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Browser unter Linux - Firefox oder Chrome?

22.10.2012 | 09:12 Uhr |

Unter Windows tobt der Krieg der Browser schon seit Jahren. Ganz anders unter Linux: Hier hatte Mozilla Firefox lange Jahre keinen ernsthaften Gegner – bis Google mit Chrome kam.

Mit Google Chrome mischt nun seit zwei Jahren ein echtes Schwergewicht mit. Einige Distributionen bevorzugen als Standard-Browser bereits Chrome oder die Open-Source-Variante Chromium gegenüber Firefox. Hauptargumente sind: Der Mozilla-Browser sei vergleichsweise langsam und verbrauche zu viel Speicher. Bis zur Firefox-Version 4 gab es auch nicht viele triftige Gegenargumente. In der Zwischenzeit gibt es Firefox aber als Version 13, und die Mozilla-Entwickler haben mächtig aufgeholt. LinuxWelt hat beide Browser nun in einem direkten Vergleich unter Linux auf die Probe gestellt und auf Herz und Nieren getestet. Danach können Sie selbst entscheiden, welchem Browser Sie unter Linux den Vorzug geben.

Download: Firefox

Die Browser im Arbeitsspeicher
Der aktuelle Speicherverbrauch des Browsers lässt sich bei beiden Kandidaten auf die gleiche Weise und ohne fremde Hilfsmittel analysieren. Geben Sie dazu in der Adresszeile einfach about:memory ein. Laufen Chrome und Firefox gleichzeitig, zeigt der Google-Browser sogar den Verbrauch beider Programme an. Beim Start der puren Software ohne eine geladene Internetseite zeigt sich Chrome wesentlich speicherhungriger. Auf verschiedenen Systemen getestet, ist Firefox hier um den Faktor zwei bis vier genügsamer. In der Abbildung sehen Sie durchaus typische Beispielwerte – Chrome mit über 100 MB, Firefox mit 40 MB.

Speicherverbrauch: Mit about:memory können Sie sich in Chrome wie in Firefox anzeigen lassen, wie viel Speicher der jeweilige Browser aktuell beansprucht.
Vergrößern Speicherverbrauch: Mit about:memory können Sie sich in Chrome wie in Firefox anzeigen lassen, wie viel Speicher der jeweilige Browser aktuell beansprucht.

Mit einigen geladenen Webseiten wie zum Beispiel ZDF, Spiegel, Süddeutsche, PC-Welt zeigt sich ein ähnliches Bild: Firefox ist ökonomischer, Chrome benötigt meist 50 Prozent mehr RAM. Einziges Plus bei Chrome: Schließt man die Seiten wieder, gibt Chrome die RAM-Ressourcen umgehend und komplett wieder frei, Firefox nur einen Großteil. Bei beiden Browsern sind installierte Erweiterungen für hohen Speicherbedarf wesentlich mitverantwortlich. Chrome kann dies mit chrome://tasks detailliert aufschlüsseln: 10 bis 30 MB pro Erweiterung sind Normalität. Wer Anlass hat, Speicher zu sparen, sollte sich hier auf Unentbehrliches beschränken.

Download: Chrome

Profile und Erweiterungen
Firefox und Chrome bieten beide eine saubere Trennung von Programm- und Benutzerdaten und glänzen durch Flexibilität und Erweiterbarkeit. Hier sind kaum Pluspunkte für je einen auszumachen.
Wo die Daten liegen: Das Firefox-Profil des einzelnen Anwenders ist relativ logisch zu finden. Wie unter Linux üblich, legt die Software einen versteckten Ordner im Home-Verzeichnis an. Sinnvollerweise heißt dieser „.mozilla“, und im Unterordner „firefox“ finden Sie die Daten. Dort ist nicht nur das Profil gespeichert, sondern dort befinden auch alle manuell installierten Plug-ins.
Die Benutzerdaten des Google-Browsers sind nicht gleich auf den ersten Blick zu finden. Chrome speichert das Profil und andere Daten unter „.cache/google-chrome/“.

Erweiterungen: Ein Hauptgrund für Firefox war lange Zeit das umfangreiche Erweiterungsangebot. Hier hat aber Chrome in der Zwischenzeit mächtig aufgeholt: Sie finden für Chrome praktisch alle Erweiterungen, die sich auch bei Firefox bewährt haben. Klassiker sind Werbeblocker, Sicherheitsfunktionen wie WOT (Web of Trust) und Funktionserweiterungen wie Fastest Fox oder Fastest Chrome. Manche beliebte Erweiterung wie Flashgot gibt es unter Chrome nicht identisch, aber dann immerhin ein Äquivalent wie zum etwa Simple Get.

Adobe Flash: Flash wird immer weniger eingesetzt, und HTML5 soll dessen Part irgendwann übernehmen. Adobe hat auch bereits angekündigt, die Entwicklung für Flash unter Linux einzustellen. Adobe Flash ist allerdings derzeit noch zu präsent, und viele können oder wollen darauf nicht verzichten. Chrome liefert den Adobe Flash Player mit aus und hat die Entwicklung dafür selbst in die Hand genommen. Bei Firefox müssen Sie unter Umständen selbst nachhelfen und das entsprechende Plug-in installieren. Oftmals greifen Ihnen hier die Distributionen allerdings unter die Arme und übernehmen diesen Teil. Sollte kein Flash vorhanden sein, hilft ein Blick in das entsprechende Repository.

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