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Internet ohne Google: Die besten Alternativen für Websuche, Browser, Office, Cloud-Speicher und Mail

05.07.2015 | 10:22 Uhr |

Die Autocomplete-Funktion von Googles Websuche, also das automatische Vervollständigen im Browser-Suchfeld, zeigt sich selbstkritisch: Tippt man die ersten Buchstaben von „Datenkrake“ ein, schlägt Google als Wortphrase „Datenkrake Google“ vor. Selbst das Suchmaschinen-Unternehmen gibt also zu, so gut wie alles über uns zu wissen! Das resultiert vor allem daher, dass viele Menschen die Google-Dienste ständig nutzen. So laufen in Deutschland rund 95 Prozent aller Suchanfragen über Google, ähnlich dominant ist der Kartendienst am PC.

Aber muss das so sein? Keineswegs! Denn das Internet inklusive Browser und Suchmaschinen gab es schon lange vor Google – und für (fast) alle Anwendungen und Dienste des Unternehmens existieren auch heute Alternativen. Wir zeigen das Leben ohne Google, in dem Sie sich über die Datenschutzerklärung mit wohlwollenden Formulierungen wie „Wenn Sie uns Informationen mitteilen, zum Beispiel durch Erstellung eines Google-Kontos, können wir damit diese Dienste noch weiter verbessern …“ keine Gedanken mehr machen müssen.

Surfen am PC und Notebook: Websuche und Browser

Obwohl der Tätigkeitsbegriff „googlen“ schon vor zehn Jahren in den Duden aufgenommen und damit zum Synonym für das Online-Suche (mit Google) wurde, gibt es zahlreiche alternative Suchmaschinen: Das Suchportal MetaGer aus Deutschland, Ixquick aus Holland, DuckDuckGo aus den USA oder Qwant aus Frankreich. Alle Anbieter versprechen mehr Privatsphäre und Anonymität und werben mit Verschlüsselung und Nichtverfolgung beim Surfen. Cookies gibt es ebenso wenig wie Tracking per Fingerprint , außerdem verschleiern sie die IP-Adressen der Nutzer.

Die besten Suchalternativen zu Google

Probieren Sie die Dienste einfach einmal aus. Sollten Sie mit den Suchergebnissen unzufrieden sein, nutzen Sie Startpage vom gleichen Anbieter wie Ixquick. Startpage übernimmt die Suchtreffer von Google, verschleiert aber als Proxy-Server Ihre IP-Adresse, wenn Sie in der Trefferliste jeweils die mit „Anonym anzeigen“ gekennzeichneten Links anklicken

Praktisch: Die Suchmaschine Startpage übernimmt die Ergebnisse von Google, verschleiert aber die IP-Adressen der PC-Anwender.
Vergrößern Praktisch: Die Suchmaschine Startpage übernimmt die Ergebnisse von Google, verschleiert aber die IP-Adressen der PC-Anwender.

Abseits der Suche stellt sich die Frage nach dem richtigen Browser, also zu Chrome, dem zugegebenen schnellsten Programm fürs Web. Internet Explorer, Firefox und Opera heißen die populären Konkurrenten, die gegenüber den kleineren Browsern wie dem sicherheitssensiblen Comodo Dragon den Vorteil bieten, immer upgedatet zu werden.

Browser: Chrome, Firefox oder Internet-Explorer im Test

Die besten Office-Alternativen zu Web-Applikationen

Es ist keineswegs die Funktionsvielfalt, die für das Web-Office-Paket von Google spricht – da hat Microsoft weiter die Nase vorne. Der große Nutzen von Google Docs liegt neben der einfachen Bedienung in der Verknüpfung mit dem Cloud-Speicher Google Drive. Man hat also – eine Online-Verbindung vorausgesetzt – alle Dokumente in der jeweils aktuellen Version immer „dabei“, unterwegs auch am Smartphone oder Tablet-PC. Gleichzeitig bietet Google die Möglichkeit, die Daten in der Cloud mit anderen zu teilen und gemeinsam daran zu arbeiten.

Nun könnte man ein alternatives Online-Office wählen. Doch das soll hier nicht die Lösung sein, schließlich ziehen diese die gleichen Nachteile nach sich. Dazu gehört, dass Microsoft wie Google als US-Unternehmen dem Patriot Act unterliegt und im Zweifel die Daten auf seinen Servern amerikanischen Behörden zur Verfügung stellen muss.

Kostenloses Online-Office im Praxis-Test

Dieses grundsätzliche Defizit vermeidet man naturgemäß mit einer Offline-Variante, also mit einer klassischen Office-Suite zum Installieren wie Open Office oder Libre Office . Abmildern lässt sich die eingeschränkte Datenverfügbarkeit über die Portable-Versionen für den USB-Stick. Hat man den Stick dabei, gilt das auch für Programme und Daten. Nur um die Synchronisierung mit der PC-Festplatte daheim kommt man dann nicht umhin. Eine umfassende Sammlung portabler Tools für den Stick bietet Lupo Pensuite .

