in diesen Ordnern dann die MP3-Dateien der einzelnen Stücke. Wie bei Kommandozeilenprogrammen üblich, beenden Sie Streamripper jederzeit durch die Tastenkombination Strg-C.

Die URL muss immer als erster Parameter folgen, weitere optionale dahinter. Seine zahlreichen Parameter zeigt das Programm nach dem Aufruf streamripper.

Streamripper kann den gerade aufgenommenen Stream an einen netzfähigen Player schicken.
Vergrößern Streamripper kann den gerade aufgenommenen Stream an einen netzfähigen Player schicken.

Spezielle Parameter von Streamripper

Mindestens diese drei Schalter sollten Sie kennen:

streamripper [URL] -d ~/Musik

Der Directory-Schalter „-d“ stellt hier sicher, dass die Aufnahmen unter „Musik“ im Home-Verzeichnis landen. Wenn Sie vor dem Streamripper-Einsatz immer mit cd ~/Musik sichergehen, dass das Tool auch am richtigen Ort arbeitet, ist dies im Prinzip gleichbedeutend.

Der Streamripper arbeitet recht informativ und zeigt auf der Kommandozeile Interpret und Titel der aufgenommenen Stücke an. Er spielt den aufgenommenen Sender allerdings nicht ab. Der folgende Schalter

streamripper [URL] -r

ist daher wichtig, wenn Sie bei der Aufnahme mithören möchten. Dann nämlich arbeitet die Software als (Relay-) Server, der den Audio-Stream an einen Player weitergibt, der wiederum die Fähigkeit haben muss, Netzwerk-Streams verarbeiten zu können. Ein brauchbarer Kandidat zur Wiedergabe ist hier erneut der VLC-Player: Läuft der Streamripper mit Schalter „-r“, so kommen Sie auf demselben Rechner im VLC über „Medien -> Netzwerkstream öffnen“ und der Netzwerkadresse „http://localhost:8000“ sofort an den Sound, der gerade aufgezeichnet wird. Der Port 8000 ist Standard, kann aber auf Wunsch auch folgendermaßen geändert werden:

streamripper [URL] –r 192.168.0.18:2000

Die Abhöradresse für den VLC würde in diesem Fall „http://192.168.0.18: 2000“ lauten. Das Abspielen funktioniert nur am lokalen Rechner.

Sie können Streamripper unbeaufsichtigt arbeiten lassen, wenn Sie ihm ein Zeitlimit oder ein Download-Limit vorgeben:

streamripper [URL] -l 7200

Mit Schalter „-l“ und der Zeitangabe „7200 Sekunden“ beendet das Tool seinen Job nach genau zwei Stunden, während der Schalter „-M 100“ anordnet, dass nach 100 MB Schluss sein soll.

Streamripper erspart Ihnen praktisch jede Nachbearbeitung. Die Musikdateien erhalten aussagekräftige Dateinamen, die das Tool auf Basis der mitgesendeten Metadaten vergibt. Wer davon abweichende Namensregeln nutzt und Streamripper darauf trimmen will, sollte sich in der Streamripper-Manpage den Schalter „-D“ genauer ansehen. Damit lassen sich individuelle Regeln zur Abfolge von Künstler, Album, Titel et cetera in den Dateinamen erzwingen.

Streamripper zerlegt den aufgenommenen Stream eines Senders automatisch in einzelne Musikdateien. Wesentliche Signale sind dabei die Pause zwischen zwei Titeln und die mitgesendeten Metadaten. Mindestens das erste Kriterium ist bei Rock-und Popsendern nicht sonderlich zuverlässig, da solche Sender mit Werbung und Eigenwerbung eine pausenfreie Dauerberieselung anstreben. Wo das Splitting der Musiktitel nicht stimmt, können Sie mit den Splitpoint Options des Streamripper experimentieren. Diese beginnen allesamt mit „--xs[…]“, so etwa „--xs2“, das zur automatischen Titeltrennung einen komplett anderen Algorithmus verwendet. Nach unserer Erfahrung sind solche Experimente aber selten erforderlich.

0 Kommentare zu diesem Artikel
2165523