Hosting

Internet-Anwendungen - in Eigenregie oder beim Hoster?

Der Betrieb von Internet-Anwendungen verlangt Kompetenz und Sicherheit. Nicht alle Unternehmen können aus eigener Kraft beides gewährleisten. Was sind die Kriterien für eine richtige Entscheidung pro oder contra Dienstleister?
Von Patrick Pulvermüller

Komplexe Internet-Anwendungen lassen sich entweder autonom im eigenen Rechenzentrum betreiben, in Eigenregie bei einem Co-Location-Anbieter oder als Managed-Hosting-Lösung. Viele Unternehmen stehen irgendwann vor der Entscheidung, wie sie ihre Internet-Anwendungen verwalten sollen. Neben klassischen Aspekten wie den Kosten spielen Verfügbarkeit und Zuständigkeiten eine Rolle. Drei Varianten kommen prinzipiell in Frage.
Eigenbetrieb
Beim Eigenbetrieb hat der Betreiber alle Freiheiten, aber auch die gesamte Verantwortung für den reibungslosen Betrieb. Er allein bestimmt die Rahmenbedingungen und kann seine Lösung nach Bedarf beliebig umgestalten und erweitern. Er kann die Lösung komplett nach eigenen Vorstellungen realisieren und hat freie Auswahl bei Hard- und Software-Lieferanten. Für Aus- und Umbauten hat der Betreiber schnellen und einfachen Zugriff auf die Server.
Die Eigenverantwortlichkeit hat jedoch auch eine Kehrseite. Denn der Betreiber ist auf der anderen Seite für alles verantwortlich und muss sich um alles kümmern: angefangen von der Stromversorgung über die Garantieverträge für die Hardware-Lieferanten bis hin zu den Sicherheitsvorrichtungen. Zudem muss sich die IT-Abteilung stets mit zahlreichen anderen Abteilungen abstimmen, beispielsweise mit der Gebäudeverwaltung, wenn bauliche Anpassungen notwendig sind. Das kann etwa dazu führen, dass die Bereitstellung einer neuen Lösung länger dauert als bei der Vergabe an einen Dienstleister, insbesondere wenn Server-Raum und Klimaanlage noch angepasst werden müssen.
Je nach Unternehmenskomplexität kann es zu Projektverzögerungen kommen, wenn auch noch weitere interne Abteilungen wie Gebäudeverwaltung, Klimatechnik, Stromversorgung, Personalwesen und Controlling einbezogen werden müssen. Hinzu kommen höhere laufende Kosten aufgrund höherer Stromtarife und ineffizienterer Klimatisierung. Nicht zu vergessen: Das Support- und Service-Personal muss rund um die Uhr vorgehalten und bezahlt werden. Das alles zieht zusätzliche interne Prozesse nach sich, die nicht unmittelbar zur Wertschöpfung des Unternehmens beitragen.
Co-Location
Co-Location bezeichnet die Unterbringung und Netzanbindung der eigenen Hardware im Rechenzentrum eines Dienstleisters. Der Co-Location-Anbieter organisiert und verantwortet den reibungslosen Betrieb des Rechenzentrums und der jeweiligen Infrastruktur. Entsprechend hat der Betreiber auch bei der Co-Location freie Wahl bei Hard- und Software-Lieferanten und kann die Lösung komplett nach eigenen Vorstellungen realisieren.
Im Gegensatz zum Eigenbetrieb profitiert er hier von der Infrastruktur und den Prozessen eines professionellen Rechenzentrums. Dazu gehören neben der breitbandigen, redundanten Anbindung an das Internet auch die komplette Infrastruktur mit Klimatisierung, unterbrechungsfreier Stromversorgung, Gaslöschanlage und Zugangssicherung.
Es gibt jedoch auch Nachteile beim Co-Location: So ist ein Monitoring und Support des Betriebssystems beziehungsweise der Anwendung durch den Dienstleister nicht oder kaum möglich, weil die Kundenlösungen individuell sind. Zudem ist der individuelle Kauf von Hard- und Software in der Regel teurer, da hier keine Skaleneffekte durch größere Stückzahlen realisiert werden können. Auch Umbauten und Erweiterungen müssen eigenverantwortlich und individuell vor Ort durchgeführt werden. Daraus resultiert der Zwang zu räumlicher Nähe zum Co-Location-Anbieter.
Zudem muss der Betreiber eine eigene 24/7-Rufbereitschaft organisieren, da bei Betriebssystem- und Anwendungsproblemen eigenes Personal erforderlich ist. Individuelle Lösungen und Prozesse sind notwendig für den Fall eines Hardware-Schadens beziehungsweise für Probleme, die einen lokalen Zugriff erfordern. Und es entstehen Mehrkosten durch das Vorhalten redundanter Hardware, um im Schadensfall längere Ausfallzeiten zu vermeiden.
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