30.12.2013, 11:15

Alexander Roth

Internet-Nutzer im Visier

So funktioniert Target Marketing

Der Surfer als Zielscheibe ©iStockphoto.com/MarsBars

Der Surfer als Zielscheibe: Wer im Internet surft, hinterlässt viele Spuren. Das nützt die Werbeindustrie mit Target Marketing aus und setzt dem gläsernen Internetnutzer genau auf dessen Interessen zugeschnittene Werbung vor. Ein Milliardengeschäft.
Sie sind ein „durchschnittlicher“ Internetnutzer und treffen keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen beim Surfen? Dann weiß die Industrie längst, wer Sie sind! Geschlecht, Alter, Herkunft, Vorlieben – Google, Amazon, Ebay und Co und auch ganz andere Unternehmen, die Ihnen im Internet vielleicht niemals direkt begegnen werden, haben möglicherweise bereits ein komplettes Profil über Sie angelegt, das bisweilen sogar weiß, was sie sich gerne als Nächstes kaufen würden. Vielleicht haben Sie sich ja schon einmal gewundert, warum im Web so manches Mal an unerwarteter Stelle genau ein Werbebanner auf Sie wartete, das Ihre individuellen Vorlieben anspricht.

Cookies und Target Marketing

Vereinfachend lässt sich sagen: Die exakt auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Werbung hat zwei Gründe. Der eine nennt sich „Cookie“, und hinter dem zweiten steht mittlerweile eine riesige Marketingindustrie, die mit dieser Cookie- und weiteren Sammeltechniken immer besser umzugehen weiß. Das Vorgehen, Informationen über Surfer zu sammeln und dieses Wissen in optimal auf den Internetnutzer zugeschnittenes Online-Marketing umzuwandeln, nennt sich Targeting Marketing oder Target Marketing. Dabei handelt es sich um einen Trend, der eine beachtliche Dimension erreicht hat. Diese Dimension ist milliardenschwer und alarmiert zunehmend die Datenschützer.

Cookies: Das weiß das Internet über mich

Zunächst der Blick auf die kleinen, aber doch so mächtigen Cookies, die ja eigentlich nichts Schlimmes sind, im Gegenteil: Sie sind dafür da, um Surfern das Leben zu erleichtern. Und was hier wichtig ist: Sie sind nicht allein für Target Marketing verantwortlich. Dennoch die Relevanz: Bei Cookies handelt es sich um kleine Datensätze, die beim Aufruf von Webseiten erzeugt werden, sofern die Betreiber der Sites das wollen. Vor allem Onlineshops und Webplattformen wie Amazon, Ebay und Facebook, aber auch Web-Emailing-Provider und auch Webseiten verschiedenster Branchen setzen diese Technik gerne ein. Diese kleinen Datensätze oder eben Cookies protokollieren und speichern die wichtigsten Handlungen, die ein Besucher auf den Webseiten jeweils durchführt, auf den Computern der Surfer.
Was enorm praktisch sein kann, etwa wenn sich getätigte Spracheinstellungen, Passwort/Name-Kombinationen oder zusammengesammelte Warenkörbe beim abermaligen Besuch der Webseite automatisch wiederfinden. „Die Zielgruppendefinition durch Targeting wird immer besser, weil viele Nutzer Cookies nur selten löschen oder diese Funktion abschalten“, so Wolfgang Bscheid, Gründer und Geschäftsführer der Agentur Media Scale gegenüber PC Welt.
Technisch heißt das: Die Webseiten erstellen individuelle Cookie-Codes, die auf den Servern der Webseitenbetreiber abgelegt und den IP-Adressen der Surfer zugeordnet werden. Sofern vom Webseitenbetreiber entsprechend eingerichtet, lässt sich so ziemlich alles protokollieren, was ein Surfer so treibt: Welche Kategorie, die von ihm besuchte Webseite hat, von wo aus er sich einloggt, welche Klickwege er bevorzugt oder welche grafischen Elemente einer Internetseite ihn besonders interessieren. Das hat die Marketingindustrie auf den Plan gerufen: Sowohl der Handel mit als auch die richtige Bereitstellung von Cookie-Codes-Datenbanken sind gefragter denn je. Denn vielen Online-Marketingagenturen steht nicht nur eine Webseite, sondern ein ganzes Netzwerk an Internetseiten bereit, auf denen sie Ihre Banner, sogenannte Displays, platzieren.
Wenn ein Surfer dann im Rahmen dieses Netzes eine bestimmte Seitenkategorie, etwa Sportmode, aufgerufen hat, kann ihm im übrigen Webseiten-Netzwerk dieser Agentur künftig immer der entsprechende Werbebanner zugespielt werden – technisch kein Problem. Das ist das Ziel: Target Marketing soll stets den Nutzer auf die für ihn passende Internetseite führen, auf der er dann einkauft.
Was die Sache brisant macht: Zwar gibt es keine offiziellen Statistiken, doch Experten zufolge und aufgrund der Tatsache, dass die „Cookie-Funktion“ oft schon bei Einrichtung des Browsers voreingestellt ist, lässt sich davon ausgehen, dass die weitgehende Mehrheit der Internetnutzer Cookies einsetzt oder diese auch nicht regelmäßig löscht.
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