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Herausragende Computer-Pioniere: 15 Unix-Entwickler

19.11.2016 | 09:03 Uhr |

Ohne Unix sähe unsere IT-Welt heute ganz anders aus. Wir stellen die 15 größten Unix-Pioniere vor und zeigen Ihnen was diese geleistet haben und wo sie derzeit tätig sind.

Unix, das Mehrbenutzer-Betriebssystem, wurde 1969 im Bell-Entwicklungszentrum von AT&T-Mitarbeitern entwickelt. Unix-Abkömmlinge und -Klone sind beispielsweise Berkeley Unix, Minix, Linux, AIX, A/UX, HP-UX und Solaris. Apples Mac OS X basiert auf der Berkeley Software Distribution (BSD) Unix. Diesr Artikel stellt die frühen Unix-Pioniere und ihre Errungenschaften vor.

Ken Thompson

Ken Thompson war der Co-Entwickler von Unix. Er arbeitete im Bell-Entwicklungszentrum von 1966 bis er im Dezember 2000 in den Ruhestand ging. Thompson schrieb die B-Programmiersprache, welche der Vorreiter der C-Sprache war, schrieb Unix in C neu und programmierte einige Zeit später Teile von Unix abermals neu, um Doug McIlroys Verkettungszeichen zu implementieren.

Dennis Ritchie (9. Sept. 1941 bis 12. Okt. 2011)

Dennis Ritchie war Mitentwickler des Unix-Betriebssystems und Schöpfer der C-Programmiersprache. Er arbeitete bei Bell von 1967 bis 2007, als er in den Ruhestand ging. Er schrieb unter anderem die Buch-Klassiker „Unix Programmer's Manual“ (1971) und „The C Programming Language“ (1978) mit Brian Kernighan.

Vor 40 Jahren entstand Unix

Joe Ossana (10. Dez. 1928 bis 28. Nov. 1977)

Joe Ossana arbeitete bei Bell von der Mitte der 1950er Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 1977. Er war Teil des Teams, das Multics entwickelte, das erste Timesharing-Betriebssystem von Bell und MIT. Dann arbeitete er zusammen mit Thompson, Ritchie und Rudd Canaday an der Programmierung von Unics, das später zu Unix wurde. Er wurde berühmt dafür, eine Version von nroff (welche troff hieß) geschrieben zu haben, die das neue Grafiksystem CAT Phototypesetter verwaltete. 1973 schrieb er das erste Unix-troff in der PDP-11 Assemblersprache und schrieb es 2 Jahre später in C neu.

Douglas McIlroy

Douglas McIlroy arbeitete von 1958 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1997 bei Bell. Er ist bekannt für die Entwicklung von Pipes/Pipelines und entwickelte auch zahlreiche Unix-Tools. Er hat viele Bücher und und Artikel in Fachzeitschriften geschrieben und herausgegeben und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Arbeit in der Computerindustrie. Derzeit hat Mcllroy eine Assistenzprofessur für Computer-Wissenschaften am Dartmouth College inne.

Peter Neumann

Peter Neumann arbeitete von 1960 bis 1970 im Bell-Entwicklungszentrum. Von 1965 bis 1969 arbeitete er im Multics Team. Er ist verantwortlich für die Planung des Dateisystems und arbeitete am Multics Input-Output-Design zusammen mit Thompson, Ossanna und Stan Dunten. Er publizierte zahlreiche Artikel und Arbeiten, darunter sein Buch „Computer Related Risks.“ Zusätzlich ist er der Moderator von RISKS Digest und der Gründungsverleger von ACM Software Engineering Notes. Neumann ist der Hauptwissenschaftler bei SRI seit 1971. Er gilt als ein Experte auf dem Gebiet der Computersicherheit und verfasste die Abhandlung „A Provably Operating System (PSOS).“

Rudd Canaday

Rudd Canaday arbeitete von 1964 bis 1989 bei Bell und ist als dritter Co-Entwickler von Unix aufgeführt. Seine Leistungen beinhalten viele Neu-Entwicklungen wie zum Beispiel den ersten Datenbankserver, die erste firmenweite Anwendung von Unix, die erste internationale Anwendung von Unix (unter AT&T), das erste automatische Prüfsystem, das erste automatische Assistenzprogramm für Dateiverzeichnisse und eines der ersten dreidimensionalen Dateisysteme. Canaday ist Mitgründer und derzeit Verwaltungsmitglied bei RHC Software.

Brian Kernighan

Brian Kernighan arbeitete bei Bell in dem Team, das Unix entwickelte zusammen mit Thompson, Ritchie und den anderen hier erwähnten Technikern. Er schrieb ein halbes Dutzend Bücher, darunter das erste Buch über die C-Programmiersprache zusammen mit Dennis Ritchie und er prägte den Begriff WYSIWYG. Kernighan ist Professor der Computer-Wissenschaften an der Princeton University.

