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Im Vergleich: Heizungssteuerung mit dem iPhone

07.05.2015 | 14:36 Uhr |

Hohe Heizkostennachzahlung? Mit intelligenter Heizungssteuerung und dem iPhone soll das Heizen günstiger und deutlich komfortabler werden. Ein Test.

Die Nebenkostenabrechnung zeigt gerade nach einem strengen Winter, wie teuer wohlige Wärme im Winter sein kann. Intelligente Heizungssteuerung in Kombination mit einer iPhone-App und künstlicher Intelligenz verspricht, die Wohnung oder das Haus cleverer, komfortabler und vor allem viel günstiger zu heizen. Im Frühsommer ist die richtige Zeit, sich für die nächste Heizperiode zu rüsten. Denn nicht jeder Winter verläuft so mild wie der letzte.

Die Heizungssteuerungen von Tado und Netatmo versprechen Abhilfe, denn mit ihnen lässt sich die Heizung per iPhone aus der Ferne regeln, und clevere Steuerungsalgorithmen versprechen mehr Komfort und noch dazu eine Kosteneinsparung. Allerdings kann nicht jeder die Thermos­tate von Tado oder Netatmo nutzen, denn beide Produkte können nur komplette Heizungsanlagen über einen zentralen Thermostaten, nicht aber einzelne Heizkörper regeln. Wer also über Fernwärme heizt, in einem Mehrfamilienhaus mit Zentralheizung lebt oder einfach viele Räume hat, geht leider leer aus.

Nur für manche Heizungen geeignet

Wir testeten beide Lösungen im kalten Februar in einer Mietwohnung mit eigener Gasetagenheizung. Diese ist auch der ideale Einsatzort für unsere Testkandidaten: Üblicherweise werden diese Anlagen mit einem elektrischen Thermostaten gesteuert, der in dem Raum angebracht ist, in dem man sich am häufigsten aufhält. Diese Thermostate machen nichts anderes, als über einen Kontakt die Heizung aus- oder einzuschalten. Grundsätzlich lassen sich vielerlei Heizungen auf diese Weise steuern, natürlich auch Öl-, oder Pelletheizungen in Einzelhäusern oder auch Wärmepumpen. Beide getesteten Lösungen setzen auf eine intelligente Steuerung, die sich mithilfe einer iPhone-App beeinflussen lässt.

Unabdingbar für beide Produkte ist der Kompatibilitätscheck über die Website des Anbieters. Hier ist Tado mit etwas flexibleren Anschlussmöglichkeiten vorn: Unsere Heizung wurde sofort als kompatibel erkannt, bei Netatmo hingegen musste erst der Support bemüht werden, der uns auch gleich mitteilte, wie wir den Anschluss vornehmen mussten.

Erst schrauben, dann heizen

Die Tado-Lösung besteht aus zwei Elementen: Eine kleine Bridge wird per Ethernet an den Router angeschlossen, der ganze Rest steckt in einem per WLAN angebundenen Kasten, den wir in unserem Fall gegen den vorhandenen Thermos­taten der Gasheizung tauschen konnten. Bei einigen Anlagen ist allerdings ein zusätzliches "Extension Kit" notwendig.

Wer beim Anblick der Anschlüsse an der Heizungsanlage in Ehrfurcht erstarrt, sollte sich nicht selbst an die Installation wagen. Letztlich war es aber nicht wirklich schwer, die passenden Anschlüsse zu finden und mithilfe der App Kontakt herzustellen.
Vergrößern Wer beim Anblick der Anschlüsse an der Heizungsanlage in Ehrfurcht erstarrt, sollte sich nicht selbst an die Installation wagen. Letztlich war es aber nicht wirklich schwer, die passenden Anschlüsse zu finden und mithilfe der App Kontakt herzustellen.

Durch die Installation führt sehr detailliert eine Webanwendung, doch die gibt es unverständlicherweise erst dann zu sehen, wenn man die Geräte bereits hat und einen Account angelegt hat. Und wehe, es geht etwas schief, denn man bekommt die Anleitung nur ein einziges Mal zu sehen. Ein deutliches Minus für alle, die vorab sehen möchten, ob sie sich die Montage zutrauen oder lieber den Installationsservice in Anspruch nehmen wollen.

