20.01.2012, 08:40

Steffen Zellfelder

Internet-Kriminalität

Die zehn größten Cybercrime-Fälle aller Zeiten

Cybercrime (Computerkriminalität) sorgt für Schäden in Milliardenhöhe ©iStochphoto.com/adventtr

Bekannt werden meist nur die Opfer, sie erleiden Schäden in Millionenhöhe. Die Täter werden selten gefunden, denn mit Verschleierung, Täuschung und dem Verwischen von Spuren kennen sie sich aus. Die Rede ist von Cybercrime, zu Deutsch Computerkriminalität. Die Täter begehen virtuelle Verbrechen mit ganz realen Folgen. Die zehn bedeutendsten digitalen Kriminalfälle aller Zeiten stellen wir Ihnen hier vor. Aber bitte nicht Zuhause nachmachen!

Platz 10: Der wohl erste Fall von Cybercrime

Eines der bekanntesten Cyberverbrechen ist gleichzeitig auch eines der ältesten und begann im Jahr 1970. Ein Kassierer der Unions Dime Savings Bank in New York hat damals regelmäßig einen Teil des eingezahlten Kunden-Geldes mitgehen lassen. Um seine persönliche Bereicherung nicht auffliegen zu lassen, hat der vielleicht erste Cyber-Kriminelle der Geschichte nach Schalterschluss die Kundenbelege im Zentralrechner der Bank einfach nach unten korrigiert. Obwohl der Mann über keine nennenswerten Computerkenntnisse verfügte, schaffte er es, Geld, das gar nicht vorhanden war, von einem Konto zum anderen zu schaufeln und gefälschte Zinsbelege zu erstellen, um Kontoinhaber wie Vorgesetzte gleichermaßen an der Nase herum zu führen. Gefasst wurde der Kassierer durch Zufall: Bei einer Routine-Kontrolle eines Wettbüros fand die Polizei Belege dafür, dass besagter Kassierer eine Vorliebe für Sportwetten hatte: Für diese gab er an manchen Tagen bis zu 30.000 Dollar aus - bei einem offiziellen Jahreseinkommen von nur 11.000 Dollar. Die Polizei musste nicht lange rechnen und verhaftete den Mann.

Platz 9: Cybercrime-Club Russian Business Network

Das „Russian Business Network“ (RBN) gibt es seit dem Jahr 2006. In seinem Gründungsjahr waren die Aktivitäten des Internet-Dienstleisters noch zum großen Teil legal. Das hat sich aber schnell geändert. Heute hat RBN ein weltweites Netz von Tochterunternehmen aufgebaut und steht massiv unter dem Verdacht, die eigenen kriminellen Kunden vor dem Zugriff der Justiz zu schützen. RBN wird vorgeworfen, seine Dienste vorwiegend Kriminellen anzubieten und sogar extra auf deren Bedürfnisse zuzuschneiden. Experten für Computerkriminalität machen RBN-Server für die Verbreitung von Spam- und Phishing-Mails sowie von Kinderpornographie verantwortlich. Der amerikanische Internetriese VeriSign bezeichnet RBN als „baddest of the bad“ („ Die Schlimmsten der Schlimmen“). Details über das Unternehmen selbst sind praktisch nicht bekannt. Es ist keine eingetragenen Gesellschaft und von den Eigentümern sind nur die Spitznamen „flyman“ und „$ash“ bekannt. Im Kaukasus-Krieg 2008 sollen Hacker aus dem RBN-Netzwerk gezielt georgische Informationssysteme angegriffen und erfolgreich lahm gelegt haben.

Platz 8: Cybercrime-Erpessungsversuch eines russischen Datendiebs

Ein russischer Hacker verschaffte sich im Januar des Jahres 2000 Zugriff auf Datensätze von 300.000 Kunden des US-amerikanischen CD-Verkäufers cdUniverse.com. Mit den erbeuteten Kreditkarten-Daten wollte der Angreifer mit dem Alias „Maxim“ 100.000 US-Dollar von dem Online-Kaufhaus erpressen. Mit der stoischen Reaktion von cdUniverse hatte er jedoch nicht gerechnet. Auf die Forderung des Datendiebes reagierte der Internet-Händler nämlich einfach überhaupt nicht. Stattdessen versprach cdUniverse seinen Kunden, für etwaige Schäden aufzukommen und zeigte dem Erpresser darüber hinaus nur die kalte Schulter. Voller Wut veröffentliche „Maxim“ daraufhin die Datensätze von rund 25.000 Kunden inklusive Kreditkartennummer auf seiner Website „The Maxus Credit Card Pipeline“. Nachdem cdUniverse auch darauf nicht reagierte, stellte Maxim keine weiteren Forderungen. Ob er für die Datensätze einen Abnehmer gefunden hat, ist bis heute ebenso unbekannt wie seine Identität.

Platz 7: Hacker-Kräftemessen mit Microsoft als Protest gegen Kopierschutz

Nicht jeder Hacker ist nur auf seinen eigenen Vorteil aus. Ganz im Gegenteil: Oft wollen die Jongleure der Bits und Bytes auch auf Missstände hinweisen oder diese gleich aus der Welt schaffen. Einer davon nannte sich „Beale Screamer“ und war besonders Microsoft ein Dorn im Auge. Ende 2001 entwickelte er ein Programm, mit dem sich ein von Microsoft entwickelter Kopierschutz für Musik- und Videodateien (Digital Rights Management / DRM), weitgehend aufheben ließ. Kurz darauf wandte sich Screamer an die Öffentlichkeit und erklärte, er wollte mit seiner Art des Ungehorsams eine Botschaft an die Musik- und Filmindustrie senden. Er war der Meinung, dass der rechtliche Rahmen im Umgang mit digitalen Medien zu einseitig von der Industrie definiert wird und Konsumenten dabei zu rechtelosen Goldeseln für die Großkonzerne verkommen. Obwohl Microsoft und andere betroffene Unternehmen große Anstrengungen unternommen haben, den Hacker ausfindig zu machen, ist er bis heute anonym.
Platz 6: Cyber-Gangster fordern Captain Kirk
Ebenso wie es Hacker gibt, die sich von ihrer Sorge um das Allgemeinwohl leiten lassen, gibt es auch solche, die sich vor allem Gedanken um ihr TV-Programm machen. In den Jahren zwischen 1995 und 1998 lieferte sich News Corp, eines der größten Medienkonglomerate der Welt, einen erbitterten Cyberkrieg mit einer europäischen Hackergruppe. Dabei wollten die Hacker eigentlich nur erreichen, dass  das Medienunternehmen Star-Trek-Wiederholungen im Fernsehen ausstrahlt. Doch selbst wenn News Corp gewollt hätte, sie durften es damals aus rechtlichen Gründen gar nicht. Immer wieder drangen die Angreifer in die Server des Bezahlsenders Sky-TV ein, der dem Unternehmen angehört. Immer wieder war News Corp gezwungen, große Summen in immer neue Sicherheitssysteme zu investieren, um die Angreifer abzuwehren.
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