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Inkscape: Tipps zum Gratis-Grafikprogramm

14.08.2014 | 11:12 Uhr |

Ein Lichtblick unter den freien Grafikprogrammen ist das vektororientierte Zeichentool Inkscape. Der Beitrag zeigt, wo es Einstiegshilfen gibt und welche fortgeschrittenen Funktionen die Arbeit erleichtern.

In Sachen Desktop-Publishing werden Linux-Anwender nicht verwöhnt. Keines der tonangebenden Software-Häuser hat die professionellen DTP-Programme wie Corel Draw und Adobe Illustrator neben Mac-OS X und Windows auch auf Linux portiert. Freie Programme, die es mit teuren Software-Paketen für Mac-OS X und Windows aufnehmen können, sind rar. Die meisten Anwender behelfen sich deshalb mit Wine , um die Windows-Versionen der benötigten Programm unter Linux laufen zu lassen, was zumindest bei den älteren Versionen von Illustrator, Photoshop und Corel Draw passabel funktioniert. 

Dieser Artikel stammt aus der LinuxWelt 4/2014

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Eine Ausnahme ist das vektororientierte Inkscape, mit dem sich professionelle Resultate erzielen lassen. Zudem findet die Oberfläche eine gute Balance zwischen Funktionsumfang und Bedienkomfort, so dass der Einstieg nicht schwerfällt. Inkscape glänzt mit exzellenter Unterstützung des XML-basierten Grafikformats SVG (Scalable Vector Graphics), das auch als natives Dateiformat zum Einsatz kommt. Inkscape eignet sich damit auch perfekt zur Nachbearbeitung von Diagrammen aus Libre Office und aus anderen Grafikprogrammen. Dafür gibt es Importfunktionen für viele Dateiformate, etwa für Corel Draw (CDR), Adobe Illustrator (AI), Autocad (DXF) sowie PDF und EPS.

Tipp 1: Immer im Raster arbeiten

Üblicherweise sollen sich die Elemente einer Grafik oder eines Layouts an einem festen Raster orientieren, damit sich die Abstände und Proportionen exakt ausrichten lassen. Der erste Schritt bei einem neuen Entwurf ist deshalb immer, das Gitter in der Menüleiste unter „Ansicht“ einzuschalten und dort auch gleich die Option „Einrasten“. Ob das „Einrasten“ eingeschaltet ist, sehen Sie anhand der aktiven Symbole in der rechten Seitenleiste.

Tipp 2: Pixelgrafiken in Vektoren umwandeln

Eine der bemerkenswerten Fähigkeiten von Inkscape ist die Fähigkeit zum Vektorisieren von Pixelgrafiken. Sofern das Ausgangsmaterial nicht zu komplex ist, gelingt die Umwandlung gut. Um die Funktion zu nutzen, laden Sie die Grafik über „Datei -> Importieren“ und wählen dabei die Option „Einbetten“. Die Umwandlungsfunktion findet sich unter „Pfad -> Bitmap vektorisieren“. Der dazugehörige Dialog bietet eine Menge Optionen für unterschiedliche Ergebnisse. Die Scan-Optionen „Entlang eines Helligkeitswerts“, „Kantenerkennung“ und „Farbquantisierung“ erzeugen Schwarzweiß-Grafiken, wobei beispielsweise die „Kantenerkennung versucht, aus einem komplexen Motiv eine Strichgrafik zu erzeugen. Ein höherer Schwellenwert sorgt bei allen Optionen für eine genauere Abtastung und Detailtiefe. Eine stilisierte Umsetzung des Motivs gelingt mit der unteren Scan-Funktion„Mehrfache Scans -> Gruppe von Pfaden erzeugen“. Die Option „Helligkeitsschritte“ tastet das Bild anhand von Kontrasten ab, während „Farben“ das Bild anhand von Farbflächen stilisiert und „Graustufen“ eine monochrome Version erzeugt. Je mehr „Scandurchgänge“ eingestellt sind, desto genauer arbeitet die Abtastung. Ein Klick auf „Aktualisieren“ zeigt eine Vorschau an, und „OK“ übernimmt die Vektorgrafik in das Dokument.

