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Intelligentes Licht sorgt daheim für passende Stimmung und Sicherheit

29.11.2014 | 16:01 Uhr |

Dimmen, den Farbton wählen, Stimmungsszenarien definieren und das alles per Smartphone-App steuern: Das ist „intelligentes Licht“. PC-WELT erklärt, wie es funktioniert und was es kostet.

Es muss nicht gleich das komplette „ intelligente Zuhause “ sein. Das ist vielfach unnötig teuer, kompliziert und overkilled. Niemand möchte schließlich Wände zum Verlegen von Leitungen aufstemmen, nur um eine angenehme Lichtatmosphäre zu schaffen. Und um genau die geht es hier, nämlich um einfache Lösungen für intelligentes Licht.

Der niederländische Philips-Konzern ist früh in die Technik eingestiegen und bietet seine Ambilight-Fernseher schon seit zehn Jahren an. Die Abkürzung steht für das Englische „Ambient“ (Umgebung) und „Light“ (Licht). Ziel dieser farbigen, großflächigen Hintergrundbeleuchtung der TV-Geräte ist es, eine angenehme Beleuchtung zu schaffen. Später kamen andere Produkte wie ein Lichtwecker hinzu, der ein „natürliches Aufwachen“ verspricht. Hinter diesem Marketinggetöse verbirgt sich die Funktion, dass der Wecker eine halbe Stunde vor der eigentlichen Weckzeit mit sanften Rottönen die Morgendämmerung simuliert und dann allmählich auf helles, weißes Licht umschaltet.

Abgesehen vom Marketinggetöse macht intelligentes Licht viel Spaß

Das waren Vorläufer von intelligentem Licht, eingebaut in anderen Geräten. Mittlerweile drängen Lichtsysteme auf den Markt, die nichts anderes machen als solches Licht. Zudem lassen sie sich in aller Regel fernsteuern.

Zunächst einmal sollen Lampen Licht erzeugen, also hell strahlen – das tun sie traditionell mit weißem Licht. Moderne Leuchten auf LED-Basis sind aber prinzipiell nicht auf eine Lichtfarbe beschränkt, der Farbton lässt sich fast beliebig verändern. Hinzu kommen die Steuerung der Intensität (Dimmbarkeit) sowie die Möglichkeit, all das per Funk fernzusteuern.

Auch beim intelligenten Licht war Philips früh dran, als es sein „Hue“ genanntes Lichtsystem Ende 2012 vorstellte. Das Set für knapp 200 Euro besteht aus drei farbigen LED-Lampen mit herkömmlicher E27-Schraubfassung, einem WLAN-Steuergerät sowie einer App fürs Smartphone (Android, iOS und Windows Phone). Über Schieberegler lassen sich Helligkeit und Farbton einstellen, außerdem kann man beliebige Beleuchtungsszenarien festlegen.

Philips war mit seiner „Hue“ nicht nur der erste große Anbieter intelligenter LED-Lampen, mittlerweile gibt es auch Leuchtstreifen und eine Tischleuchte (links).
Vergrößern Philips war mit seiner „Hue“ nicht nur der erste große Anbieter intelligenter LED-Lampen, mittlerweile gibt es auch Leuchtstreifen und eine Tischleuchte (links).
© Philips

Inzwischen bieten auch andere Hersteller solche Lichtsysteme an oder haben sie zumindest angekündigt. Dazu zählen die neuen Smart Bulbs von Samsung und LG, das Lightify genannte Licht von Osram , die neuen Modelle von Elgato, das mit knapp 100 Euro günstige Casa Control Set von Pearl , die beiden Mi-Light - und LIFX -Serien sowie das ebenfalls günstige IWY-System . Noch sind nicht alle diese Produkte auf dem Markt oder in Deutschland lieferbar. Wir haben uns die verfügbaren Lichtsets in die Redaktion kommen lassen und ausprobiert.

Intelligentes Licht im Praxistest

Übrigens: LIFX sammelte das für Entwicklung und Produktion erforderliche Geld über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein: 100.000 US-Dollar waren anvisiert, mehr als 1,3 Millionen wurden es schließlich. In den USA sind die Leuchten längst erhältlich.

Die LED-Lampen sind dimmbar, leuchten farbig und bieten viel Komfort

Außen vor bleiben sollen hier die gewöhnlichen, also die „unintelligenten“ LED-Leuchten. Sie kosten zwischen fünf und 25 Euro, sind für praktisch alle Sockeltypen erhältlich und leuchten in einem fest definierten Weißton. Dimmbar sind sie nur dann, wenn dies ausdrücklich ausgewiesen ist. Eine Stufe darüber rangieren per App steuerbare weiße LED-Leuchten wie die weißen Casa Control-Lampen oder die neue Wemo-LED von Belkin. Doch mit Preisen ab 30 Euro sind sie kaum billiger als solche Exemplare, bei denen man sich die Farbe verändern lässt – entweder über eine separate, handliche Funkfernbedienung und/oder per App. Diese LEDs sind meist mit dem Zusatz „Color“ oder „RGB“ (für die drei Farben rot, grün und blau) bezeichnet.

