Illegales Drucken

Kann man eigentlich Geld drucken?

Donnerstag den 12.07.2012 um 09:10 Uhr

von Ines Walke-Chomjakov

Bildergalerie öffnen Banknoten drucken: legal oder illegal?
Banknoten, Urkunden, Zeugnisse: Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, ob man das einfach drucken oder kopieren kann. Wir sind der Sache nachgegangen.
Was verboten ist, ist bekanntlich besonders verführerisch. Zum Beispiel das Drucken von Geldscheinen. Laut Strafgesetzbuch ist das reine Vervielfältigen nicht strafbar, vielmehr aber das Verbreiten solcher Geldscheine oder das Vervielfältigen mit der Absicht, die Geldscheine dann auch in Umlauf zu bringen. Den genauen Gesetzeswortlaut zum Thema Geldfälschung finden Sie unter Paragraph 146 .

Allerdings greift in dieser Frage neben dem Strafgesetz auch das Gesetz über Ordnungswidrigkeiten. Danach handelt ordnungswidrig, wer Drucksachen herstellt, die sich mit Zahlungsmitteln verwechseln lassen. Gleichzeitig riskiert auch jemand, der einen gefälschten Schein nicht als solchen erkennt, eine Ahndung . Die Rückfrage von PC-WELT bei Juristen ergibt: Gegen Scheine, bei denen man auf den ersten Blick sieht, dass sie keine echten Zahlungsmittel sind, ist wohl nichts einzuwenden. Allerdings nur für den privaten Gebrauch und nie in der Absicht, diese in der Öffentlichkeit zu verwenden.

Rein rechtlich scheint also alles klar: Geldscheine dürfen Sie nicht drucken oder kopieren. Aber geht das technisch überhaupt oder haben die Druckerhersteller in die Geräte Vorsichtsmaßnahmen eingebaut, die das Drucken, Scannen und Kopieren von Geldscheinen verhindern? PC-WELT macht eine Stichprobe.

Geld kopieren per Tinten-Multifunktionsgerät

Zuerst testen wir bei zwei Multifunktionsgeräten, ob sich ein Geldschein kopieren lässt. Wir legen einen Zehneuroschein auf das Scannerglas des jeweiligen Geräts und drücken die Taste für die Farbkopie. Beide Kombigeräte gehorchen ohne Murren. Hier sind auf jeden Fall keine Sperren hinterlegt, um den Vorgang zu unterbinden. In beiden Fällen erhalten wir einen kopierten Schein, der in der Farbgebung dem Original zumindest ähnelt. Allerdings fehlen den Kopien natürlich wichtige Merkmale wie Sicherheitsfaden, Wasserzeichen oder Hologramm. Auch das Papier eines Geldscheins fühlt sich ganz anders an als das von uns verwendete Normalpapier. Trotzdem ist ncht ganz auszuschließen, dass das Druckbild den unaufmerksamen Betrachter einen Augenblick irritiert. 

Dass nicht jedes Kombigerät automatisch eine Banknote kopiert, zeigen Berichte im Netz. Hier beschreiben Anwender, dass manche Multifunktionsgeräte die Vorlage sehr wohl als Geldschein erkennen. Sie drucken diesen zwar aus, versehen ihn aber gleichzeitig mit dem Vermerk „Muster“. Damit sind die Kopien eindeutig als solche gekennzeichnet. Eine Maßnahme gegen Missbrauch.

Scannen und Drucken von Banknoten

Schon beim Scannen erkennen manche Programme wie hier PS
Elements Banknoten und zeigen eine Warnung.
Vergrößern Schon beim Scannen erkennen manche Programme wie hier PS Elements Banknoten und zeigen eine Warnung.

Das Scannen von Geldscheinen ist weitaus kniffliger als das Kopieren. Der Grund: In den Bildbearbeitungsprogrammen und Scanner-Treibern sind oft Sperren hinterlegt. Die Programme erkennen die Vorlage auf dem Scannerglas als Banknote. So etwa meldet Adobe Photoshop Elements schon beim Digitalisieren: „Das Drucken von Banknotenbildern wird von dieser Anwendung nicht unterstützt.“ Der Scan lässt sich fortsetzen, aber aus dem Programm lässt sich das eingescannte Bild nicht ausdrucken.

Alternativ versuchen wir es über die Hilfsprogramme, die die Hersteller den Kombigeräten beilegen. Hier funktioniert der Scan ohne Warnmeldung. Als wir drucken wollen, verändert das Tool aber ohne Nachfrage die Größe der Vorlage. Ein Druck in Originalgröße gelingt nicht, was auch als gewisse Vorsichtsmaßnahme anzusehen ist.

Geldscheine aus dem Kopiersystem

Der Kopierer erkennt die Banknote und warnt vor dem
Druck.
Vergrößern Der Kopierer erkennt die Banknote und warnt vor dem Druck.

Eine weitere Stichprobe machen wir mit Hilfe des Abteilungs-Kopierers. Wieder legen wir einen Schein aufs Scannerglas und drücken die Taste für Farbkopie. Und siehe da: Der Vorgang wird mit der Meldung unterbrochen: „Vervielfältigung dieses Originals ggf. verboten. Bitte Original prüfen.“ Hier ist also eine Sperre eingebaut, die erkennt, was auf dem Scannerglas liegt. Mehr noch: Als wir trotzdem kopieren, erhalten wir eine Farbkopie, die extra gegraut ist. Das ist eine klare Sicherheitsmaßnahme, um das Geldscheindrucken zu unterbinden, indem das Scan-Ergebnis sich sehr deutlich vom Original unterscheidet.

Das sagen Hersteller zum Thema "Geld drucken"

Epson: Der Scan markierter oder anderweitig geschützter Vorlagen (beispielsweise Geldscheine) mit Epson Scan, dem Standardprogramm bei Epson Scannern und Multifunktionssystemen, ist nicht möglich. Der Scan bricht ab und Sie erhalten eine Warnmeldung mit einem Link zu www.rulesforuse.org . Eine Kopie direkt am Gerät, ohne Umweg über den PC, ist hingegen bei mindestens einem Epson-Gerät möglich.

Fazit: Geld drucken - auf günstigen Geräten geht's ganz einfach

In unserer Stichprobe erweist sich das Kopieren eines Geldscheins auf einem Multifunktionsgerät für Privatanwender einfacher als gedacht. Erstaunlich, denn auf Nachfrage stufen die Hersteller dieses Thema als hoch sensibel ein. Im Test wird das Scannen konsequenter unterbunden als das Kopieren. Das liegt jedoch an den Sperren in der Software. Sobald man diese umgeht - etwa beim direkten Kopieren über das Gerät, funktioniert es. Profi-Drucksysteme wie unser leistungsfähiger Firmen-Kopierer sind am konsequentesten mit Maßnahmen gegen Missbrauch ausgerüstet.

Donnerstag den 12.07.2012 um 09:10 Uhr

von Ines Walke-Chomjakov

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