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Der richtige Dreh: Mit „Duplizieren“ und „Transformationen“ richten Sie Objekte um ihre Rotationsachse herum aus.
Vergrößern Der richtige Dreh: Mit „Duplizieren“ und „Transformationen“ richten Sie Objekte um ihre Rotationsachse herum aus.

Tipp 3: Kreisförmige Anordnung von Objekten

Einen wichtigen Trick für die kreisförmige Anordnung von Elementen bietet die Funktion „Objekt -> Transformationen“. Um eine ausgewählte Form im Kreis anzuordnen, klicken Sie das Objekt zunächst doppelt an, um dessen Rotationsachse mit der Maus an die gewünschte Stelle zu ziehen. Um diese Achse herum können die Kopien des Objekts jetzt kreisförmig angeordnet werden. Dazu markieren Sie das Objekt, gehen auf „Objekt -> Transformationen“ und stellen im Transformationsdialog rechts unter „Drehung“ den Winkel ein, um welchen jede einzelne Kopie des Objekts gedreht werden soll. Klicken Sie dann auf „Bearbeiten -> Duplizieren“, um eine Kopie anzulegen, und dann rechts im angedockten Dialog auf „Transformationen -> Anwenden“. Abwechselnd klicken Sie weiter auf „Duplizieren“ und „Anwenden“, bis sich der Kreis mit den Kopien des Objekts schließt.

Tipp 4: Freihandpfade abrunden und vereinfachen

Per Freihand-Tool gezeichnete Formen und vektorisierte Pixelgrafiken wirken oft fahrig, da deren Pfad zu viele Knoten enthält. Einen geschwungen, runderen Pfad ohne Ecken und Kanten erhalten Sie mit einer reduzierten Zahl von Knoten. Einen ausgewählten Pfad vereinfacht die Funktion „Pfad -> Vereinfachen“ (Tastenkombination Strg-L). Die Reduktion erfolgt dabei in kleinen Schritten, die immer größer werden, je häufiger Sie die Funktion hintereinander aufrufen. Nach einer Pause von einer Sekunde werden die Schritte wieder kleiner.

Clipart direkt übernehmen: Inkscape bietet eine Schnittstelle zur Online-Bibliothek www.openclipart.org, die gemeinfreie Gebrauchsgrafiken für jeden Zweck bietet.
Vergrößern Clipart direkt übernehmen: Inkscape bietet eine Schnittstelle zur Online-Bibliothek www.openclipart.org, die gemeinfreie Gebrauchsgrafiken für jeden Zweck bietet.

Tipp 5: Cliparts suchen und einfügen

Kostenlose Clipart-Grafiken zur uneingeschränkten Verwendung, sind eine Seltenheit. Eine in Sachen Lizenzierung vertrauenswürdige Quelle ist www.openclipart.org . Alle dort verfügbaren Grafiken sind Public Domain und dürfen beliebig verwendet werden – auch kommerziell. Die Grafiken liegen als SVG vor und wurden zumeist mit Inkscape erstellt. Zudem verfügt Inkscape bereits über eine Schnittstelle zu dieser Bibliothek unter „Datei -> Import aus der Open Clip Art Library“. Hier können Sie mit Stichwörtern in der Bibliothek stöbern – vorzugsweise mit englischsprachigen Suchbegriffen. Die Ergebnisliste zeigt ein kleines Vorschaubild, und ein Klick auf „Öffnen“ holt die Grafik in das Dokument.

Einführung: Funktionen und Fähigkeiten von Inkscape

Wer keine Erfahrung mit Inkscape hat, aber einen Editor für Vektorgrafiken zumindest für gelegentliche Ausgaben benötigt, bekommt in der freien Online-Bibliotheken von Wiki Books einen kurzweiligen Einstiegskurs. Eine umfangreiche Dokumentation mit Benutzerhandbuch, FAQ und Anleitungen speziell für Illustrator-Umsteiger liefert das offizielle Wiki .. Im Web gibt es zudem englischsprachige Anleitungen zuhauf, etwa unter http://inkscapetutorials.wordpress.com . Einziges Problem ist, dass die deutschen Bezeichnungen der Menüpunkte erheblich von der englischen Version abweichen.

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