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Chip an Bord

06.10.2008 | 08:37 Uhr |

Grafik-Chips direkt auf dem Mainboard – oder künftig direkt auf dem Prozessor-Kern – sind deutlich besser als ihr Ruf. Der Artikel verrät, was in den kompakten Alternativen zur mobilen Grafikkarten-Version steckt und wo man Einschränkungen in Kauf nehmen muss.

Wie auch dedizierte Grafikchips haben integrierte Grafiklösungen (Integrated Graphics Processor, IGP) vor allem eine Aufgabe: Sie sorgen für die grafische Ausgabe von Informationen auf dem Bildschirm des Rechners. Der große Unterschied zu dedizierten Grafik-Chips besteht darin, dass integrierte Grafikprozessoren in das Mainboard eingebaut sind und nicht auf einer separaten Steckkarte zum Einsatz kommen.

Momentan im Markt befindliche IGPs kommen fast ausschließlich aus den Chip-Schmieden von AMD und Intel. Von AMD gibt es aktuell die ATI-Radeon-Xpress-Reihe, frühere Modelle trugen an Stelle des Xpress- einen IGP-Imprint. Intel bietet seit 2004 die GMA-Reihe (Graphics Media Accelerator) an, die heute zu den weit verbreitetsten IGPs überhaupt zählt. Hersteller wie S3 (in VIA-Chipsätzen integriert) oder XGI versuchten zwar immer wieder mal, einen Fuß in das Segment der in Notebooks genutzten IGPs zu bekommen, erfuhren aber nie eine relevante Verbreitung oder einen kommerziellen Erfolg.

Diese auch als Onboard-Grafik bezeichneten Grafiklösungen besitzen in der Regel keinen eigenen Videospeicher und belegen stattdessen einen Teil des Arbeitsspeichers eines Notebooks. Dieses Konzept birgt einige Vorteile und Nachteile, die wir nachfolgend näher beleuchten wollen.

Kleine, sparsame und kühl arbeitende Hirne sind Voraussetzung für superschlanke Geräte wie das MacBook Air.
Vergrößern Kleine, sparsame und kühl arbeitende Hirne sind Voraussetzung für superschlanke Geräte wie das MacBook Air.
© 2014

Vorteile: Niedriger Stromverbrauch und kleines Format
Integrierte Grafikprozessoren haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber dedizierten Grafiklösungen: Sie sind genügsam. Der Stromverbrauch eines IGP liegt deutlich unter dem einer dedizierten Grafiklösung, und sei sie noch so schwach. Gerade für den Alltag und die typischen Büroarbeiten, die ständig anfallen, ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor. Denn trotz der sich wiederholenden Versprechen zu gesteigerter Energieffizienz und niedrigerem Stromverbrauch sind die Akkulaufzeiten bei all den neuen Mobil-CPUs nicht signifikant gestiegen. Zum Teil sind sie sogar zurückgegangen.

In diese Lücke stoßen IGPs. Dank ihres deutlich niedrigeren Stromverbrauchs eignen sie sich besonders für beruflich eingesetzte (Office-)Notebooks, bei denen es nicht auf eine hohe Grafikleistung, sondern primär auf eine ordentliche Akkulaufzeit ankommt.

Ein weiterer Faktor sind die niedrigeren Kosten integrierter Grafiklösungen. Praktisch alle günstigen Notebooks, die daheim als "mobile elektrische Schreibmaschine" eingesetzt werden, setzen Onboard-Grafiklösungen ein. Kein Wunder, denn der Hersteller kann mit günstigerer Hardware auch günstigere Verkaufspreise und eine breitere Angebotspalette realisieren.

Ohne IGPs wäre die komplette UMPC-Klasse nicht denkbar oder nicht so leistungsstark wie jetzt.
Vergrößern Ohne IGPs wäre die komplette UMPC-Klasse nicht denkbar oder nicht so leistungsstark wie jetzt.
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Für den Notebook-Hersteller ergeben sich noch zwei weitere positive Faktoren beim Einsatz von IGPs. Zum einen können auf Grund der kleineren physikalischen Größe auch kleinere Notebook-Formate wie beispielsweise UMPCs (Ultramobile PC) realisiert werden. Zum anderen resultiert aus der niedrigeren Stromaufnahme auch eine niedrigere thermische Verlustleistung, also weniger Abwärme. Das hilft enorm bei der Konzeption der Kühlung eines Notebooks. So können Notebooks mit schwächeren und damit leiseren Lüftern oder sogar Notebooks ohne aktive Lüftung und mit rein passiver Kühlung konzipiert werden, was die Ohren des Anwenders erfreut.

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