IT-Infrastruktur

Managed Hosting: Vorteile und Nachteile

Samstag, 28.12.2013 | 08:24 von Patrick Pulvermüller
Auf den eigenen Server zu verzichten und stattdessen auf Managed Hosting zu setzen, kann für Unternehmen von Vorteil sein.
Vergrößern Auf den eigenen Server zu verzichten und stattdessen auf Managed Hosting zu setzen, kann für Unternehmen von Vorteil sein.
© Managed Hosting erklärt
Managed Hosting ist eine Alternative zum klassischen Server-Betrieb im Unternehmen. Diese Lösung verspricht vor allem Flexibilität und Skalierbarkeit.
Für laststarke Webseiten und unternehmenskritische Webapplikationen sind weder die Standard-Hostingangebote geeignet noch die Anmietung einzelner dedizierter Root-Server. Wer wirklich Ausfallsicherheit, Performance und Flexibilität braucht, benötigt eine Infrastruktur, die auf seine individuellen Anforderungen zugeschnitten ist.
 
Dafür gibt es zwei Lösungswege: Sie bauen die Infrastruktur in Ihrem Unternehmen auf und kümmern sich selbst um deren Unterhalt beziehungsweise betreiben diese als Co-Location in einem Rechenzentrum. Oder sie nutzen ein Managed Hosting-Angebot, wie es verschiedene Hoster anbieten. Solch eine Managed Hosting-Lösung hilft Unternehmen, den steigenden Ansprüchen an Verfügbarkeit und Performance gerecht zu werden – ohne dafür selbst zum Rechenzentrumsbetreiber werden zu müssen.
 
Was ist Managed Hosting?
 
Beim Managed Hosting mietet der Kunde nicht nur die IT-Infrastruktur, sondern lässt diese auch in einem festgelegten Umfang vom Dienstleister betreiben. Managed-Hosting-Lösungen sind immer individuell für den Kunden zusammengestellt. Sie umfassen stets mehrere dedizierte Server sowie weiterführende Komponenten und Services wie und Load Balancing- und Hochverfügbarkeits-Setups, Switches, Firewalls, Monitoring, Backup und Patchmanagement.

Überblick der Zuständigkeiten bei Co-Location, Managed
Hosting und komplett ausgelagertem Betrieb.
Vergrößern Überblick der Zuständigkeiten bei Co-Location, Managed Hosting und komplett ausgelagertem Betrieb.
© Host Europe

Beim Managed Hosting übernimmt der Dienstleister die alle Arbeiten für die Bereitstellung und den Betrieb von Internet-Anbindung, Hardware, Betriebssystem und Datenbanken. Er garantiert das Funktionieren der gesamten Infrastruktur – und muss zahlen bei Nichteinhaltung der vereinbarten Service Level Agreements (achten auf diesen Punkt in den AGBs, bevor Sie einen Vertrag abschließen). Je nach Anspruch lassen sich für Managed-Hosting-Lösungen auch individuelle Internetanbindungen mit wesentlich höherer Bandbreite (bis zu 10 Gbit/s) realisieren. Auch wenn sich der Dienstleister um die Infrastruktur kümmert, so verbleibt die Pflege und Kontrolle der Web-Applikation selbst komplett in den Händen des Anwenders.
 
Wer sich für eine Managed Hosting-Lösung entscheidet, sollte eine Traffic-Flatrate vereinbaren und einen 24/7-Support für Hardware und Systemsoftware sowie einen Hardwareaustausch binnen einer möglichst kurzen Zeitspanne in den Vertrag schreiben. Der Kunde sollte auf persönlichen Ansprechpartnern in Vertrieb und Technik bestehen und eine Vertragsgestaltung haben, die ihm die Freiheit gibt, seine Infrastruktur jederzeit an geänderte Anforderungen anzupassen.
 
Service Level Agreements schaffen Transparenz und Sicherheit
 
Service Level Agreements sind ein wesentlicher Bestandteil der Leistungsbeschreibung eines Hosting-Providers und sollte bei der Kaufentscheidung gründlich berücksichtigt  werden. Dabei zählt nicht nur, was im Dokument steht, sondern eben auch, was hier gegebenenfalls nicht geregelt ist. Es schreibt die vom Dienstleister zu erbringenden Leistungen fest und bietet dem Kunden damit eine vertragliche Sicherheit. Die Nichteinhaltung eines Service Levels führt normalerweise zu einer Gutschrift für den Kunden. Folgende Leistungen sollten im Service Level Agreement in jedem Fall definiert sein:
 
* Verfügbarkeit des Netzwerks
* Verfügbarkeit der Hardware
* Benötigte Zeit für den Neustart eines Servers („Soft-Reboot“)
* Upgradegarantie auf neue Hardware / Tarifwechsel
* Wartungsfenster
 
