ICANN, .com, TLDs

Diese wichtigen Internet-Änderungen gibt es 2012

Montag den 30.01.2012 um 10:50 Uhr

von Carolyn Duffy Marsan

Im Jahr 2012 ändert sich einiges beim Internet.
Vergrößern Im Jahr 2012 ändert sich einiges beim Internet.
© Polylooks
Im Jahr 2012 gibt es wichtige Veränderungen beim Internet: Root-Server-Verwaltung, neue TLDs, IPv6, .com-Registrierung. Wir geben einen Überblick über die Neuerungen.

Die Root-Server erhalten möglicherweise einen neuen Operator

Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) hat den Betrieb der Internet-Root-Server und die Vergabe der Top-Level-Domains seit ihrer Gründung als gemeinnützige Gruppe 1998 überwacht. Aber der Vertrag zwischen der ICANN und dem US-Handelsministerium wird im März 2012 auslaufen und eine neue U.S.-Organisation könnte diese entscheidende Schlüsselposition für das Funktionieren des Internets übernehmen.

Die 13 Root-Server-Farmen des Internets befinden sich an der obersten Stelle der DNS-Hierarchie. Diese Server weisen den Domain-Namen die entsprechenden IP-Adressen zu. Das sorgt dafür, dass Sie bei der Eingabe von www.pcwelt.de auch tatsächlich auf unserer Seite landen. Die Operationen der Root-Server-Farm werden von der IANA (Internet Assigned Numbers Authority) überwacht. Diese berichtet dann an die ICANN.

Statt den Vertrag mit der ICANN zu verlängern, hat die U.S. Regierung eine Ausschreibung gestartet, bei der sich Organisationen aus den USA beteiligen können. Am 10. November 2011 hat sich die NTIA (National Telecommunications and Information Administration) für die IANA-Funktion beworben . Bis zum 12. Dezember wurden die Bewerbungen angenommen. Der Vertrag wird innerhalb des ersten Quartals dieses Jahres erwartet. Der neue Vertrag für die IANA-Funktion wird am 1.April 2012 beginnen und am 31.März 2015 auslaufen.

Wer übernimmt künftig die .com-Registrierung?

Verisign hat die .com-Domain seit dem Jahr 1999 verwaltet. Die .com-Domain ist die bekannteste Top-Level-Domain überhaupt. Über 100 Millionen .com-Namen sind registriert . Damit Sie die Relationen kennen, wollen wir noch hinzufügen, dass insgesamt 220 Millionen Domain-Namen, aufgeteilt in 280 Top-Level-Domains, registriert sind. Die Anzahl der .com-Domains lässt jede andere Domain wie einen Zwerg erscheinen. Diese Domain ist fünf Mal größer als die zweit häufigste Endung, nämlich .de aus Deutschland.

Verisign hat am 1. März 2006 einen Vertrag mit ICANN für die Verwaltung der .com-Adressen geschlossen. Dieser Vertrag endet am 30.November 2012.

Für Verisign als weiteren Verantwortlichen für die .com-Domaines spricht: Im Juni 2011 hat ICANN den Vertrag mit Verisgn für die .net-Registrierung verlängert. Verisign darf bis 2017 die Registrierung der aktuell 12 Millionen .net Adressen weiterführen.

Bis zu 1000 neue Top-Level-Domains werden vorgestellt

Die ICANN hat am 12. Januar ein neues Programm gestartet , um hunderte von generischen Top-Level-Domains (gTLDs) wie .hotel und .paris zu ermöglichen. Dieser Plan wurde bereits sechs Jahre lang kontrovers diskutiert und soll dieser Plan verwirklicht werden. ICANNs neues gTLD-Programm repräsentiert die größte Änderung im Namenssystem des Internets seit dem 1998, in dem die ICANN gegründet wurde.

Die ICANN hatte bereits zwei Versuche unternommen, um neue Internet-Domain-Namen zu ermöglichen. Zum ersten Mal im Jahr 2000, als sieben Endungen, darunter .biz und .info, hinzu gekommen sind. Der zweite Versuch fand 2004 statt. Damals kamen acht weitere Endungen hinzu. Seit 2004 gibt es beispielsweise .asia und .jobs. Aber keine dieser neuen Domain-Namens-Endungen war wirklich erfolgreich.

Nichtsdestotrotz, wenn ICANNs neuester Erweiterungs-Versuch erfolgreich ist, könnte es den Weg, wie Domain-Namen verwendet werden, grundsätzlich ändern. Unter die neuen Namens-Kategorien, die vermutlich gut angenommen werden dürften, gehören zum Beispiel Domainnamen für Städte und Regionen und Interessen-spezifische Domains und Domainnamen, die an einzelne Unternehmen oder Marken gebunden sind.

Weitere 10.000 Webseiten werden IPv6 unterstützen

Bis zum 30. September 2012 müssen alle U.S. Regierungs-Behörden IPv6 auf deren öffentlichen Webseiten und Webservices unterstützen. Geschätzte 10.000 Webseiten müssen bis dahin noch umgestellt werden. Diese große Umstellung kann dazu führen, dass IPv6 in den USA in den nächsten 12 Monaten wesentlich weiter verbreitet sein wird.

Vor zwei Jahren hat die US-Regierung festgelegt, dass IPv6 auch für die internen Client-Anwendungen, die mit öffentlichen Internetservern kommunizieren, nativ verwendet werden muss. Aber hierfür wurden den Behörden zwei weitere Jahre eingeräumt. Diese Frist läuft erst im September 2014 aus. Die bundesweiten Behörden müssen einen IPv6-Umstiegs-Verantwotlichen bestimmen und neue Hard- sowie Software für Netzwerk kaufen, die den IPv6 Test-Prozess der Regierung unterstützen.


IPv6 enthält ein erweitertes Adress-Schema, das es ermöglicht Milliarden von Geräten mit dem Internet zu verbinden. Aber IPv6 ist nicht abwärtskompatibel mit IPv4, dem die Adressen ausgehen. Netzwerk-Betreiber können entweder beide Protokolle unterstützen, was Dual-Stack-Mode genannt wird, oder zwischen IPv4 und IPv6 übersetzen. Das zweite Verfahren kann jedoch zu Verzögerungen und zusätzlichen Kosten führen.

Europa werden die IPv4-Adressen ausgehen

Das RIPE NCC (Réseaux IP Européens Network Coordination Centre) vergibt die IP-Adressen für Europa, den Nahen Osten und Zentralasien. Es wird erwartet, dass für diesen Bereich die IPv4-Adressen im Laufe des Jahres 2012 ausgehen werden. Geoff Huston, Mitarbeiter am Centre for Advanced Internet Architectures an der Swinburne University of Technology, vermutet, dass RIPE den letzen verfügbaren Adressplatz am 22. Juli 2012 vergeben wird.

Im April 2011 hat Asien bereits alle seine IPv4-Adressen vergeben, außer einem kleinen Anteil, der für Start-Up-Netzwerk-Operatoren zurückgehalten wird. Es wird erwartet, dass alle nordamerikanischen IPv4 Adressen bis 2013 vergeben sein werden.

Das Fehlen weiterer IPv4-Adressen in unterschiedlichen Regionen der Welt wird mehr Druck auf die U.S-Unternehmen ausüben, sodass auch diese Ihre Netzwerke auf IPv6 umstellen müssen. Beispielsweise hat Comcast gesagt, dass es qualitativ hochwertige IPv6-Services in dessen US-weiten Netzwerken in 2012 anbieten will.

Montag den 30.01.2012 um 10:50 Uhr

von Carolyn Duffy Marsan

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