Tado Smart Thermostat

Die Tado-App ist betont simpel gehalten und informiert zunächst nur über die einzuhaltende Temperatur und vermeintliche Einsparungen. Kippt man das iPhone auf die Seite, bekommt man einen Tagesbericht über Temperaturen und Einstellungen. Die Einschaltdauer der Heizung zeigt die App leider nur, wenn man eine Taste festhält. Die Einstellungen sind übersichtlich, doch wir hätten uns etwas mehr Möglichkeiten zum Finetuning gewünscht.

Bei Netatmo gibt es ein Relais, das wir erst nach Rücksprache mit dem Support direkt an die Heizung anschließen konnten – ein Ersatz des vorhandenen Thermostaten war so leider nicht möglich, was andererseits kein Beinbruch war, weil das Relais per WLAN mit dem eigentlichen Thermostaten kommuniziert. Allerdings: Hätten wir uns nicht mit dem Support in Verbindung gesetzt und noch etwas im Forum gewühlt, hätten wir es mit den eher schlichten Anleitungen nicht geschafft. Mit Ruhm bekleckern tun sich jedenfalls beide Kandidaten nicht, doch wer weiß, an welchem Ende man einen Phasenprüfer anfasst, dürfte die Hürde meistern.

Netatmo Thermostat

Der recht schicke Thermostat von Netatmo darf überallhin mitgenommen werden und zeigt auf seinem E-Paper-Display die Temperatur. Die iPhone-App ist sehr übersichtlich und regelt die Frage nach der Anwesenheit manuell. Zusätzlich lassen sich fein unterteilte Zeitpläne für Leute mit geregeltem Tagesablauf erstellen. Berichte über die Raumtemperatur und Heizdauer lassen sich leicht einsehen, zusätzlich sendet Netatmo monatlich einen "Energiereport".

Heizung mit Internet-Anschluss

Ist die Hardwareinstallation erst mal gemeistert, muss man bei beiden Anbietern einen Internet-Account nutzen, um die Heizung auch per iPhone steuern zu können. Im Grunde versprechen beide in etwa das Gleiche: Die Steuerung soll "intelligent" werden, misst die Temperatur im Innenraum und steuert die Heizungsanlage. Dabei beachtet sie Zeitpläne, die man frei konfigurieren kann und die beispielsweise über Nacht automatisch die Temperatur senken.

Dabei wird sogar der Wetterbericht beachtet – bei Netatmo auf Wunsch auch die eigene Wetterstation –, um bei mildem Wetter nicht überflüssig zu heizen und an kalten Tagen genügend Gas zu geben. Beide Steuerungen brauchen einige Tage, um zu lernen, wie schnell die Heizung die Räume erwärmt, und damit die Temperatur genauer zu halten. Beide Steuerungen lassen sich in Grenzen am Thermostaten selbst regeln, entfalten ihre wahren Fähigkeiten aber erst dann, wenn man sie per Web oder besser noch per iPhone-App steuert.

Tado setzt auf Anwesenheit

Und bei der iPhone-Steuerung treibt Tado es insofern besonders weit, als die App verspricht, die Temperatur automatisch herunterzuregeln, sobald man mit dem iPhone in der Tasche das Haus verlässt, und auch rechtzeitig wieder zu erhöhen, wenn man sich auf den Weg nach Hause macht. Dafür nutzt die App das sogenannte "Geofencing", das auf dem GPS-Empfänger des iPhones basiert. Die hier geteste Lösung nutzt das neue Thermostat des Anbieters, die erste Version hatten wir 2013 getestet .

Für Bewohner ohne Smartphone lässt sich ein eigener Zeitplan definieren, der die Anwesenheitsregelung überstimmt.
Vergrößern Für Bewohner ohne Smartphone lässt sich ein eigener Zeitplan definieren, der die Anwesenheitsregelung überstimmt.