Günstige Farb-LED-Leuchten lassen sich mitunter auch per Handfernbedienung steuern, zum Teil auch mehrere separat (sogenanntes Mehrzonenmodell).
Vergrößern Günstige Farb-LED-Leuchten lassen sich mitunter auch per Handfernbedienung steuern, zum Teil auch mehrere separat (sogenanntes Mehrzonenmodell).

Die Steuerung per Funk gestaltet sich je nach Modell technisch unterschiedlich: Sie reicht von proprietären Firmenlösungen über die Industriestandards Zigbee oder Z-Wave bis zum „echten“ WLAN. Gemeint ist damit, dass das WLAN-Modul in den Lampen selbst steckt. Ansonsten benötigt man ein WLAN-Bridge oder Wifi-Controller Zusatzgerät für ca. 30 Euro, das die Steuersignale vom Smartphone bzw. Tablet an die Lampen weitergibt. Alle Funkprotokolle funktionieren gut, die Entscheidung für das eine oder andere ist vor allem dann von Bedeutung, wenn die Lichtsteuerung später einmal in ein größeres Smart-Home-System integriert werden soll. Untereinander sind die verschiedenen Standards nicht kompatibel, das gilt auch für die proprietären Protokolle.

Beispielhaft für solche LED-Leuchten seien die IWY-Modelle genannt: Die neue Leuchtengeneration lässt sich einfach per Android-App und WLAN mit dem Smartphone steuern.

Online-Shops im Ausland bieten günstige Lösungen

Billiger sind „LED Bulbs“ in asiatischen Online-Shops wie Aliexpress oder Deal Extreme . Die Preise dort sind in US-Dollar angegeben, für den Euro-Betrag ziehen Sie nochmals ca. 25 Prozent ab. Die Lieferung ist meist kostenlos, kann aber schon einmal einen Monat dauern. Wichtig beim Selbstimport aus Ländern außerhalb der EU ist die 22-Euro-Grenze: Liegen Warenwert, ausländische Umsatzsteuer und Porto darunter, müssen Sie keinerlei Zoll oder Einfuhrgebühren bezahlen. Es lohnt sich also gegebenenfalls, eine Bestellung zu splitten, das Porto kostet ja nichts extra. Allerdings kann es passieren, dass die Sendung beim Zollamt hängenbleibt, weil Inhalt und Warenwert nicht richtig deklariert sind – dann müssen Sie sie dort selbst abholen!

Noch zwei Aspekte zum Lampensockel und zur Spannung. Die weltweit unterschiedliche Netzspannung stellt bei LED-Lampen in aller Regel kein Problem dar. Sie lassen sich – von den 12 bzw. 24-Volt-Lichterketten abgesehen – meist zwischen 85 und 265 Volt Wechselspannung betreiben. Beim Sockel dagegen gilt es aufzupassen, hierzulande ist die „große“ E27-Fassung gebräuchlich. Im Notfall hilft ein Adapter weiter.

Aufzupassen gilt es schließlich bei den WLAN-Controllern zum Steuern per App. Ein großer Teil der im Ausland offerierten Modelle ist für den direkten Anschluss von LED-Leuchtstreifen mit 12 oder 24 Volt Gleichspannung ausgelegt. Sie sind meist mit „strip“ für (Leucht-)Streifen bezeichnet. Auf der deutschen Ebay-Seite werden aber auch Exemplare zum Steuern der „normalen“ LED-Leuchten mit Schraubfassung verkauft.

Noch mehr Home Automation mit dem Raspberry Pi

Es gibt sie, die großen Smart-Home-Lösungen, von RWE , Rademacher oder die Systeme bei Elektronikversendern wie Conrad , ELV und Reichelt. Die aber leisten oft mehr, als mancher daheim benötigt, und kosten deshalb auch unnötig viel.

Vergleichsweise preiswert und flexibel ist die Steuerung von Licht und Smart Home über den Platinenrechner Raspberry Pi . Das aktuelle Modell „B Version 2.0“ kostet im Internet gerade einmal 30 Euro, zusätzlich muss man noch ca. 20 Euro für Kleinteile wie Gehäuse, Stromversorgung, SD-Karte und evtl. einen WLAN-Dongle hinzurechnen.

Mit dem Platinenrechner Raspberry Pi lassen sich unter anderem intelligente Lichtsysteme steuern. Aufbau und Programmierung sind aber nicht ganz einfach.
Vergrößern Mit dem Platinenrechner Raspberry Pi lassen sich unter anderem intelligente Lichtsysteme steuern. Aufbau und Programmierung sind aber nicht ganz einfach.

Zwar benötigt man für solche Lichtsysteme meist keine ausgefeilten Programmierkenntnisse, weil andere diese Arbeit bereits erledigt haben und ihre Projekte im Internet veröffentlichen. Ganz trivial sind sie auf der anderen Seite aber auch nicht, insbesondere gibt es oft auch etwas zu löten. Ein Beispiel ist das auf Instructables.com beschriebene Projekt zur Lichtsteuerung.