Cloud-Speicher und E-Mail ohne Google

Wenn Sie den Online-Zugriff und die Möglichkeit zum Teilen und Zusammenarbeiten an Dokumenten nicht missen möchten, verwenden Sie Ihre eigene private Cloud. Einfach einzurichten und dennoch vielseitig ist Owncloud , das Projekt versteht sich als Alternative zu den kommerziellen Online-Speichern wie Dropbox. Owncloud lässt sich auch bei (deutschen!) Web-Hostern integrieren, unter Linux und Windows als Server installieren sowie auf einer Netzwerkfestplatte (NAS) einrichten.

Unser Online-Workshop erklärt Installation und Nutzung inklusive Fernzugriff am Beispiel einer NAS von Synology. Ähnlich funktioniert die Software auf Netzwerkspeichern von Qnap oder anderen Firmen, für die ein Owncloud-Installationspaket zur Verfügung steht. Ausführliche Anleitungen und FAQs finden Sie auf der Webseite des Projektes .

Owncloud lässt sich auf Linux- und Windows-PCs ebenso installieren wie auf diversen Netzwerkfestplatten (NAS), im Beispiel auf einer NAS von Synology.
Vergrößern Owncloud lässt sich auf Linux- und Windows-PCs ebenso installieren wie auf diversen Netzwerkfestplatten (NAS), im Beispiel auf einer NAS von Synology.

Zugreifen auf die Daten in der eigenen Cloud lässt sich von unterschiedlichen Geräten, das Internet natürlich wieder vorausgesetzt. Clients gibt’s es für den Mac, für Linux und Windows ebenso wie Mobil-Apps für Android und iOS. Ein Nachteil soll nicht verschwiegen werden: Bei der Verwendung eines eigenen Servers, also auf dem PC oder der NAS, ist der Datendurchsatz beim Fernzugriff systembedingt nur so groß wie die Upload-Rate der DSL-Leitung daheim – und die beträgt bei einem 16.000er-Anschluss meist nur ein MBit/s.

E-Mails schließlich lassen sich perfekt auch ohne Google und anderen Webmailer schreiben, empfangen und verwalten, sofern man seine Mail-Konten über das Internet Message Access Protocol (IMAP) synchronisiert. Als Mail-Programm für den PC eignet sich Thunderbird , als portable Version in der Lupo Pensuite enthalten. Wer auf dem Mobilgerät nicht den integrierten Mail-Client nutzen möchte, hat eine große Auswahl an Alternativen: bei Android beispielsweise Aqua Mail , bei iOS z.B. Mailbox .

Unabhängig davon stellt sich die Frage des Mail-Providers. Hier können wir durchaus zu einem Wechsel des Anbieters ermuntern, denn mit den Tools MailStore Home , Aid4Mail MBOX Converter und MailRedirect ist dieser einfach und schnell vollzogen. Schritt für Schritt erläutert dies unser Online-Workshop Mail-Umzug leicht gemacht .

Der Name ist Programm: Das Tool Aid4Mail hilft beim Konvertieren von Mailarchiven unterschiedlicher Formate und bereitet diese zum Import z.B. für Thunderbird auf.
Vergrößern Der Name ist Programm: Das Tool Aid4Mail hilft beim Konvertieren von Mailarchiven unterschiedlicher Formate und bereitet diese zum Import z.B. für Thunderbird auf.

Fazit: Eine Woche ohne Google – kein Problem

Hinsichtlich Google bin ich guter Durchschnittsdeutscher, denn ich benutze regelmäßig einige Dienste des Unternehmens. Ganz pragmatisch stellte ich mir die Frage: Geht es wirklich ohne, sinnvoll natürlich? Nach einer Woche mit DuckDuckGo, Startpage und Co. kann ich sagen: Ja, im Prinzip sogar ziemlich problemlos. Man muss es einfach wollen und aus seiner Gewohnheit ausbrechen. Die Alternativen bieten oft das Gleiche, nur ohne das freundliche Farbmuster. Zwei Aspekte machen mir persönlich das Leben ohne Google besonders leicht: erstens mein Lumia-Smartphone, zweitens der Umstand, dass ich kein Video- und damit auch kein YouTube-Typ bin.

Ach ja, ganz ohne Google ging es dann doch nicht: Meine Kollegen wollte ich nicht gleich „bekehren“ und so habe ich freigegebene Daten auf Google Drive weiter genutzt – ansonsten mache ich erst einmal „ohne“ weiter!

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