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Rechenzentrum aus der Box

04.12.2008 | 10:01 Uhr |

Es mag verrückt klingen, könnte aber das nächste große Ding werden: Das Rechenzentrum gibt es fix und fertig im Container, komplett mit Rechnern und Kühlsystemen. Den Datenzentren liegt ein modulares Konzept zugrunde, das neben vielen Vorteilen auch ganz eigene Probleme mitbringt.

So stellt sich IBM sein Container-RZ vor.
Vergrößern So stellt sich IBM sein Container-RZ vor.
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Das Rechenzentrum im Container ist keine Zukunftsmusik mehr. Bei namhaften Herstellern wie IBM, Sun und Rackable Systems kann man die handlich verpackten Data Center schon kaufen. In der Größenordnung eines Schiffscontainers können Hunderte oder sogar Tausende von Servern Platz finden. So stellt zum Beispiel Microsoft gerade nahe Chicago ein gigantisches Rechenzentrum auf die Beine, das in über 150 Containern jeweils bis zu 2000 Server versammelt. Auch Google ist auf den Geschmack gekommen und hat sich bereits ein Patent auf "einen modularen Transportcontainer und ein Computersystem innerhalb dieses Containers" gesichert.

Enorme Vorteile dieser Rechenzentren in der Box liegen in der schnellen Einrichtung und einfachen Administration. Erste Unternehmen, die solche Systeme einsetzen, bestätigen den geringen Verwaltungsaufwand und das rasche Setup. "Wir glauben deshalb nicht mehr an das traditionelle Data Center - es wird sterben", sagt Geoffrey Noer, Vice President von Rackable Systems, Hersteller des modularen Container-Rechenzentrums ICE Cube . Außerdem sollen die gut verpackten Rechner angeblich energieeffizienter arbeiten. Dies ist allerdings bisher nicht bestätigt. IBM hat das eigene "Portable Modular Data Center" hinsichtlich des Energieverbrauchs durchleuchtet und kam zu dem Schluss, dass es den gleichen Effizienzlevel erreicht wie ein normales Rechenzentrum im Unternehmen. Auch wenn sich bei IBM der Energieverbrauch also so einfach nicht senken lässt, verweist der Hersteller doch auf seine Green-IT-Initiativen, die durch den modularen Aufbau des Rechenzentrums unterstützt werden. Die Vorteile liegen hier allerdings im standardisiertem Aufbau und vordefinierten Komponenten, mit denen das Container-Rechenzentrum punkten kann. Die Module müssen dabei aber keineswegs in einem Container stecken. "Wir unterstützen Container-basierte Rechenzentren nur bedingt", wiegelt Steve Sams, Vice President bei IBM Global Technology Services, ab. Weil sie den verfügbaren Raum hervorragend ausnutzen, bieten sich die Container für ein Rechenzentrum an. Wer sein fest installiertes Rechenzentrum aber ebenso effizient gestaltet, wird keinen Unterschied feststellen können.

Kühlung kaum skalierbar

Auch Sun steigt mit seinem 'Modular Data Center' voll ins Containergeschäft ein.
Vergrößern Auch Sun steigt mit seinem 'Modular Data Center' voll ins Containergeschäft ein.
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Rechenzentren in der Box werden von den Herstellern gern als kostengünstig beworben. Die Containerbauer geben gerne bis zu 80 Prozent niedrigere Kühlkosten an. Verschwiegen wird dabei aber, dass diese Rechnung auf dem Vergleich eines hervorragend bestückten Containers mit einem veralteten, klassischen Rechenzentrum beruht. Und bei der Kühlung macht sich auch ein großes Problem bemerkbar: Hier ist die Effizienz eben nicht gerade groß, weil jede Box separat gekühlt werden muss. In einem Gebäude ist es dagegen möglich, mehrere Räume über Klimaanlagen zu verbinden. Von Skalierbarkeit kann bei der Container-Kühlung also keine Rede sein, so Sams.

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