Hochverfügbarkeit für Online-Händler

Für E-Commerce-Anbieter kann jeder Ausfall oder
Systemabsturz existenzielle Folgen für ihr Business haben. Daher
muss ihnen eine Hosting-Systemlösung nicht nur eine gute
Performance bei Lastspitzen bieten, sondern vor allem höchste
Verfügbarkeit und Session-Persistenz garantieren – und das rund um
die Uhr.
Vergrößern Für E-Commerce-Anbieter kann jeder Ausfall oder Systemabsturz existenzielle Folgen für ihr Business haben. Daher muss ihnen eine Hosting-Systemlösung nicht nur eine gute Performance bei Lastspitzen bieten, sondern vor allem höchste Verfügbarkeit und Session-Persistenz garantieren – und das rund um die Uhr.
© Host Europe

Nebenstehend wird eine Managed Hosting-Architektur vorgestellt, wie sie für anspruchsvolle E-Commerce-Anbieter geeignet sein könnte: Zwei Server im Cluster-Verbund garantieren die Hochverfügbarkeit der E-Commerce-Lösung. Im Normalbetrieb arbeitet ein Cluster Node als Webserver und der andere Cluster Node als Datenbankserver. Beim Ausfall eines Servers wird der Dienst sofort vom zweiten Server mit übernommen. Dokumente und Daten werden zentral auf ein Storage Area Network (SAN) ausgelagert. Bei steigenden Anforderungen kann diese Basis-Lösung flexibel mitwachsen, z. B. durch mehr Festplattenspeicher, mehr RAM, schnellere Prozessoren oder zusätzliche Server.
 
Vorteile von Managed Hosting :
* Flexible Skalierbarkeit, da Lösung sehr schnell und nahezu beliebig erweiterbar
* Breitbandige, redundante Anbindung an das Internet
* 24/7 Monitoring durch standardisierte Komponenten
* 24/7 Support für Hardware und Betriebssystem
* Unterbrechungsfreie Stromversorgung, redundante Klimatisierung, Gaslöschanlage und Zugangssicherung
* Austausch von defekter Hardware innerhalb kürzester Zeit (z.B. innerhalb von zwei Stunden)
* Zusätzliche Optionen für Backup, Firewall, etc.
* Rationelle Systempflege (Patchmanagement) durch standardisierte Hardware und Betriebssysteme
* Komplette Kontrolle durch Root- bzw. Administratorzugang
* Nutzung der stets aktuellen Technologien im Bereich Storage und Netzwerk
* Delegation aller Infrastrukturaufgaben erlaubt eine bessere Fokussierung auf das Kerngeschäft
 
Nachteile von Managed Hosting :
* Lösung kann nur mittels der angebotenen Hardware und Betriebssystemkomponenten realisiert werden
* Geringere Flexibilität für die Realisierung individueller Ideen
* Meist Mindestvertragslaufzeit von 12 Monaten
* Vertrauen zum Managed Hosting-Anbieter notwendig, da dieser die komplette Infrastruktur der eigenen unternehmenskritischen Anwendung verantwortet
 
Fazit zu Managed Hosting

Managed Hosting richtet sich insbesondere an Betreiber anspruchsvoller Internetlösungen. Dabei übernimmt der Dienstleister die Verantwortung für den Betrieb von Hardware, Rechenzentrum sowie Infrastruktur und garantiert die Einhaltung von Service-Levels. Der betriebswirtschaftliche Vorteil des Managed Hostings für den Kunden kann sich aus der Tatsache, dass der Anbieter ergeben, dass eine bestimmte Dienstleistung aufgrund von Skaleneffekten effizienter geliefert werden kann, als es der Kunde für sich in Eigenregie erbringen könnte. Dazu gehört beispielsweise der Einkauf von Hardware oder die Bereitstellung von technischem Personal. Bevor sich ein Unternehmen für die Inanspruchnahme eines Managed Hosting-Angebotes entscheidet, sollte es genau durchrechnen, ob sich dadurch wirklich Kostenvorteile gegenüber seiner in Eigenregie betriebenen Serveranlage ergeben.
 

Der Autor Patrick Pulvermüller ist Geschäftsführer des
Hosting-Anbieters Host Europe GmbH. Host Europe verwaltet laut
eigenen Angaben über vier Millionen registrierte Domains.
Vergrößern Der Autor Patrick Pulvermüller ist Geschäftsführer des Hosting-Anbieters Host Europe GmbH. Host Europe verwaltet laut eigenen Angaben über vier Millionen registrierte Domains.
© Host Europe

Mit Managed Hosting kann der Kunde umfangreiche Vorinvestitionen in technisches Equipment vermeiden, was insbesondere bei jungen Unternehmen die eigene Liquidität verbessert und das unternehmerische Risiko verringert.

Samstag, 28.12.2013 | 08:24 von Patrick Pulvermüller
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