Das klingt gut, konnte im Test allerdings nicht immer überzeugen, denn die Absenkung der Temperatur hängt davon ab, wie weit man sich von zu Hause entfernt. Geht man nur zum Griechen um die Ecke, bollert die Heizung fröhlich weiter, kommt man mit dem Auto nach längerer Zeit von weit her angefahren, ist die Wohnung dagegen garantiert noch nicht wieder warm. Wir wünschten uns ein ums andere Mal, es gäbe einen Schalter, um die App bei der Anwesenheitsfrage zu überstimmen, doch das geht nur, wenn man komplett auf manuelle Steuerung umstellt. Und wenn einer der Mitbewohner kein Smartphone hat und sich nicht in die Anwesenheitsregelung einbeziehen lässt, muss ein Zeitplan herhalten, denn auch am Thermostaten selbst lässt sich die Anwesenheit dummerweise nicht an- oder ausstellen.

Netatmo für Kontrollfreaks

Statt auf GPS vertraut Netatmo auf Handarbeit, denn die App besitzt zwei simple Schalter für Abwesenheit und reinen Frostschutz – wobei man natürlich gern einmal vergisst, sie rechtzeitig zu betätigen. Netatmo zeigt sich etwas flexibler im Anlegen verschiedenster Zeitpläne, in denen man seine gewünschten Temperaturen und Zeiten fein aufgliedern kann. Richtig gut funktioniert dies vor allem für Leute mit sehr fest gefügten Tagesabläufen, bei allen anderen kann es aber auch einige Verwirrung stiften.

Man kann Temperaturen definieren, die sich dann im fein definierbaren Zeitplan nutzen lassen.
Vergrößern Man kann Temperaturen definieren, die sich dann im fein definierbaren Zeitplan nutzen lassen.

Also regelt man viel manuell, was aber sehr gut geht, denn der Thermostat lässt sich überall aufstellen, zeigt die Soll- und die Ist-Temperatur und steuert die Temperatur über eine kleine Wippe. Manuell geregelte Temperaturen bleiben immer nur für eine einstellbare Zeit gültig, bevor die Steuerung wieder zum Plan zurückkehrt.

Fazit: Lohnt sich die Heimautomation?

Wirklich perfekt ist weder die Lösung von Tado noch die von Netatmo. Beide passen nicht für alle Heizungen, beide regeln die Temperatur nur pauschal fürs ganze Haus und nicht für individuelle Räume, beide sind nicht ganz ohne Probleme zu installieren und lassen kleinere Wünsche bei der Bedienung offen. Doch andererseits gelang es beiden, nach überstandener Experimentierphase für ein sehr angenehmes, gleichmäßiges Raumklima zu sorgen. Nach einer Weile nimmt man die Steuerung kaum noch wahr.

Während ein Komfortgewinn also durchaus vorhanden ist, ist die Frage nach den möglichen Einsparungen durch die effizientere Steuerung schon schwieriger zu beantworten. Die Tado-Steuerung lässt sich zwar auch mieten, kostet im Kauf aber immerhin 249 Euro, während Netatmo mit 179 Euro etwas günstiger daherkommt. Doch beide Investitionen müssen sich erst einmal amortisieren, denn wegen der pauschalen Regelung mit nur einem Thermos­taten taugen beide Produkte letztlich nur für kleinere Objekte wie etwa Mietwohnungen, nicht aber für größere Häuser mit vielen Räumen.

Andererseits ist der Preis aber nicht so hoch, dass man wirklich davor zurückschrecken müsste. Allein die Möglichkeit, ganz cool vor der Rückreise schon mal per iPhone die Wohnung vorzuheizen, wiegt die Kosten allemal auf.

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Smart Home umschreibt einen der vermutlich am stärksten wachsenden Trends der Zukunft: Intelligente Geräte und Haus-Steuerungssysteme, die Ihnen Ihr Leben erleichtern sollen. Denkbar und vielfach bereits erhältlich sind dabei Lösungen wie Einbruchschutz oder Sets zum Stromsparen. Oder Intelligente Systeme zur Hausbelüftung oder Heizungssteuerung. Smart TVs bringen das Internet ins Wohnzimmer und Waschmaschinen lassen sich per App steuern. Über intelligente Stromzähler haben Sie mit einem Blick aufs Smartphone den aktuellen Stromverbrauch im Griff. Sie sehen, die möglichen Anwendungen sind vielfältig. In diesem Themenbereich widmen wir uns dem Thema Smart Home, erklären, wie die Technik funktioniert und wie intelligent vorhandene Lösungen am Markt wirklich sind.

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