Zehn fast vergessene Betriebssysteme

Michael Lesk

Michael Lesk arbeitete bei Bell von 1970 bis 1984 im Unix-Entwicklungsteam. Seine Beiträge beinhalten die Tools für Textverarbeitung und auch die für Programmumwandlung und den Netzwerkbetrieb. Zusätzlich schrieb er die Portable I/O Library und war Teil des Teams, das die Programmiersprache C entwickelte. Er verließ Bell, um die Forschungsgruppe bei Bellcore zu leiten. Heute ist Lesk  Professor der Bibliotheks- und und Informationswissenschaften an der Rutgers University.

Bill Joy

Im Jahre 1986 erhielt Bill Joy den Grace Murray Hopper-Award von der „Association for Computing Machinery“ (ACM) für seine Mitentwicklung am Berkeley-Unix-Betriebssystem (bekannt als BSD oder Berkeley Software Distribution Unix). Joys BSD Unix beinhaltete zudem die C-Konsole, den vi-Editor und eine Unterstützung für virtuellen Arbeitsspeicher, der es Programmen erlaubte über den physischen Arbeitsspeicher hinaus zu funktionieren. Joy wurde der Mitbegründer von Sun im Jahr 1982 und ist derzeit Partner der Wagniskapitalgesellschaft Kleiner, Perkins, Caufield und Byers.

David Korn

David Korn fing 1976 an bei Bell zu arbeiten. Er entwickelte die „Korn-Shell“ als Alternative zur C- und Bourne-Shell war. Außerdem entwickelte er UWIN, eine X/Open Library für Win32-Systeme. Er schrieb zwei Bücher und dutzende Arbeiten über Unix und dessen Fortentwicklung. Korn arbeitet noch immer bei AT&T.

Rob Pike

Rob Pike arbeitete von 1980 bis 2002 bei Bell als Mitglied des Unix-Teams. Zusätzlich zu seinen Beiträgen zu Plan 9, dem Inferno-Betriebssystem, und der Limbo-Programmiersprache schrieb Pike das erste Bitmap-Fenstersystem für Unix im Jahr 1981 und später entwickelte er mit an dem Blit-Grafikterminal für Unix. Des weiteren schrieb er Text-Editoren wie Sam und Acme und wirkte an dem Buch „The Practice of Programming and The Unix Programming Environment“ von Brian Kernighan mit. Pike ist derzeit Ingenieur bei Google.

Andrew Tanenbaum

Andrew Tanenbaum arbeitete zwischen 1979 und 1982 bei Bell. Er schrieb 1987 einen Unix-Klon, den er Minix nannte, um diesen auf einem IBM-PC zu nutzen. Minix (oder Mini-Unix) wurde ein weltweites Phänomen. Tanenbaum erhielt über zwei Dutzend Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden, außerdem publizierte er rund ein halbes Dutzend Fachbücher. Tanenbaum ist derzeit Professor für Computerwissenschaften an der Vrije Universität in Amsterdam.

PlayStation 4 mit Open-Source-Betriebssystem FreeBSD

Rick Rashid

1979 wurde Rick Rashid Professor für Computerwissenschaften an der Carnegie Mellon University. Sein Beitrag für Unix war die erste Version des Mach-Kernel, ein Ersatz für den „Micro Kernel“ für BSD Unix. Mach war die erste 64-Bit Version von Unix und wurde zusammen mit BSD die Basis für das Betriebssystem OS der „Open Software Foundation“(OSF/1), welche später der Betriebssystems-Ursprung für DEC/Compaq/HP, NeXTstep und Apple Mac OS X wurde. Heute ist Rashid Forschungsleiter bei Microsoft.

Gordon Bell

Gordon Bell war nicht bei Bell angestellt, arbeitete aber dennoch mit Thompson und Ritchie zusammen. Er arbeitete für 24 Jahre in der R&D bei der Digital Equipment Corp. Einer seiner größten Erfolge war seine Entwicklung des VAX-Minicomputers, welcher als Bester seiner Klasse galt. Er war die treibende Kraft hinter der Einführung und der Verbreitung von Unix in der wissenschaftlichen Gemeinschaft für Supercomputer und in der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA). Er gründete die Computerwissenschaften- und Ingenieurs-Abteilung des Nationalfonds, den er auch leitete. Derzeit arbeitet Bell für Microsoft.

Linus Torvalds

Im August 1991 veröffentlichte Linus Torvald im Usenet sein Linux-Betriebssystem, das auf Unix basierte. Er entwickelte den Linux Systemkern für einen 80386-Prozessor-PC, auf welchem das Minix-Betriebssystem und ein GNU C-Compiler lief. Die anderen für ein Betriebssystem nötigen Komponenten wie die Konsole, Compiler, Bibliotheken, Tools, etc. wurden von dem GNU-Projekt entwickelt und 1992 herausgegeben. Sobald alle Komponenten integriert wurden, war Linux offiziell geboren. Das Pinguin-Logo wurde 1996 hinzugefügt.

Dieser Artikel stammt von unserer Schwesterpublikation Infoworld.

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