13.04.2012, 10:34

Björn Lorenz

Heimautomation

Smart Home: Per App daheim mehr Komfort und Sicherheit

Moderne Systeme zur Heimautomation lassen sich per Smartphone-App von überall steuern und überwachen. ©HomeMatic

Steigende Energiepreise, mehr Komfort, ein höheres Sicherheitsbedürfnis – es gibt gute Gründe Heimautomation einzusetzen. Branchenexperten prophezeien dem Smart Home eine rosa Zukunft. Kommt „Home Control“ also endlich aus der Nische heraus?
Während im Auto heute von der Zentralverriegelung bis zum Fensterheber alles elektrisch und ferngesteuert ist, sieht es beim eigenen Zuhause noch ganz anders aus: Analoge Geräte sind bei der Hausautomatisierung nach wie vor ein Nischenprodukt. Das allerdings könnte sich bald ändern: Sinkende Preise und einfach zu installierende Lösungen sorgen für Aufbruchstimmung. Und durch die Verschmelzung mit dem Heimnetz lassen sich Heizung & Co sogar per PC, Smartphone oder Tablet von überall steuern.
Heimautomation ist der Oberbegriff für vernetzte Komponenten und Techniken. Dies können Steckdosen, Heizungsthermostate, Rauchmelder, Tür- oder Fensteröffner sein. Sämtliche „Smart Home“-Komponenten lassen sich zentral verwalten und steuern. Lange Zeit kamen dabei vor allem Zentralsteuerungen, Fernbedienungen oder Home Server zum Einsatz. Inzwischen geht der Trend zu stromsparenden Funkzentralen, die per LAN oder WLAN ins vorhandene Heimnetz eingebunden werden.

Heimautomation hat viele Vorteile: bequemer, sparsamer und sicherer

Angesichts rasant steigender Energiekosten locken die Anbieter vor allem mit Einspareffekten: Konstante Heiz- und automatische Ruhephasen sollen helfen, die Heizkosten zu senken. Sind nachts alle Standby-Verbraucher ausgeschaltet, sinkt auch der Stromverbrauch. Wie groß der Effekt tatsächlich ausfällt, hängt von der Ausgangssituation ab. Wer schon immer darauf achtet, Verbraucher in ungenutzten Räumen herunter zu regeln, spart weniger ein als der „Bequembürger“. Die Einstiegspreise für solche zentral gesteuerte Home Control-Starter-Sets liegen bei rund 500 Euro, die Investition lohnt sich daher eher langfristig.
Vorteil Nummer zwei ist die Bequemlichkeit: Wenn beim Aufstehen die Heizung im Bad bereits warm ist, steigt der Komfortfaktor. Der dritte Aspekt betrifft die Sicherheit. Bei den meisten Systemen gehören Sicherheitskomponenten wie Rauchmelder und Tür- beziehungsweise Fensterkontakte zur Standardausstattung. Bei Home Control-Lösungen mit IP-Integration bekommen Anwender Störungen direkt auf den Rechner oder aufs Smartphone.
Dass sich die Technologie bislang nicht auf breiter Front durchsetzen konnte, liegt vor allem an den vielen konkurrierenden Standards: KNX, Zigbee, Z-Wave. Die einzelnen Protokolle lassen sich – wenn überhaupt – nur mit hohem Aufwand kombinieren. Da jedes Home Control-System in sich ein Monopol ist, sind die einzelnen Komponenten zudem oft teuer. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Ferner sind bei vielen Lösungen Kabel- und Unterputzarbeiten erforderlich, was sich im Immobilienbestand und bei Mietwohnungen selten rentiert.
Smart Home: Bedienung per App von Smartphone oder Tablet
Doch inzwischen verschieben sich die Kräfteverhältnisse. Neue Player wie der Energiekonzern RWE bringen das Thema Hausautomatisierung mit einfacher Technik, günstigeren Preisen und viel Marketinggetöse in eine breitere Öffentlichkeit. Mitte des Jahres wird die Deutsche Telekom mit Partnern wie Miele, EnBW und Eon ihre „Smart Connect“-Plattform vorstellen.
Beim Kauf ist vor allem auf alltagstaugliche Geräte zu achten: Diese sollten leicht zu installieren, einfach zu bedienen, zuverlässig und zudem nicht zu teuer sein. Am einfachsten zu installieren sind funkbasierte Lösungen. Hier müssen lediglich die einzelnen Steuermodule an der Steuerzentrale angemeldet werden. Allerdings ist Funktechnologie nicht für jedes Haus geeignet. Mitunter sind die Entfernungen zu groß oder in bestimmten Räumen gibt es keinen Empfang.
Bei der Bedienung setzen sich zunehmend mobile Apps durch, mit deren Hilfe sich das Haus per Smartphone oder Tablet steuern lässt. Mit Blick auf die Zuverlässigkeit ist darauf zu achten, dass die Zentrale bidirektional mit den einzelnen Komponenten kommuniziert. Andernfalls kann das System nicht bestätigen, dass die Heizung wirklich aus ist.
Zu den beiden bekanntesten Lösungen gehören die „SmartHome“-Welt von RWE und „HomeMatic“ von eQ-3. Beide Systeme ähneln sich: Die einzelnen Module kommunizieren per Funk mit der Steuerzentrale. Diese ist via Ethernet ins Heimnetz eingebunden und lässt sich somit per PC, Smartphone oder Tablet ansteuern. Doch trotz aller Ähnlichkeit sind beide Systeme nicht miteinander kompatibel. Wer sich für eine Lösung entscheidet, bleibt dabei. Es lohnt sich also, im Vorfeld Preis und Komponenten zu vergleichen.
Steuern mit der Fritzbox: Geräte von AVM kommen im Sommer 2012
Einen etwas anderen Weg beschreitet AVM. Der durch die Fritzbox bekannte Telekommunikationsspezialist bringt voraussichtlich im Sommer zwei intelligente Steckdosen auf den Markt. Während das Modell Fritz Powerline 546E über die Stromleitung an das Heimnetz Anschluss findet, wird die Fritz DECT 230 über das Funktelefonnetz angesteuert. Per PC, Tablet oder Smartphone kann der aktuelle Stromverbrauch der angeschlossenen Geräte gemessen werden. Zudem lassen sich die Steckdosen aus der Ferne ein- und ausschalten. Der besondere Charme dieser Heimautomations-Lösung liegt darin, dass – außer der in vielen Haushalten ohnehin vorhandenen Fritzbox – keine Zentrale erforderlich ist.
Bei Einstiegspreisen von mittlerweile unter 500 Euro ist Heimautomation auch für Normalsterbliche interessant. Trotzdem sollte man im Einzelfall überlegen, ob es nicht auch ein elektrisches Thermostat oder eine simple Funksteckdose tut. Beide sind bereits bei Elektronikhändlern wie Conrad für einen Bruchteil der Kosten zu haben. Für Fritzbox-Besitzer lohnt sich unter Umständen zu warten, bis das Unternehmen seine intelligenten Steckdosen und den ebenfalls bereits vorgestellten Heizungsthermostat auf den Markt bringt.
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