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Raubkopien aus dem Web

Profis finden entsprechende Download-Links für illegale Software jeder Art ganz einfach per Suchmaschine. Allerdings erst nach einer virtuellen Reise nach Russland und China.

Von Peter-Uwe Lechner

Reine Zeitverschwendung ist es, das deutsch- und englischsprachige Web nach illegaler Software zu durchforsten. Eine Suche auf Google.de beispielsweise nach den Begriffen „nero + warez“ liefert zwar ausgiebige Trefferlisten, in der Regel landet man aber in Endlos-Schleifen mit nervenden Pop-ups und Voting-Seiten, die nur ein Ziel haben: Die Site-Betreiber bekommen von Sponsoren und Werbe-Netzwerken Geld für die so erzielten Klicks.

Zudem wird oft auch versucht, PCs per Script zu attackieren und etwa mit Backdoors zu infizieren. Wer dennoch im Web nach seiner bevorzugten Software suchen möchte, findet auf chinesischen und russischen Servern prall gefüllte Archive. Filme gibt‘s zwar ebenfalls, meist handelt es sich aber um englischsprachige Movies mit Untertiteln in bescheidener Qualität. Hier ist und bleibt das Usenet unangefochten die Download-Quelle Nummer 1.

Einen Vorteil hat die Websuche: Man ist im Gegensatz zum Filesharing mit entsprechenden Tools vollkommen anonym unterwegs und braucht im Vergleich zum Usenet nichts zu bezahlen. Einzig ein schneller DSL-Anschluss und die übliche Software-Ausstattung wird benötigt (siehe Kasten „Software-Ausstattung für Warez-Profis“). Als Suchmaschine reichen www.google.cn (China) und www.google.ru (Russland) aus. Ein Online-Übersetzer sorgt zumindest dafür, dass man die grundlegende Begriffe und Inhalte der Web-Seiten versteht. Für Firefox empfiehlt sich die kostenlose Extension Translator 1.0.4.3 , mit der sich geöffnete Web-Seiten per Kontextmenü der rechten Maustaste in einem neuen Tab übersetzen lassen.

Wer schon mal Urlaub in einem asiatischen Land gemacht hat, kennt die unzähligen DVD- und Software-Shops auf den Einkaufsstraßen, gleich neben dem Rolex und Gucci-Händler des Vertrauens. Zu kaufen gibt‘s quasi alles, was bekannt ist und sich reger Nachfrage erfreut – natürlich illegal, dafür aber meist für weniger als 5 Euro für die aktuelle Kino-Top-5-Kollektion und keine 3 Euro für Microsoft Office 2007.
Dafür bekommt man Datenträger mit billig nachgemachten DVD-Labels und schäbigen DVD-Covern aus dem Tintenstrahldrucker, auf Echtheitszertifikate verzichten die Produktpiraten in der Regel. Dass es sich bei der Software in der Regel um Kopien der englischsprachigen Originale handelt, stört versierte Anwender wenig. Oft hat man sogar Glück und bekommt eine multilinguale Version, die auch deutsch spricht.

Kein Wunder, dass vor allem das asiatische Web-Angebot reich bestückt ist und neueste Software quasi frei Haus liefert. Im Angebot sind 1:1-Raubkopien im ISO-Format zum Brennen auf CD und DVD oder Cracks zum Freischalten von Testversionen.

Doch auch russische Websites sind randvoll mit allerlei Verbotenem. Ob extrem jugendgefährdende Bilder, Raubkopien neuester Software und Filme oder Chart-Hits im MP3-Format: Auch In Russland schert sich kaum einer um den Urheberrechtsschutz.

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