Automatische Haussteuerung mit Arduino und Raspberry Pi

Ein Highlight stellt die nachgebaute TV-Hintergrundbeleuchtung wie bei den Philips-Fernsehern dar, passend „Ambi-TV“ benannt. Werfen Sie unbedingt einmal einen Blick in das YouTube-Video : Es ist schon erstaunlich, wie exakt Farbton und Helligkeit der verschiedenen Hintergrundzonen zum dynamischen TV-Bild passen! Wer sich selbst an das Projekt herantraut und zusätzlich zum Raspberry Pi rund 100 Euro investiert, findet im Internet alle Informationen und Daten .

„Ambi-TV“ nennt sich das Projekt der dynamischen und farbigen TV-Hintergrundbeleuchtung. Was das genau ist, sehen Sie am besten im YouTube-Video (Link: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=8cpQpGYtjR0).
Vergrößern „Ambi-TV“ nennt sich das Projekt der dynamischen und farbigen TV-Hintergrundbeleuchtung. Was das genau ist, sehen Sie am besten im YouTube-Video (Link: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=8cpQpGYtjR0).

Auf die Steuerung des LED-Lichts Mi-Light beschränkt sich ein weiteres Projekt mit dem Raspberry Pi, zudem im Internet sowohl alle erforderlichen Teile aufgeführt als auch bereits ein fertiges Steuerprogramm zur Verfügung gestellt sind. Dies sind nur wenige Beispiele, die aber das Potential erkennen lassen und Ihnen zum Nachbau vermutlich fürs Erste genügen dürften!

LED-Leuchten sparen Strom und damit Geld

LED-Leuchten sind nicht zuletzt deshalb im Kommen, weil sie gegenüber den bisherigen „Energiesparlampen“, die wie Leuchtstoffröhren funktionieren, nochmals sparsamer sind. Während eine herkömmliche Glühlampe gerade einmal rund zehn Lumen aus einem Watt elektrischer Energie herausholt, steigt die Lichtausbeute bei den Energiesparlampen schon auf rund 50 Lumen pro Watt, moderne LEDs schaffen bis zum Doppelten.

Die Hersteller von LED-Beleuchtung versprechen eine Lebensdauer von bis zu 20.000 Stunden. Noch gibt es keine aussagekräftigen Langzeittests, doch seit März 2014 schreibt die EU-Verordnung 1194/2012 vor, dass nach 6.000 Stunden höchstens zehn Prozent der Testmuster vorzeitig ausfallen dürfen. Außerdem müssen die Leuchten dann noch mindestens 80 Prozent ihrer ursprünglichen Leuchtkraft besitzen.

Legt man eine Betriebsdauer von 10.000 Stunden zugrunde, summieren sich die reinen Betriebskosten für eine 60 Watt-Glühlampe beim aktuellen Strompreis von ca. 30 Cent pro kWh auf rund 180 Euro. Bei vergleichbar heller LED-Beleuchtung sind es nur gut 30 Euro.

Dieses Sparpotential gilt für sämtliche LED-Leuchten, also auch für die einfachen. Bei einem Verkaufspreis von etwa zehn bis 15 Euro für eine Haushalts-LED macht sich die Anschaffung trotz des zunächst höheren Preises also durchaus bezahlt. Ganz nebenbei hat die LED-Technik gegenüber den bisherigen Energiesparlampen den Vorteil, dass die volle Helligkeit sofort nach dem Einschalten zur Verfügung steht.

Gut 100 Euro kostet diese Steckdosenleiste von Gembird mit integriertem Überspannungsschutz. Vier der sechs Steckdosen lassen sich per App oder Webinterface getrennt fernschalten.
Vergrößern Gut 100 Euro kostet diese Steckdosenleiste von Gembird mit integriertem Überspannungsschutz. Vier der sechs Steckdosen lassen sich per App oder Webinterface getrennt fernschalten.
© Gembird

Alternative: Schalten mit IP-Steckdosen

Alternativ zur Steuerung spezieller Leuchten lassen sich sämtliche 230-Volt-Geräte, und damit auch vorhandene Steh- oder Tischleuchten, über eine IP-Steckdose ein- und ausschalten.

Besonders praktisch sind Steckdosenleisten mit WLAN-Antenne, denn sie lassen raumunabhängig in Haus oder Wohnung daheim einsetzen. Per App und Anmeldung über einen Cloud-Dienst beim Hersteller kann man die Stromzufuhr auch von unterwegs steuern, bei den teureren Modellen die einzelnen Steckdosen sogar getrennt. Beispiele sind die Leisten EG-PMS2-WLAN von Gembird (ca. 110 Euro) und Netio4 von Koukaam (ca. 100 Euro), Steuer-Apps sind für Android und iOS verfügbar. Das Netio-Modell bietet mit definierbaren Regeln, integrierter Verbrauchsmessung und Mail-Benachrichtigungen viele Möglichkeiten und viel Komfort.

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Smart Home - darum geht es.

Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

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