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Intel Bay Trail: Die beste Tablet-CPU?

11.09.2013 | 18:00 Uhr |

Der Intel Atom war lange Zeit ein Synonym für Netbooks: Günstig und stromsparend, aber nicht viel Leistung. Mit der neuen Atom-Generation Bay Trail will Intel das alles ändern – und den Kampf um die beste Tablet-CPU gegen die ARM-Konkurrenz gewinnen.

Bay Trail soll vor allem Windows-Tablets beschleunigen ohne am Akku zu zehren. Intel verspricht bis zu doppelt so hohe Rechenleistung und dreimal so viel Grafik-Kraft im Vergleich zum derzeitigen Atom auf Basis der Clovertrail-Plattform. Außerdem sollen Bay-Trail-Geräte bis zu acht Stunden Akkulaufzeit bei der Videowiedergabe bieten-

Zwei CPU-Serien für zwei Märkte: Haswell-Core soll die Top-Notebooks bedienen, Bay Trail Tablets und günstige Notebooks
Vergrößern Zwei CPU-Serien für zwei Märkte: Haswell-Core soll die Top-Notebooks bedienen, Bay Trail Tablets und günstige Notebooks

Damit soll Bay Trail die Leistungslücke schließen, die derzeit zwischen den günstigen Windows-Tablets mit Clovertrail-Atom und den leistungsstarken Hybrid-Geräten und Ultrabooks mit Core-Prozessor klafft. Mit Bay Trail machen die Tablets einen Leistungssprung nach oben, während die Hybriden mit den Y-Modellen der Core-Plattform Haswell sparsamer werden sollen. Sowohl mit Bay Trail als auch mit den Y-Haswells werden dann lüfterlose Mobilgeräte möglich sein.

Bay Trail setzt auf der Mikroarchitektur Silvermont auf. Die bringt Intel nicht nur in Notebooks und Tablets, sondern unter dem Namen Merrifield auch in Smartphones, als Avoton in Servern und als Rangeley in Netzwerkprodukte.

Auf der IFA zeigte Toshiba das Encore schon vor dem offiziellen Start von Bay Trail
Vergrößern Auf der IFA zeigte Toshiba das Encore schon vor dem offiziellen Start von Bay Trail

Die ersten Bay-Trail-Geräte

Bay-Trail-Prozessoren werden Sie als Z3700 und Z3600 in Tablets finden. Unter dem Namen Pentium N3000 und Celeron N2000 wird der neue Prozessor aber auch Einzug in günstige (Touch-)Notebooks halten – die Netbook-Nachfolger mit Windows 8.1.

Toshiba beispielsweise bringt das 8-Zoll-Tablet Encore mit Windows 8.1 und Bay-Trail-CPU. Das Tablet zeigt 1280 x 800 Bildpunkte und kommt mit einer vorinstallierten Ofiice-2013-Version von Home + Student. Es wird 299 Euro mit 32 GB und 349 Euro mit 64 GB Speicher kosten.

Das NB10t wird Toshiba mit Celeron- und Pentium-Prozessoren auf Bay-Trail-Basis ausstatten
Vergrößern Das NB10t wird Toshiba mit Celeron- und Pentium-Prozessoren auf Bay-Trail-Basis ausstatten

Auch bei Mini-Notebooks setzt Toshiba auf Bay Trail: Damit ist zum Beispiel das NB10t ausgestattet, ein Touchscreen-Notebook mit 11,6-Zoll-Display. Es wird mit Windows 8.1 zum Preis von 399 Euro an den Start gehen.

Die Technik von Bay Trail

Der Atom Z3000 basiert auf einer 22-Nanometer-Architektur und bietet vier oder zwei „echte“ Prozessorkerne. Bisher war der Atom eine Dual-Core-CPU mit Hyper-Threading. Außerdem arbeitet Bay-Trail Programmbefehle jetzt Out-of-order ab – die CPU kann sie also umsortieren, um die eigenen Ausführungseinheiten jederzeit auszulasten. Der Clovertrail-Atom arbeitete dagegen In-Order, was ihn günstiger machte, aber in den meisten Programmen auch langsam.

Ähnlich wie Turbo Boost bei den Core-CPUs besitzt Bay Trail mit der Burst Technology die Fähigkeit, seine Kerne über Standard-Takt laufen zu lassen, wenn sie unter bestimmten Strom-, Spannungs- und Temperatur-Linien liegen: Je weniger Kerne gleichzeitig arbeiten, desto mehr kann ein Kern zulegen.

Das Übertaktungs-Potential wird dabei zwischen den CPU-Kernen und den vier integrierten Grafikeinheiten geteilt. Die Intel HD Graphics unterstützt die Programmierschnittstellen DX11 und Open GL ES 3.0 sowie Bildschirme mit bis zu 2560 x 1600 Bildpunkten. Nicht zuletzt bringt der System-on-a-Chip Bay Trail jetzt Controller für USB 3.0 mit.

Bay Trail: Die CPU-Modelle

Bay Trail gibt es als Quad-Core-Version Z3770(D) und Z3740(D) sowie als Dual-Core Z3680(D). Bei den Quad-Core-Versionen nutzen die D-Modelle als Speicher DDR3L-RS (Reduced Standby): Diese Speicherart ist nicht so sparsam wie das Low-Power-RAM (LPDDR3), mit dem die Bay-Trail-Modelle ohne D zusammenarbeiten. Aber es ist günstiger und für die Hersteller leichter einzubauen, sodass in besonders günstigen Tablets die D-Versionen zu finden sein werden. Ihr Speicher kann zwar schneller takten als bei den Nicht-D-Atoms. Allerdings läuft er nur im Single-Channel-Modus und der maximale Speicher ist auf 2 GB begrenzt. Z3770 und Z3740 können dagegen Dual-Channel-RAM bis zu 4 GB nutzen.

Bei den Dual-Core hat Intel das Verhältnis umgedreht: Hier können sich die D-Versionen mehr (2 GB gegenüber 1 GB) und schnelleren Speicher (1333 gegen 1067) genehmigen - bei beiden Modellen aber nur Single-Channel.

Modellnummer

Kerne

Taktfrequenz (GHz)

Speicher

maximaler Speicher

Z3770

4

2,4

LPDDR3-1067 (2-Kanal)

4 GB

Z3740

4

1,8

LPDDR3-1067 (2-Kanal)

4 GB

Z3770D

4

2,4

DDR3L-RS 1333 (1-Kanal)

2 GB

Z3740D

4

1,8

DDR3L-RS 1333 (1-Kanal)

2 GB

Z3680

2

2

LPDDR3-1067 (2-Kanal)

1 GB

Z3680D

2

2

DDR3L-RS 1333 (1-Kanal)

2 GB

Intel Bay Trail: Fazit

Mit Bay Trail will sich Intel in einem Zweifronten-Kampf durchsetzen: Im Tablet-Segment soll der neue Spar-Prozessor die ARM-Konkurrenten wie Qualcomm Snapdragon 800 und Nvidia Tegra 4 überflügeln. Denn die traditionell eher auf Sparsamkeit getrimmte ARM-Architektur legt damit auch bei der Leistung ordentlich zu. Bei den Mini-Notebook muss Bay Trail vor allem ein Duell mit AMDs Temash-Prozessoren wie dem A4 ausfechten, der ebenfalls in den günstigen Netbook-Nachfolgern ein Zuhause sucht.

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