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Die fünf unglaublichsten Web-Innovationen

17.11.2012 | 08:33 Uhr |

Das Internet ist vor allem eines: Eine riesige Informationsquelle. Dabei kann es aber noch weit mehr: Es baut Autos, vermittelt Jobs und erkennt Ihre Wünsche – im Voraus.

Die fünf unglaublichsten Web-Innovationen könnten unterschiedlicher kaum sein. Die erste erlaubt es jedem, über das Aussehen und die Technik eines neuen Autos abzustimmen. Bei diesem Dienst nehmen Sie Einfluss auf ein komplett neues Produkt. Bei einer anderen Web-Innovation wird Ihr Leben durchleuchtet und mit dem Ziel analysiert, Ihre Wünsche zu erkennen, bevor Sie davon wissen. Denn nur dann kann Ihnen die Industrie mehr neue Waren verkaufen …

1 Die Open-Source-Gemeinde baut ein Auto

Bei Local Motors läuft zurzeit ein Design-Wettbewerb zu einem neuen Truck.
Vergrößern Bei Local Motors läuft zurzeit ein Design-Wettbewerb zu einem neuen Truck.

Die amerikanische Firma Local Motors mit Sitz in der Nähe von Boston ist die erste Open-Source-Company, die ein Auto entwickelt hat. Herausgekommen ist ein äußerst stylischer Off-Road-Wagen, der auf den Namen Rally Fighter hört. Er sieht aus, als würde er die Geländewagen von Mercedes und Jeep gleich beim Start abhängen und auch sonst locker ein Wettrennen mit ein paar Formel-1-Flitzern gewinnen. Das Auto ist 4,8 Meter lang und fast 1,8 Meter hoch. Angetrieben wird der Rally Fighter von einem 6,2 Liter V8-Motor mit 430 PS. Den Renner gibt’s für rund 75 000 Dollar (60 000 Euro) zu kaufen.

Die Herstellung eines Autos ist normalerweise extrem teuer. Sie brauchen Heerscharen von Ingenieuren, teure Designer, große Fabrikhallen, ein gutes Vertriebsnetz und mehrere Jahre Zeit, bis ihr erstes Auto vom Band rollt. Nicht so bei Local Motors: Bereits zwei Jahre nach Firmengründung stand der Prototyp, einige Monate später wurden bei Local Motors die ersten Autos für Käufer gebaut. Zwar nur in Kleinstserie, aber auch das gehört zum Konzept von Local Motors.

33 coole Technik-Gadgets

So sieht das erste Auto aus, das von einer Open-Source-Community entwickelt wurde.
Vergrößern So sieht das erste Auto aus, das von einer Open-Source-Community entwickelt wurde.
© Local Motors

Schnell und günstig entwickeln dank Open-Source-Community: Die Entwicklungsabteilung des Unternehmens besteht aus rund 25 000 Experten im Internet, die freiwillig an dem Auto mitgebaut haben. Sie leben in 122 Ländern und engagieren sich bei Entwurf und Entwicklung von Teilen und Designs. Für das Aussehen des Rally Fighters hatte Local Motors mehrere Wettbewerbe ausgeschrieben. Über die Entwürfe durfte die Community abstimmen. Alle Einreichungen – auch hier kommt der Open-Source-Gedanke zum Tragen – sind im Internet einsehbar und können von der Community weiter verbessert werden. Die letzte Entscheidung, was in das Auto eingebaut wird und wie es am Schluss aussieht, hat aber immer die Firma Local Motors. Sie spart mit dem Open-Source-Gedanken nicht nur die Gehälter für Entwickler und Designer – ganz nebenbei enstehen fundierte Marktforschungskenntnisse, und unter der begeisterten Anhängerschar sind bereits die ersten Kunden.

Übrigens lief nicht nur die Entwicklung des Rally Fighters dank Open-Source-Gemeinde transparent ab, sondern auch die zwölf Tage dauernde Fertigung des Wagens ist im Wiki von Local Motors Schritt für Schritt mit Bildern und Videos dokumentiert.

Die witzigsten Bilder im Web
Individualisierung im Autobau: Das Open-Source-Fahrzeug Rally Fighter bringt den seit Jahrzenten währenden Trend der Individualisierung auf ein neues Level. Bisher waren individuelle Produkte nur in einem kleinen Bereich oder einem sehr großen Rahmen erhältlich. Wer etwa einen selbst gestalteten Turnschuh kaufen möchte, kann sich über nikeid einen individuellen Schuh zusammenstellen. Wer sich ein Haus baut, lässt es sich von einem Architekten nach seinen Wünschen gestalten. Doch im Preisbereich eines Autos waren individuelle Anfertigungen bisher rar.

Die Autoindustrie versuchte bislang eher schlecht als recht, Kundenwünsche mit verschiedenen Wagenfarben, Polsterungen und Motorvarianten zu befriedigen. Local Motors hat das auf eine besondere Weise geändert. Der Rally Fighter ist zwar nicht das Auto nach der Vorstellung eines einzelnen Kunden, aber es ist das Auto, das den Wünschen einer ganz besonderen Community entspricht. Und der Rally Fighter war nur der Anfang. Das Konzept von Local Motors ist allgemein zugänglich, alle nötigen Schritte sind gut dokumentiert. Ein neuer Wagen kommt bestimmt. Wie der aussieht, können dann auch Sie mitbestimmen. Zurzeit läuft übrigens ein Design-Wettbewerb für einen neuen Truck, der dann von Hersteller Peterbilt gebaut werden soll.

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