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So funktioniert Wikileaks

25.02.2011 | 13:35 Uhr |

Mit enthüllenden Dokumenten sorgt Wikileaks immer wieder für Schlagzeilen. PC-WELT erklärt Technik und Prinzip des umstrittenen Dienstes.

Wiki“ steht für Internetseiten, auf denen die Besucher Inhalte erstellen und veröffentlichen können. Bekanntestes Wiki ist das Online-Lexikon Wikipedia. „Leak“ bedeutet auf Deutsch etwa „undichte Stelle“. Beide Begriffe weisen auf das Prinzip von Wikileaks hin: Über dieses Internetportal können so genannte Whistleblower, deutsch: Hinweisgeber, geheime Unterlagen aus ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld veröffentlichen, um auf Missstände aufmerksam zu machen.

Was wann publiziert wird, entscheiden jedoch die Betreiber der Seite. Deren Identität liegt mit Ausnahme des derzeit inhaftierten Frontmanns Julian Assange weitgehend im Dunkeln. Wikileaks hat bereits mehrmals für Schlagzeilen gesorgt, zuletzt durch die Veröffentlichung des geheimen Schriftverkehrs des US-amerikanischen diplomatischen Dienstes mit dem Außenministerium. Davor brachte der Dienst unter anderem das US-Militär durch Videos von Kriegsverbrechen im Iran und in Afghanistan sowie die Veranstalter der Duisburger Loveparade in Bedrängnis.

Sichere Datenübermittlung
Wer Wikileaks Informationen zuspielen will, braucht nicht zu befürchten, enttarnt zu werden. Denn der Internetdienst erhält die Dateien verschlüsselt und in Fragmente zerlegt. So sollen selbst Geheimdienste nicht in der Lage sein, den Weg der Nachrichten und Unterlagen zu ihrem Absender zurückzuverfolgen. Zur Anonymisierung des Whistleblowers kommen Dienste zum Einsatz, über die auch PC WELT schon berichtet hat: neben dem Tor-Netzwerk die anonyme Datentauschbörse Freenet (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Internetdienst). Zusätzlich empfehlen die Wikileaks-Betreiber, die Informationen über öffentliche Internetzugänge abzusetzen. Zuletzt sollen so täglich zwei Dutzend Informationslieferungen eingegangen sein. Derzeit ist die Annahme von Dokumenten allerdings gestoppt.

Unter der angestammten Internet-Hauptadresse www.wikileaks.org ist das Portal derzeit nicht zu erreichen. Bei Redaktionsschluss kam man über die Ausweichadresse www.wikileaks.ch am einfachsten auf die Wikileaks-Seite. Auf der sind auch unter „Mirrors“ viele weitere Ausweichadressen aufgeführt. Allerdings sind manche davon nur sehr kurzlebig. Denn Wikileaks-Gegner und Befürworter liefern sich im Internet heiße Scharmützel mit DDoS-Attacken. Im Visier der Freunde: die Seiten von Internethändler Amazon, der Wikileaks von seinem Speicherplatz verbannt hat, und diverse Finanzunternehmen, die Spenden an den Whistleblower-Dienst eingefroren haben.

Datei als Lebensversicherung
Wie groß die Angst der Wikileaks-Betreiber vor staatlichen oder geheimdienstlichen Repressionen ist, zeigt eine über 1,4 GB große verschlüsselte Containerdatei namens „Insurance.aes256“, die derzeit über das Bit-Torrent-Tauschnetz verbreitet wird. Sie soll weitere gesammelte Enthüllungen enthalten. Das Passwort für diese „Lebensversicherung“ soll veröffentlicht werden, falls einem Wikileaks-Mitarbeiter etwas zustößt.

Eine Maßnahme mit einigem Zündstoff: Denn auch wenn das Passwort nie bekannt würde, ließe sich die heute als sicher geltende 256-Bit-AES-Verschlüsselung der Datei in einigen Jahren durch schnellere Computer möglicherweise knacken.

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